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Parallels Desktop 9 gegen VMware Fusion 6

04.11.2013 | 10:37 Uhr |

Mit Bootcamp hat Apple OS X ab Werk eine passable Lösung für die Ausführung von Windows mitgegeben – Parallels und VMware setzen dagegen auf Virtualisierung. Ein Vergleich der neuesten Programm-Versionen.

Alle Jahre wieder grüßt das Virtualisierungs-Murmeltier, denn die beiden Hersteller Parallels und VMware kämpfen auch im Herbst 2013 wieder um die Vorherrschaft unter den virtuellen Windows-PC‘s der Mac-User (und natürlich deren Geldbeutel). Gerade mit Blick auf den Start von OS X Mavericks und dem Release von Microsofts Windows-Update 8.1 stellen sich in diesem Jahr vor allem Kompatibilitäts-Fragen – auch wenn in unserem Test von VMWare Fusion 6 und Parallels Desktop 9 auch Usability, Komfort und Performance eine wichtige Rolle spielen. In unserem Test der beiden Programme auf einem Macbook Air Mid-2011 haben wir uns die Integration bestehender Bootcamp-Installationen, sowie die Performance mit Windows 8.1, OS X Mavericks und Ubuntu Linux 13 angesehen. Zunächst blicken wir aber darauf, wie schwierig oder einfach die beiden Tools den Einstieg für den Anwender gestalten.

Mittlerweile gibt es eine neuere Verson von Vmware Fusion 7. Einen ausführlichen Bericht dazu lesen Sie hier.

Installation und Einrichtung

Bei Download und Installation nehmen sich Parallels Desktop 9 und VMware Fusion 6 nichts. Es reicht aus auf den Herstellerseiten paralles.com bzw. vmware.com die jeweiligen Versionen zu kaufen und zu laden. Für Neukäufer ruft Parallels dabei einen Preis von 79,99 Euro auf, ein Upgrade der Vorversion schlägt mit 49,99 Euro zu Buche (Upgrade möglich ab Parallels Desktop 7; für die Benutzung mit OS X Mavericks ist mindestens Version 7 erforderlich). VMware dagegen wählt mit 53,95 Euro für die Vollversion und 44,95 für das Upgrade ein moderateres Preismodell – vor allem, weil sich alle Vorversionen seit Fusion 4.x. upgraden lassen. Alle interessierten Kunden dürfen natürlich vor dem Kauf eine Demo-Version laden und testen. Während VMware hier einfach und unverbindlich einen Download anbietet, muss die Demo von Parallels Desktop 9 erst registriert werden – ohne die Angabe von Name und Mailaddresse gibt es keine Testversion.

Parallels Access: Fernzugriff auf Mac OS und Virtuelle Maschinen

Parallels Access streamt Inhalte von einem Mac fast verlustfrei aufs iPad – in einer für das Apple-Tablet optimierten Ansicht und mit erstaunlich guter Performance. Die einzige Voraussetzung ist ein Account bei Parallels und die Investition von 69,99 Euro, sowie die Installation eines schlanken Desktop-Agents unter OS X und der Paralllels Access-App unter iOS. Im Donwnload inbegriffen ist eine 14-tägige Test-Lizenz; wer Parallels Desktop 9 kauft, erhält zudem ein 6-monatiges Gratis-Abo.

Fazit: Toll umgesetzt! Leider aber mit 70 Euro (!) im Jahr ein gutes Stück zu teuer. Außerdem fehlen Kurzzeit-Abos (beispielsweise für 3 Monate).

Die Installation selbst folgt bei beiden Apps dem Standard-Procedere: Installer laden, mounten, Installation starten, Anweisungen befolgen. Soweit, so überschaubar. Beim Erstellen einer neuen virtuellen Maschine werden aber die Unterschiede zwischen den Programmen deutlicher: Hat man VMWare Fusion 6 installiert, lässt sich zwar schnell mit zwei, drei Mausklicks eine neue virtuelle Umgebung erstellen, um die Downloads von Betriebssystem-Installern muss sich der User dann aber selber kümmern. Das ist zwar kein Beinbruch, Parallels zeigt aber an der gleichen Stelle, wie es besser geht: Wie in VMware Fusion lassen sich auch bei Parallels neue virtuelle Maschinen per Mausklick anlegen.

