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Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas im Test für iPhone und iPad

18.12.2013 | 11:00 Uhr |

Im Action-Adventure Oceanhorn erleben wir epische Abenteuer auf Inselreichen – klingt nach Zelda und spielt sich auch ziemlich genau so. Bietet die scheinbare Kopie damit genug Stoff für Legenden?

Das Schwert fest von der Waffenhand umklammert, ein Schild mit Wappen auf dem Rücken, umgemähte Grasbüschel, zertrümmerte Tonvasen und eine in drei Teile aufgespaltene uralte Macht. Die Parallelen zu Nintendos ehrwürdigen Zelda-Reihe sind in Oceanhorn: Monster of Uncharted Seas unübersehbar. Wer gern mit Link Hyrule unsichergemacht hat, der wird sich auch mit diesem namenlosen Helden schnell anfreunden.

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Isometrische Randale chronisch klammer Helden

Die Geschichte von Oceanhorn bedient sich bei Abenteuererzählungen: Eine böse Macht sorgt für Tod, Zerstörung und Zersplitterung der bekannten Welt in kleine Inselgruppen. Garniert wird die Geschichte mit drei Talismanen, deren Macht erschöpft ist, nachdem das Übel fiese Ungetüme hervorbringt, von denen das namensgebende Monster Oceanhorn den Vater des Protagonisten auf dem Gewissen hat. Trotz eines kitschigen Rückblickes mit leichtem Sepiastich täuscht der erste Eindruck: Ist der Held erst einmal aus den Träumen unter der Plane seines Zeltes aufgewacht, wird die Geschichte für weite Abschnitte zurückgestellt und die pure Spielemechanik tritt in den Vordergrund.

Unsere Aufmerksamkeit richten wir daher zunächst auf die isometrische Landschaft, die aus bunten, fast comichaften Quadraten besteht. Wichtigste Erkenntnis (abgesehen davon, dass Vasen keine Rupien enthalten): Wir dürfen zwar in alle Himmelsrichtungen sprinten, Hüpfer sind aber nicht vorgesehen. Oceanhorn nutzt die anfängliche Sprunglosigkeit, um gezielt Gebiete vor unserer Erkundung zu schützen und die Heldenreise auf Bahnen zu lenken. Auch versperrt anfangs immer wieder Gerümpel den Weg und manche Schalter sind (noch) unerreichbar.

Die optischen Ähnlichkeiten zur Vorlage Zelda sind kaum zu übersehen: Junger Held mit Schwert und Schild rettet die Welt vor fiesen Monstern.
Vergrößern Die optischen Ähnlichkeiten zur Vorlage Zelda sind kaum zu übersehen: Junger Held mit Schwert und Schild rettet die Welt vor fiesen Monstern.

Über die richtige Verwendung von rostfreien Erbstücken

Bevor wir Hindernisse jedoch beseitigen können, erkunden wir die Startinsel, finden Papas Klinge und gleich auch die passenden Ziele: Die ersten Gegner sind noch hohle Stachelköpfe, zu denen wir Distanz halten, während wir sie mit dem Schwert traktieren; das Schild mit dem prominenten Wappen dient zur Verteidigung. So ausgerüstet und vom weisen Eremiten (der uns zwar aufgezogen hat, aber nie im Haus schlafen ließ) über die Legende informiert, springen wir in unser Boot und segeln ins Abenteuer.

Die Jolle des Helden ist dabei ein zentrales Spielelement: Oceanhorn spielt auf vielen kleinen Inseln, die wir ansteuern können, sobald uns Gerüchte über ihre Existenz zu Ohren kommen - etwa in Gesprächen mit Dorfbewohnern oder durch Hilferufe aus der Flaschenpost. Anfänglich wählen wir lediglich das Ziel auf einer Übersichtskarte, um während der meist keine Minute dauernde Reise die Umgebung anzustarren. Einige tote Gegner später halten wir jedoch eine kleine Kanone in den Händen, mit der wir während der Seefahrten plötzlich auftauchende Seeminen, spuckende Fische und Treibgut in die Schranken weisen dürfen - eine nette Idee, dank der wir mit dem gefundenen Proviant auch unsere angeschlagene Gesundheit regenerieren und dezimierte Verbrauchsgegenstände aufstocken können.

Explosionen und andere Überraschungen

Nützliche Gegenstände müssen jedoch erstmalig gefunden werden und sind meist Belohnung einer Abenteueretappe: So müssen wir uns auf einer Insel den Weg freisprengen und reisen zwecks Sprengstoffbeschaffung zur Bombeninsel- Doch ist dort der Schwarzpulvervorrat aufgebraucht und die Minenarbeiter im Magen von Monstern gelandet. Wir kämpfen und rätseln uns durch das Bergwerk, bis wir an seinem Ende nicht nur die nicht mehr so hungrigen Hundertfüßer erschlagen, sondern auch unsere erste Bombenladung in Empfang nehmen - und fortan Kistenstapel sprengen können.

