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Office-Alternativen im Vergleich

01.04.2014 | 13:04 Uhr |

Microsoft Office ist immer noch unangefochtener Markführer in Büros und Unternehmen. Alternativen für Firmen sind rar. Doch es gibt sie.

Neben Microsoft Office und Apples iWork bleibt als einziges ernst zu nehmendes Büro-Software-Paket eigentlich nur die Open-Source-Lösung Open Office beziehungsweise Libre Office übrig. Anders sieht es dagegen aus, wenn man nur eine ganz bestimmte Funktion aus einem Office-Paket benötigt, wie etwa eine gute Textverarbeitung. So sind Papyrus und Mellel erstklassige Word-Alternativen und webbasierte Präsentationsprogramme wie Prezi finden immer mehr Anhänger.

Tabellenkalkulation: Alternativen zu Excel und Numbers

Eine Tabellenkalkulation wie Excel ist unersetzbar, um Messreihen zu erfassen, kaufmännische Berechnungen und Marktanalysen in Geschäftsgrafiken umzusetzen und unzählige andere Aufgaben zu erfüllen. Dabei hat sich Excel auf dem Mac und PC als Marktführer durchgesetzt und gilt in so unterschiedlichen Bereichen wie Spieleentwicklung, Marketing, Forschung und Buchhaltung als Standardprogramm. Düster sieht es auf dem Mac bei der Suche nach Alternativen aus. Mit gutem Funktionsumfang und guter Unterstützung für das verbreitete Dateiformat XLS kann sich neben Numbers nur die Tabellenkalkulation von Open Office behaupten: Office Calc beziehungsweise Libre Calc. Die Open-Office-Versionen von Libre und Apache sind so gut wie identisch, im weiteren werden wir aus Gründen der Vereinfachung von Open Office sprechen.

Foto Magico hat sich in erster Linie auf das Präsentieren von Fotos und Videos spezialisiert.
Vergrößern Foto Magico hat sich in erster Linie auf das Präsentieren von Fotos und Videos spezialisiert.

Die Open-Source-Anwendung Calc ist sehr funktionsreich und gleicht Excel in Aussehen und Bedienung. Unter Mac- und PC-Anwendern hat dieses Modul des Office-Pakets aber den Status eines ungeliebten Stiefkindes, was wohl auch an der lieblos gestalteten und altmodischen Oberfläche liegt. Die Bedienung ähnelt Excel, was einen Umstieg von diesem Programm deutlich einfacher macht als zu Numbers.

Bei der Suche nach einer Excel-Alternative ist wohl vor allem die Unterstützung des XLS-Dateiformates unabdingbar. Bei Calc ist die Unterstützung von Excel-Dokumenten eigentlich recht brauchbar, das Tool unterstützt mit Einschränkungen sogar VBA-Makros. Umfangreich ist die Formelunterstützung, was nebenher beim Import komplexer Excel-Berechnungen hilft. An die Grenzen stößt Calc aber bei Excel-Dokumenten mit vielen Makros oder speziellen Formatierungen. Das ist schade, da nicht nur im Geschäftsverkehr Excel Standard ist, es existiert eine riesige Anzahl an Excel-Vorlagen, beispielsweise für Finanz- oder Projektplanung – manche davon funktionieren mit Calc, manche nicht.

Eine weitere Schwäche sind die Auswertungsfunktionen. Bei der Präsentation von Geschäftszahlen oder Testergebnissen kann Open Office nur wenig ansprechende Standarddiagramme erstellen. Mit den eindrucksvollen Grafiken von Excel und Numbers kann der Open-Source-Tabellenverwalter nicht mithalten.

