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Quark Xpress 2016: Gute Indesign-Alternative ohne Abo

16.06.2016 | 15:10 Uhr |

Mit Version 2016 von Quark Xpress präsentiert der Hersteller viele spannende neue Funktionen für den Produktionsalltag. Mit dem Slogan „Die bessere Alternative für Kreativprofis“ wirbt der Entwickler um neue und alte Nutzer. Macwelt hat die kommende Version unter die Lupe genommen und die Funktionsverbesserungen an einer Vorabversion ausführlich getestet.

Neben zahlreichen Verbesserungen am Unterbau der Software, die einen spürbaren Geschwindigkeitszuwachs und mehr Stabilität zur Folge haben, hat auch die Benutzeroberfläche an vielen Stellen sinnvolle Verbesserungen erfahren. Dabei ist die Schnittstelle für Drittanbieter-Plugins, so genannten „XTensions“ im Vergleich zur Version 2015 gleich geblieben. Das bedeutet in der Praxis, dass für die Version 2015 erworbenen XTensions ohne weitere Probleme auch mit der Version 2016 laufen sollen.

Platzierte PDF-, Illustrator- oder EPS-Dateien lassen sich mit dem neuen Befehl „In native Objekte Umwandeln“ mit den Bezier-Werkzeugen von Quark Xpress bearbeiten.
Vergrößern Platzierte PDF-, Illustrator- oder EPS-Dateien lassen sich mit dem neuen Befehl „In native Objekte Umwandeln“ mit den Bezier-Werkzeugen von Quark Xpress bearbeiten.

Die einzige Einschränkung dabei: Konkurriert eine in Quark Xpress 2016 neu implementierte Funktion mit der Funktion einer Drittanbieter-Erweiterung, so kann es zu Konflikten kommen. Der Aufwand für die Anpassung bleibt dann minimal. Die Inhalte modaler Dialogboxen wie beispielsweise Absatzformate oder die Rahmenattribute wurden schon mit der Version 10 komplett in die Maßpalette integriert. Um die Lesbarkeit der Maßpalette besonders auf hochauflösenden Retina-Displays zu verbessern, lässt sich diese jetzt um 50 Prozent vergrößern. Das geschieht per Mausklick auf das Zahnradsymbol der Maßpalette, das dafür ein Auswahlmenü bietet. Anwender mit Bluethooth-Trackpad von Apple, mobilem Mac mit Touch-Pad oder einem gleichwertigen Eingabegerät wie z.B. ein touch-fähiges Grafiktablett von Wacom, profitieren von neu in Quark Xpress eingebauten Gestensteuerungen. So lassen sich Seitenlayouts mit den Fingern nicht nur in alle Richtungen verschieben, sondern per Geste vergrößern und verkleinern oder es lassen sich Bildrahmen aktivieren und deren Inhalte mit zwei Fingern rotieren.

In Pfade gewandelte Objekte liegen zunächst gruppiert vor. Um an die Pfade zu gelangen. müssen sie ungruppiert werden.
Vergrößern In Pfade gewandelte Objekte liegen zunächst gruppiert vor. Um an die Pfade zu gelangen. müssen sie ungruppiert werden.

Quark Xpress 2016: Umgang mit Text und Farbe

Auch die Suche im Dokument haben die Entwickler weiter verbessert. Es ist jetzt möglich, nach geschützten Leerzeichen und weiteren Sonderzeichen zu suchen und diese zu ersetzen. Die Palette für "Suchen und Ersetzen" lässt sich per Mausklick so zusammenklappen, dass nur noch die Schaltflächen sichtbar sind und mehr Übersicht bei der Arbeit entsteht. Die dynamischen Hilfslinien, die mit der Version 10 Einzug in das Programm gehalten haben, richten sich jetzt auch an Textspalten und der Mitte des Spaltenabstands aus. Das ist hilfreich, wenn die Notwendigkeit besteht, auf einer Seite mit Objekten zu hantieren, die über unterschiedliche Spaltenanzahl verfügen. Das Ausrichten von Spaltentrennlinien gelingt im Handumdrehen, da diese nun exakt in der Mitte des Spaltenabstands einrasten. Beim Aufziehen von Text- oder Bildrahmen erscheint neben dem Mauszeiger ein kleines Informationsfenster mit Angabe der Rahmengröße.

