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Smart Home von Elgato Eve: Thermo, Weather, Room und Energy

19.05.2016 | 16:10 Uhr |

Mit Home Kit hat Apple einen Standard für die gemeinsame Verwaltung von Heimelektronik geschaffen. Wir haben uns vier aktuelle Geräte von Elgato näher angesehen.

Geradezu ein Homekit-Pionier ist Elgato mit seinen seit letzten Sommer erhältlichen „Eve“-Geräten . Der Münchner Hersteller hat ein komplettes Smart-Home-Paket an unterschiedlichsten Geräten im Angebot, die alle mit Apples Standard Home Kit kompatibel sind. Eve Weather misst die Temperatur im Außenbereich, Eve Room das Raumklima, Eve Energy den Energieverbrauch und Eve Thermo steuert die Heizung. Das fünfte Produkt im Test, der Kontaktsensor Eve Door Window war nicht mit dabei. Nicht jedes der Geräte kann uns jedoch voll überzeugen.

Gutes Design

Optisch machen die Geräte einen weit besseren Eindruck als viele ihrer Konkurrenten aus dem Baumarkt. Sie sind schlicht gestaltet und kommen ohne mehrfach belegte Knöpfe oder winzige LCD Displays aus, die bei preiswerten Alternativen die Bedienung mühsam macht. Auf jedes Gerät ist ein Sticker mit einem eindeutigen Code aufgeklebt, den man mit der App des Herstellers einscannt. Automatisch verbindet sich das Gerät dann mit dem iPhone oder iPad und ist konfigurierbar. Mühsames Bluetooth-Pairing oder Konfiguration per Browser entfällt. Was anfangs irritiert: Das Ausschalten oder Einschalten ist nur noch per Mobilgerät möglich, per Mac hat man keinen Zugriff auf die Geräte. Für Strom sorgen herkömmliche AA-Batterien, die dem Geräten beiliegen.

Eve Room

Interessant ist Eve Room vor allem für die Messung der Luftqualität.
Vergrößern Interessant ist Eve Room vor allem für die Messung der Luftqualität.
© Elgato

Eve Room ist ein kleines viereckiges Kästchen, das man an einer beliebigen Stelle der Wohnung positioniert. Gemessen werden von der weißen Box die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur und die Luftqualität. Vor allem Letzteres macht das Gerät erst interessant, ist doch die Luftqualität in modernen luftdichten Gebäuden wie Büros und Schulen schnell verbraucht. Üblicherweise messen Geräte dieser Art nur die CO2-Werte eines Raumes, eine wenig aussagekräftige Methode. Das Elgato-Gerät erfasst dank einem aufwendigen Sensor von AMS außerdem noch Alkohole, Aldehyde, Ketone, organische Säuren, Amine, sowie aliphatische und aromatische Kohlenwasserstoffe. Im Zehn-Minuten-Abstand liefert das Gerät Messdaten. In mehreren Wochen Test maßen wir Extremwerte wie „Ausgezeichnet (450 ppm) oder dank zu starkem Heizen und wenig Lüften sogar „Schlecht (3992ppm)“. Genau genommen handelt es sich dabei um eine Umrechnung in einen CO2-Messwert, da dieser für Luftqualitätsmessungen üblich ist. Der gleiche Sensor ist auch in den Heim-Überwachungsgeräten Withings Home und D-Link Comfy Switch (beide mit Kamera) integriert. Etwa eine Woche braucht das Gerät laut Elgato für die Kalibrierung, dann liefert es exaktere Daten. Es eignet sich folglich nicht für die mobile Luftqualitätsmessung, ist nach unserer Meinung aber eine gute Lösung um die Luftqualität und Luftfeuchtigkeit in Schlafzimmer und Büro zu überwachen. Bei diesem Gerät fanden wir es besonders schade, dass Homekit keine Push-Benachrichtigungen unterstützt. Die Meldung schlechter Luftqualität ist nicht möglich. Aus nicht bekanntem Grund kann man mit Siri allerdings nicht die Luftqualität abfrage, eine nicht begründbare Einschränkung durch Apple. Schade: Hat man einige Tage nicht auf das Gerät zugegriffen, dauert die Übertragung der Meßdaten relativ lang. Das betrifft aber alle Eve-Geräte.