Parallels hilft dem User vor allem bei der Einrichtung und Installation von virtuellen Systemen.
Vergrößern Parallels hilft dem User vor allem bei der Einrichtung und Installation von virtuellen Systemen.

Der Clou aber ist, dass Parallels dem Nutzer die Suche nach Betriebssystemdownloads abnimmt und die entsprechenden Downloads – beispielsweise der Windows 8.1 Preview, mit der die Windows-Tests hier durchgeführt wurden, oder Unbuntu Linux – direkt aus Parallels heraus vorgenommen werden können. So nimmt Parallels Desktop 9 den Nutzer bei der Einrichtung der virtuellen Maschinen deutlich besser bei der Hand, als der Konkurrent VMware Fusion 6.

Performance und Usability

Blickt man bei beiden Herstellern auf die Homepage in den „Neue Funktionen“-Bereich, fällt sofort auf, dass sich nur wenig im Vergleich zu den Vorgängern geändert hat – im Mittelpunkt der diesjährigen Produktpflege stehen vor allem zwei Aspekte: Kompatibilität und Leistungsverbesserungen. Zum einen sollen beide Apps problemlos unter Apples neuem Desktop-Betriebssystem OS X Mavericks laufen und auch mit Microsofts Windows 8.1 umgehen können, zum anderen sollen sie mit Blick auf die Systemlast und die Geschwindigkeit ihre Vorgänger übertreffen. Beide Aspekte gelingen sowohl Parallels, als auch VMware mit ihren neuen Apps, wenngleich Parallels noch immer knapp die Nase in Sachen Performance vorne hat. Startet man eine virtuelle Maschine in VMware kommen wir bei drei Testmessungen zum Systemstart von Windows 8.1 auf eine durchschnittliche Startzeit von 22,7 Sekunden – bei Parallels sind es nur 19,9 Sekunden.

In der Unity-Ansicht: VM Ware Fusion 6. Das Aufklapp-Menü wirkt dabei durchdachter als beim Konkurrenten von Parallels
Vergrößern In der Unity-Ansicht: VM Ware Fusion 6. Das Aufklapp-Menü wirkt dabei durchdachter als beim Konkurrenten von Parallels

Läuft das virtuelle Windows, haben Sie in beiden Apps die Möglichkeit entweder im Fenster-Modus zu arbeiten, Windows in der Vollbildansicht zu nutzen oder alternativ in der vollintegrierten Ansicht (Unity in Fusion, Coherence in Parallels) Windows in OS X zu integrieren. Sowohl Parallels Desktop 9, als auch VMware Fusion 6 unterscheiden sich hier nur mit Blick auf das Unserinterrface. Während beide Programme in der Unity/0Coherence-Ansicht die Infobereichssymbole von Windows (Netzwerkaktivität, Akkustand, verbundene USB-Geräte etc.) in der Menüleiste von OS X anzeigen, unterscheidet sich die Darstellung des Startmenüs.

Während in Parallels über das Menüleistensymbol lediglich ein Aufklappmenü zur Auswahl geöffnet werden kann, bietet Fusion ein weit umfangreicheres Menü, das etwas an das „alte“ Startmenü von Windows Vista und Windows 7 erinnert. Sowohl Parallels Desktop 9 als auch VMware Fusion 6 haben aber offenbar Probleme mit der Darstellung der Metro-Sytyle-Apps von Windows 8.1 im Coherence-/ Unity-Modus. Das äußert sich vor allem darin, dass die Apps unter Windows nativ im Vollbild-Modus angezeigt werden sollen, dieser aber aus der Coherence-/ Unity-Ansicht heraus scheinbar nicht korrekt gestartet werden kann. Das Ergebnis: Die Apps starten zwar, können dann aber zum Teil nicht angezeigt werden. Sollten Sie also viel mit Metro-Apps arbeiten wollen, sollten Sie auf den Vollbild- oder Fenstermodus von VMWare Fusion 6 oder Parallels Desktop 9 zurückgreifen.

