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Publishing-Software

Quark Xpress 2015 im Test

28.04.2015 | 11:05 Uhr |

Quark führt eine neue Zählweise der Versionsnummer für Xpress ein und orientiert sich künftig am Veröffentlichungsjahr. Die Version 2015 ergänzt der Hersteller um lange gewünschte Features und erweitert Grundfunktionen

Zunächst hat sich der Hersteller der von manchen Anwendern beklagten Performance-Probleme angenommen. Die mit der Version 10 eingeführte Technologie der hochauflösenden Darstellung von Bildern und Grafiken funktioniert ähnlich wie bei einer Fotoverwaltungssoftware. Das Programm berechnet hochauflösende Vorschaubilder und legt diese in einem eigenen Ordner ab. Dieser Ordner kann mitunter mehrere Gigabyte groß werden. Hier hat Quark nachgebessert und die Technik deutlich beschleunigt. Auch EPS-Dateien werden jetzt dauerhaft hochauflösend dargestellt.

Xpress 2015 ist eine reine 64-Bit-Applikation und unterstützt Multiprozessorsysteme. Auch die Geschwindigkeit der Grafikkarte spielt eine große Rolle für die Bildschirmanzeige. Selbst die Textdarstellung wird auf mehrere Prozessoren verteilt. Vorbildlich: Der Installationsprozess ist auf das Ziehen und Loslassen der Programmdatei auf den Programme-Ordner reduziert.

Mit den neuen Tabellenstilen lassen sich komplexe Designs für Tabellen mit einem Mausklick anwenden
Vergrößern Mit den neuen Tabellenstilen lassen sich komplexe Designs für Tabellen mit einem Mausklick anwenden

Neue Formate und Werkzeuge

Anwender, die Formate größer als 1,20 Meter Seitenlänge benötigen, können nun Dokumente mit einem Format von bis zu 5,6 Meter im Quadrat angelegen. Unter „Neues Projekt > Datei­größen > Neu …“ können eigene Seitengrößen definiert und dauerhaft als Vorlage gespeichert werden. Zusätzlich lässt sich die Gesamtzahl der anzulegenden Seiten eines Projektes direkt im Dialog festlegen. In die aktuelle Version ist das aus der Version 9 bekannte, spezielle orthogonale Linien-Werkzeug wieder zurückgekehrt. Platzierte Bilder und Grafiken lassen sich im Rahmen um bis zu 5000 Prozent skalieren. Viele Paletten haben ein Suchfeld spendiert bekommen, um lange Listen beispielsweise  Stilvorlagen oder Farben schneller durchforsten zu können. Verbesserungen finden sich auch im Umgang mit Layouts für E-Books. Um Layoutkomponenten gezielt festzusetzen, können E-Book-Layouts im E-Pub- und im Kindle-Format fixiert werden, was die Herstellung von Designs mit festem Bild-Textbezug erleichtert. Die HTML5-Animationen für die Gestaltung von Tablet-Apps lassen sich jetzt auch innerhalb von E-Book-Layouts einsetzen. Damit überträgt Quark die Interaktivität von App Studio auf E-Pub-Dokumente, die im Vergleich zu Apps relativ unkompliziert zu veröffentlichen sind. Im Prinzip handelt es sich um die gleiche Technologie wie HTML5 und XML, nur mit einem anderen Ausgabeformat. Lese-Software muss den E-Pub3-Standard unterstützen.

Xpress 2015: Das ist neu

Das neue Programmicon
© Quark

Xpress 2015 – das ist neu

– Programmcode auf 64 Bit umgestellt

– PDF/X-4-Ausgabe

– Seitenformat bis 5,6 Meter Seitenlänge

– Werkzeug für orthogonale Linien

– Fixiertes Layout für E-Books

– Eigene Seitengrößen

– Nachträgliches Verknüpfen von platzierten Bildern und Grafiken

– Projektweites Sammeln für die Ausgabe

– Benutzerdefinierte Tastaturkurzbefehle

– Tabellenstile und neue Inline-Tabellen

– Neues Werkzeug zum Übertragen von Formaten

– Automatische Fuß- und Endnoten

– Neues Tabellen-Werkzeug mit Tabellenstilen

– Variablen zum automatischen Einfügen von Inhalten

Detailverbesserungen und Austausch

Eine willkommene Neuerung ist das nachträgliche Verknüpfen von Bildern. Im überarbeiteten Dialog „Hilfsmittel > Verwendung > Bilder …“ wählt der Layouter das zu ersetzende Bild. Per Mausklick auf die Schaltfläche „Aktualisieren“, die jetzt dauerhaft aktiv ist, wählt er ein alternatives Bild auf der Festplatte aus.

Die Weitergabe von Xpress-Projekten an Dritte geschieht mit dem Befehl „Bearbeiten > Für Ausgabe sammeln …“. Bisher konnte das nur für ein Layout durchgeführt werden. Bei Projekten, die mehrere Layouts enthalten, musste die Sammlung für jedes Layout einzeln vorgenommen werden. In Xpress 2015 befindet sich im Ausgabedialog eine tabellarische Auflistung aller im Projekt vorhandenen Layouts. Der Anwender bestimmt Ankreuzhaken der für die Sammlung zu berücksichtigenden Layouts.

Für eine bessere Integration von Xpress 2015 in den Produktionsalltag, können nun individuelle Tastaturkürzel in den Vorgaben definiert werden. Unter „Vorgaben > Programm“ findet sich in der Liste der neue Eintrag „Tastenkürzel“. Dazu muss aber der voreingestellte Satz der Original-Tastenkürzeln zunächst dupliziert und dann unter neuem Namen gespeichert werden.

