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Vergleichstest: Kalibrierbare Monitore

05.03.2012 | 15:24 Uhr |

Qualitätsrichtlinien für Monitore bieten etwa die ISO-Normen 12646 und 3664. Hier kommen meist Monitore mit erweitertem Farbraum zum Einsatz, die sich per Software oder direkt über die Monitor-Hardware auf bestimmte Zielwerte (Weißpunkt, Gradation) kalibrieren lassen.

AOC-Display
Vergrößern AOC-Display

Durch die Kalibrierung sollen die Monitore die jeweiligen Referenz-Farbräume für Print (ECI-RGB), Fotografie (sRGB, Adobe-RGB) oder Video (PAL, HDTV, DCI) möglichst komplett und genau abbilden.

Um das Leistungsspektrum der Monitore im Test möglichst komplett auszureizen, kalibrieren wir sie auf die Referenz zum Softproofen mit dem größten Farbraum: ECI-RGB 2.0 (Gradation L*, Weißpunkt 5000K).

Ausstattung

Sämtliche Monitore verfügen über ein Panel mit erweitertem Farbraum und sollen über 100 Prozent des NTSC-Farbraums darstellen. Die Panels arbeiten nach dem IPS-Prinzip (H-IPS oder P-IPS), der Blickwinkel ist mit 178 Grad vertikal und horizontal ausgesprochen stabil. Die interne Signalverarbeitung der Panel beträgt 10 Bit, was im Vergleich zu herkömmlichen 8-Bit-Panels deutlich gleichmäßigere Farbverläufe zur Folge hat.

Mit Ausnahme des Lacie 324i (10 Bit LUT) nutzen die Monitore zur Hardware-Kalibrierung eine 16 Bit 3D-LUT. Während eine herkömmliche LUT Farben einzeln auf separaten Tabellen anpasst, mischt eine 3D-LUT die drei Farben in einer räumlichen Tabelle. Dies macht die Darstellung der Grautöne neutraler und gleichmäßiger.

Anschluss an den Mac finden die Monitore über DVI (8 Bit) oder (Mini-)Display-Port (10 Bit). Da weder OS X noch Windows einen 10-Bit-Video-Modus unterstützen, bringt der Display Port hinsichtlich der Kalibrierungsgenauigkeit keine Vorteile.

Alle Bildschirme sind sehr ergonomisch. Sie haben eine matte Oberfläche und lassen sich neigen, schwenken, in der Höhe verstellen und in den Porträt-Modus drehen. Um die Monitorparameter nach der Kalibrierung über den Arbeitstag möglichst konstant zu halten, stabilisieren die Hersteller die Hintergrundbeleuchtung. So bleiben Weißpunkt und Gamma nahezu konstant.

Darüber hinaus besitzen die Panels (mit Ausnahme des Lacie 324i) einen Flächenabgleich, der für eine homogene Ausleuchtung des Displays sorgt. Alle Geräte verfügen über einen Kippschalter zum Ein- und Ausschalten und lassen sich so komplett vom Stromnetz trennen. Ein USB-Hub mit zwei Anschlüssen ist insofern Standard, da er für die Kalibrierung benötigt wird.

Beim Thema Pixelfehler folgen alle Hersteller der Pixelfehlerklasse II der ISO 13462-2. Danach dürfen etwa bei einem TFT-Display mit einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln (zwei Millionen Pixel) vier Pixel ständig leuchten, vier Pixel ständig schwarz und zehn Subpixel defekt sein. Quato schränkt dies für seine Monitore ein und garantiert keinen Pixelfehler in der Bildmitte. Der Service und After-Sales-Bereich für die Highend-Monitore unterscheidet sich zum Teil erheblich. Während Eizo und Quato auf Monitor und Hintergrundbeleuchtung fünf Jahre Garantie inklusive Vor-Ort-Service geben, belassen es NEC und Lacie bei den sonst geläufigen drei Jahren.

Eizo CG243W/Color Navigator

Der Bildschirm der japanischen Edelmonitorschmiede macht nicht nur optisch Einiges her. Der Design-Fuß ermöglicht es, den Monitor in Höhe und Tiefe sowie in der Neigung sehr individuell anzupassen. Als Kalibrierungs-Software liegt dem 24-Zöller Color Navigator 5.4.3 bei. Die Software ist als einzige nicht auf Deutsch sondern nur auf Englisch verfügbar. Sie kann nur Eizo-Monitore kalibrieren. Wer etwa einen iMac als Hauptbildschirm nutzt, müsste für dessen Kalibrierung auf ein Fremdprodukt ausweichen. Als Messgeräte werden neben der i1-Serie das DTP94, Color Munki und Spyder 2/3 unterstützt.

Color Navigator: Die Oberfläche der Eizo-Lösung lässt kaum Einstellmöglichkeiten offen - hier zur Gradation. Man muss aber des Englischen mächtig sein.
Vergrößern Color Navigator: Die Oberfläche der Eizo-Lösung lässt kaum Einstellmöglichkeiten offen - hier zur Gradation. Man muss aber des Englischen mächtig sein.

Die Presets sind allgemein verständlich (Photography, Printing). Eine Orientierung an Referenz-Farbräumen, etwa sRGB, Adobe-RGB oder ECI-RGB 2.0 gibt es nicht. Die Software führt den Anwender logisch und nachvollziehbar durch den Kalibrierungsprozess. Weiß- und Schwarzpunkt, Leuchtdichte, Gradation und Gamut lassen sich ohne Einschränkung einstellen. Nach gut zwei Minuten ist die Kalibrierung bereits abgeschlossen. Die Konkurrenz benötigt dafür vier- bis fünfmal soviel Zeit.

Die Testergebnisse des UDACT bescheinigen dem Bildschirm exzellente Werte in nahezu allen Bereichen. Zielabweichungen bei Weißpunkt, Homogenität und Graustufen bewegen sich unterhalb der Wahrnehmungsgrenze. Lediglich den Farbraum von ECI-RGB 2.0 kann er panelbedingt nur zu 92 Prozent abdecken.

Eizo CG275W

Dieser Bildschirm wartet als einziger im Testfeld mit einem ins Gehäuse integrierten Messsensor zur automatischen Kalibrierung auf. Bei Verwendung klappt er aus dem unteren Monitorrahmen auf und kalibriert den Bildschirm selbständig. Zum Test nutzen wir zunächst den integrierten Sensor und im Anschluss zum Vergleich das i1 Pro. Color Navigator 6.0.2 kennt neben "Printing" und "Photography" noch das Preset "Web Design". Das Öffnen der Software zieht sich etwas hin so dass sich unruhige Geister in Geduld üben müssen. Immerhin offeriert die jüngste Version als einzige im Testfeld eine integrierte Update-Suche. Adobe Air muss dafür installiert sein. Die Oberfläche hat sich farblich den Adobe-Anwendungen der CS 5 angepasst. An der bewährten (englischen) Benutzerführung hat sich jedoch nichts geändert.

Die einzelnen Kalibrierungsergebnisse der beiden unterschiedlichen Messsensoren unterscheiden sich nach der Überprüfung mit dem UDACT nur marginal. Lediglich der Weißpunkt wird bei der Messung mit dem integrierten Sensor mit 3,2 Delta E merklich verfehlt, was aber auch an unserer Validierung mit dem i1 Pro liegen kann. Das UDACT kann den internen Sensor nicht nutzen.

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