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Sieben Utilities zur Datenpflege für OS X

14.05.2014 | 11:54 Uhr |

An Utilities zur Hardware-Überwachung, Datenpflege und Datenrettung herrscht kein Mangel. Wir haben aus dem Angebot einige prominente Vertreter einer eingehenden Inspektion unterzogen

Die von uns für diesen Test ausgewählten Programme decken ein breites Spektrum an Funktionen ab, wobei sich Drive DX, Smart Utility, Carbon Copy Cloner und Disk Warrior auf eine bestimmte Aufgabe spezialisieren, während Techtool Pro, Disk Drill und Mackeeper jeweils einen Werkzeugkasten mit verschiedenen Funktionen anbieten.

Der smarte Sebsttest

Festplatten und SSDs verfügen über einen eingebauten Überwachungsmechanismus, der mit S.M.A.R.T. (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) bezeichnet wird. Je nach Laufwerk (SSD oder Festplatte) werden dabei unterschiedliche Parameter erfasst. OS X fragt bei internen Datenträgern und bei Thunderbolt-Laufwerken zwar den Status ab, zeigt aber in den Systeminformationen und im Festplatten-Dienstprogramm nur die pauschale Meldung „Überprüft“ an. Ausführliche Informationen bekommt man dagegen von Drive DX und Smart Utility.

Das Programmfenster von Drive DX ist übersichtlich und gut gegliedert. Auf der Übersichtsseite werden zur schnellen Information die wichtigsten Indikatoren aufgelistet, und zwar unterschiedlich für SSD und HDD. Genauere Auskunft bekommt man mit den „Health Indicators“. Dort blendet sich auch jeweils ein Pop-­up-Fenster mit einer Beschreibung des Indikators ein. Man kann zudem einen kurzen oder langen Selbsttest der Datenträger starten sowie Benachrichtigungen inklusive Report per E-Mail versenden. Smart-Utility bietet eine schlichtere Oberfläche, zeigt im Hauptfenster aber immer dieselben Werte an, egal, ob es sich um eine SSD oder um eine Festplatte handelt. Erst im Fenster mit den Einzelwerten sind die speziellen Laufwerks-Infos zu finden. Wie bei Drive DX lassen sich kurzer und langer Test manuell durchführen, und man kann sich per E-Mail bei Problemen benachrichtigen lassen.

Kaufempfehlung und Fazit

Thomas Armbrüster
© 2015

Ein Schweizer Taschenmesser oder lieber nur ein einfaches Messer mit einer Klinge? Manche Utilities mit vielen Funktionen verstecken hin und wieder auch stumpfe Schneiden hinter einer aufpolierten Halterung

Welche Zusatzfunktionen man benötigt, lässt sich generell nicht beantworten. Auf unserer Nützlichkeitsscala ganz oben steht Carbon Copy Cloner, denn ein startfähiges System auf einer externen Festplatte ist vor allem bei Arbeitsrechnern eine gute Investition. Gut gefällt uns auch Drive DX, um die Laufwerkswerte im Blick zu behalten. Was uns negativ auffällt sind fehlende Vorabinformationen bei Techtool Pro und – in geringerem Umfang – von Disk Drill zu Einschränkungen bei SSDs und Fusion Drive. Das lässt die Anwender im Regen stehen. Unangenehm finden wir die aufdringliche Werbung des Herstellers von Mac Keeper und die Verschleierung der zusätzlichen Kosten, die durch den Virenscanner anfallen.

Auch Techtool Pro verfügt über ein Modul zum SMART-Selbsttest, zeigt bei den Ergebnissen aber nur eine Skala von gut bis schlecht an, jedoch keine Einzelwerte. Disk Drill blendet die SMART-Werte in einem Info-Fens­ter ein, hat jedoch Probleme beim Fusion Drive. Dort lassen sich nur die Einzelwerte für die SSD, nicht aber für die Festplatte anzeigen. Nicht verwirren lassen darf man sich von der Tatsache, dass unterschiedliche SSDs unterschiedliche Parameter melden. SMART ist nämlich nicht standardisiert, und jeder Hersteller kann selbst festlegen, welche Parameter geprüft und angezeigt werden. Darum müssen die Utility-Hersteller ihre Programme an die SSDs der verschiedenen Hersteller anpassen, was Drive DX am besten gelingt.

Techtool Pro richtet auf Wunsch eine zusätzliche Partition ein, von der man den Mac starten und dann Probleme beheben kann.
Vergrößern Techtool Pro richtet auf Wunsch eine zusätzliche Partition ein, von der man den Mac starten und dann Probleme beheben kann.