­Anwender können mit Quark Xpress 2015 eigene Tastaturkurzbefehle definieren
Vergrößern ­Anwender können mit Quark Xpress 2015 eigene Tastaturkurzbefehle definieren

Um die Arbeit mit Tabellen zu erleichtern, hat Quark Tabellenstile eingeführt, die Rahmen- und Linienstärke sowie Hintergrundfarbe und viele andere Parameter einer Tabelle per Mausklick definieren. Die neuen Inline-Tabellen funktionieren ausschließlich über die Verlinkung mit Excel. Sogar Importe mit bis zu 50 000 Zellen lassen sich sensationell schnell handhaben. Inhalte verändern sich dabei lediglich über die Datenquelle Excel und lassen sich innerhalb von Quark nicht direkt bearbeiten.

Neu zur Maßpalette hinzugekommen ist der Pinsel „Format übertragen“. Mit diesem Werkzeug können Eigenschaften einer Glyphe wie beispielsweise Schriftgröße, Farbe oder Grundlinienversatz aufgenommen und auf eine andere Glyphe oder ein anderes Wort übertragen werden.

Automatisierung und Export

Weitere Neuerungen beziehen sich auf den Bereich der Layoutautomatisierung. Dazu gehört das automatische Anlegen von Fuß- und Endnoten. Der Anwender wählt den gewünschten Begriff im Textrahmen aus und legt per Befehl „Stil > Fußnoten/Endnoten > Fußnoten einsetzen …“ die dazugehörige Fußnote an. Auch der Import von Fußnoten und Endnoten aus Word-Dateien im Docx-Format ist möglich. Unter Inhaltsvariablen versteht Quark Inhalte von Textrahmen, die durch unterschiedliche Eigenschaften automatisch definiert werden. Das können Seitenzahlen, Ausgabe- oder Änderungsdaten oder Variablen für lebende Kolumnentitel oder ähnliches sein. Die Inhaltsvariablen können über Anker im Text verknüpft werden und reagieren auf Veränderungen der Parameter in Echtzeit. Um die Übersicht zu behalten, lassen sich die Inhaltsvariablen im Layout per Menübefehl farbig hervorheben.

Inhaltsvariablen helfen bei der Gestaltung von inhaltsbezogenen Textrahmen wie beispielsweise lebende Kolumnentitel.
Vergrößern Inhaltsvariablen helfen bei der Gestaltung von inhaltsbezogenen Textrahmen wie beispielsweise lebende Kolumnentitel.

Ebenfalls neu ist die verifizierte PDF/X-4-Ausgabe, die sich beim PDF-Export in den Ausgabestilen anwählen lässt. Dabei gelingt es, transparente Photoshop-Dateien mit transparenten PDF- und Xpress-Objekten auszugeben. Zum Verifizieren hat Quark die Technologie des Herstellers Callas eingebaut. Das ist die gleiche Technologie, die auch von Ado­be verwendet wird. Nach dem Export als PDF kann dieses automatisch in Acrobat geöffnet werden. Wer Projekte mit Hilfe von Job Jackets generiert, kann jetzt ein Wörterbuch integrieren. Das Hilfslexikon, das jetzt im XML-Format vorliegt, ist extern editierbar.

Anwender, die noch mit älteren Xpress-Dokumenten beschäftigt sind, die sich mit der 2015er-Version nicht öffnen lassen, können auf den kostenlosen Quark-Document-Converter zurückgreifen, mit dem sich diese Daten im Stapel für die Lesbarkeit in höheren Versionen umwandeln lassen.

Der neue Pinsel „Format übertragen“ in der Maßpalette überträgt Eigenschaften eines Wortes oder eines Zeichens auf ein anderes
Vergrößern Der neue Pinsel „Format übertragen“ in der Maßpalette überträgt Eigenschaften eines Wortes oder eines Zeichens auf ein anderes

Empfehlung Quark Xpress 2015

Mit diesem Versionssprung wagt der Hersteller Quark so etwas wie einen Neuanfang und es gelingt, die Schlagzeilen, die sich um die Version 10 rankten, hinter sich zu lassen. Xpress 2015 ist ein vielseitiges Design-Werkzeug, das begeistert. Nicht ohne Grund bieten überraschend viele Drittentwickler pünktlich zum Veröffentlichungstermin nützliche Erweiterungen an. Nach eigenen Angaben will der Hersteller keinesfalls auf ein Abo-Modell wechseln und wird weiterhin vollwertige Kauflizenzen anbieten. Er bietet aber Service-Pläne an, bei denen sich die Upgrade-Kosten noch reduzieren. Xpress 2015 ist ab 28. April diesen Jahres zum Download verfügbar.

Völlig überarbeitetes Design-Werkzeug für Print­medien, interaktive E-Books und Apps

Preis:

€ 1000, CHF 1032

Lehrer-/Studenten-Version:

€ 150, CHF 155

Upgrade von jeder Version:

€ 400, CHF 413, Kostenlos für Anwender, die Xpress 10 ab dem 1. Oktober 2014 erworben haben

Leistung (40 %)

1,4

Ausstattung (30 %)

1,8

Handhabung (20 %)

1,4

Dokumentation (10 %)

2,0

Vorzüge:

Verbesserte Arbeitsgeschwindigkeit, Multiprozessorunterstützung

Nachteile:

  Vistas-Extension zur Bildbearbeitung platzierter Bilder weiterhin nicht vorhanden  

Alternative:

Adobe Creative Suite CC, Apple Pages,

Systemvoraussetzung

Ab Mac OS X 10.7, Intel-Prozessor

Hersteller:

Quark

Gesamtnote:

1,6 - gut

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