Die deutsche Software Papyrus Autor ist dagegen vor allem eine Textverarbeitung. Sie bietet zusätzlich eine integrierte Tabellenfunktion und unterstützt eine gute Anzahl an Formaten und Formeln. Allerdings kann die Software keine Excel-Dateien im- und exportieren – nur das Format CSV wird unterstützt. Trotz brauchbarer Rechen-Funktionen macht die Tabellenfunktion Papyrus nicht zum vollwertigen Excel-Ersatz – es fehlt eine Diagrammfunktion und eine Tabelle ist auf eine Seite begrenzt. Für eine gelegentliche Gewinn-und-Verlustrechnung oder die Sammlung von Messdaten reicht die Funktion aus. Schließlich bietet Papyrus außerdem eine integrierte Datenbank.

Der Vollständigkeit halber sollte man einige ältere Tabellenkalkulationen für den Mac erwähnen. Diese werden aber offensichtlich nicht mehr weiter entwickelt. Die Tabellenkalkulation Mariner Calc wird nicht mehr angeboten, sie existiert nur noch als iOS-Version. Die Shareware Tables von Daniel Schwil wird nur noch eingeschränkt weiter entwickelt, gleiches scheint für die Tabellenkalkulation Mesa zu gelten. Von der teuren Bürolösung Ragtime 6.5, die auch eine Tabellenkalkulation bietet, gibt es ebenfalls wenig Neues zu berichten. Letztere ist mit 870 Euro Kaufpreis für unseren Vergleich außerdem zu teuer. Den wenigen verbleibenden Mac-Tabellenkalkulationen scheint vor allem das Erscheinen von Numbers den Rest gegeben zu haben. Völlig anders sieht es da bei den iOS-Apps aus, so gibt es für iPad und iPhone eine stattliche Anzahl an Tabellenkalkulationen.

Macwelt 5/14

© 2015

Seit Jahren warten die Mac-Anwender auf ein vernünftiges Update für Microsofts Mac-Office, seit Apple sein iWork überarbeitet hat, wirken Word, Excel & Co. noch aufgeblähter. Für alle, die nicht warten wollen, bis Microsoft sich rührt, bietet Macwelt 5/14 prima Anregungen: Günstige, moderne und fähige Software-Alternativen, kostenlose Tools für die Büroarbeit, klasse Apps für die leidige Steuererklärung und jede Menge Tipps, wie sie aus allen das Beste herausholen. Auf CD finden Sie zudem ein reichhaltiges Paket an Office-Tools für Ihren Mac. Lesen Sie mehr zur aktuellen Macwelt...

Präsentationen: Ersatz für Powerpoint und Keynote

Immer noch eine Überraschung ist es, dass Apple mit dem Programm Keynote eine echte Alternative zu Microsofts übermächtigem Powerpoint schaffen konnte. Das Präsentationsmodul von Open Office ist dagegen eher selten bei Präsentationen zu sehen. Das Impress genannte Präsentationsmodul ähnelt in Bedienung und Funktionsumfang älteren Powerpoint-Versionen und bietet alles Erforderliche für eine solide Präsentation. Verfügbare Vorlagen und Animationen sind aber für unseren Geschmack zu altbacken.

In den letzten Jahren haben sich webbasierte Präsentationen als Alternative zu Powerpoint etabliert, nennen sollte man etwa das Projekt S5 und die Präsentationsfunktion von Googles Text und Tabellen. Im Unterschied zu OS X gibt es außerdem eine große Anzahl an Präsentationsprogrammen für iOS – ebenfalls oft webbasiert.

Prezi ist eine innovative Präsentationssoftware, die auf verschiede­nen Plattformen läuft.
Vergrößern Prezi ist eine innovative Präsentationssoftware, die auf verschiede­nen Plattformen läuft.

