Von Florian Kurzmaier - 16.01.2013, 09:30

Weichenstellen leicht gemacht

Sid Meier‘s Railroads! im Test für Mac

©Feral

Bitte zurückbleiben, die Türen schließen! Vor 22 Jahren schickte sich Sid Meier mit Railroad Tycoon an, ein komplett neues Genre zu begründen. Ob mit Railroads! die Hommage an den Klassiker gelungen ist, klären wir im Test für OS X
Im Jahr 2006 erschien Sid Meier´s Railroads! für den PC – Mac-Spieler mit Eisenbahnaffinität mussten also einiges an Geduld mitbringen. Nun ist die Bahn-Wirtschaftssimulation gute sechs Jahre später endlich da und hat seit dem Ersterscheinen kaum etwas von ihrem Charme verloren.

Wir gegen Bismarck

Railroads! ist ein typischer Vertreter der Tycoon-Spiele: In erster Linie geht es dabei um den Aufbau und Erhalt des eigenen Wirtschaftsimperiums, später auch um dessen Expansion. Den Rahmen hierfür bieten in Railroads! insgesamt 16 unterschiedliche geografische Szenarien. Die Bandbreite reicht dabei von Deutschland, Frankreich, England und den einzelnen Regionen der USA (zum Beispiel der mittlere Westen), bis hin zu Fantasieszenarien wie dem „Quad City See“. Alle Szenarien unterscheiden sich nach Lage der Städte und der Wirtschaftsbetriebe – so ist zumindest räumlich für Abwechslung gesorgt. Der Kern von Railroads! ist der Einzelspielermodus. Hier wählt der Spieler eine beliebige Karte aus und definiert die Startbedingungen, also wann das Spiel starten soll (1835-1980), welcher Schwierigkeitsgrad anliegen soll und gegen welche Gegenspieler antreten sollen. Das Spiel setzt dabei auf reale historische Figuren: So wird auf der Deutschland-Map zum Beispiel gegen Otto von Bismarck gewirtschaftet.

Alles einsteigen, bitte!

Ist ein Setup festgelegt, kann es losgehen. Der Start liegt in einer zufällig ausgewählten Stadt auf der Karte, lediglich mit ein paar Hunderttausend Mark und einem Bahnhof mit eine paar Gleisen ausgestattet. Die ersten Verbindungen sollten sich nach den Anforderungen unserer Startstadt richten. München zum Beispiel macht aus Getreide natürlich: Bier! Also legen wir mit zwei Mausklicks eine Schienenverbindung zu einem nahen Bauernhof.
Dabei fällt auf, dass das Spiel die Gleisverbindung dynamisch einmal über die Karte zieht und sich so angenehm schnell den geografischen Besonderheiten wie Bergen (Tunnelbau) oder Flüssen (Brücken) anpasst.
Der Nachteil dabei ist, dass das dynamische Schienen-Tool fast ausschließlich mit ausladenden Kurven funktioniert; besser ist es, wenn man die Gleise in kleineren Schritten verlegt. Steht die Gleisverbindung, wählen wir über das Zug-Icon den Kauf einer neuen Lok aus und definieren, von wo aus die Lok welche Güter wohin transportieren soll – auch der Transport von Personen und Post ist möglich. Schnell wachsen das Gleisnetz und der Verkehr auf den Strecken an. Um Staus und Kollisionen zu verhindern, lassen sich Parallelgleise verlegen und mit Weichen verbinden – und von da ab beginnt das Chaos. Denn mit fortgeschrittener Spielzeit wachsen die Netze krakenartig an. Spielt man mit Konkurrenten, bauen auch diese teilweise äußerst kreativ-verschachtelte Gleiskonstruktionen und verweben diese mit unseren Schienen. Irgendwann sieht man das Land vor lauter Schienen nicht mehr. Dieses Problem kann aber schnell und effizient gelöst werden, die entsprechende Liquidität natürlich vorausgesetzt: Sid Meier hat Railroads! nämlich auch ein rudimentäres Wertpapiersystem verpasst.
So können wir Anteile an den Unternehmen der Konkurrenz erwerben und irgendwann deren Transportfirmen übernehmen – dann entscheiden wir, ob des Netz des geschluckten Konkurrenten in unser eigenes integriert oder abgewickelt werden soll. Die Konkurrenz schläft übrigens auch nicht: Bei gelegentlich stattfindenden Auktionen für Patente oder Produktionsstätten bieten Bismarck und Co. fleißig mit – und ärgern uns das eine oder andere Mal.