Die Hardware checken und ­optimieren

Techtool Pro bietet mehrere Module, um die Hardware eines Mac zu überprüfen. Dazu zählen Prüfungen des Arbeitsspeichers, des Grafikspeichers und der Datenträger auf beschädigte Blöcke. Bei letzterem Test werden alle Datenblöcke gelesen, um festzustellen, ob sie funktionstüchtig sind. Da keine Schreibzugriffe erfolgen, ist dieser Test für SSDs unschädlich. Der Controller einer SSD prüft jedoch ständig, wie oft die einzelnen Speicherzellen beschrieben wurden, um dann Daten bei Bedarf umzusortieren, damit die Schreibzugriffe möglichst gleichmäßig verteilt werden (Wear Levelling). Zudem haben SSDs eine größere Reserve an Ersatzzellen, die bei Defekten einspringen und für die gleichmäßige Auslastung eingesetzt werden. Von daher ist eine zusätzliche Zugriffsprüfung eigentlich nicht notwendig.

Schädlich ist dagegen das Defragmentieren bei SSDs, da hierbei zusätzliche Schreibzugriffe erfolgen, die die Lebensdauer der Speicherzellen verkürzen. Zudem gibt es keinen Geschwindigkeitsgewinn. Techtool Pro weist auf diese Tastsache hin, wenn man diese Funktion bei einer SSD oder einem Fusion Drive startet. Dieselbe Warnung vermissen wir jedoch, wenn wir das Defragmentieren von Dateien auf einer SSD aufrufen, denn auch hier erfolgen unnötige Schreibzugriffe. Zudem wird im Handbuch nicht auf das Defragmentierungsproblem bei SSDs hingewiesen. Auf der Webseite des Herstellers findet man lediglich eine Info in der Knowledge Base, dort aber auch nur zum Fusion Drive.

Disk Drill deaktiviert auf einer SSD oder bei einem Fusion Drive die Recovery Vault, wenn TRIM aktiviert ist.
Vergrößern Disk Drill deaktiviert auf einer SSD oder bei einem Fusion Drive die Recovery Vault, wenn TRIM aktiviert ist.

Das Volume-Verzeichnis prüfen und reparieren

Wo sich jeweils die Daten auf dem Volume befinden, wird in einem Inhaltsverzeichnis festgehalten. Kommt es hier zu Unstimmigkeiten, lassen sich Daten nicht mehr wiederfinden. Oder es werden Daten versehentlich überschrieben, die aber noch benötigt werden. Techtool Pro bietet für die Prüfung der Volume-Struktur ein eigenes Modul und führt diese Prüfung auch beim Test „Computer prüfen“ durch. Um gegebenenfalls etwas zu reparieren, muss man von einem anderen Volume starten, auf dem Techtool Pro installiert ist. Hierfür bietet das Programm das eDrive an. Techtool Pro erstellt dafür auf dem internen Datenträger ein weiteres Volume mit 12 GB und kopiert dann ein startfähiges System, diverse Hilfsprogramme wie das Festplatten-Dienstprogramm und die Systeminformationen sowie Safari, Vorschau und Techtool Pro selbst dorthin. Von diesem Volume kann man dann den Mac neu starten. Im Test funktioniert dies auch einwandfrei bei einem Fusion Drive.

Auf die Prüfung, Optimierung und Reparatur des Datenverzeichnisses spezialisiert ist Disk Warrior. Damit das Programm das interne Startvolume bearbeiten kann, muss man ebenfalls von einem anderen Laufwerk oder Volume starten. Disk Warrior kommt in vielen Fällen mit defekten Datenverzeichnissen zurecht, bei denen andere Werkzeuge die Segel streichen. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, das rekonstruierte Datenverzeichnis im Arbeitsspeicher abzulegen und dann mit dessen Hilfe Daten auf einen anderen Datenträger zu kopieren. Damit vermeidet man Schreibzugriffe, die eventuell Schaden anrichten können. Mit der Option „Rebuild“ lässt sich mit Disk Drill ebenfalls das Dateiverzeichnis neu aufbauen, sofern das Programm einen Fehler findet, und alternativ in einem separaten Disk Image öffnen, anstatt es zu überschreiben.