Eve Room

Preis: Euro 70

Note: 1,5

Vorzüge: Hochwertiger Sensor, gute Auswertungsmöglichkeiten

Nachteile: Endwert ergibt sich auch mehreren Messungen, keine Siri-Abfrage der Luftqualität, keine Benachrichtigungsfunktion

Eve Weather

Eve Weather liefert aktuelle Wetterdaten, sollte aber nicht zu lange in der Sonne stehen.
Vergrößern Eve Weather liefert aktuelle Wetterdaten, sollte aber nicht zu lange in der Sonne stehen.
© IDG

Ohne zum Thermometer auf den Balkon oder Veranda zu laufen, meldet Eve Weather die Außentemperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit. Das kleine weiße Kästchen platziert man im Außenbereich und bekommt per Bluetooth aktuelle Daten. Handelsübliche Batterien sorgen, wie bei Eve Room und Eve Thermo für die Stromversorgung. Etwas verwirrt sind wir allerdings, als Eve Weather nach der Installation auf dem kalten Balkon hohe Temperaturen meldet. Der Grund: Das Thermometer bleibt noch einige Stunden auf Zimmertemperatur. Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit werden aber schnell aktualisiert. An den Werten gibt es wenig zu bemängeln, das Gerät lieferte im Testzeitraum konstant und zuverlässig Meßdaten. Was man jedoch wissen muss: Bei direkter Sonneneinstrahlung heizt sich das Gerät stark auf und zeigt dann zu hohe Werte an. So misst es im prallen Sonnenschein auf unserem Balkon sonnige 23°, obwohl es dort gerade einmal 12° warm ist. Im Außenbereich ist es aber gar nicht so einfach, eine schattige Stelle für das Gerät zu finden. Zumindest erleichtert eine kleine Aussparung auf der Unterseite das Aufhängen des Geräts.

Insgesamt sind wir von dem Gerät begrenzt überzeugt – vor allem die geringe Reichweite ärgert bei einem Außengerät auf Dauer. Trotz Altbau und Zwei-Zimmer-Wohnung gibt es immer wieder Verbindungsprobleme. Die natürliche Grenze ist jedoch ein Folge der von Apple vorgeschriebenen Bluetooth-Technlogie. Schließlich würde eine WLAN-Schnittstelle noch mehr Energie verbrauchen und ein Apple-TV-Gerät der dritten und vierten Generation kann die Erreichbarkeit verbessern – dazu aber später mehr.

Eve Weather

Preis: Euro 50

Note: 2,0

Vorzüge: Umfangreiche Meßdaten, simple Bedienung

Nachteile: Hohe Latenz, darf nicht direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein.

Eve Energy

Mit Eve Energy kann man per Siri-Befehle Lampen oder andere Geräte einschalten.
Vergrößern Mit Eve Energy kann man per Siri-Befehle Lampen oder andere Geräte einschalten.
© Elgato

Eve Energy ist das unscheinbarste Gerät in unserem Test. Man steckt es in eine Steckdose und kann nun sowohl den Stromverbrauch messen als auch die Stromzufuhr ein- und ausschalten. Interessant ist das Gerät nicht zuletzt für Anwender, die gerne stromfressende Geräte bei Nicht-Nutzung vom Netz trennen. Batterien sind nicht erforderlich, maximal 11A/2500 Watt werden unterstützt. Besonders bei diesem Gerät nutzten wir die Steuerung per Siri. Kann man doch per Sprachbefehl eine angeschlossene Lampe einschalten oder beliebige andere Geräte ein- und ausschalten. Per App weist man dem gewünschten Gerät einen beliebigen Namen zu und schaltet dann beispielsweise eine Lampe mit dem Siri-Befehl „Hey Siri, schalte die Lampe an.“ Dank Apple TV bzw. iCloud funktioniert dies auch von unterwegs. Wie bei allen Eve-Geräten ist die Steuerung über Aktionen möglich, beispielsweise ein automatisches Ausschalten zu bestimmten Uhrzeiten oder eine Aktivierung bei Betreten der Wohnung. In unserem Test funktioniert der Strom-Adapter zuverlässig und problemlos, zögern kann man allenfalls beim Preis von 50 Euro. Gerade bei diesem Gerät kommt es einem fast etwas kleinlich vor, dass nur ein Adapter zum Lieferumfang gehört.

Eve Energy

Preis: Euro 50

Note: 2,0

Vorzüge: Einfache Steuerung per Siri, Statistiken des Stromverbrauchs

Nachteile: Hoher Preis

Eve Thermo

Eve Thermo kontrolliert die Heizung und unterstützt komplexe Zeitpläne.
Vergrößern Eve Thermo kontrolliert die Heizung und unterstützt komplexe Zeitpläne.
© Elgato