In Oceanhorn kann der Protagonist nicht hüpfen – ein Kompromiss zugunsten der Spielbarkeit mit dem Touchscreen.
Vergrößern In Oceanhorn kann der Protagonist nicht hüpfen – ein Kompromiss zugunsten der Spielbarkeit mit dem Touchscreen.

Diese Passagen aus Kämpfen, Rätseln, Erkunden mit anschließendem Bosskampf und Belohnung erzeugen eine Motivationsspirale, wie sie sonst aus den Zelda-Spielen bekannt ist - dem überdeutlichen Vorbild Oceanhorns. Das gilt auch für die Ausrüstung: Wir finden nach Bomben auch Pfeil und Bogen oder magische Schuhe, die dann doch kleine Sprünge ermöglichen; versteckte Herzcontainer erhöhen die Lebensenergie. Etwas kreativer sind da die magischen Sprüche, die Gegner mit Eis, Feuer oder herabfallenden Gesteinsbrocken traktieren - und die bei den recht kniffligen Bosskämpfen eine große Hilfe sind.

Von der Wichtigkeit des Unkrautjätens

Boss-Beispiel: Eine mächtig schlecht gelaunte, fleischfressende Pflanze hat sich am Grund eines Tempels eingenistet: Während ihre Tentakel uns verfolgen, können wir den Torso nicht verletzen, also hacken wir kräftig auf die grünen Fangarme ein. Lassen wir uns jedoch zu viel Zeit mit der Beseitigung der Extremitäten, wachsen diese nach. So hetzen wir zwischen Tentakeln und Körper hin und her, um in der zweiten Phase überrascht von dem Alptraum aller Kleingärtner eingesogen und halb verdaut zu werden.

Die Lichteffekte können sich sehen lassen.
Vergrößern Die Lichteffekte können sich sehen lassen.

Oceanhorn orientiert sich so ganz an Bosskämpfen der Zelda-Serie, die ohne Strategie nicht zu gewinnen sind - umso größer ist das Erfolgserlebnis, wenn wir dem Sog des Grünlings nicht nur entgehen, sondern ihn mehrere Runden lang mit Pfeilen und Bomben bezwingen. Allerdings bergen die Bosskämpfe im Gegensatz zum restlichen Spiel ausreichend Frustpotential für Abenteurerneulinge, die sich immerhin über die zahlreichen und fair gesetzten Checkpoints freuen können.

Bezaubernde Klänge fernab der Börse

Freude bereitet auch die akustische Untermalung: Geschulte Ohren werden schnell die Handschrift des Komponisten Nobuo Uematsus (Final Fantasy) erkennen, der sich unter anderem mit Kenji Ito (Romancing SaGa I-III, Sword of Mana) für den wunderschönen Soundtrack verantwortlich zeigt. So verweilen wir gerne in den friedlicheren Regionen wie Städten und machen dort ausgedehnte Einkaufsbummel. Apropos: In Oceanhorn müssen wir unser Gold selbst verdienen, In-App-Käufe für Spielewährung suchen wir vergebens - mittlerweile selten bei Mobile-Spielen, beim vergleichsweise hohen Preis des Titels aber logisch.

Standard-Adventure-Repertoire: Das Schieberätsel.
Vergrößern Standard-Adventure-Repertoire: Das Schieberätsel.

Fazit von Jan Knoop

Hübsches Blendwerk - das war mein erster Gedanke beim Anblick von Oceanhorn. Eine Viertelstunde waren diese Vorurteile vergessen, danach quittierte auch das Zeitgefühl seinen Dienst: Die Rädchen klassischer Zelda-Elemente sind hier derart gut verzahnt, dass die wenigen Probleme wie die leichte Ungenauigkeit der Steuerung in den Hintergrund rücken.Oceanhorn ist - trotz der überschaubaren Menge eigener Ideen - eines der besten Adventures, die derzeit für iOS verfügbar sind. Wer den Preis von derzeit 7,99 € nicht scheut, bekommt knappe zehn Stunden Abenteuer geboten, die nicht nur Zelda-Fans vor den Bildschirm fesseln.

Steckbrief: Oceanhorn: Monsters of the Uncharted Seas

Hersteller: FDG Entertainment

Preis: 7,99 Euro (App Store)

Altersfreigabe: keine Angabe

Note: 1,3 sehr gut

Grafik (25%): 1,2

Sound (25%): 1,2

Umfang (25%): 1,4

Bedienung (25%): 1,4

Vorzüge: Farbenfrohe Charaktere und Landschaften, Gelungene Mischung aus Erkundung, Rätseln und Kämpfen, Großartiger Soundtrack aus der Feder von Nobuo Uematsu und Kenji Ito, Fordernde Bosskämpfe…

Nachteile: … die einen Tick zu schwer sind, Leichte Ungenauigkeit der Steuerung, Anfangs uninspirierte Erzählung

Alternative: Empire: keine

Anforderungen: iPhone 4S, iPad 2

Bezugsquellen: Mac App Store

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