Von Mike Schelhorn - 11.03.2008, 13:45

Publish /Fotosoftware

Aperture 2

Schneller, mit mehr Werkzeugen und einer besseren iApps-Integration schließt Apples Lösung für den RAW-Workflow Aperture 2 zu den führenden Programmen auf.
Das längst fällige neue Release von Apples Fotosoftware platzt mit über 100 Neuerungen und dem Versprechen einer schnelleren Bearbeitung ins Haus. Preislich hat sich Apple auf das Niveau der Mitbewerber eingestellt. Kostete Aperture 1.0, die schwer kritisierte erste (Beta)version noch 480 Euro, so wandern für Aperture 2 jetzt nur 200 Euro aus dem Geldbeutel. Die Oberfläche hat Apple ansprechend überarbeitet. Dass Aperture aber auch funktional nachlegen musste, lag auf der Hand.

Neue Stellschrauben

Unter den nun 19 RAW-Werkzeugabteilungen finden sich neue Funktionen, die zu Standards anderer RAW-Konvertierer aufschließen. So gibt es nun "Definition" und "Lebendigkeit". Die beiden Regler sind vergleichbar den Pendants aus Lightroom "Klarheit" und "Lebendigkeit". Erstere steigert den Mitteltonkontrast, zweitere steuert die Sättigung weniger gesättigterer Farbanteile, wobei ein Hauttonschutz eingebaut ist. Die Abteilung "Belichtung" hat eine Lichter-Rekonstruktion spendiert bekommen, mit der sich in RAW-Aufnahmen Tonwertzeichnungen in ausgerissenen Lichterbereichen wieder herstellen lassen. Und der Schwarzpunkt steuert nach einer Belichtungskorrektur den Tiefenschluss nach. Auch dies hat bereits seine Entsprechungen in Lightroom, Capture One und anderen RAW-Konvertern, so wie auch die jetzt mögliche Behandlung einer Vignettierung zum guten Ton gehört.
Ein echtes Eigengewächs ist die RAW-Feinabstimmung, bei der direkt auf die Basis-Decodierung (Demosaicing, Eingangs-Rauschreduzierung und -Schärfung, Farbton-Gain) eingewirkt werden kann. Eine praktische Anwendung ist die Farbton-Abschwächung bei Aufnahmen mit hohen Saturationen. Periodische Muster in den Aufnahmemotiven (beispielsweise Textilstoffe, Zäune, Gewebe) lassen sich von eventuell auftretendem Moiré befreien, auch dies zählt Aperture 2 zur Steuerung der Decodierung. Der volle Funktionsumfang der RAW-Feinabstimmung ist nur für 2.0-Profile nach dem neuen Decodier-Algorithmus verfügbar. Bestehende Anpassungen nach Version 1.1 oder 1.5 lassen sich aber in die neue Decodierungsmethode überführen. Bei einigen Kameramodellen gibt es jedoch Ausnahmen.
So kann Aperture 2 im Test für RAW-Aufnahmen einer Fuji Finepix S3 Pro nur die Decodierungsmethoden 1.0 und 1.1 anwenden und bis auf die Gesamt-Verstärkung stehen keine weiteren RAW-Feinabstimmungen zur Verfügung. RAW-Aufnahmen anderer ältere Kameramodelle, etwa der Olympus C8080 oder der Canon EOS 350D, kann die neue Decodierungsmethode in vollem Funktionsumfang behandeln. Und RAW-Aufnahmen neuerer Kameras wie der Nikon D300 lassen sich ohnehin nur mit dieser neuen Methode einsetzen, auch weil das Kameraprofil erst ab Mac-OS X 10.5.x eingebunden ist. Sofern Kamerahersteller oder Adobes DNG-Konverter das Dateiformat DNG bereitstellen, erkennt Aperture auch bisher fremde RAW-Daten und unterscheidet dabei zwischen einer DNG-Decodierung und einer Aperture-2.0-Decodierung. Unsere Testexporte zeigen ein sauberes Demosaicing ohne Artefakte in strukturierten Bildbereichen.
Weitere Neuerungen bei den parametrischen Werkzeugen sind ein fortgeschrittener Retuschierpinsel, der in der Art von Photoshops Werkzeugen zum Reparieren und Klonen vorgeht, und Funktionen für das Hinzufügen oder Entfernen von Vignettierungen. Das Ausrichten von Bildern ist nun komfortabler, beim Drehen von Beschnitten wird das Gesamtbild eingeblendet. Schließlich und endlich gibt es Beschnittanzeigen für Bildbereiche jenseits von Weiß- und Schwarzpunkt. Sie lassen sich auch live während der Regelung etwa bei der Belichtung mit gedrückter Befehl-Taste anzeigen.
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