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Pantoffelkino

23.08.2004 | 12:25 Uhr |

Wir testen sechs Einstiegsgeräte mit einem Straßenpreis bis 650 Euro und zeigen, wer welche Funktionen braucht.

FEIERLICHE MOMENTE nur als Foto festzuhalten, ist vielen nicht genug. Ein digitaler Camcorder muss her, der das Budget nicht sprengt. Macht man sich nun auf die Suche, verliert man bei der Vielzahl der Angebote schnell den Überblick. Nicht genug, dass die Geräte mannigfaltige Funktionen bieten. Zusätzlich verwirren verschiedene Speichermöglichkeiten für das digitale Videomaterial. In diesem Test richten wir uns an Videoamateure, die für möglichst wenig Geld einen brauchbaren digitalen Camcorder erstehen wollen. Wir testen sechs Vertreter dieser Klasse, bei denen der Straßenpreis nicht über 650 Euro liegt. Unberücksichtigt lassen wir wegen der systembedingt schlechten Qualität die Fotofunktion. Hier raten wir zu einer Digitalkamera. Auch das digitale Zoom bewerten wir nicht. Neben der drastisch abnehmenden Bildqualität macht die sehr hohe Verwacklung der Videoaufnahmen bei hohem Zoomfaktor diese Funktion in der Praxis nahezu unbrauchbar.

Alternativen zu Mini-DV

Momentan sind Camcorder mit Mini-DV-Band für den privaten Gebrauch die beste Wahl. Nicht ohne Grund bietet diese Camcorder-Gattung das größte Angebot. Neben dem günstigen Preis und der kompakten Baugröße spricht auch die hohe Verbreitung der mittlerweile seit acht Jahren erhältlichen Mini-DV-Kassetten für diesen Typ. Camcorder mit anderen Speichertechniken sind vergleichsweise rar. Sony, Erfinder des Mini-DV-Bandes, bietet beispielsweise mit dem Micro MV ein noch kleineres Speicherband an. Dieses ermöglicht zwar kleinere Camcorder wie den auf der IFA 2003 vorgestellten zigarettenschachtelgroßen IP 1. Dafür sind die Bänder aber teurer und wenig verbreitet.

Origami: Den meisten Platz in den Camcordern braucht das Mini-DV-Laufwerk. Sehr anschaulich ist dies beim rechts abgebildeten Panasonic NV-GS10EG, dem kompaktesten Vertreter im Testfeld.
Vergrößern Origami: Den meisten Platz in den Camcordern braucht das Mini-DV-Laufwerk. Sehr anschaulich ist dies beim rechts abgebildeten Panasonic NV-GS10EG, dem kompaktesten Vertreter im Testfeld.
© 2015

Camcorder mit eingebautem DVD-Brenner sind ein weiterer Ansatz, ausreichend Speicher für die Datenflut an Bildern und Tönen bereitzustellen. Damit die Camcorder nicht zu groß werden, verwenden die Hersteller 8 cm kleine Disks. Während Sony DVD-RW-Rohlinge nutzt, setzt Panasonic auf den Exoten DVD-RAM. Beide DVD-Medien speichern ungefähr eine halbe Stunde Film und kosten stolze 25 Euro pro Stück. DVD-Camcorder eignen sich vor allem für schnelle Präsentationen. In der Zukunft werden Camcorder interessant, die Video und Ton auf eine SD-Card speichern. Bislang ist diese Speichermethode noch sehr teuer. Erst wenn die Preise für die Speicherkarten fallen und Kapazitäten ab 1 Gigabyte zu haben sind, werden solche Geräte zu einer Alternative. Panasonic und Sanyo haben bereits entsprechende Modelle im Programm.