Ein komplett anderes Konzept als Powerpoint und Open Office verfolgt die Präsentationssoftware Prezi. Im Unterschied zu dem auf einzelnen Seiten basierenden Powerpoint, nutzt man bei Prezi eine an ein Whiteboard erinnernde Einzelfläche, die man mit Grafiken, Fotos und Text füllt. Die Präsentation erfolgt dann ähnlich einer Art Kamerafahrt, was beim Publikum eine angenehme Abwechslung zur üblichen Powerpoint-Diashow schafft. Allerdings erfordert das Konzept Umdenken und einige Einarbeitung. Die Webversion basiert auf Flash, es gibt eine iPad-App und Desktop-Versionen für Mac und Windows. Die Webversion ist kos­tenlos nutzbar, allerdings sind die Präsentationen dann für alle angemeldeten Prezi-Nutzer frei verfügbar und es steht nur 100 MB Speicher pro Nutzer zur Verfügung. Für fünf US-Dollar im Monat erhält man mehr Speicher und kann seine Präsentationen vor neugierigen Blicken schützen. Eine Desktop-Version ist erst mit einem Pro-Account für 13,25 US-Dollar im Monat zu haben. Mit Prezi erstellte Präsentationen sind eine interessante Alternative zu Powerpoint, sie eignen sich mit ihrer speziellen Präsentationsmethode aber nicht für alle Themen. Negativ fallen uns bei Prezi viele Einschränkungen auf, etwa bei der Weitergabe und dem Import von Daten. So gut uns das elegante Konzept gefällt, können wir Prezi deshalb nur eingeschränkt empfehlen.

Bei einer Präsentation geht es aber nicht immer um Grafiken und Geschäftszahlen. Sollen vor allem Videos und Fotos präsentiert werden, beispielsweise neue Youtube-Projekte, darf man Foto Magico nicht vergessen. Als Powerpoint-Alternative ist die Software nicht gedacht, Aufgabe der für Fotografen gedachten Software ist nämlich die Erstellung aufwendiger Foto-Diashows. Für Multimedia-Präsentationen ist die Software aber eine interessante Speziallösung. Man kann gut Fotos und Videos kombinieren und Titel und Texte ergänzen. Eine Stärke ist die Zeitleistenfunktion, die bei der Auswahl und gezielten Präsentation von Video-Clips hilft. Bei einer Präsentation unterstützt ein Moderatorenmodus den Vortragenden durch Notizen und einen Teleprompter, umfangreich sind die Exportoptionen. Die Bedienung ist allerdings komplex und erfordert Einarbeitung – sie ähnelt eher einem Videoschnittprogramm wie iMovie als Keynote oder Powerpoint.

Papyrus bietet einzigartige Textfunktionen wie eine Stilanalyse und beinhaltet den Duden Korrektor.
Vergrößern Papyrus bietet einzigartige Textfunktionen wie eine Stilanalyse und beinhaltet den Duden Korrektor.

Textverarbeitung: Alternativen zu Word und Pages

Weit konkurrenzfähiger und vielfältiger ist das Angebot an Word-Alternativen. An Funktionsumfang und Verbreitung reicht zwar kaum einer der Konkurrenten heran, in Spezialgebieten wie Manuskripterstellung oder Webtauglichkeit sind sie dagegen unter Umständen sogar überlegen. Auf Autoren und Schriftsteller ist das deutsche Papyrus Autor zugeschnitten, das in früheren Versionen als direkte Office-Alternative positioniert war. Aktuell fokussiert sich der Hersteller aber bei der Weiterentwicklung offenbar auf diejenigen Funktionen, in denen Papyrus Word überlegen ist: So ist der Duden Korrektor vorinstalliert, die beste deutsche Rechtschreibprüfung auf dem Markt. Eine Stilkorrektur analysiert den geschriebenen Text und bemängelt lange Sätze, Füllwörter und andere Stilschwächen. Die Struktur langer Texte behält man mit einer Zeitstrahlansicht im Blick, die integrierte Datenbanksoftware verwaltet Adressen oder Romanfiguren. Eine aufwendige Epub-Exportfunktion ermöglicht das Erstellen von E-Books, das Kindle-Format Mobi unterstützt Papyrus ebenso. Schwächen zeigt die Software allerdings beim Datentausch mit Microsoft Word. Beim häufigen Datentausch mit Word-Anwendern können unter Umständen Formatierungsfehler auftreten. Abschreckend ist bei Papyrus allerdings die altmodische und unübersichtliche Programmoberfläche und komplexe Bedienung. Außerhalb Deutschlands ist die Software übrigens völlig unbekannt. Kein Wunder, denn ursprünglich wurde Papyrus für die längst vergangene Atari-ST-Plattform entwickelt, die in den 80er Jahren nur in Deutschland eine nennenswerte Verbreitung fand.