Am besten gefällt uns das gerade erschienene Gerät Eve Thermo, der Thermostat von Elgato . Dank einiger beiliegender Adapter sollte es mit den meisten deutschen Heizungstypen kompatibel sein, für weitere Modelle gibt es im Fachhandel Adapter. Schraubt man das Gerät auf die Heizung, kann man sie von nun an per iOS-Gerät steuern. Dabei gibt man entweder eine Zieltemperatur oder komplexe Zeitpläne vor – beispielsweise unterschiedliche Temperaturen für tags und nachts oder Tage, an denen die Heizung ausgeschaltet bleiben kann. Gemessen wird die Temperatur von dem Gerät an der Heizung selbst, weshalb man sich über sehr hohe Temperaturangaben nicht wundern sollte. Die an der Heizung gemessene Temperatur liegt nämlich weit über der Zimmertemperatur, über einen „Offset“ kann man die Temperaturabweichung eingeben. In unserem Test funktioniert das Gerät problemlos und zuverlässig, man benötigt aber einige Tage um die korrekte Zieltemperatur und geeignete Schaltpläne zu finden. Eine Heizung nicht mehr einfach per Hand ausschalten zu können, ist außerdem etwas gewöhnungsbedürftig. Gut: Der Stellmotor, der die Heizung regelt ist relativ leise und macht sich nur selten bemerkbar. Ob er auch im Schlafzimmer nicht stört, ist aber wohl individuell verschieden. Einige Konkurrenzprodukte kennen einen so genannte Lüften-Modus, ignorieren also einen plötzlichen Temperaturabfall durch Lüften der Wohnung. Das ist nach unserer Meinung aber zu verschmerzen. Da an der Heizung gemessen wird, ist der Temperaturabfall bei kurzem Lüften sowieso nur gering. Dafür bietet das Gerät laut Elgato-Blog einige nützliche Automatik-Funktionen wie einen Kalkschutzlauf (bei dem das Ventil kurz geöffnet wird) und einen Frostschutz: Bei Temperaturen unter 8 Grad stellt Eve Thermo die Heizung automatisch an.

Eve Thermo

Preis: Euro

Note: 1,4

Vorzüge: Gute Kompatibilität, viele Einstellungsmöglichkeiten

Nachteile: Kein manuelles Einstellen der Heizung mehr möglich

Fernzugriff – Apple TV als Hub

Eine Besonderheit von Homekit ist der Fernzugriff, die Abfrage und Aktivierung von Funktionen von unterwegs. Aktiviert man diesen Fernzugriff von Homekit per iPad oder iPhone, soll automatisch per iCloud die Kommunikation mit den Geräten möglich sein. Die einzelnen Apps des Herstellers haben allerdings keine direkte Zugriffsmöglichkeit, dieser ist auf die Bluetooth-Reichweite von iPad und iPhone begrenzt. Im Homekit-System muss deshalb ein Apple TV die Mittlerrolle übernehmen, ähnlich einem Server. Dies läuft komplett im Hintergrund ab, der Zugriff ist außerdem ausschließlich über Siri möglich. Per Sprachbefehl kann man dann unterwegs beispielsweise mit einem Siri-Befehl wie „Schalte die Lampe im Arbeitszimmer ab“ per Eve Energy Geräte ein- und ausschalten oder per Eve Thermo die Heizung ein- oder ausschalten. Ab iOS 9 könnten auch andere so genannte „Bluetooth range extenders“ als Hub verwendet werden, bisher sind derartige Geräte aber unseres Wissens nicht auf dem Markt.

Ein Grund für diese fehlende Zugriffsmöglichkeit per Mac ist das Sicherheitskonzept von Homekit: Ein Gerät, das sich per WLAN direkt mit dem Internet verbindet wäre ein  Sicherheitsrisiko.

In der Praxis hatten wir Mühe, den Fernzugriff, anfangs meldete Siri nur „das konnte ich nicht tun“. Mangels Fehlerprotokoll ist aber die Suche nach Ursachen nicht einfach. Vermutlich lag es in unserem Fall daran, dass wir zuerst die Eve-Geräte konfiguriert und erst dann ein Apple TV zum Heimnetz hinzugefügt hatten. Erst nachdem wir iOS-Gerät, Eve-Geräte und Apple-TV komplett zurückgesetzt und neu konfiguriert hatten, funktionierte der Fernzugriff.

Elgato hat einige nützliche Tipps für das Verbessern der Zuverlässigkeit veröffentlicht . So soll ein Netzwerk mit Apple Hardware helfen und bei der iCloud-Anmeldung funktionieren anscheinen iCloud-E-Mail-Adressen besser. Unter Umständen muss man auch den Ruhezustand deaktivieren, damit das Apple TV von iCloud erreicht werden kann. Elgato kann man diese Verbindungsproblem aber nicht in Rechnung stellen und grundsätzlich auf Apple verweisen. Ein Apple TV 4 und iOS 9 scheinen zumindest Besserung gebracht zu haben, aktuell ist der Fernzugriff aber noch verbesserungsfähig. Da hier aber eindeutig Apple zuständig ist, haben wir diese Probleme nicht in die Wertung einbezogen.

Fazit zum Smart-Home-Konzept von Elgato:

Elgatos Eve-Geräte sind einfach, komfortabel und nützlich. Die iOS-Software ist gut gelungen und einfach bedienbar. Einziges Haar in der Suppe sind aktuell der Fernzugriff und die mäßige Reichweite – was wir aber Apple anlasten müssen. Schade: Für weiträumige Häuser mit dicken Wändern ist Bluetooth in Einzelfällen einfach zu schwach. Apple würde vermutlich vorschlagen, in jedem Raum ein Apple TV zu installieren, wir hoffen eher, dass  bei der nächsten Entwicklerkonferenz WWDC Apple ein paar Homekit-Neuerungen vorstellt.

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