SSD-Festplatten sind wesentlich schneller als magnetische Laufwerke. Im Macbook sorgen sie für ein ganz neues Arbeitsgefühl. Wir testen aktuelle SSDs mit bis zu 512 Gigabyte Kapazität
Eine SSD-Platte im Mac ist immer wieder ein Erlebnis, vor allem für den, der bislang ausschließlich mit magnetischen Massenspeichern zu tun hatte. Programme starten quasi sofort. Fenster füllen sich so schnell mit Inhalten, dass das Auge kaum nachkommt. Dank der kurzen Zugriffszeiten und hohen Datenraten fühlt sich ein normaler Mac wie ein ganz neuer Rechner an.
Leistung gesamt
Foto: ©Christian Moeller
Leistung gesamt
Bootzeit
Kapazität formatiert
LowLevel Leserate
LowLevel Schreibrate
Zugriffszeit Durchschnitt
Stromverbrauch im Leerlauf
Preis pro Gigabyte
Die Riege der SSD-Hersteller wird stetig umfangreicher und die Flash-Preise sinken immer weiter. Inzwischen bekommt man ein Gigabyte SSD-Speicher für deutlich unter einem Euro. Doch welche SSD soll man nehmen? Wie immer gibt es Ausreißer bei den einzelnen Modellen, die sich durch positive oder negative Merkmale herausheben. Wir kommen ihnen im Test auf die Spur.
Flash-Speicher kennt man hauptsächlich von SD- oder Compact-Flash-Speicher-Chips für Digitalkameras oder von USB-Sticks. Meist bekommt man hier preiswerte Modelle mit vier bis 64 Gigabyte Kapazität. Auf Geschwindigkeit muss man dabei nicht sonderlich viel Wert legen, denn USB-Flash-Speicher dienen hauptsächlich als Transportmedium für kleine und mittlere Dateien.
Ganz anders wird das, wenn man Flash-Speicher als ultimativen Ersatz für die interne Festplatte benutzen will. Hier nennt man den Flash-Speicher „SSD“ (Solid State Disk).
SSD-Festplatten greifen auf den Trick der Parallelisierung zurück. Die Daten werden dabei ähnlich wie bei einem
Raid-System auf mehrere Flash-Chips verteilt und gleichzeitig geschrieben oder gelesen. Die Anzahl dieser „Kanäle“ pro Laufwerk bestimmt dessen maximale Übertragungsgeschwindigkeit. Aktuelle SSD-Festplatten arbeiten mit bis zu 16 parallelen Kanälen.
SSD-Controller ohne Cache
Ganz entscheidend für die Geschwindigkeit einer SSD-Platte ist der eingesetzte Controller-Chip. Auf dem Markt behaupten sich derzeit drei Hersteller:
Sandforce ,
Marvell und
Indilinx . Selbst Intel setzt inzwischen teilweise auf Controller von Drittanbietern, statt eigene zu nehmen.
Sandforce ist dabei mit einigem Abstand der am meisten eingesetzte Chip. In fast allen aktuellen SSD-Laufwerken finden sich Controller dieses Herstellers. Der Controller kommt ohne zusätzlichen Cache aus, komprimiert aber die Daten blockweise, was zu höheren Datenraten führen kann, wenn sich die Daten gut komprimieren lassen. Beim Kopieren von Audio- oder Video-Dateien fällt die Datenrate jedoch ab, was sich in den Praxistests bemerkbar macht.
So testet Macwelt
Unser Testverfahren ist sehr komplex aufgebaut und wird ständig den aktuellen Gegebenheiten der Technik angepasst.
