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Ricoh Caplio GX

24.06.2004 | 10:54 Uhr |

Im hochwertigen mattschwarzen Metallgehäuse verpackt ist die Caplio GX. Sie nutzt einen 5-MP-Bildsensor und bietet ein Weitwinkel-Objektiv mit einer zu Kleinbild vergleichbaren Brennweite von 28 mm. Gerade bei Landschaftsaufnahmen kann man sich über dieses Ausstattungsmerkmal freuen. Wir testen die Kamera ausführlich.

Auch ihr Funktionsumfang beeindruckt. So bietet die Kamera eine sehr gute Makro-Funktion. Wie mit den anderen Caplio-Kameras kann man sich einem Zentimeter dem Motiv nähern. Meist ist das nicht sinnvoll. da der Schatten des Objektivs das Motiv verdeckt. Doch in gewissen Aufnahmesituationen ist diese Makrofunktion sehr hilfreich.

Gut gefällt uns die Taste "ADJ", mit der man die häufig gebrauchten Einstellungen Belichtungskorrektur, Weißabgleich und Empfindlichkeit (ISO-Wert) flott anwählt.

Auch bietet die Kamera vor dem Auslöser ein Drehrad, mit dem sich flott durch das Menü navigieren oder die Blende einstellen lässt. Übrigens kann man neben vorgewählten Weißpunkten wie Sonne oder Leuchtstofflampe auch einen eigenen Weißpunkt setzen, sehr empfehlenswert bei Mischlicht oder farbiger Beleuchtung des Motivs. Die Empfindlichkeit, also der ISO-Wert, lässt sich von 64 ISO bis stolze 1600 ISO wählen. Während hier das Farbrauschen bis ISO 200 wenig auffällt, ist es bei ISO 400 deutlich sichtbar und führt bei ISO 800 und ISO 1600 zu einem sehr starken Bildrauschen, das die Bildqualität deutlich mindert.

Dank dreier Serienbild-Funktionen (Serie, SSerie und MSerie) nimmt die Caplio GX entweder mehrere Fotos hintereinander auf (Serie) oder kachelt 15 in einem Abstand von 1/5 Sekunde geschossene Fotos zu einem Bild (SSerie). Interessant für die Aufnahme von Bewegungsabläufen ist der Modus "MSerie". Man hält den Auslöser bis zum letzten Foto, das man aufnehmen will, gedrückt. Die Kamera speichert dann die in den letzten drei Sekunden aufgenommenen 16 Bilder in der Auflösung von 2048 x 1536 Pixel. So kann man beim Tennisspielen den richtigen Moment für den Aufschlag abwarten. Normale Serienbildaufnahamen nimmt die Caplio GX zwischen neun Fotos pro Sekunde bei 640 x 480 Pixel und drei Aufnahmen in der höchsten Auflösung auf.

Praktisch ist die Möglichkeit der Intervallaufnahme. Automatisch erstellt die Kamera Aufnahmen mit einem Abstand zwischen 30 Sekunden bis zu drei Stunden (in 30-Sekunden-Schritten). So lassen sich beispielsweise Aufnahmen einer wachsenden Blume erstellen, die man anschließend am Mac zu einem Zeitraffer-Film zusammenfügen kann.

Dank Pict-Bridge-Unterstützung kann man die Kamera über USB-Kabel Fotos an entsprechende Drucker anschließen und direkt an der Kamera die zu druckende Fotos auswählen, das Format bestimmen und ausdrucken.

Schon beinahe Standard bei Digitalkameras ist der Szenen-Modus, von dem die Ricoh Caplio GX sechs bietet. Neben den Modus für Portrait-, Sport- und Landschaftsaufnahmen sind dies der Nachtmodus sowie der Modus "Hohe Empfindlichkeit" für Aufnahmen bei schwachem Licht. Außergewöhnlich ist der Textmodus, der das Bild im TIF-Format speichert.

Wie man die einzelnen Funktionen bedient, erklärt das PDF-Handbuch der Kamera ausführlich.