Kaufempfehlung & Fazit

Sucht jemand eine Alternative zu Microsoft Office und iWork, kann man ihm auf den ersten Blick nur das angestaubte aber funktionsreiche Open Office empfehlen .

Für Firmenanwender bleibt Microsofts-Officepaket allerdings schon aus Gründen der Dateikompatibilität unverzichtbar.

Privatanwender und Selbstständige haben auf diesem Gebiet natürlich mehr Optionen: Als Word-Alternative sind vor allem Papyrus und Mellel zu empfehlen und für die Verwaltung großer Mengen an Dokumenten sind unter Umständen Lösungen wie Evernote und Devonthink die bessere Alternative zum Office-Paket. Stephan Wiesend

Die israelische Software Mellel ist ebenfalls auf längere Texte spezialisiert. So bietet die für Studenten und Dozenten konzipierte Textverarbeitung eine ausgereifte Fuß- und Endnotenverwaltung. Weitere Stärken sind gute Bibliografie-Unterstützung, Mehrsprachenfunktionen und gute Gliederungsfunktionen. Die Literaturverwaltungsprogramme Sente und Bookends werden unterstützt, das gilt allerdings anscheinend nicht für die App-Store-Version. Tipp: Mellel und Bookends können über die Webseite für 69 US-Dollar als Bundle gekauft werden.

Unauffällig und funktionsreich ist das Textverarbeitungsprogramm Writer, die Word-Alternative von Open Office. Optisch erinnert die Software an ältere Word-Versionen, aus heutiger Sicht ist das Programm geradezu altmodisch. Der Funktionsumfang ist ausgezeichnet, hervorzuheben ist vor allem die Erweiterbarkeit. Über per Web verfügbare Datenbanken mit Erweiterungen kann man beispielsweise PDFs als Text importieren. Bis vor kurzem gab es auch die erstklassige Rechtschreibprüfung des Duden-Verlages – diese scheint allerdings mit neueren Open-Office-Versionen nicht kompatibel zu sein. Der Export und Import von Word-Dokumenten ist zufriedenstellend, oft kann man neben den Vorlagen für Open Office auch Vorlagen für Microsoft Office verwenden.

Stellvertretend für eine Unzahl an Notizbuch-Apps sollte man noch das Circus Ponies Notebook erwähnen. Die relativ teure Notizen-Software treibt die Nachbildung eines Notizblocks sogar optisch auf die Spitze – bis zum linierten Papier, Deckblatt und Eselsohren. Die Bedienung ist durchdacht, erfordert aber einige Einarbeitung: So kann man bei der Texteingabe zwischen einer automatischen Gliederung und üblichen Texteingabe wechseln.

Optisch langweiliger aber ergonomischer sind die Devonthink-Programme vom gleichnamigen Hersteller. Diese sind eher Datenbank-Software als Notizbuch und ermöglichen die einfache Verwaltung großer Mengen an Dokumenten – eine Textverarbeitungsfunktion ist integriert. Verschiedene Versionen sind verfügbar, die Version Professional Office unterstützt sogar das Einscannen von Dokumenten und Umwandlung in durchsuchbare PDF-Dokumente. Eine iOS-Version ist verfügbar.

Grundsätzlich ist bei herkömmlichen Textverabeitungen das Dateiformat ein Problem, vor allem beim Datenaustausch mit Blogs und Mobilgeräten, weshalb einige Programme versuchen, Text und Formatierung zu trennen. Eine interessante Lösung bietet die Firma The Soulmen mit der App Ulysses. Daedalus Touch heißt die iOS-Version. Ulysses erfordert einige Einarbeitung und das Konzept eignet sich nicht für jeden.

Übersicht und Bewertung:

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