Testumgebung Sämtliche Messungen führen wir mit einem Mac Mini, Core i5, 2,3 Gigahertz unter OS X 10.7.4 durch. Die Leistungsfähigkeit einer SSD-Platte bewerten wir anhand verschiedener Tests. Der Lowlevel-Benchmark lotet die maximale Übertragungsrate der Festplatten mit möglichst wenig Betriebssystem-Overhead aus. Damit lassen sich die Angaben in den Datenblättern der Hersteller überprüfen. Um die Performance der Laufwerke in der Praxis zu untersuchen, duplizieren wir im Finder einen Ordner, der insgesamt zwei Gigabyte Daten enthält. Darunter sind auch über 16 000 sehr kleine Dateien. Daneben messen wir die Boot-Zeit aus dem Kaltstart bis in den Finder, die Startzeit von Microsoft Word und die Ausschaltzeit.
Testwertung Die Gesamtnote setzt sich aus vier Einzelnoten zusammen. Die Kapazität und sonstige Ausstattung geht zu 40 Prozent in die Note ein. Sämtliche Geschwindigkeitsmessungen fließen in die Leistungsnote (40 Prozent) ein. Lautheit und Stromverbrauch gehen mit jeweils 10 Prozent in die Gesamtnote ein.
Die Zeitspanne, die zwischen Absenden beispielsweise eines Lesebefehls bis zum Eintreffen der Daten vergeht, nennt man Zugriffszeit. Bei magnetischen Festplatten liegt sie in der Regel zwischen sieben und 18 Millisekunden. Gerade hier sind Flash-Laufwerke im Vorteil. Es gibt keine mechanischen Komponenten, die bewegt werden müssen, die Daten liegen also wesentlich schneller vor. Wir messen im Test Werte zwischen 0,17 und 0,41 Millisekunden. Das ist um Welten besser im Vergleich zu magnetischen Festplatten. Die Zugriffszeit ist der Punkt, der sich am meisten auf die „gefühlte“ Geschwindigkeit des Mac auswirkt.
Einbau in den Mac
Der Einbau einer Standard-SSD Platte im 2,5-Zoll-Formfaktor ist in fast
jeden aktuellen Mac möglich. Außen vor bleiben nur das Macbook Air und Apples Retina-Macbook-Pro. Diese beiden Modelle kommen schon ab Werk mit SSD-Speicher, der aber in einer eigenen Bauart vorliegt, die keinem Industriestandard entspricht. Standard-SSD-Platten passen hier nicht. Dennoch gibt es auch für diese Modelle SSD-Upgrades. Der amerikanische Hersteller OWC bietet SSD-Speicher mit bis zu
480 Gigabyte für das Macbook Air an. Auch für das Retina-Macbook-Pro sollen in Kürze Upgrades von OWC kommen.
Stromverbrauch, Lautheit und Erschütterungen
Theoretisch müssten Flash-Speicher weniger Strom verbrauchen als magnetische Platten. Das Bild ist jedoch uneinheitlich. Während wir bei einigen Flash-Laufwerken um die 60 Milliampere Stromaufnahme im Leerlauf messen, sind es bei anderen Modellen über 200 Milliampere. bei Schreibzugriffen steigt der Wert unter Umständen auf deutlich über 800 Milliampere.
Problemfall alte Macs
Interne SSDs werden genau wie herkömmliche Festplatten am Serial-ATA-Anschluss (Sata) betrieben. Aktuelle SSDs können in älteren Macs jedoch Ärger machen
Der aktuelle Sata-3-Standard schaufelt bis zu 6 GBit/s über die Datenleitung. Mit Ausnahme des Mac Pro profitieren alle aktuellen Macs davon, denn deren Intel-Chipsätze sind Sata-3-fähig. Anders sieht das mit älteren Mac-Modellen aus. Bieten sie nur Sata-2-Geschwindigkeit, halbiert sich die Datenrate auf 3 GBIt/s. Einige SSDs zeigen im Test Probleme, wenn sie auf Sata 2 zurückzuschalten sollen. Beim Start einigen sie sich mit dem Chipsatz nur auf den Sata-1-Standard (1,5 GBit/s). Hier wird pure Leistung verschenkt. Betroffen sind die Modelle von Intel und Kingmax. Bis die Hersteller das Problem in den Griff bekommen, müssen wir vom Kauf dieser Platten abraten, zumindest wenn Sie sie in einem älteren Mac einsetzen wollen.