Ordentliche Bildqualität

Sowohl im Labor als auch im Praxiseinsatz zeigt die Kamera gute Ergebnisse. Wir stellen bei einer allgemein etwas aggressiven Schärfung geringe Farbsäume an harten Kanten zu den Bildrändern hin fest. In der Praxis überzeugt die Bildqualität auch in schwierigen Aufnahmesituationen wie Motive mit direktem Gegenlicht und dunklen Bildbereichen. Hier "saufen" die Lichter nicht ab und Details in den Tiefen sind ebenfalls noch gut zu erkennen. Lediglich bei Blitzaufnahmen neigt die Kamera in geringeren Abständen zur Überbelichtung des Motivs.

Viele Funktionen, teilweise mit Einschränkungen

Für kreative Fotografen ist die Kamera indes nur bedingt geeignet. So lässt sich zwar eine Dauerbelichtung von bis zu 30 Sekunden erstellen, allerdings bietet die Kamera nur eine Blenden- oder Zeitautomatik. Blende und Belichtungszeit lassen sich also nicht gleichzeitig manuell einstellen. Störender ist allerdings der manuelle Fokus. Auf eine Anzeige der Fokusdistanz muss man verzichten, darüber hinaus zeigt das Kameradisplay das Motiv zur optischen Kontrolle nicht vergrößert an. So lässt sich der manuelle Fokus nur bedingt einsetzen. Gerade kreativen Fotografen kann es zudem stören, dass die Caplio GX nur drei Blendenöffnungen bietet. Je Brennweitenbereich sind dies F2,5, F4,7 und F8,1 und im Telebereich F4,3, F8,0 und F14,0. Dennoch ist dies für eine Kamera dieser Preisklasse kein Manko.

Sprinter und Schnecke

Während die Kamera in einigen Funktionen recht flott zu Werke geht, braucht sie für andere Aufgaben einige Zeit. So ist sie nach dem Einschalten nach flotten 1,7 Sekunden Aufnahmebereit, allerdings ohne Blitz. Nach dem Einschalten der Kamera ist er ausgeschaltet, was durchaus seinen Grund hat. Denn je nach Ladezustand des Blitzes dauert es knapp zehn Sekunden, bis die Kamera mit Blitz aufnahmebereit ist. Dafür versüßt es etwas, dass die Kamera einen Zubehörschuh für ein externes Blitzgerät bietet

Je nach Motiv und Umgebungslicht arbeitet der Fokus von Digitalkameras unterschiedlich schnell. Die Caplio GX fokussiert im Test in verschiedenen Lichtbedingungen mit unter einer Sekunde angenehm flott. Im Makro-Modus braucht sie mit etwa zwei Sekunden etwa doppelt so lange, was aber vertretbar ist.

Etwa 26 Sekunden dauert es, bis die Kamera nach der Aufnahme eines Fotos als TIFF (Einstellung: NC2592) wieder bereit ist. Ein JPEG-Foto in höchster Qualität verarbeitet die Kamera mit 7,7 Sekunden ebenfalls gemächlich. Dafür ist die Kamera dank Zwischenspeicher nach einer Aufnahme in höchster JPEG-Qualität nach drei Sekunden bereit für das nächste Foto.

In den Mac

Nur mit einem eigenen "Mounter"-Programm , das dafür problemlos funktioniert, kann man unter Mac-OS X Fotos von der Caplio GX zum Mac übertragen. Unter Mac-OS 9 braucht man dafür keine extra Software.

Fazit

Dass die Caplio GX zu der Hälfte des Preises vergleichbarer Kameras auch Schwächen hat, darf keinen verwundern und ist angesichts des Preis-Leistungsverhältnis durchaus zu verzeihen. So bekommt man eine hochwertig verarbeitete Kamera mit insgesamt guter Bildqualität, bei der man indes Abstriche beim eingebauten Blitz sowie bei der Verarbeitungsgeschwindigkeit der Fotos in Kauf nehmen muss.

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