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Physikus - Spannendes Lernadventure im "Myst"-Stil

19.08.2002 | 12:02 Uhr |

Dem nur unterhaltenden Vorbild nachempfunden, will das Programm von Heureka-Klett Einblicke in die klassische Physik gewähren.

München/Macwelt - Wer Grafikadventures liebt, wird sich in Physikus sofort wohl fühlen. Per Point-and-klick arbeitet man sich durch eine rätselhafte Welt, die manchmal bis ins Detail an den Adventure-Klassiker "Myst" erinnert. Seltsame Gebäude im teils mittelalterlichen, teils "Kleiner-Hobbit"-Stil, merkwürdige Maschinen, zahlreiche Schalter- und Zahlenrätsel lassen den geneigten Spieler eintauchen in viele Stunden Spielspaß Erkenntnisse über die Physik. Denn hier liegt in der Tat ein Unterschied zu Spielen wie Myst, geht es doch in Physikus um vorzeigbare Lernerfolge. Optik, Wärmelehre, Mechanik, Akustik und Elektrizitätslehre stehen auf dem Programm dieses "Abenteuers aus der Welt der Naturwissenschaften", das der Software-Verlag Heureka-Klett vertreibt.
Im Wesentlichen will das Programm den Lehrstoff der Sekundarstufe I und darüber hinaus vermittelt - also die klassische Physik. Quantenmechanik und Relativitätstheorie bleiben außen vor.

Rettung aus dem Weltraum


Das eigentliche Adventure beginnt mit einem Quicktime-Film, der den Spieler direkt ins Szenario einführt. Ein Meteorit hat den kleinen Erd ähnlichen Planeten unseres Spiels getroffen. Durch den Aufprall kommt dieser zum Stillstand, so dass die eine Hälfte des Planets in eisiger Kälte verharrt, während die andere Halbkugel der gnadenlosen Hitze der Sonne ausgesetzt ist. Wissenschaftler des Planeten haben eine Impulsmaschine entwickelt, deren Rückstoß den Planeten wieder in seine natürliche Rotation versetzen soll. Aber der Versuch misslingt - und an dieser Stelle ist der Spieler gefragt, der mit einer kleinen Raumfähre direkt aus dem Weltraum einschwebt.
Es gilt, drei auf der Insel verteilte Generatoren in Gang zu setzen, also Energie zu erzeugen, um die Hauptmaschine zum Starten der Impulsmaschine mit Strom zu versorgen. Dazu sind allerlei Hinweise zu beachten und Hindernisse zu überwinden. Gegenstände nimmt man durch eine Art holographischen Scanner ins Inventar auf und setzt sie auf gleiche Weise an der korrekten Stelle im Spiel wieder ein. Hinweise findet man auf kurzen Notizen, die relativ spärlich auf der Insel und in den Gebäuden verstreut sind. Entscheidend ist aber, immer wieder physikalische Gesetze zu studieren und auf die Rätsel oder Hindernisse anzuwenden. Dabei macht das Lernadventure auch nicht vor einfacheren Formeln Halt.
Die eigentliche Physik lernt sich in einem separaten Interface, auf das man an bestimmten Stellen des Spiels zugreifen kann. Eine Art interaktives Lehrbuch mit Erklärungen, Illustrationen und Versuchsaufbauten, wie man sie ähnlich aus dem Physikunterricht kennt, will die entscheidenden Einsichten in physikalische Abläufe darstellen und verständlich machen. Die Erkenntnisse, richtig angewandt, bringen den Spielverlauf voran. Die Rätsel sind zwar nicht so schwer und "um die Ecke gedacht" wie beim Vorbild Myst - aber leicht sind sie auch im Physikus nicht. Da hilft oft nur stundenlanges Nachdenken, Ausprobieren und immer wieder neues Studieren im digitalen Lehrbuch. Oder man holt sich Hilfe im Internet - der Anbieter selbst beispielsweise bietet auf seiner Webseite eine Lösung für die ersten Schritte im Spiel an.
Hat man schließlich alle Generatoren und die Impulsmaschine in Gang gebracht, ist nicht nur die Welt gerettet, sondern es sollte auch das persönliche Physikverständnis deutlich gesteigert sein. Ein schön gemachter Quicktime-Film ist der finale Lohn für die nicht unerheblichen Bemühungen des Spielers.

Fazit


Die Grafik ist schön, aber nicht auf dem neuesten Stand. Dafür sind die Systemvoraussetzungen bescheiden: Schon auf einem Mac mit Power PC ab 166 MHz und 16 MB freiem Arbeitsspeicher sowie mindestens System 7.5 soll das Spiel nach Herstellerangaben laufen. Sogar besser ausgestattete Performas kommen damit zu neuen Ehren. Unter Mac-OS X ließ sich das Spiel nicht starten.
Die Einfachheit der Steuerung erscheint bei Physikus angemessen. Ein sehr gut gemachter Soundtrack, der nur bei Szenenwechseln gelegentlich allzu abrupt wechselt, vermittelt zusammen mit den stimmungsvollen Bildern eine ansprechend dichte Atmosphäre. Wer sich vorher nicht für Physik erwärmen konnte, wird sie auch mit diesem Spiel kaum lernen können oder wollen. Wenn man aber auf unterhaltsame Weise tiefer in die Gesetze der klassischen Physik eindringen will und sich in herkömmlichen Grafikadventures zu Hause fühlt, dann ist dieses Spiel erste Wahl. tha

Info: Physikus - Das Abenteuer aus der Welt der Naturwissenschaften, Heureka-Klett Software-Verlag GmbH , als DVD (ISBN 3-12 135053-6) oder CD-ROM (ISBN 3-12-13 5051-X) je 50,62 Euro

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