Mit dem neuen Farbpipettenwerkzeug können Farben aus platzierten Bildern extrahiert und in die Farbpalette übernommen werden.
Vergrößern Mit dem neuen Farbpipettenwerkzeug können Farben aus platzierten Bildern extrahiert und in die Farbpalette übernommen werden.

In Xpress 2016 lassen sich nun auch Textrahmen an die Textmenge anpassen. Das hilft in zweierlei Hinsicht. Befindet sich im Textrahmen Übersatz, so verlängert sich mit dem Befehl „Objekt > Rahmen an Text anpassen“ der Rahmen entsprechend der Textmenge nach unten. Ist der Rahmen länger als der darin befindliche Text, verkürzt sich der Textrahmen entsprechend nach oben. Die mit der Version 2015 neu hinzugekommenen Inhaltsvariablen sind Funktionen, bei denen Texte kontextbezogen variieren können. So lassen sich automatisiert Erstellungsdatum, Ausgabedatum oder andere Variablen automatisch im Text anzeigen. Der einzige Haken dabei: Inhaltsvariablen konnten nicht umbrechen und waren deshalb nicht immer optimal zu handhaben. Die Inhaltsvariablen von Quark Xpress 2016 umbrechen jetzt vorbildlich und fügen sich nahtlos in den Fließtext ein. Mehr und mehr Open-Type-Fonts bieten Schriftsetzern und Typografen ausgefeilte Varianten einzelner Buchstaben.

Mehrstufige Farbverläufe mit beliebig vielen Übergangspunkten sowie jeweils unterschiedlicher Transparenz können jetzt angelegt werden.
Vergrößern Mehrstufige Farbverläufe mit beliebig vielen Übergangspunkten sowie jeweils unterschiedlicher Transparenz können jetzt angelegt werden.

Besonders Script-Fonts verfügen manchmal über sehr viele Alternativen eines Buchstabens, um ein abwechslungsreiches und vielfältiges Schriftbild zu erzeugen. Um eine Glyphe innerhalb eines Textrahmens in Quark Xpress zu verändern, musste der Gestalter einzelne Lettern im Text auswählen und mit Hilfe der Glyphen-Palette individuell mit einer Alternative austauschen. In Quark Xpress 2016 lässt sich dieser Prozess mit Hilfe von Open Type Stylistic Sets weitestgehend automatisieren. Dazu definiert der Gestalter zunächst die Alternative einer Glyphe und speichert sie als Stylistic Set. Bis zu 20 solcher Sets lassen sich speichern und variabel während der Bearbeitung eines Textes zur Anwendung bringen.

Was ist neu?

- Umwandeln von PDF-, Illustrator- und EPS-Dateien in Quark-Xpress-Objekte

- Kopieren von Objekten aus Illustrator, Indesign, Affinity, Microsoft Office u.a. und in Quark Xpress einfügen

- Mehrstufige Farbverläufe

- Export als HTML5-Publikationen

- Unterstützung von OpenType Stylistic Sets

- Farbpipette zur Farbauswahl

- Unterstützung von Touch-Oberflächen für Gestensteuerung

- Suchen und Ersetzen von geschützten Leerzeichen und anderen Zeichen

- Verbesserte dynamische Hilfslinien

- Textrahmen an Text anpassen

- Option zur Vergrößerung der Maßpalette um 50%

- Option für Zeilenumbruch von Inhaltsvariablen

- Unterstützung von ICCv4-Profilen

Farben extrahieren

Um aus in Quark Xpress 2016 platzierten Objekten oder Bildern Farben zu extrahieren, ist in der Farbpalette eine Farbpipetten-Werkzeug hinzugekommen. Mit der Farbpipette fährt der Layouter über jedes Pixel eines platzierten Bildes oder Objektes und speichert per Mausklick die Farben zunächst in einem Zwischenspeicher, der sich als horizontale Leiste am unteren Ende der Farbpalette befindet. Gefällt die Farbauswahl, wandern die Farben per Doppelklick auf das Symbol in die Farbpalette. Ein Alt-Klick entfernt sie aus wieder aus dem Zwischenspeicher.

Die Größe von Textrahmen passt sich per Befehl an die vorhandene Textmenge an.
Vergrößern Die Größe von Textrahmen passt sich per Befehl an die vorhandene Textmenge an.

