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Reif für einen Oscar

10.10.2001 | 00:00 Uhr |

Die High-End-Modelling- und Animationssoftware Maya debütiert unter Mac-OS X. Dank des Unix-Kerns des neuen Betriebssystems und Open GL hat Alias|Wavefront die Portierung nun erfolgreich abgeschloss

Wann immer im Laufe des vergangenen Jahrzehnts in Hollywood ein Oscar für Spezialeffekte verliehen wurde, hatte eine Softwarecompany namens Alias/Wavefront ihre Hände im Spiel. Eine schier endlose Liste atemberaubender Filmeffekte wie sie in Batman, Jurassic Park, Star Wars oder The Matrix zu sehen sind, wurden unter anderem mit Maya von Alias/Wavefront realisiert.

Hollywood auf dem Macintosh


Jetzt ist Maya für Mac-OS X im Handel, eine Version, die zu weiten Teilen Maya 3.5 entspricht, aber darüber hinaus einige Teile von Maya 4 enthält, jener Version, die schon länger für Windows NT, Linux und Irix erhältlich ist. Von den insgesamt drei Ausbaustufen von Maya ist vorerst nur Maya Complete erhältlich. Maya Builder soll im Laufe der nächsten Monate folgen. Für Maya Unlimited wollte Alias/Wavefront noch keinen Fertigstellungstermin nennen. Bei Maya für Mac-OS X muss man deshalb auf die Sonderwerkzeuge, wie spezielle Funktionen für Haare und Fell, vorerst verzichten. Dafür bekommt man Quicktime im Im- und Export.

3D-Arbeitsplatz


Der Arbeitsplatz in Maya gruppiert sich im wesentlichen um die umschaltbaren und in ihrer Darstellungsqualität editierbaren 2D- und 3D-Ansichten in der Mitte der Arbeitsfläche. Die obere Bildschirmhälfte wird dominiert von Menüzusammenfassungen, der Statusanzeige und den Bearbeitungswerkzeugen zum Verschieben, Rotieren oder Skalieren. In "Shelf" lassen sich individuelle Werkzeugzusammenstellungen speichern - wie bei anderen Programmen kann man eigene Kurzbefehle definieren. In der rechts befindlichen "Channel-Box" lassen sich Parameter eines aktivierten Objektes bearbeiten. Am unteren Bildschirmrand befinden sich die Steuerelemente für Animationen, eine Zeitleiste und ein Eingabefeld für Skript-Befehle, die man in der Maya-eigenen Sprache MEL (Maya Embedded Language) eingeben muss.

Werkzeugvielfalt


Grundlegende Modelling-Hilfsmittel erlauben das Erstellen von einfachen Grundkörpern, achsensymmetrischen Drehkörpern und Extrusionskörpern. Mit Nurbs-Kurvenwerkzeugen lassen sich polygonale, gekrümmte Körper entwerfen. Das "Birail"-Werkzeug erstellt auf Grundlage zweier oder mehr Kurven ein dreidimensionales Gebilde. Mit dem "Trim Surface"-Werkzeug lassen sich aus gekrümmten Flächen definierte Bereiche ausstanzen. Um zwei verschiedene Kurven zu einer Fläche verschmelzen zu lassen, greift man zum "Loft Surface"-Werkzeug. Die entstandenen Objekte lassen sich nachträglich auf verschiedenste Art editieren. So kann man einzelne Punkte, Patches, Isoparms oder übergeifende "Control-Vertices" bearbeiten, hinzufügen oder löschen. Darüberhinaus erlaubt die "Artisan"-Funktion, mit Hilfe eines Pinsels Körper zu bearbeiten, diese im 3D-Raum zu bemalen oder deren Oberflächenstruktur zu verfremden. Maya bietet "Paint-Effects" als Alternative zu Partikeleffekten an, wie Wolken, Blitze, Regen, Feuer und Rauch.

Fazit


Maya bietet erstaunliche Möglichkeiten, die nur durch die Phantasie des Designers begrenzt scheinen. Der Funktionsumfang ist erdrückend und bietet neue und inspirative Möglichkeiten. Daher bewegt sich der Preis in Regionen, die eher für Design- und Animationsstudios erschwinglich sind. Betrachtet man aber die Sekundenpreise für High-End-Animationen, so macht sich eine solch Anschaffung unter Umständen schnell bezahlt. Nikolaus Netzer/wm

Preis:

DM 20 750, E 10 604, S 152 550, sfr 18 055

Systemanforderungen:

Power Mac G4, wenigstens 512 MB Arbeitsspeicher, Grafikkarte ATI Rage 128 oder ATI Radeon (Nvidia in Vorbereitung), Mac-OS X

Info:

Alias/Wavefront

Sehr gute, aber extrem teure High-End-Modelling- und Animations-Software

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