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Von Peter Stelzel-Morawietz - 07.11.2012, 09:25

Smart TV-Boxen

Apple TV und die Konkurrenz von Google

©Apple,

Auf den Fernsehapparat von Apple muss man noch wohl eine Weile warten. Mit geeignetem Zubehör wird aber jeder Fernseher zum Smart TV. Drei Lösungen im Vergleich.
Als Google 2010 sein Konzept Google TV vorstellte, zitterten weltweit die Fernsehanstalten: Würde der Suchmaschinengigant Ihnen nun auch noch im Konkurrenz bei den Inhalten im Wohnzimmer machen? Zwei Jahre später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: Die erste Version von Google TV floppte: Die Settop-Box wurde nach kurzer Zeit für ein Drittel ihres ursprünglichen Preises verramscht, dem Hardware-Partner Logitech bescherte das Experiment einen Verlust von rund 100 Millionen Dollar. Logitech hat sich längst aus dem Projekt zurückgezogen.
Mit dem neuen Hardware-Partner Sony soll aus Google-Sicht jetzt alles besser werden, beide Unternehmen haben die Google TV-Box Sony NSZ-GS7 auf der IFA 2012 vorgestellt. Doch Google ist nicht allein: US-Konkurrent Apple hat mit dem Apple TV 3 schon die dritte Generation im Programm. Ein besonders einfach zu bedienendes Gerät ist zudem die Settop-Box des deutschen Unternehmens Videoweb, das seine Box im Herbst 2012 mit einer neuen Tastatur-Fernbedienung ausgestattet hat. Alle drei Modelle müssen im Praxistest zeigen, was sie können.

Google TV ohne vollständigen Play-Store

Nachdem unser erstes Exemplar von Sonys TV-Box defekt war, ließ sich das zweite mit Googles Betriebssystem Android problemlos einrichten. Fernbedienung pairen, Sprache einstellen und schon startet das „Lernprogramm“. Das kann nicht schaden, denn tatsächlich bietet die Fernbedienung zur rund 200 Euro teuren NSZ-GS7 auf der einen Seite eine komplette QWERTZ-Tastatur und auf der Rückseite ein Touchpad, mit dem man den Cursor auf dem Fernseher per Finger steuern kann.
Damit ist aber bei weitem noch nicht alles geschafft, vielmehr muss man rund 15 Minuten für die weitere komplette Einrichtung einrechnen. Dazu gehört auch, beispielsweise einen Satelliten-Receiver vorzuschalten, mit dem sich das TV-Programm über die Sony-Box abrufen lässt.
Ist die Einrichtung abgeschlossen, stehen die wichtigsten Apps schnell und bequem über die Home-Taste auf der Fernbedienung zur Verfügung: Dazu zählen das Fernsehen an sich (Durchschleifen), Youtube, der Play-Store, Chrome zum Surfen, das Sony Entertain Network mit Musik und Filmen sowie eine Sofortsuche im Internet. Darüber hinaus befinden sich unter „Alle Apps“ rund ein Dutzend weitere Apps zur Verfügung, darunter ein Media Player, Twitter und der Play-Store.
Hier stehen im Prinzip alle Android-Apps zur Verfügung, doch lassen sich bei weitem nicht alle Inhalte auf dem Gerät installieren. Schon bei Facebook muss man auf die Lite-Version eines Drittanbieters zurückgreifen und auch Video-On-Demand-Dienste wie Maxdome, die Konkurrenz zu Sonys eigenem Verleih darstellen würden, bleiben außen vor. Das gleiche gilt für die Mediatheken der TV-Anstalten und die Zattoo-App zum Fernsehen über das Internet – leider, denn einen Tuner hat die Box auch nicht integriert.
Das Abspielen von 1080p-Videos (Full HD) im eigenen Netzwerk klappt dank DLNA problemlos, Filme im Sony-Verleih kosten zwischen drei und sechs Euro (für neue Streifen in HD). Auch das Surfen im Chrome-Browser geht dank der mechanischen Tastatur auf der Fernbedienung flott. Das Touchpad auf der Rückseite ist dagegen etwas gewöhnungsbedürftig – ebenso wie das teilweise unvermeidliche Umdrehen der Control-Einheit, um den Cursor beziehungsweise die Tasten zum Tippen bedienen.