Metro-Style-Apps nutzt man in Parallels und Fusion am besten in der Fenster- oder Vollbild-Ansicht.
Vergrößern Metro-Style-Apps nutzt man in Parallels und Fusion am besten in der Fenster- oder Vollbild-Ansicht.

Nutzt man mehrere Monitore, kann nun auch Parallels Desktop unter Windows die verbundenen Displays als eigenständige Desktops anzeigen – genau so wie VMWare Fusion schon im Vorjahr. Bei der Nutzung von Ubuntu dagegen versteht sich nur Fusion 6 auf den Support für mehrere Displays. Will man dagegen OS X virtualisieren, versagen beide Programme den Multi-Monitor-Betrieb. Generell eigenen sich aber beide Programme wunderbar für erste Gehversuche mit Linux oder für das Betreiben einer sicheren OS X Testumgebung, wobei Parallels mit seinen direkt-Downloads aus dem Menü heraus hier die Nase vorn hat. Zudem unterstützt Parallels Desktop 9 die aus OS X bekannte praktische Drei-Finger-Geste zum Nachschlagen von Begriffen im Lexikon und zeigt die Ergebnisse fast exakt so schnell und akkurat wie OS X selbst – allerdings nicht systemweit. Im Internet Explorer beispielsweise funktioniert die Geste nicht, mit dem Wordpad oder Firefox dagegen schon.

Parallels Desktop behandelt nun auch Thunderbolt- oder Firewire-Peripherie wie USB-Medien.
Vergrößern Parallels Desktop behandelt nun auch Thunderbolt- oder Firewire-Peripherie wie USB-Medien.

Weiterer Pluspunkt: Parallels Desktop 9 behandelt im Gegensatz zu Fusion Thunderbolt- und Firewire-Peripherie genauso wie USB-Geräte, d.h. Parallels blendet ein Pop-Up-Fenster ein und lässt den Nutzer entscheiden, ob das Gerät mit dem Mac oder mit der virtuellen Maschine verbunden werden soll – praktisch! Virtuelle Maschinen in VMware Fusion dagegen lassen sich auch von der integrierten Diktierfunktion von OS X Mavericks ansprechen.

Mit Blick auf die Gaming-Performance gibt es dagegen einen klaren Sieger, nämlich Parallels Desktop 9. Im Gegensatz zu Fusion 6 unterstützt Parallels  Microsofts Grafik-Schnittstelle DirectX 10, während Fusion lediglich DirectX 9.0c zu bieten hat. Wer also am Mac Windows-Games spielen will, sollte zu Parallels Desktop 9 greifen – oder über eine Bootcamp-Installation nachdenken. Während Star Trek Online unter Fusion 6 bei mittleren Voreinstellungen nur noch annehmbar performt, lasst sich das Online-Game unter Parallels auch mit höheren Voreinstellungen problemlos spielen.

Updaten oder Weiternutzen?

Für Parallels Desktop 9 gilt: Haben Sie bereits die Vorjahres Version installiert, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie ein 50 Euro teures Upgrade auf die neue Version machen wollen. Denn Paralles Desktop 9 ist zwar etwas schneller als der Vorgänger, bietet dafür aber kaum echte Neuerungen und damit auch kein gutes Preis- und Leistungsverhältnis. Sind Sie aber Neukäufer, erhalten Sie mit Parallels Desktop 9 eine bewährte und leistungsstarke Lösung für das Virtualisieren von Betriebssystemen aller Art. Außerdem profitieren gerade Virtualisierungs-Neulinge ungemein davon, dass Parallels den Nutzer bei der Einrichtung von Virtuellen Maschinen gut unter die Arme greift.

