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SPSS 11 für Mac-OS X

07.08.2003 | 12:48 Uhr |

SPSS 11 hilft dem Mac im statistischen Umfeld der Universitäten nicht mehr vollständig als Mauerblümchen dazustehen. Die zweite Mac-OS-X-Portierung des Statistikklassikers ist gelungen, zeigt lediglich in der Optimierung Schwächen.

Schon vor einigen Monaten ist SPSS 11 in den Katalogen der Fachhändler aufgetaucht. Damit ist bereits die zweite Version des Statistikklassikers auf Mac-OS X portiert, liegt allerdings nur in englisch vor und wird laut SPSS-Sprecher Brian Schwartz auch nicht für andere Länder lokalisiert werden. Kein Beinbruch im wissenschaftlichen Bereich, wo SPSS bisweilen sehr häufig bei Volkswirten, Statistikern oder Sozialwissenschaftlern seinen Stammplatz gefunden hat und wo Englisch zum Standard zählt; zumal Mac-Anwender ohnehin lange Jahre mit der längst veralteten Version SPSS 6 oder mit Virtual PC vorlieb nehmen mussten. Gegenüber der ersten jüngeren Portierung, SPSS 10, hat die aktuelle Software eine verbesserte Oberfläche bekommen, die sich harmonisch in die Aqua-Oberfläche von Mac-OS X integriert.

 

Das Prinzip von SPSS 11 entspricht dem bekannten Schema: Das Datenfenster weist mittlerweile neben der Daten- eine Variablenperspektive auf, die das schnelle Labeln und Umbenennen der Variablennamen ermöglicht. Das Outputfenster zeigt die Operationen, Ergebnisse, Grafiken und auf Wunsch die Log-Eingaben an. Wer SPSS von Windows gewohnt ist, vermisst allerdings den automatischen Fensterwechsel vom Syntax- zum Ausgabefenster, sobald ein SPSS-Befehl per Befehl-R losgeschickt wurde. Der manuelle Wechsel über das "Windows"-Menü ist lästig und lässt sich auch nicht durch sonst übliche Kurzbefehle bewerkstelligen. Die sichtbare Ausgabe hinterlässt in unserem Test dagegen einen sehr positiven Eindruck: Das Antialiasing sorgt für einen angenehmen Bildschirm. Allerdings hat das auch seinen Preis. SPSS wirkt - wie schon SPSS 6 unter dem klassichen Mac-OS - sehr behäbig und benötigt immense Rechenkraft. Selbst einfache Operationen wie Korrelationen oder Kreuztabellen beanspruchen den SPSS-Prozessor auf einem Power Mac G4 467 MHz mit 896 MB Arbeitsspeicher einige Sekunden, was auf die Windows-Version wesentlich schneller funktioniert.

 

Im Funktionsumfang unterscheidet sich SPSS 11 für Mac-OS X dagegen nur minimal von seinem Windows-Pendant: Einzig die internen Skripts vermissen wir, die gerade bei großen Datensätzen hilfreich sein können. Das lässt sich zwar durch Applescripts zum Teil kompensieren - aber eben nur zum Teil.

 

Die Begrenzung auf acht Buchstaben pro Variable ist als Altlast zu verstehen und sorgt für den problemlosen Austausch im .sav-Format mit anderen. Für den einfachen Import sorgt ein Import Wizzard, der unseren Test-Datensatz (die 10. Welle der GVU-Webumfrage) in nur sechs Schritten fehlerlos einliest.

 

Neue Funktionen und Verbesserungen

 

SPSS 11 für Mac-OS X bietet die Möglichkeit, relativ schnell über den Smartview Web Server seine Ergebnisse online zu stellen - eine nützliche Funktion im wissenschaftlichen Betrieb. Ebenfalls angenehm ist die Unterstützung der Dienste im Applikationsmenü, über das sich Output-Dateien direkt via Mail verschicken lassen. Dagegen leuchtet nicht ganz ein, weshalb sich geöffnete Grafen nicht solo über das Dienstemenü einem E-Mail anhängen lassen. Hier muss man den Weg über die Export-Funktion von SPSS gehen, die trotz der systemweiten PDF-Unterstützung von Mac-OS X dieses Format nicht bietet. Auch das Drag-and-Drop von Tabellen in Word funktioniert am Mac nur behelfsweise. Einige der Statistik-Routinen, wie etwa der zusätzliche Welch-Test in One-Way (ANOVA) oder erweiterte lineare, gemischte Modelle ergänzen den ohnehin mächtigen Funktionsumfang der SPSS-Statistiken. Hier kann die Software ihre Stärken gegenüber anderen Lösungen ausspielen und bietet zudem eine angenehme und übersichtliche Oberfläche. Die OLAP-Schnittstelle und der direkte Import von Excel-Tabellen deckt den Datenfluss in SPSS ab, exportieren kann die Software den Output auch als XML, das sämtliche Meta-Daten automatisch im komprimierten Zip-Archiv anlegt.

 

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