Kein Verlass auf Datenrettung hat man bei SSDs

Die meisten aktuellen Macs werden mit Flash-Speicher (SSD) oder mit einem Fusion Drive von Apple geliefert. Und auf diesen ist die TRIM-Option für die SSDs aktiviert. Sie sorgt dafür, dass der SSD-Controller sofort erfährt, welche Daten der Anwender gelöscht hat. Der Controller kann den Speicherplatz dann sofort beim Wear Levelling löschen. Eine Datenrettung ist darum nicht oder nur mit sehr großem Aufwand durch Spezialisten möglich. Sowohl Techtool Pro als auch Disk Drill bieten zwei Rettungsoptionen: Eine Sicherungskopie des Dateiverzeichnisses sowie die Überwachung des Papierkorbs. Mit der Sicherungskopie sollen sich verloren gegangene Dateien inklusive Metadaten schnell wiederherstellen lassen. Disk Drill deaktiviert diese Option aber automatisch, wenn man das Programm auf einem Mac mit Flash-Speicher oder einem Fusion Drive installiert, und informiert darüber, dass in diesen Fällen eine Wiederherstellung nicht möglich ist, weil TRIM aktiviert ist. Leider findet man diese Information ansonsten nur etwas versteckt auf der Hilfeseite des Herstellers. Bei Micromat ist diese Info sogar nirgends zu finden, weder auf der Webseite noch im Handbuch. Interessanterweise kann man mit Disk Drill aber weiterhin versehentlich aus dem Papierkorb gelöschte Dokumente zurückholen, was bei Techtool Pro nicht geht, da sich alle im Test mit dieser Option wiederhergestellten Dateien nicht öffnen lassen. Der Trick von Disk Drill: Das Programm erstellt von allen gelöschten Dateien zuvor eine Kopie in einem unsichtbaren Verzeichnis.

Drive DX blendet zu jedem Indikator jeweils die Information ein, um was es sich bei diesen Werten genau handelt.
Vergrößern Drive DX blendet zu jedem Indikator jeweils die Information ein, um was es sich bei diesen Werten genau handelt.

Auf magnetischen Festplatten sind die Wiederherstellungsoptionen aber funktionstüchtig, außer, wenn auf dem Mac Filevault aktiviert ist. Dann lassen sich die Überwachungsfunktionen in Techtool Pro nicht einschalten. Mit Disk Drill kann man zudem externe Datenspeicher wie Festplatten, USB-Sticks und SD-Karten scannen und gelöschte Dateien mit recht gutem Erfolg wiederherstellen, sofern sie nicht schon überschrieben wurden. Auch die Wiederherstellungsfunktion von Mac Keeper findet im Test auf einer externen Festplatte viele gelöschte PDFs, Bilder, MP3-Dateien und Filme, von denen sich stichprobenartig alle öffnen lassen.

Besser Daten sichern anstatt Daten wiederherzustellen

Prinzipiell ist es besser, sich auf aktuelle Sicherungskopien zu verlassen als darauf, im Notfall Daten wiederherstellen zu können. Und mit Time Machine ist das auch ohne großen Aufwand möglich. Was manchen Anwendern dann aber noch fehlt, ist eine Kopie des Startvolumes, von der man im Notfall in kürzester Zeit schnell starten und dann weiter arbeiten kann. Auf diese Aufgabe spezialisiert hat sich Carbon Copy Cloner. Nach der ersten Kopie werden nur noch neue und geänderte Daten gesichert. Man hat zudem die Möglichkeit, die älteren Versionen in einem Archiv abzulegen anstatt sie zu überschreiben. Eine besondere Option des Programms ist die Übertragung der Wiederherstellungspartition auf das geklonte Laufwerk, die dann wie gewohnt funktioniert. Das Programm sichert auch auf Netzlaufwerke, dann jedoch aus verständlichen Gründen nur den Benutzerordner.

Klonen und Synchronisieren kann man auch mit Techtool Pro. Dabei unterscheidet das Programm zwischen einem Duplikat und der Synchronisation. Im ersten Fall muss das Ziellaufwerk genauso groß wie das Quelllaufwerk sein, im zweiten Fall nur mindestens so groß wie die zu übertragende Datenmenge. Nach der ersten Synchronisation werden nur noch neue oder geänderte Dateien gesichert. Die Backup-Funktion von Mac Keeper erlaubt es, Ordner in vorgegebenen Intervallen auf ein anderes Volume oder ein Netzlaufwerk zu sichern. Einen startfähigen Klon erstellt das Programm nicht.

