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Realbasic 5.5

31.03.2004 | 15:36 Uhr |

Der Umgang mit der Entwicklungsumgebung ist leicht zu erlernen - in der neuen Version unterstützt Real Basic auch Linux.

von Christian Schmitz

Eine wichtige Neuerung in Realbasic 5.5 ist der Linux-Compiler. Um diesen am Mac auszuprobieren reicht Virtual PC und eine Linux Redhat 9 Distribution. Auf www.redhat.de findet man im Downloadbereich die drei CD-Imagedateien zum kostenlosen Download. Nach der Installation lassen sich über das lokale Netzwerk die von Realbasic erzeugten Linux-Programme vom Mac auf den Linux PC downloaden und starten.
Die Beispiele, die Realbasic beiliegen, funktionieren unter Linux, wobei allerdings zu erwähnen bleibt, dass nur bestimmte Linux Distributionen auf der Intel i386 Plattform unterstützt werden. Außerdem fehlt unter Linux eine Softwarebibliothek wie Quicktime, so dass einige Multimediaklassen (zum Beispiel Movie) nicht funktionieren.


Auch größere Projekte lassen sich für Linux kompilieren. Allerdings ist etwas Handarbeit nötig, da die wenigstens Plug-in-Autoren ihre Plug-ins angepasst haben und es keine zentrale Menüleiste unter Linux gibt. Nicht jedes Programm ist so angelegt, dass es eine Menüleiste in jedem Dokumentenfenster akzeptiert.


Eine weitere Verbesserung sind die verkleinerten Programmgrößen. Ein leeres Projekt kompiliert in Realbasic 5.2 zu einer 1,5 MB großen Mac-OS-X-Programmdatei, wohingegen Realbasic 5.5 nur noch 848 KB erzeugt. Ein Teil der Einsparungen resultiert aus einem einfachen Trick: Die Funktionsbibliothek, die jedem Programm beiliegt ist jetzt komprimiert. Das spart zwar 700 KB, allerdings kann Stuffit die Programmdateien jetzt nicht mehr so gut komprimieren.


Bei größeren Projekten macht sich noch eine Reihe von anderen Optimierungen bemerkbar. Fügt man einem leeren Projekt ein zweites Fenster hinzu und platziert etwa 20 Steuerelemente, dann werden die Programme nur noch etwa drei KB größer. Realbasic 5.2 schlägt hier noch 26 KB hinzu. Real Software hat also den Code für die Steuerelemente deutlich reduziert.


Die Kompression der Funktionsbibliothek gibt es für Windows und Linux leider nicht. Unter Windows fällt ein leeres Projekt kompiliert mit 100 KB Zuwachs gegenüber 5.2 auf. Der Grund: hier wird generell die JPEG-Bibliothek eingebunden. Realbasic-Programme können folglich unter Windows auch ohne Quicktime oder zusätzliche Plugins JPEG-Bilder laden und speichern.
Eine weitere Verbesserung des Compilers ist die Auswertung konstanter Ausdrücke. Eine Zeile wie "x=5*6+7" wird in Realbasic 4.5/5.2 noch jeweils ausgerecht. Realbasic 5.5 schreibt in den Code direkt das Ergebnis, also "x=37".
Realbasic Pro konnte bisher eine lokale Datenbank für einen Benutzer erzeugen. Die Realdatabase Engine dahinter wurde jetzt neu geschrieben und steht nun auch Anwendern von Realbasic Standard zur Verfügung. Dabei wurde einiges verbessert. Der Parser für die SQL Befehle (SQL 92) funktioniert besser. Zugriffe auf andere Datenbanken (zum Beispiel Oracle) erfordern jedoch weiterhin eine Realbasic Pro Version. Ausgenommen davon sind Datenbanken mit eigener Realbasic-Schnittstelle wie Valentina.
Ein Novum in Realbasic 5.5 sind die so genannten Terminalprogramme. Wählt man in Realbasic 5.5 den Menüeintrag "Neu" im Ablagemenü an, hat man nun die Wahl zwischen mehreren Projektarten, unter anderem auch "Console Application". In diesem gibt es keine grafische Oberfläche. Ähnlich alter Basic Dialekte finden Ausgaben nur in Textform in das Terminalfenster statt und mit Input nimmt das Programm Tastatureingaben entgegen. Interessant ist dies, um unter Mac-OS X Programme laufen zu lassen, die auch funktionieren, wenn gerade kein Benutzer eingeloggt ist (als Serverprogramm) oder um beim Apache Webserver kleine CGI ähnliche Realbasic Programme einzusetzen.

Fazit

Für alle Realbasic 5.2 Anwender ist Realbasic 5.5 praktisch ein Pflichtupdate; alleine schon der vielen Fehlerkorrekturen wegen. Auch für Realbasic 4.x Anwender, die noch zögern, empfehlen wir den Umstieg, allerdings nur, wenn sie ihre Programme auch anpassen wollen. cs

Das ist neu

- Linux/x86 Compiler
- Verbesserter Import von Visual Basic Projekten
- Neue Klassen für das Parsen und Erzeugen von XML Daten
- Neu entwickelte Datenbank
- Datenbank-Plug-in für Oracle 9i (Mac+Win)
- Verbesserter Code-Editor
- Debuggen über Plattform-Grenzen hinaus.
- erzeugt Terminalprogramme
- Verbessertes Drucken unter Windows
- Zugriff auf das Mac OS X Addressbuch

Wertung: 2,0 / gut / fünf Mäuse
Vorzüge: einfach zu erlernen, erstellt Programme für Mac-OS Classic, Mac-OS X, Linux/x86 und Windows aus einem Quelltext.
Nachteile: erzeugt große Programmdateien, wenig Compileroptimierung, nicht für alle Projekte geeignet.
Preis: Standardversion € (D) 90, € (A) 94, CHF 124, Pro Version € (D) 370, € (A) 383, CHF 507
Systemanforderungen: ab Mac-OS 8.6, ab Mac-OS X 10.1, ab Windows 98
Hersteller: Realsoftware
Info: ASH

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