886454

Neue digitale Audioschnittstelle für Firewire

25.07.2001 | 00:00 Uhr |

Mark of the Unicorn, kurz Motu, war eine der ersten Firmen, die Musik-Programme für den Mac entwickelte. Das Unternehmen stellt seit einigen Jahren professionelle Audio- und Midi-Schnittstellen für den Mac her. Wie viel Erfahrung es dabei in puncto Mac und Ton gesammelt hat, zeigt sich in der brandneuen Audioschnittstelle Motu 828 mit Firewire-Anschluss.

Vorzüge:

professionelles Gerät mit vielen Ein- und Ausgängen, digitale Adat-Lightpipe-Schnittstelle, latenzfreies Monitoring, erlaubt den Anschluss hochwertiger Kondensator-Mikrofone

Nachteile:

relativ hoher Preis, funktioniert nicht über Firewire-Hubs

Preis:

DM 2200, € 1125, S 16 200, sfr 1915

Wertung:

5 Mäuse (gut)

Bisher basierten alle Motu-Audioschnittstellen auf einer PCI-Karte, die alle gängigen Anschlüsse besitzt. Um auch Besitzern von Macs ohne PCI-Steckplatz ein professionelles Tonstudio bieten zu können verwendet Modell 828 den Firewire-Bus, der mit seiner hohen Datenrate von 400 MBit/s geradezu geschaffen ist, mehrere Audiospuren synchron in hoher Qualität zu übertragen.

Flexibel einsetzbares Interface

Das Interface Motu 828 sitzt in einem 19-Zoll-Rack. Das interne Netzteil lässt sich bei Bedarf von 220 auf 110 Volt umschalten. Das Gehäuse ist solide und erschütterungsstabil. Der Hersteller hat mitgedacht und packt dem Gerät ein mit 3,5 Metern Länge ausreichendes Firewire-Kabel bei. Handbücher und die Recording-Software Audiodesk liegen in Englisch vor, der deutsche Distributor Klemm verspricht jedoch, nach Einsenden der Registrierungskarte ein deutsches Handbuch für das Motu 828 nachzuliefern. Nach Installation der Treiber und des Audiodesk-Programms schließt man das Gerät an eine freie Firewire-Schnittstelle des Mac an. Ein Asio-Treiber (Asio: Audio Streaming Input Output) ermöglicht die Zusammenarbeit mit populären Audioprogrammen wie Cubase VST und Logic Audio. Die Einstellungen für das Gerät nimmt man entweder in einem Kontrollfeld vor oder am installierten Kontrollleistenmodul. Hier lässt sich auch festlegen, ob der Apple Sound Manager darauf zugreifen darf. Das Motu 828 bietet insgesamt 18 simultane Ein- und Ausgänge, darunter sind acht analoge 24-Bit-Schnittstellen, von denen zwei mit einem Vorverstärker und Profi-XLR-Buchsen ausgestattet sind und sich als Mikrofoneingänge eignen. Diese beiden Eingänge besitzen außerdem eine zuschaltbare Phantomspeisung für hochwertige Kondensatormikrofone. Acht weitere Ein- und Ausgänge liegen im weit verbreiteten Format "Adat Lightpipe" vor, das es erlaubt, acht Kanäle über ein optisches Kabel zu leiten. Gerade für dieses Format gibt es eine Menge professioneller Peripherie wie digitale Mischpulte - das Motu 828 lässt sich daher problemlos in ein Tonstudio integrieren. Die Steckverbindungen an der Rückseite sind vergoldet und die analogen Eingänge paarweise von der Frontblende regelbar. Die Schnittstelle hat einen regelbaren Kopfhörerausgang und auf der Rückseite einen Monitorausgang zur Kontrolle des Signals. Das Gerät belegt einen Firewire-Eingang im Mac, in unserem Test verweigert es beim Anschluss über einen Firewire-Hub die Audiowiedergabe. Über das Kontrollfeld "MOTU 828" kann man Sample- und Bitrate einstellen, nur wer den Asio-Treiber verwendet, gibt die Werte direkt in seinem Audioprogramm ein.

Keine Latenz beim Aufnehmen

Das Motu 828 verwendet 24-Bit-Wandler, die hervorragend klingen, was man beim Preis des Geräts aber auch erwarten darf. Ein wichtiges Thema bei allen Audioschnittstellen ist die Latenz. Beim Aufnehmen zeichnet der Rechner das Signal auf und leitet es zum Abhören wieder an den Ausgang. Dabei entsteht eine Verzögerung, die je nach Hardware deutlich hörbar sein kann und die Aufnahme stört. Das Motu 828 bietet einige Einstellungen, die diese Latenz vermindern. So verringert etwa eine Veränderung der Einstellung "Samples per Buffer" im Kontrollfeld "MOTU 828" diese Latenz, belastet dann aber die CPU des Rechners stärker. Deshalb bietet das Gerät für Computer mit schwächeren Prozessoren (G3) latenzfreies Monitoring. Die Einstellung "CueMix Plus Monitoring" im Kontrollfeld eliminiert diese Verzögerung, indem sie die Eingänge der Schnittstelle direkt auf die Ausgänge schaltet. Effekte, die im Computer erzeugt werden, sind dann aber nicht während der Aufnahme hörbar. Als Extra liefert Mark of the Unicorn die Software Audiodesk mit, eine auf die Motu-Hardware abstimmte Software zum Aufnehmen und Mischen von Sound. Dank einer Plug-in-Architektur lassen sich Effekte von Drittanbietern laden, der Quicktime-Import ermöglicht synchrones Vertonen von Filmen. Da Sessions in das Avid-Format OMF exportiert werden können, eignet sich das Gerät zusammen mit Audiodesk auch für Aufnahmen und Mischungen außerhalb des eigenen Tonstudios, die sich sogar in ein Avid-Schnittsystem zurückführen lassen.

Fazit

Das Motu 828 kommt mit allen nötigen Treibern und der Software Audiodesk in einer hervorragenden Ausstattung. Die Firewire-Schnittstelle eignet sich wegen ihrer Zuverlässigkeit für professionelle Audioübertragungen. Während unserer Tests traten keinerlei Ausfälle oder Knackser im Ton auf. Für die mobilen G3-Powerbooks und iBooks der letzten beiden Generationen ermöglicht das Motu 828 mit seinen 18 Ein-/Ausgängen komfortables Arbeiten. Cube- und iMac-Besitzern bietet es die Möglichkeit, ein absolut leises Aufnahmesystem zusammenzustellen, da es wie die Rechner ohne Lüfter auskommt. Leider funktioniert das Gerät nicht zusammen mit dem von uns verwendeten Firewire-Hub, was gerade bei Notebooks wie dem iBook mit nur einem Firewire-Anschluss ein Nachteil ist.

Gil Kaupp

Steckbrief - Motu 828

Sampling-Rate

44,1 und 48 KHz, 16 und 24 Bit

Ausgänge

18 simultane Ein-/Ausgänge: 8 Adat, 8 analog und 2 S/PDIF, analoge Eingänge mit 40 dB Gain-Regelung

Stromversorgung

integriertes Netzteil

Breite

19 Zoll

Lieferumfang

Asio-Treiber, Recording-Software Audiodesk, Firewire-Kabel

Systemanforderungen:

Power Mac G3 mit wenigstens 300 MHz Taktrate, 128 MB RAM, Firewire-Schnittstelle

Info:

Klemm Music Technology

Sehr zuverlässiges Audio-Firewire-System mit guter Ausstattung, Adat-Lightpipe-Schnittstelle und latenzfreiem Monitoring

0 Kommentare zu diesem Artikel
886454