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Schnupperschnitte: Avid FreeDV

13.01.2004 | 11:50 Uhr |

Wer mehr Schnittfunktionen braucht, as sie iMovie zu bieten hat, kann sich an Free DV probieren, wird jedoch mit einer wesentlich komplexeren Oberfläche und Bedienung konfrontiert.

Der Color Effect ermöglicht die Farb- und Helligkeitskorrektur des Videobildes und erlaubt weitere Verfremdungen über die Anwendung von Solorize- und Posterize-Einstellungen.
Vergrößern Der Color Effect ermöglicht die Farb- und Helligkeitskorrektur des Videobildes und erlaubt weitere Verfremdungen über die Anwendung von Solorize- und Posterize-Einstellungen.
© 2015

Mit FreeDV bietet Avid Technologies erstmals eine kostenlose Einstiegs-Version des bekannten Schnittsystems Avid Xpress. Wer vermutet, FreeDV sei das Pendant zu Apple’s iMovie, irrt gewaltig. FreeDV bietet wesentlich mehr Möglichkeiten, stellt den Einsteiger aber auch schnell vor die ersten Probleme.

Kostenlos heisst nicht umsonst

Wer in die digitale Videoproduktion einsteigen möchte, sollte es zunächst mit kostenloser Software versuchen, schließlich ist die benötigte Hardware ja teuer genug (Mac, DV-Kamera, Kassetten, Analog/Digital-Wandler, DVD-Brenner etc). Nachdem sich Software-Entwickler wie Adobe, Radius, Strata und Konsorten nach einem jahrelang schwelenden Verdrängungswettbewerb von Mac OS X verabschiedet haben (oder gleich von der gesamten Bildfläche verschwunden sind), bleiben dem ambitionierten, videophilen Anwender nur die Schnittprogramme von Apple und Avid zur Auswahl. Der Strategie Apple’s folgend, den interessierten Kunden zunächst mit kostenloser Software (aka iMovie) zu ködern, um ihm dann die geldwerte, semi-professionelle Variante Final Cut Express oder gar Final Cut Pro zu verkaufen, hat nun auch Avid eine kostenlose Einstiegssoftware für Mac und PC veröffentlicht. Im Vergleich zu iMovie ist Avid Free DV jedoch kein kinderleichtes Videospielzeug sondern eine durchaus fundierte Schnittsoftware... mit vielen Möglichkeiten, jedoch auch mit vielen Tücken. Wer sich den 26-MB grossen Installer herunterläd, findet einen kleinen Avid vor und muss zusehen, wie er damit zurechtkommt.

Ein kleiner Avid

"Ich bin Avid-Cutter" ist die wohl häufigste Berufsbezeichnung im professionellen Videoumfeld. Wer sich selber als Avid-Cutter bezeichnet impliziert, dass er sich mit der Bedienung der Software auskennt. Ist auch garnicht so schwer, wenn man erstmal begriffen hat, wie ein Avid tickt. Wie auch die professionellen Varianten bietet Free DV mehrere sogenannte Toolsets, in denen die unterschiedlichen Arbeiten der Videoproduktion stattfinden. Typischer Weise beginnt der Schnitt mit der Aufnahme des Videomaterial in der Capture-Umgebung.

Sehr unangenehm ist die Tatsache, dass Free DV unter Mac OS X 10.3 (Panther) den am FireWire-Anschluss hängenden DV-Rekorder nicht erkennt.
Vergrößern Sehr unangenehm ist die Tatsache, dass Free DV unter Mac OS X 10.3 (Panther) den am FireWire-Anschluss hängenden DV-Rekorder nicht erkennt.
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Ruft man dieses Toolset auf, steht man schon vor dem ersten Problem: Free DV erkennt unter Mac OS X 10.3 (Panther) die angeschlossene DV-Kamera nicht. Wer Apple’s neueste Betriebssystem-Variante einsetzt, bekommt die Videodaten nur mittels anderer Programme, bspw. iMovie, auf den Rechner und muss diese erst langwierig in Free DV importieren. Anwender älterer Mac OS X Varianten können über die Capture-Umgebung ein Band sichten, In- und Out-Punkte festsetzen, den Clip benennen und anschließend aufnehmen. Die Stapelaufnahme, sprich das Sichten und Loggen gesamter Bänder, ist in Free DV nicht möglich. Eine Einschränkung, die man ja auch aus Programmen wie Final Cut Express kennt. Erfreulicher Weise verfügt Free DV über eine DV Scene Extraction, welche aufgenommenes Material automatisch mittels Locators (Markern) oder als Subclips in einzelne Szenen separiert.
Eigentlich finden sich rein oberflächlich betrachtet keine Unterschiede zwischen Free DV und einem professionellen Xpress-System. Der eigentliche Schnitt erfolgt wahlweise im Ein- oder Zweifenster-Modus, wobei letzterer sowohl das Quell-Material als auch das Video aus der Timeline anzeigt. Per Doppelklick öffnet man den zu schneidenden Clip aus dem Videoordner (Bin), spielt diesen ab und setzt auf den gewünschten Bildern die In- und Out-Punkte. Free DV erlaubt sowohl die Schnittmethode "Überschreiben" (Overwrite) als auch das Einfügen von Clips (Splice-in) zwischen bestehende Elemente in der Timeline. Selbst auf das Trimmen muss der Anwender in der kostenlosen Variante nicht verzichten: Klickt man auf die kleine Filmrolle und anschließend auf die Schnittmarke zweier Clips in der Timeline, gelangt man in den Trimmen-Modus, wo bestehende In- resp. Out-Punkte bildgenau verschoben werden können.

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