VMware Fusion 6 dagegen macht im Vergleich zum Vorjahr einen größeren Performance-Sprung als die Konkurrenz von Parallels und ist auch spürbar schneller als sein Vorgänger VMware Fusion 5. Wie auch bei Parallels Desktop 9 hat sich aber mit Ausnahme der verbesserten Performance nicht viel am Funktionsumfang der Virtualisierungslösung getan getan. Es gilt also auch für VMware Fusion 6, dass sich Besitzer der Version von 2012 gut überlegen sollten, ob sich die Investition in Fusion 6 lohnt, oder nicht doch noch ein Jahr gewartet werden sollte.

Einschätzung und Kaufempfehlung

Parallels versteht sich auf das Nachschlagen von Begriffen im OS X Lexikon per Drei-Finger-Tipp aufs Trackpad.
Vergrößern Parallels versteht sich auf das Nachschlagen von Begriffen im OS X Lexikon per Drei-Finger-Tipp aufs Trackpad.

In diesem Jahr ist eine klare Kaufempfehlung fast nicht möglich, da beide Virtualisierungslösungen sich beinahe auf Augenhöhe bewegen. Für welches der beiden Programme Sie sich entscheiden, dürfte vor allem von Ihrem persönlichen Geschmack beim User-Interface und der Ausgangslage mit eventuell bereits vorhandenen Vorjahrenversionen der einen oder anderen Software abhängen. Unter dem Strich wirken beide 2013er-Versionen nicht wie vollwertige 1.0-Updates, sondern eher wie Kompatibiltäts- und Bugfix-Updates ohne wirkliche Must-Have-Features. Es lohnt sich in jedem Fall vor dem Kauf einer der beiden Lösungen, die Test-Versionen zu laden und miteinander zu vergleichen. So sehen Sie relativ schnell, welche Oberfläche und Benutzerführung Ihnen eher liegt und ob die wenigen neuen Funktionen für Sie die Investition rechtfertigen. Leistungstechnisch machen Sie aber unter dem Strich mit keiner der beiden Lösungen etwas falsch. Im Ergebnis heißt es im Duell von Parallles Desktop 9 und VMware Fusion 6: Leistungsgerechtes Unentschieden mit Preisvorteil bei VMware.

Produkt

Parallels Desktop 9

VMware Fusion 6

Testsieger

Preis-Leistungssieger

Preis (Euro)

79,99 (Vollversion); 49,99 (Upgrade)

53,95 Euro (Vollversion); 44,95 (Upgrade)

Gesamtwertung

1,6 gut

1,7 gut

Wertungen

Leistung (50%)

1,5

1,5

Ausstattung (20%)

2,0

2,1

Handhabung (20%)

1,9

2,0

Lokalisierung (10%)

1,0

1,0

Testurteil

Gewohnt gelungene Virtualisierungs-Software ohne nennswerte Neuerungen.

VMware Fusion 6 holt weiter auf und befindet sich auf Augenhöhe mit Paralells.

-

Probleme mit Windows-Metro-Apps im Coherence-Modus, Demo nur nach Registrierung

Probleme mit Windows-Metro-Apps im Unity-Modus, kein Direct-X-10-Support

+

kinderleichte Einrichtung von virtuellen Maschinen, gute Performance, Ressourcenschonend, Thunderbolt- und Firewire-Support

Performancesprung im Vergleich zum Vorgänger, Ressourcenschonend, guter Multi-Display-Support, verbesserte In-App-Hilfe

Technische Angaben

Systemanforderungen

ab Mac OS X 10.8.6

ab Mac OS X 10.7.0

Funktionen

Support für Windows 8.1

ja

ja

Mavericks-kompatibel

ja

ja

Vollintegrierte Ansicht

ja

ja

Unterstützung von Direct X

max. DirectX 10

max. Direct X 9.0c

www.parallels.com/de/

www.vmware.com/de/products/fusion/

Hersteller

Paralles

VMware

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