Wenig Modi, großer Suchtfaktor

Sid Meier´s Hommage an Railroad Tycoon glänzt wie viele Tycoon-Spiele durch das süchtig machende Prinzip von Kapitalismus und Expansion. Ehe man es sich versieht, ist während des Spielens wieder eine Stunde mehr verstrichen. Dieses Kunststück schaffen nicht mehr allzu viele Titel. Was Railroads! aber nicht auslöst, ist eine Langzeitmotivation. Warum dies so ist, lässt sich vielleicht folgendermaßen erklären: Dem an sich abwechslungsreichen Gameplay fehlt eine motivierende Kampagne mit unterschiedlichen Missionen.Der Einzelspielermodus ist am Ende ein simpler Auswahlbildschirm für die 16 Karten. Nicht mehr, nicht weniger. Dafür hat man an einen Mehrspielermodus gedacht: Entweder im lokalen Netzwerk oder über den Dienst Gameranger können menschliche Spieler gegeneinander antreten. Wer keine Lust auf komplexere Abläufe hat, darf sich im Zugfahrplanmodus ohne Gegner oder Geldsorgen austoben – ganz im Stile einer Modellbahn.

Angestaubt

Technisch ist die Mac-Portierung durchaus gelungen. Auf dem Test-Macbook lief Railroads! bei mittleren Einstellungen ohne Ruckler. Die Grafik-Engine hat die Zeit seit 2006 jedoch nicht sonderlich gut überstanden: Die Qualität der Texturen ist nur durchschnittlich, genauso der Detailgrad. Auch in Sachen Sound macht Railroads! keine überragende Figur, Effekte und Musik präsentieren sich durchschnittlich. Auch die künstliche Intelligenz zickt gelegentlich: sei es beim Verlegen der Gleise oder bei der Gleiswahl der Züge bei mehrgleisigen Strecken. Häufig kommt es gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden (bei denen die Züge nicht mehr durcheinander hindurchfahren können) zu nahezu unauflösbaren Staus. Zudem muss man sagen, dass der Schwierigkeitsgrad zu keiner Zeit wirklich fordert – mit der Zeit gewinnt man nahezu immer.

Empfehlung

Railroads! macht ohne Frage eine Menge Spaß – wenn man Fan des Genres ist. Das Aufbauen und Managen eines Eisenbahnunternehmens funktioniert auch 20 Jahre nach dem Ur-Railroad-Tycoon noch immer und entfaltet mit der Zeit ein hohes Suchtpotenzial. In Sachen Innovation und Präsentation wirkt Sid Meier`s Railroads! nicht mehr ganz zeitgemäß.

Steckbrief: Sid Meier's Railroads!

Railroads! macht vieles richtig, wirkt aber nach über sechs Jahren Mac-Wartezeit nicht mehr ganz taufrisch. Fans von Tycoon-Spielen werden aber ihre helle Freude haben

Hersteller: Feral Interactive
Preis: € 26,99 (App Store)
Altersfreigabe: ab 14 Jahren
Note: 3,0 befriedigend
Grafik (25 %) 3,5
Sound (25 %) 3,5
Umfang (25 %) 3,0
Bedienung (25 %) 2,0
Vorzüge: Klassiker, hoher Suchtfaktor, charmante Präsentation
Nachteile: Wirkt nicht mehr ganz taufrisch, technisch nur mittelmäßig
Alternative: Cities in Motion
Anforderungen: OS X 10.6.8, 1,8 GHz Intel-CPU, 3 GB RAM, 1,5 GB Festplatte, 128 MB Grafikkarte
Testgerät: Macbook Air 2011
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