Ein Mausklick auf das Tonwert-Symbol ruft zu jeder Farbe im Zwischenspeicher den Farbe-Bearbeiten-Dialog auf und zeigt die detaillierten Werte an. Farbverläufe lassen sich jetzt mehrstufig anlegen. Unter „Fenster > Farbverläufe“ befindet sich die neue Palette mit allen dazugehörigen Einstellmöglichkeiten. Mit beliebig vielen Übergangspunkten definiert der Anwender den Verlauf, der linear oder kreisförmig sein kann. Die Eingabe erfolgt wahlweise mit der Maus oder über numerische Eingabe von Werten. Es können für jeden Übergangspunkt auch unterschiedliche Transparenzen gewählt werden. Eine willkommene Erweiterung stellt die neu hinzugekommene Unterstützung von ICCv4-Profilen dar, die immer mehr an Bedeutung in der digitalen Medienproduktion gewinnen werden. Besonders die Einbindung ICCv4 in PDF-X4 basierende Produktionsabläufe wird in naher Zukunft eine Rolle spielen.

Print-Layouts lassen sich in digitale Layouts wandeln, mit interaktiven Inhalten anreichern und als HTML-5-Publikation in Webseiten einbinden.
Vergrößern Print-Layouts lassen sich in digitale Layouts wandeln, mit interaktiven Inhalten anreichern und als HTML-5-Publikation in Webseiten einbinden.

Austausch in der Publishing-Umgebung: Als Xpress-Objekt übernehmen

Eine der spannendsten neuen Funktionen in Quark Xpress 2016 ist die Umwandlung von PDF-, Illustrator- und EPS-Dateien in echte Quark-Xpress-Objekte. Das ist deshalb so interessant, weil das Nachzeichnen oder Extrahieren von Objekten aus unterschiedlichsten Quell-Dateien zum mühseligen Alltag des Publishing-Dienstleisters gehört. Das Konzept dieser Funktion unterscheidet sich von Drittanbieter-Lösungen und bezieht sich auf alle Elemente, die innerhalb eines Bildrahmens sichtbar sind. Der Rahmen kann so groß wie eine ganze importierte Dokumentseite sein. Um die Umwandlung auszulösen, importiert der Anwender wahlweise ein PDF, eine Illustrator-Datei oder ein auf der Festplatte gespeicherte EPS in einen Bildrahmen. Mit dem Menübefehl „Stil > In natives Objekt umwandeln“ werden alle sichtbaren Komponenten in bearbeitbare Elemente umgewandelt. Vektoren werden als Bezierkurven, Texte werden als Fließtext übernommen sowie Farben und Texte extrahiert. Sind Schriften der extrahierten Texte im System nicht vorhanden, werden die Texte farbig markiert. Die aus der Quelldatei extrahierten Farben landen inklusive der korrekten Bezeichnung mit den jeweiligen Farbwerten in der Farbpalette. Bilder werden in das Quark-Xpress-Layout in Originalgröße eingebettet. Die Implementierung der Funktion ist erstaunlich robust und funktioniert auch bei allen möglichen Exoten sowie Corel-Draw- oder Freehand-EPS, die möglicherweise noch in Umlauf sind.

Beliebige Pfade, Bilder und Objekte lassen sich aus Programmen wie Illustrator, Indesign, Affinity, Microsoft Office u.a. kopieren und in Quark Xpress einsetzen und nachbearbeiten.
Vergrößern Beliebige Pfade, Bilder und Objekte lassen sich aus Programmen wie Illustrator, Indesign, Affinity, Microsoft Office u.a. kopieren und in Quark Xpress einsetzen und nachbearbeiten.

Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, beliebige Objekte oder verschachtelte Elemente aus Illustrator, Indesign, dem Microsoft-Office-Paket mit Powerpoint oder Excel, über die Zwischenablage als Quark-Xpress-Objekte einzufügen. Auf diese Weise können grafische Elemente bis hin zu komplexen Seitenlayouts, im Handumdrehen in ein Quark-Xpress-Projekt überführt werden. Dazu wechselt der Anwender zunächst in ein Quellprogramm wie beispielsweise Indesign. Dort werden die gewünschten Rahmen und Objekte ausgewählt und per Befehl kopiert. Anschließend wechselt der Anwender zurück zu Quark Xpress 2016 und wählt den Befehl „Bearbeiten > Einsetzen als native Objekte“. Schon landen alle zuvor kopierten Objekte auf der Arbeitsfläche inklusive aller darin enthaltenen Farben, Textrahmen und Bildern. Die Farben werden automatisch nach Werten geordnet in die Farbpalette aufgenommen.

