922767

Netgear XE-102

04.06.2004 | 16:29 Uhr |

Internet aus der Steckdose ist vor rund fünf Jahren ordentlich gefloppt. Bis auf wenige Pilotprojekte in Nordrhein-Westfalen war von dieser interessanten Technik nicht viel zu sehen. In den eigenen vier Wänden feiert Powerline seine Wiedergeburt - und zwar auf erstaunlich einfache Weise.

Nicht oft hat die Macwelt-Redaktion bei Hardware-Tests in den Genuß eines echten Plug-and-Play-Feelings. Netgear als Spezialist für erschwingliche und einfache Netz-Hardware für den Hausgebrauch hat es allerdings geschafft. Erst vor wenigen Wochen gab die US-Firma den Einstieg in die Powerline-Hardware-Ecke bekannt, mit den entsprechenden Adaptern XE-102 liegen jetzt die ersten Produkte vor. In unserem Test versorgen wir ein Einfamilienhaus mit Erd- und Obergeschoß durch einen WLAN-ADSL-Modem-Router, ebenfalls von Netgear, mit einen T-DSL-2000-Zugang über den Provider GMX. Wireless-Clients, zwei Apple Powerbooks (1x Titanium G4 400 MHz, 1x Aluminium G4 1,25 GHz) sowie ein PC mit Windows XP (Service Pack 1) bekommen durch die Betondecke des Kellergeschosses, in dem der Router residiert, einwandfreien Kontakt mit der Verteilstation. Wandert jedoch eines der Powerbooks in das Obergeschoß, reicht die Sendeleistung des 802.11b-WLAN-Access-Points (Airport, 11 Mbit/s) nicht mehr aus, um durch die zweite Betonschicht in das Zielgebiet zu gelangen.

An dieser Stelle kommen die Powerline-Adapter von Netgear zum Einsatz. Im Keller steckt ein Powerline-Gerät in unmittelbarer Nähe zum Router in einer Steckdose. Vom Adapter aus führt ein gewöhnliches Cat5-Ethernet-Kabel zu einem Port des im Router eingebauten Switches. Powerline selbst hat eine theoretische Übertragungsrate von 20 Mbit/s, unter realen Bedingungen reicht es für etwa 5 bis 6 Mbit/s. Netgear legt den Powerline-Adaptern ein UTP-Ethernetkabel (Unshielded Twisted Pair) von etwa zwei Metern bei, was für durchschnittliche Anwendungen durchaus ausreicht. Als passendes Gegenstück steckt in einem Zimmer im Obergeschoss ein weiterer Adapter in der Steckdose, der wiederum per Ethernet ein Powerbook mit Daten vom Router versorgt. Nach der unkomplizierten Inbetriebnahme und Verkabelung klappt dann auch alles auf Anhieb: Netgears DSL-Router liefert per DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) eine IP-Adresse sowie die DNS-Informationen des Providers (Domain Name System) an das Powerbook. Anschließend lässt sich bequem im Internet surfen, in gleicher Qualität wie mit einer guten Airport-Verbindung. Überraschend ist das positive Testergebnis vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die erste Generation von Powerline-Adaptern für den Privateinsatz nicht die getrennten Phasen einer Hausinstallation überbrücken konnte. So haben sich die Adapter immer nur auf einer Etage erkannt, sobald ein Stockwerk dazwischen lag gab es keine Verbindung. Wie viele andere Hersteller hat Netgear die erforderliche Phasenkoppelung nun in die Endgeräte eingebaut, ein separater Eingriff am Sicherungskasten ist somit nicht mehr zwingend notwendig.

Eine Durchsatzmessung mit dem kostenlosen Tool "Helios LanTest" ermittelt bei einer AFP-Freigabe von Powerbook (WLAN) zu Powerbook (Powerline) über den Router eine maximale Datenrate von 580 KB pro Sekunde beim Schreiben, das Lesen läuft immerhin mit 320 KB/s ab. Somit liegt die Powerline-Lösung für die eigenen vier Wände auf dem Niveau einer durchschnittlichen WLAN-Übertragung nach dem 802.11b-Standard. Ein weitere Test unterhaltsamer Natur ist die Anbindung einer Xbox von Microsoft, die sich per eingebautem Ethernet-Port zum kostenpflichtigen Online-Spieledienst "Xbox Live" verbinden kann. Auch hier ist der Testablauf angenehm einfach: Ethernetkabel in die Xbox, das andere Ende des Kabels in den Powerline-Adapter - und wenige Sekunden später aktualisiert sich die Konsole mit den aktuellsten Daten von Microsoft und schleust den Anwender durch den Anmeldeprozess von Xbox Live. Keine fünf Minuten danach geht es in ein "Project Gotham 2"-Rennen oder hebt der verspielte Mensch in "Crimson Skies" in einen gepflegten Luftkampf ab. Lediglich etwas größere Downloads, wie zusätzliche Strecken für Project Gotham Racing oder neue Einsätze für das Schleichabenteuer "Splinter Cell" dauern wesentlich länger als bei einer direkten Verbindung der Xbox an den Router. Softwareseitig ist an den Adaptern übrigens bei diesem einfachen Aufbau nichts einzustellen. Erst wenn die Adapter in einem Mietshaus zum Einsatz kommen, sollte der Benutzer die mitgelieferte Software zur Konfiguration einer Verschlüsselung verwenden. Leider gibt es dieses Tool derzeit nur für Windows-Betriebssysteme - VirtualPC oder ein Bekannter mit PC können bei Mac-only-Eigentümern allerdings Abhilfe schaffen.

Fazit

Netgears Einstieg in die Powerline-Welt könnte besser nicht sein. Einfache Installation und gute Transferraten im Bereich einer störungsfreien 802.11b-Funkstrecke sprechen für die Verwendung in Umgebungen, die per WLAN nicht mehr erreichbar sind. Dennoch sollten Interessenten den Taschenrechner bemühen, ob im Zweifelsfall nicht doch ein weiterer WLAN-Access-Point die günstigere Lösung ist - immerhin muss der Kunde für eine grundlegende Powerline-Installation gleich zwei Adapter für jeweils rund 60 Euro investieren.

0 Kommentare zu diesem Artikel
922767