Frühjahrsputz und Schutz

Mac Keeper bietet außer den schon beschriebenen Optionen zum Datensichern und Daten Wiederherstellen noch weitere Funktionen. Diese sollen unter anderem dazu dienen, den Mac schlank zu halten und vor Angriffen aus dem Internet zu schützen. Die Schlankmacher löschen Daten wie Power-PC-Code und nicht benötigte Sprachmodule in Anwendungen (Achtung: Dies kann bei einigen Programmen fatale Folgen haben) sowie die Log- und Cache-Dateien. Letztere sind aber nicht überflüssig, sondern dienen dem schnellen Zugriff von System und Anwendungen auf häufig benötigte Daten. Die Cache-Dateien werden zudem nach dem Löschen wieder erstellt. Zusätzlich sucht Disk Keeper nach Duplikaten und listet Dateien und Ordner auf, die am meisten Platz belegen. Außerdem gibt es noch eine Funktion zum Deinstallieren von Programmen. Eine weitere Option ist die Suche nach Programm­-Updates, die im Test aber auch ein Update findet und installiert, das sich noch im Betastadium befindet. Oder es werden Programmversionen aufgelistet, bei denen es sich um zu bezahlende Upgrades handelt. Klickt man die Option zur Internetsicherheit an, installiert sich ein Virenscanner, den man nach einem Jahr aber erneut abonnieren muss. Das erfährt man aber erst, wenn man das Modul installiert, und nicht schon beim Programmkauf. Die Option „Sicheres Surfen“ besteht aus einer Whitelist und einer Blacklist, die der Anwender aber selbst füllen muss. Nicht nachzuvollziehbar ist der Unterschied zwischen der kostengünstigeren Lite-Version und der Standardversion von Mac Keeper. Letztere umfasst laut Webseite die Option „Behebung von Systemfehlern“, erstere nicht. Was das bedeutet, wird nicht erläutert. Was ebenfalls auffällt, ist das Fehlen eines Impressums und von Angaben zum Unternehmen auf der Webseite des Herstellers. Es werden nur drei kostenlose Telefonnummern in den USA, in Großbritannien und in Australien aufgelistet.

So testet Macwelt

Testumgebung
© 2015

Testumgebung Wir testen die Programme mit einem Mac Mini 2010 mit SSD, einem Mac Mini 2012 mit Fusion Drive und einem Macbook Pro Retina 2013, alle unter OS X 10.9.1. Als Testlaufwerke verwenden wir neben den internen Datenträgern der Macs eine externe USB-Festplatte. Die Gesamtnote setzt sich aus vier Einzelnoten zusammen:  Funktionsumfang (20 %),  Leistung (50 %),  Bedienung (20 %),  Hilfe/Lokalisierung (10 %).

Festplatten-Utilities Ausstattung & Bewertung

Produkt

Carbon Copy Cloner 3.5.4

Drive DX 1.2.0

Disk Warrior 4.4

Hersteller

Bombich Software

Binary Fruit

Alsoft

Preis

€ 34, CHF 42

€ 18, CHF 22

€ 100, CHF 123

Gesamtwertung

1,6 gut

1,9 gut

2,0 gut

Vorzüge

Klont auch die Recovery-HD auf externe Laufwerke

Sehr übersichtliche Bedienoberfläche

Zuverlässig, praxiserprobt

Nachteile

Keine

Keine

Keine Lokalisierung

Funktionen

– Klonen von Volumes und Datenträgern   – Klonen der Recovery-HD     –  Datensicherung auf Netzlaufwerke  

  – Überwachung des SMART-Status von SSDs und Festplatten  

  – Prüfen und Optimieren des Dateiverzeichnisses     – Wiederherstellen von Daten aus defektem Dateiverzeichnis  

Lokalisiert (deutsch)

ja (außer Dokumentation)

nein

nein

Systemanforderungen

ab OS X 10.6

ab OS X 10.6

ab OS X 10.3.9

Produkt

Smart Utility 3.1.1

Disk Drill 2.1.378

Techtool Pro 7.0.2

Mac Keeper 2.9.1

Hersteller

Volitans Software

Cleverfiles

Micromat

Kromtech

Preis

€ 24, CHF 30

€ 79, CHF 97

€ 90, CHF 110

€ 40, CHF 49 (Lite); € 60,

CHF 74 (Standard)

Gesamtwertung

2,5 befriedigend

2,9 befriedigend

2,9 befriedigend

3,0 befriedigend

Vorzüge

Übersichtlich

Überwachung gelöschter Dateien

Umfassende Funktionen

Viele Funktionen, übersichtliche Oberfläche

Nachteile

Nicht optimal an SSD angepasst

Datenrettung nicht kompatibel mit SSD und Fusion Drive

Einige Optionen nicht kompatibel mit SSD und Fusion Drive, fehlende Infos zu SSD

Tatsächliche Kosten verschleiert, einige Funktionen ohne Mehrwert

Funktionen

– Überwachung des SMART-Status von SSDs und Festplatten

– Überwachung des Papierkorbs – Wiederherstellen von gelöschten Daten – Überwachung des SMART-Status  

– Prüfen der Hardware – Prüfen und Reparieren des Dateiverzeichnisses – Oberflächenprüfung – Klonen von Volumes und Laufwerken – eDrive Reparaturpartition

– Suchen nach großen Dateien und überflüssigen Daten – Virenscanner – Daten wiederherstellen – Einfache Backups – Update-Verwaltung

Lokalisiert (deutsch)

nein

teilweise

ja

ja

Systemanforderungen

ab OS X 10.5

ab OS X 10.5

ab OS X 10.6

ab OS X 10.5

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