Die Werte in mehrstufigen Verläufen oder der komplette Verlauf lässt sich kopieren.
Vergrößern Die Werte in mehrstufigen Verläufen oder der komplette Verlauf lässt sich kopieren.

Digital Publishing auch für Printexperten leicht gemacht

Auch im Bereich des digitalen Publizieren hat sich einiges getan. Quark Xpress unterscheidet, was den Layouttyp angeht, nur noch zwischen Layouts für Print oder Digital. Für das digitale Publizieren steht neben der Ausgabe als interaktive App oder als Dokument im Epub-Format auch die Möglichkeit, bestehende Drucklayouts als HTML5-Publikationen online zum Durchblättern zu veröffentlichen. Dazu wird das Drucklayout einfach in ein digitales Layout umgewandelt. Nach der Umwandlung kann es genauso wie die anderen Ausgabeformate optional mit den gleichen interaktiven Inhalten angereichert werden.

Die Assets einer HTML-5-Publikation landen lokal in einem Ordner auf der Festplatte.
Vergrößern Die Assets einer HTML-5-Publikation landen lokal in einem Ordner auf der Festplatte.

Dazu gehören unter Anderem die Einbettung von Tönen und Filmen, Hyperlinks und Diashows, interaktive Popup-Menüs und Weiteres. Anschließend werden per Befehl „Ablage > Exportieren > Als HTML 5 Layout exportieren …“ sämtliche Assets und Code-Fragmente inklusive eines Index.html lokal in einem Ordner gesammelt. Das so entstandene „Paket“ lässt sich bequem in eine Webseite einbinden. Eine enthaltene Javascript-Datei definiert das Aussehen der Online-Darstellung und lässt sich auf Wunsch mit wenigen Handgriffen individuell anpassen. Was die typografischen Funktionen beim Export in digitale Formate wie Apps, E-Books oder HTML5-Publikation angeht, hat Quark auch hier nachgebessert. Spezielle Fälle der Textdarstellung wurden bisher einfach in ein Bild gewandelt. Jetzt sind Umfluss, Textausrichtung oder mit Bindestrichen gekoppelte Wörter, Einzüge, Spationieren von Buchstaben sowie viele weitere Spezialitäten ohne Umwandlung beim Export darstellbar.

Für digitale Layouts lassen sich die verschiedenen Bildschirmformate als Voreinstellungen speichern.
Vergrößern Für digitale Layouts lassen sich die verschiedenen Bildschirmformate als Voreinstellungen speichern.

Empfehlung

Die vorliegende Version zeigt sich durch praktische und intelligente Funktionen erweitert, die die Einbindung in Produktionsumgebungen der Publishing-Industrie erleichtern. Die Funktionalität und Leistungsfähigkeit des Programms sind als ernsthafter Konkurrent zum Wettbewerb herangewachsen. Quark Xpress 2016 ist seit dem 24. Mai als unbeschränkte Kauflizenz ohne Abonnement  im Handel.

Quark Xpress 2016 unterscheidet nur noch zwischen Druck- und Digital-Layouts
Vergrößern Quark Xpress 2016 unterscheidet nur noch zwischen Druck- und Digital-Layouts

Software zur Herstellung von Printmedien, HTML5-Publikationen, interaktive eBooks und Apps

Hersteller:

Quark, www.quark.com/de/

Preis:

€ 999, Lehrer-/Studenten-Version: € 79, Upgrade auf 2016 von QuarkXPress 2015 €199, Upgrade von jeder Version vor 2015 € 399. Upgrade-Plan 12 Monate €179, 24 Monate €299.

Note:

sehr gut

Vorzüge:

Spannende Funktionen zur Wandlung von Grafikdateien  

Nachteile:

keine ersichtlich

Alternative:

Adobe Creative Cloud, Affinity Designer, Apple Pages,

Systemvoraussetzungen:

Ab Mac OS X 10.9, Intel-Prozessor

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