Navigator: Die Bedienelemente für die Menüführung gleichen sich bei den Camcordern. Wie hier bei dem Samsung VPD31 ist das Drehrad, das gleich zeitig als OK-Taste dient, das zentrale Steuerelement. Eine Sonderrolle nimmt Sonys Camcorder ein: Er hat einen Touchscreen.
Vergrößern Navigator: Die Bedienelemente für die Menüführung gleichen sich bei den Camcordern. Wie hier bei dem Samsung VPD31 ist das Drehrad, das gleich zeitig als OK-Taste dient, das zentrale Steuerelement. Eine Sonderrolle nimmt Sonys Camcorder ein: Er hat einen Touchscreen.
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Kommen in Zukunft Geräte, die das gegenüber PAL höher auflösende HDTV unterstützen, geht das Rennen um den Speicherplatz in eine zweite Runde.

Freischalten abgeschafft

Doch zurück in die Gegenwart: Der deutsche Zoll fordert für Camcorder mit digitalem Ausund Eingang mehr Gebühren als für Camcorder, die nur einen digitalen Ausgang besitzen. Die Hersteller haben deshalb durch einen einfachen Eingriff in die Firmware der Einstiegsgeräte den digitalen Eingang blockiert. Daraufhin hat sich in der Vergangenheit ein reger Handel mit Freischaltsets (auch Widget genannt) entwickelt, die den blockierten DV-Eingang aktivieren. Dies war bis vor einigen Jahren sehr leicht möglich, da lediglich ein kleiner Eingriff in die Software der Kamera genügte. Mit den neuen Geräten hat das nun ein Ende, denn der Zoll sieht seit Juli 2001 auch solche Camcorder als höher zu verzollende Recorder an, die sich nachträglich Freischalten lassen. Aus diesem Grund haben die Hersteller ihre Camcorder mit zusätzlichen Hardware-Eingriffen gegen das Freischalten geschützt.

TIPP Bei älteren Camcordern kann man mittels Freischaltsets den digitalen Eingang aktivieren. Unter der Internet-Adresse www.dv-in.de erhält man neben vielen Infos eine Liste aller Geräte, bei denen dies möglich ist. Bei Ebay gibt es sogar eine eigene Rubrik für DV-in-Freischaltsets. Allerdings ist dort das Angebot mangels freischaltbarer Camcorder rar.

TIPP Wer am Rechner geschnittene Videos wieder zum Camcorder übertragen will, sollte sich gleich einen Camcorder mit digitalem Aus- und Eingang zulegen, statt auf eine mögliche Freischaltung des DV-Eingangs zu spekulieren. Aufnehmen und Überspielen von VHS-Kassetten Camcorder der höheren Preisklassen bieten dank analogem Videoeingang die Möglichkeit, vorhandene VHS-Kassetten oder auch Fernsehsendungen auf Mini-DV-Band zu überspielen. In der Preisklasse der von uns getesteten Camcorder findet sich nur mit dem Canon MV 600i ein solches Gerät.

TIPP Wer am Beginn einer Filmkarriere steht und keine analogen "Altlasten" mitbringt, dem genügt ein Camcorder mit digitalem Ausgang. Darüber lassen sich die Filme zum Mac übertragen, dort schneiden und auf DVD brennen.

TIPP Mit freigeschaltetem DV- und Analog-Eingang kommt der etwa 578 Euro teure JVC GRD30. Lediglich einen DV-Eingang bieten der 713 Euro teure Panasonic NV-GS 30 und der 657 Euro teure Sony DCR-TRV19E. Samsung vertreibt in Deutschland keinen Einstiegs-Camcorder mit DV- oder Analog-Eingang.

TIPP Wer VHS-Videokassetten auf den Camcorder überspielen will, zahlt bei Camcordern von Panasonic einen kräftigen Aufpreis. Erst der rund 800 Euro teure NV-GS 50 bietet neben einem DV- auch einen analogen Eingang.

TIPP Ebenfalls kräftig Aufpreis zahlt man bei Sony. Hier muss man zum rund 760 Euro teuren DCR-TRV22 greifen.

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