Von Thomas Wittulski und Florian Kurzmaier - 09.11.2012, 17:50

Praxis-Test

Xbox Smartglass: Mit dem Zweiten sieht man besser

Microsoft erweitert die Xbox 360 um einen zweiten Bildschirm. Was die App Smartglass taugt, lesen Sie in unserem Test
Auf einer eher ereignisarmen E3 2012 hatte Microsoft mit Smartglass eine echte Überraschung in petto. Die eigene Xbox 360 per Tablet oder Smartphone fernzusteuern, klang schon im Frühjahr extrem verlockend, zumal Microsoft ja parallel sein "Content-on-Demand"-Angebot mit Xbox Music und Xbox Video ausbauen wollte. Pünktlich zum Start von Smartglass haben wir uns die Tablet-Fernsteuerung für die Xbox 360 angesehen – und waren überrascht.

Info: Für welche Systeme gibt es die Smartglass-App?

Die App »Xbox Smartglass« ist sowohl in den App Stores von Windows und Apple als auch im Google Play Store gratis zu haben.

Kompatible Systeme:
- Windows 8
- Windows Phone ab Version 7.5
- Android ab Version 4.0 (nur Smartphones, keine Tablets)
- iOS ab Version 5.0 (iPhone 5 noch nicht mit nativer Auflösung)

Damit sich das Mobilgerät mit der Xbox 360 verbinden kann, müssen sich beide Geräte im selben Netzwerk befinden und mit demselben Xbox-Live-Konto verknüpft sein. Ist dies der Fall, verbindet sich die App automatisch mit der Xbox.

Zwei Bildschirme für ein Halleluja

Das Konzept mit den zwei Bildschirmen ist nicht wirklich neu: Schon der Nintendo DS und jetzt auch die Wii U nutzen ein Bedienkonzept mit Doppel-Screens. Und auch Sony nutzt die Vita als Zweitschirm für die Playstation 3. Während Nintendo und Sony aber bei ihren Konsolen auf proprietäre Systeme setzen, soll Smartglass als offener Dienst die vorinstallierte Hardwarebasis von  Millionen von iOS-Geräten, Android-Smartphones und Tablets sowie Endgeräten mit Windows 8 und RT beziehungsweise Windows Phone nutzen.Tablet-Besitzer mit Googles Androiden dürfen derzeit allerdings noch nicht mitmachen. Wer also beispielsweise das Google Nexus 7 für Smartglass nutzen will, schaut derzeit noch in die Röhre – ärgerlich! Einen Termin für eine für Android-Tablets angepasste Version gibt es nicht.

Startschuss: Was braucht man für Smartglass

Bevor es losgehen kann, muss die Xbox 360 auf dem neuesten Stand sein: Sobald sich die Konsole mit dem Internet verbindet, prüft sie selbstständig, ob Updates verfügbar sind. Wer also schon länger nicht mehr mit seiner Xbox online war, wählt sich bei Xbox Live ein, um das nötige Dashboard-Update zu laden.
Wenn das erledigt ist, kommt der unangenehme Teil (für das Portemonnaie): Denn viele der Smartglass-Features setzen eine Goldmitgliedschaft für Xbox Live voraus – die kostet rund 60 Euro pro Jahr. Live-Mitglieder ohne kostenpflichtiges Abo können mit der App immerhin den Account verwalten, Freunde einsehen, durch das Hauptmenü der Xbox navigieren und – je nachdem, was die Entwickler freischalten – auch Spielefunktionen nutzen. Nachrichten verschicken und im Internet surfen funktionieren mit der Gratis-Version von Xbox Live nicht.
Auf das eigene Tablet, Smartphone oder den PC holt man sich die Smartglass-App über den Google-Play-Store, Windows App-Store oder Apple App Store. Abhängig davon, welches Gerät man nutzt. Befinden sich Mobilgerät und Konsole im selben Netzwerk und sind mit derselben Xbox-Live-ID angemeldet, verbindet sich Smartglass beim Start automatisch mit der Konsole.

Aus Xbox 360 wird Smart TV?

Mit dem alljährlichen Dashboard-Update hat Microsoft schon vor einiger Zeit die technischen Voraussetzungen für Smartglass geschaffen. Es wurde nicht nur das Design des Xbox-Dashboards an die neue Kacheloberfläche von Windows (Phone) 8 angepasst: Auch der alte Zune-Marktplatz wurde durch die neuen Dienste Xbox Music und Xbox Video ersetzt.
Garniert wird das Ganze mit Xbox Games für Windows 8: Über den App-Store des neuen Windows können nämlich auch Marketplace-Inhalte auf den PC geladen werden. Die Multimedia-Inhalte wie Filme oder Musik profitieren vor allem von der kinderleichten Handhabung durch Tablet oder Smartphone, denn die Navigation mit dem Xbox-Gamepad ist nicht wirklich multimediafreundlich.
Für Filme werden auf dem zweiten Screen entweder Zusatzinformationen wie Namen und Kurzbiografien der Schauspieler angezeigt, oder gleich der komplette Film in guter Qualität auf den zweiten Bildschirm gestreamt. Letzteres funktioniert derzeit allerdings nur mit Windows-Geräten, Zusatzinfos et cetera gibt es hingegen auf allen kompatiblen Smartphones und Tablets.

Vor allem für den amerikanischen Markt hat Microsoft einige sehr interessante Angebote am Start. HBO Go zum Beispiel: Die Xbox-App ermöglicht Zugriff auf Serien des US-Networks HBO, das unter anderem die Romanverfilmung "Game of Thrones" produziert. Sehen wir uns eine Folge an, erhalten wir zum Beispiel eine Karte des Fantasy-Landes Westeros eingeblendet – so haben wir stets im Blick, wo sich die Akteure befinden.

Leider wird es HBO Go in Deutschland nicht geben. Ob das in Deutschland und Österreich nutzbare Mobilangebot Sky Go eine Smartglass-Aufwertung erhalten wird, ist im Moment noch unklar. Fakt ist aber: Die Fernsteuerung über Smartglass geht komfortabel von der Hand und auch beim Videostreaming nahezu frei von größeren Lags.
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