In der Praxis wirkt sich das jedoch kaum aus. Fast alle Hersteller verwenden clevere Stromsparfunktionen. Die Akku-Laufzeit eines Macbook Pro wird durch den Einsatz einer SSD daher kaum beeinflusst.
Grundsätzlich sind herkömmliche 2,5-Zoll-Festplatten sehr leise. Mit 0,2 bis 0,4 Sone liegen sie an der Grenze der menschlichen Hörschwelle. Flash-Laufwerke sind hier allerdings noch besser. Da sie keine bewegten Bauteile enthalten, erzeugen sie überhaupt keine Geräusche.
SSDs selbst einbauen
Der Einbau einer SSD ist in fast jeden Mac möglich. Dennoch gibt es Modelle, bei denen man auf Ärger stoßen kann.
Während der Austausch der Festplatte gegen eine SSD im Mac Pro und Mac Mini vergleichsweise einfach ist, stehen Besitzer von Macbook Pro und Macbook Air vor mehr Schwierigkeiten. Wie Sie die Festplatte des Macbook Air von 2008 gegen eine SSD tauschen, beschreiben wir ab Seite 86. Eine Austauschanleitung für das Macbook Pro finden Sie unter
hier .
Auch gegen Erschütterungen zeigen sich Flash-Festplatten robuster. Erschütterungen von 1000 bis 1500 G statt den typischen 300 G bis 400 G herkömmlicher 2,5-Zoll-Festplatten sind hier erlaubt. Eine SSD darf schon mal vom Schreibtisch fallen, ohne dass sie Schaden nimmt.
Kaufempfehlung & Fazit
Auch wenn die SSD-Preise weiter sinken, teurer als magnetische Platten sind sie immer noch und zwar deutlich. Aber der Preisaufschlag lohnt sich. Ein Mac fühlt sich mit einer SSD wie ein ganz neuer Rechner an
Mit Abstand geht die M5 Pro von Plextor als Sieger durchs Ziel. Die Datenraten sind klasse, im Praxistest gibt es keine Probleme und der Stromverbrauch ist vorbildlich niedrig. OCZ liefert mit der Vertex 4 ebenfalls gute Ergebnisse. Unser Testexemplar erfreut uns vor allem durch satte 512 Gigabyte Kapazität. Für Einsteiger bietet sich die Winkom an. Für 170 Euro bekommt man immerhin 240 Gigabyte und durchwegs gute Praxisergebnisse.
Vorzüge: SSDs bringen mehr Speed. Dank der kurzen Zugriffszeiten erhöht sich die „gefühlte“ Geschwindigkeit des Mac merklich
Nachteile: Nach wie vor zahlt man deutlich mehr Geld pro SSD-Gigabyte im Vergleich zu magnetischen Festplatten. Zudem gibt es teilweise Probleme mit Sata-III-Laufwerken in älteren Macs
Einsteiger: Winkom ML-X8240
Profis: Plextor M5 Pro, OCZ Vertex 4Christian Möller
| Modell |
Winkom ML-X8240 |
TakeMS UTX-2200 |
Intel 520 Series |
Kingmax SMP35 Client |
Sandisk Extreme 120 GB |
| Preis |
170 € |
190 € |
230 € |
170 € |
95 € |
| Preis pro Gigabyte |
0,71 € |
0,79 € |
0,96 € |
0,71 € |
0,8 € |
| Gesamtwertung |
1,7 gut |
1,7 gut |
1,7 gut |
1,9 gut |
2,3 gut |
| Einzelwertungen |
| Leistung (40%) |
1,5 |
1,4 |
1,5 |
2,2 |
2,1 |
| Austattung/Kapazität (40%) |
1,7 |
1,7 |
