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Microsoft Office gegen Open Office

05.03.2009 | 12:24 Uhr |

Das kostenlose Open Office ist für Heimanwender eine gute Alternative zu Microsofts Büro-Standard.

Microsoft Office gilt als die Bürosoftware schlechthin. Unter Windows sowieso. Aber auch am Mac unter Mac-OS X. Selbst iWork konnte bislang - obwohl es als echtes Kind aus dem Hause Apple zweifelsfrei die besseren Chancen in der Fan-Gemeine hat - keinen nennenswerten Anteil vom Office-Kuchen ergattern. Gleiches galt für Open Office bis zur zweiten Version, lief doch die Software nur als X11-Anwendung mit wenig Mac-typischer Oberfläche. Seit der dritten Ausgabe ist Open Office aber eine native Mac-Anwendung. Das merkt man in der Bedienung, der Stabilität und der Geschwindigkeit.

Erstkontakt

Der erste Kontakt zu Open Office ist leicht. Nach dem 206 Megabyte großen Download wird die Anwendung Mac-like in den Programme-Ordner verschoben. Fertig ist die Installation. Office hingegen kommt wahlweise auf einer DVD oder wird nach dem Kauf von den Microsoft-Servern geladen. Die simple Installation dauert nur wenige Minuten. Installiert man eine DVD-Version werden danach aber wahrscheinlich erst einmal ein paar Updates fällig – die schnell mehrere GB umfassen.

Büroarbeit

Die Einstellungen bei Office (unten) und Open Office
Vergrößern Die Einstellungen bei Office (unten) und Open Office

Die Microsoft Suite beinhaltet für den Mac die Programme Word (Text), Excel (Tabelle), OneNote (Notizen) und Powerpoint (Präsentation). Dazu kommt noch Outlook, außer man hat sich für eine der preisgünstigen Home & Student-Versionen entschieden. Für die drei Kernbereiche bietet auch Open Office die entsprechenden Module Write, Calc und Impress. Mail, Adressen und Termine werden nicht abgedeckt. Dafür gibt es unter Mac-OS X allerdings sowieso die passenden Anwendungen frei Haus. Deren Integration hat Microsoft selbst in der aktuellen Version von Entourage nicht realisiert bzw. realisieren können. Zusätzlich enthält Open Office noch ein Datenbank-Tool und eine Grafikanwendung.

Microsoft scheint die Mac-Gemeinde nicht mit dem unter Windows verfügbaren Access belasten zu wollen. Und auch eine Grafikanwendung bleibt außen vor. Was den Funktionsumfang der Anwendungen in den Bereichen Text und Tabelle angeht, sind die Bestandteile, die 98 Prozent der Anwender nutzen in beiden Paketen vorhanden. An Powerpoint reicht der Open Office Präsentator Impress hingegen nicht heran. Das beginnt beim Umfang und geht bis zur Unterstützung der Mac-Fernbedienung, die nur Powerpoint bietet.

Konzeptfrage

Microsoft Office kommt nach wie vor in mehreren eigenständigen Anwendungen. Open Office hingegen wählt den lösungsorientierten Weg und bietet in einer integrierten Umgebung die Auswahl nach Aufgaben und startet daraufhin die zugehörige Anwendung. Beim Öffnen der Dokumente im Finder wird hingegen in beiden Office-Paketen automatisch das passende Modul gestartet.

Die Oberfläche ist bei MS Office deutlich konformer zu Apples Richtlinien als bei Open Office. Letzteres erscheint eher spröde und mutet von den Schaltflächen altbacken an. Allerdings hat es dadurch mehr Ähnlichkeit zu früheren Office-Versionen aus dem Hause Microsoft. Auf diese Weise lassen sich Wechsler von Windows schneller von Mac-OS X und der alternativen Office-Suite überzeugen. Und wer dann Lust hat, kann seine Büroumgebung mit erweiterten Icon-Sets ein wenig aufpeppen.

Die Oberfläche von Open Office wirkt ein wenig altbacken
Vergrößern Die Oberfläche von Open Office wirkt ein wenig altbacken

Formatfrage

Open Office verwendet bereits seit der zweiten Version ein mittlerweile ISO-zertifiziertes XML-orientiertes Dokumentenformat. Dieses fasst die einzelnen Elemente eines Dokuments, wie Bilder, Tabellen und Text in einem komprimierten Archiv zusammen. Microsoft führte erst mit der 2007er Office-Suite unter Windows ein alternatives Dokumentenformat ein, das ebenfalls auf dem Prinzip eines XML-Archivs basiert, aber nicht kompatibel ist. Während jedoch Open Office die Microsoft-Formate problemlos öffnet, erkennt MS Office die zertifizierten Formate des Mitbewerbs nicht. Schreiben kann Open Office die neuen Microsoft-Formate allerdings nicht. Die Verbindung der beiden Systeme funktioniert allerdings über die Dateivarianten der Vorgängerversion, also doc, xls und ppt.

Eine praxisorientierte Besonderheit hat Open Office auch bei den Dateiformaten zu bieten. So lassen sich Texte beispielsweise in unzählige Dateiformate exportieren. Die Office Suite von Microsoft ist hier engstirnig und bietet wenig Alternativen zu den Eigenformaten.

Klar Windows-orientiert

Die Einstellungen bei Office (unten) und Open Office
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Die Performance von Word hat sich vor allem mit Einführung der neuen 64-Bit-Version verbessert und ist auf neueren Macs stabil und problemlos. Schade: Open Office fühlt sich auf dem Mac immer noch lahm an und selbst beim Öffnen eines einseitigen Dokuments sieht man kurz den „Beachball“. Auf einem Mac Mini mit SSD und 8 GB Speicher muss man mit kurzen „Denkpausen“ leben, die man bei den anderen Programmen nicht mehr kennt. Wir fürchten, dass die Mac-Plattform für die Open Source-Entwickler einfach zu geringe Priorität hat.

Die Preisfrage

Microsoft Office gibt es als Jahreslizenz namens Office 365 ab 70 Euro, es gibt aber häufig Sonderangebote im Web. Wer die Unterstützung für Exchange Server bzw. Outlook braucht, muss zu den Abo-Versionen greifen, die uneingeschränkt lauffähigen Versionen kosten ab 150 Euro, kommen ohne Webspeicher, Skype-Freiminuten und Outlook.

Open Office gestaltet sich in der Preisfrage einfacher. Es ist kostenlos und bietet neben den Pendants der Microsoft-Office-Anwendungen auch noch Datenbanken und Grafik. In puncto Personal Information Management ist man unter Mac-OS X mit Mail, Adressen und iCal bereits bestens bedient.

Kaufempfehlung & Fazit

Mit Open Office 3 erreicht erstmals eine ernst zu nehmende Office-Alternative den Mac-Markt. Zwar kann die kostenlose Open Source Software den Platzhirschen von Microsoft nicht in allen Bereichen ersetzen, für die meisten Alltagssituationen im Büro oder zu Hause muss man allerdings nicht mehr zwingend zum teuren Microsoft-Produkt greifen.

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