1046566

Pro Tools SE: Der kleine Bruder von Avid

23.02.2011 | 13:55 Uhr |

Avid bringt mit Pro Tools SE eine Digital Audio Workstation zum Einsteigerpreis auf den Markt. Die Software kommt in Kombination mit Mikrofon, Soundkarte oder Keyboard

Pro Tools SE
Vergrößern Pro Tools SE

Pro Tools SE ist der kleine Bruder des in den Studios dieser Welt weit verbreiteten Standards von Avid. Es handelt sich um eine Digital Audio Workstation (DAW), die sich zum Produzieren von Audio- und MIDI-basierten Songs (oder Kombinationen von beiden) eignet.

Das Paket kommt in Verbindung mit Hardware von M-Audio - wahlweise mit Mikrofon (Vocal Studio) oder Audio-Interface (Recording Studio) oder mit einem anschlagdynamisches Billig-Keyboard (Key Studio). Wer auf das Audio-Interface verzichten möchte, schaut allerdings in die Röhre: Das mitgelieferte USB-Audio-Gerät fungiert auch als Autorisierungshardware, ohne die Pro Tools SE seine Dienste verweigert. Das Einbinden einer anderen oder der bordeigenen Apple-Soundkarte ist nicht möglich.

Ebenfalls eingeschränkt ist die Außenkommunikation der DAW: Auf dem Rechner vorhandene Plugins lassen sich in der Einsteigerversion nicht ins Programm einbinden. Da Mac-Besitzer über Garageband immer mindestens ein paar zusätzliche Instrumente an Bord haben - von professionellen Plugins mal abgesehen - ist das eine nur schwer zu verschmerzende Einschränkung.

Für schnelle Produktionen im Sinne eines musikalischen Notizbuches kommt Pro Tools SE dennoch infrage: Die DAW bringt rund 100 virtuelle Instrumente mit, die von Ambience über Bass, Gitarre und Schlagzeug bis hin zu Synthiesounds die wichtigsten Kategorien und gängigsten Grundklänge abdecken. Über Audiospuren lassen sich zusätzlich eigene Aufnahmen oder vorgefertigte Loops in den Musik-Mix einbinden.

Auf einem handelsüblichen Macbook Pro läuft Pro Tools SE eher träge und verweigert mit einer Überlastungsmeldung schon bei bescheidener Spurbelegung seine Dienste. Da es sich bei der Software um ein Einsteigerprogramm handelt, ist das nicht akzeptabel.

Aber es gibt auch was Gutes zu berichten: Die mitgelieferten Basisklänge sind mehr als ordentlich: Saubere Samples, gute Instrumentalklänge; für normale Pop-Produktionen ist das Angebot absolut ausreichend. Verändern lassen sich die Klänge allerdings nicht; es handelt sich um reine Presets. Allerdings bietet Pro Tools eine Reihe von regelbaren Effekten an, von denen sich bis zu drei zuschalten lassen. Das erweitert das Klangspektrum der mitgelieferten Instrumente deutlich.

Pro Tools SE versus Garageband

Es bleibt die Mutter aller Fragen für Mac-Anwender: Was hat Pro Tools, was das mit dem Betriebssystem ausgelieferte Garageband nicht hat? Die Antwort lautet: fast nichts.

Beide verarbeiten Audio- und MIDI-Signale - hier ist Garageband vorne, weil es im System installierte Plugins verwenden kann. Garageband ist zudem deutlich performanter; Pro Tools SE braucht richtig lange, um eine Songvorlage zu laden. Zudem gibt es schon bei kleinen Aufnahmeschnippseln die erwähnten Meldungen zur Systemüberlastung; das kann auch bei Garageband passieren, ist aber dort deutlich seltener.

Garageband bietet wie Pro Tools auch vorgefertigte Loops, virtuelle Instrumente und Effekte. Hier hat SE allerdings die Nase vorne: Die Plugins und Add-Ons klingen hervorragend, wo Garageband das Niveau von General MIDI-Instrumenten nicht überschreitet.

Fazit

Windows-Benutzer auf der Suche nach einer einfachen musikalischen Produktionsumgebung werden sich über Pro Tools SE freuen: Sie erhalten für einen günstigen Preis ein MIDI- und Audio-Aufnahmestudio inklusive Instrumenten. Für Mac-Anwender bietet Pro Tools gegenüber Garageband dagegen kaum Vorteile. Allenfalls die Klangqualität der mitgelieferten Presets übertönt die Mac-eigenen Klänge ein wenig. Ob das die rund 100 Euro Kaufpreis rechtfertigt, bleibt aber zweifelhaft.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1046566