1,6 |
1,6 |
2,7 |
| Handhabung (10%) |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
| Ergonomie/Verbrauch (10%) |
2,3 |
2,2 |
2,8 |
2,0 |
2,1 |
| Testurteil Vorzüge |
günstiger Preis, gute Praxisergebnisse |
kurze Bootzeiten |
flache Bauform, robustes Gehäuse |
günstiger Preis |
gute Leseraten |
| Testurteil Nachteile |
vergleichsweise lange Zugriffszeit, mäßige Ausstattung |
hohes Gewicht, mäßige Ausstattung |
läuft in älteren Macs nur mit 1,5 Gbit/s (Sata 1) langsam beim kopieren kleiner Dateien, hoher Preis |
Timing-Probleme beim Lesen, läuft in älteren Macs nur mit 1,5 Gbit/s, langsame Zugriffszeiten |
hoher Preis, mäßige Ausstattung. Niedrige Kapaziät |
| Technische Angaben |
| Technologie/Controller |
MLC/Sandforce SF2281 |
MLC/Sandforce SF2281 |
MLC/Sandforce SF2281 |
MLC/Sandforce SF2281 |
MLC/Sandforce SF2281 |
| Cache in MB |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
| Kapazität laut Hersteller in GB |
240 |
240 |
240 |
240 |
120 |
| Kapazität formatiert in GB |
239,4 |
239,4 |
239,4 |
239,4 |
119,47 |
| Gewicht in Gramm |
76 |
80 |
68 |
71 |
76 |
| Bauhöhe in mm |
9,5 |
9,5 |
7 |
7 |
9,5 |
| Herstellergarantie in Jahren |
3 |
3 |
5 |
3 |
3 |
| Formfaktor in Zoll |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
| Modell |
Plextor M5 Pro |
OCZ Vertex 4 |
Plextor M5S |
Adata XPG |
| Preis |
250 € |
400 € |
170 € |
230 € |
| Preis pro Gigabyte |
0,98 € |
0,78 € |
1,33 € |
0,9 € |
| Gesamtwertung |
1,2 sehr gut |
1,5 gut |
1,6 gut |
1,6 gut |
| Einzelwertungen |
| Leistung (40%) |
1,2 |
1,3 |
1,6 |
1,4 |
| Austattung/Kapazität (40%) |
1,0 |
1,0 |
1,4 |
1,5 |
| Handhabung (10%) |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
2,0 |
| Ergonomie/Verbrauch (10%) |
1,4 |
3,6 |
1,5 |
2,2 |
| Testurteil Vorzüge |
sehr gute Praxisergebnisse, niedriger Stromverbrauch, kurze Ausschaltzeiten |
hohe Datenraten, gute Praxisergebnisse, hohe Kapazität |
niedriger Stromverbrauch |
Gute Datenraten, sehr kurze Ausschaltzeiten |
| Testurteil Nachteile |
hoher Preis |
hoher Preis, mäßige Ausstattung |
langsame Schreibraten, hoher Preis, mäßige Ausstattung |
hoher Preis |
| Technische Angaben |
| Technologie/Controller |
MLC/Marvell 88SS9187 |
MLC/Indilinx Everest 2 |
MLC/Marvell 88SS9174 |
MLC/Sandforce SF2281 |
| Cache in MB |
512 |
512 |
256 |
0 |
| Kapazität laut Hersteller in GB |
256 |
512 |
128 |
256 |
| Kapazität formatiert in GB |
255,4 |
511,32 |
127,47 |
255,4 |
| Gewicht in Gramm |
70 |
77 |
72 |
76 |
| Bauhöhe in mm |
7 |
9,5 |
9,5 |
9,5 |
| Herstellergarantie in Jahren |
5 |
5 |
3 |
5 |
| Formfaktor in Zoll |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
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