Dritte Generation von Apple TV ziemlich ausgereift

Das schon im März 2012 vorgestellte Apple TV 3 unterstützt endlich ebenfalls Full HD, kostet aber mit weniger als 100 Euro gerade einmal die Hälfte vom neuen Google TV. Mit dem Update auf iOS6 gab es zudem ein paar neue Funktionen. Dazu zählen die Freigabe und das Abonnement von Fotostreams von Freunden auf dem eigenen Fernseher, die Verwendung mehrere Apple-Accounts sowie die Streaming-Funktion, die Audioinhalte auf Airplay-Geräte im lokalen Netzwerk überträgt.
Neben der einfachen Bedienung und Einrichtung glänzt das Apple-Gerät vor allem mit der Einbindung ins firmeneigene Ökosystem. Denn die Settop-Box arbeitet auch als Fernbedienung sehr gut mit iPad, iPhone und iPod Touch zusammen. Zwar lassen sich bei weitem nicht alle auf einem mobilen Apple-Gerät angezeigten Inhalte und Apps via Airplay auf den Fernseher übertragen, aber immerhin manches. Eigene Musik, Videos und Fotos spielt die Box nur über iTunes oder eine Netzwerkfestplatte mit integriertem iTunes-Server ab, weil Apple nach wie vor keine DLNA-fähige Netzwerkgeräte unterstützt.
E-Mail, Browser, soziale Netzwerke und manches andere mehr fehlt auch nach dem Update auf iOS 6 auf dem Apple-TV des vergleichsweise preiswerten Gerätes. Und das ist genau der Punkt: Apple verdient wenig mit der Hardware, dafür aber an den Inhalten. Das Ausleihen von Videos ist kinderleicht, dafür kosten die gleichen Filme zum Teil etwas mehr als bei den Online-Videotheken der Konkurrenz.
Ein eigener TV-Tuner fehlt wie beim Google-Pendant, allerdings lässt sich Live TV über die Zattoo App vom iPad, iPhone (ab 3GS) und iPod Touch (ab 2. Generation) via Airplay streamen. Das funktioniert auch bei einigen Mediatheken der Fernsehsender, jedoch nicht bei allen.

Videoweb: Gute Alternative ohne großen Namen

Wer glaubt, der weniger bekannte dritte Kandidat im Testfeld hätte gegenüber den global Playern einen schweren Stand, irrt: Die Videoweb-Box ist miteinem Straßenpreis um 115 Euro nicht nur vergleichsweise günstig, sie überzeugt auch hinsichtlich Bedienung und Funktion.
Denn anders als bei Apple läuft die Settop-Box auch als Standalone-Gerät hervorragend, gibt Musik, Bilder und Filme aus dem Heimnetz in Full-HD wieder und bietet insgesamt mindestens so viele Apps wie die Konkurrenz. Dazu zählen auch die außerordentlich umfangreiche Online-Videothek von Maxdome und die Mediatheken öffentlich-rechtlicher sowie privater Fernsehsender in Deutschland, über die sich sehr bequem nachträglich verpasste Sendungen anschauen lassen.
Auch Zattoo ist an Board: Mit einem schnellen Internet-Anschluss hat man rund 70 Sender auf dem Schirm, in HD-Qualität allerdings nur gegen eine monatliche Gebühr von rund vier Euro. Youtube, Picasa, Flickr, Wikipedia und ein Browser lassen sich ebenfalls aufrufen, doch der Schwerpunkt liegt insgesamt weniger auf Internet- als mehr auf Multimedia-Inhalte. Denn anders als bei Apple und Google lässt sich die Videoweb-Box nur mit dem Cursor – und seit kurzem auch mit einer Fernbedienung mit Tastatur auf der Rückseite - steuern. Ein Touch-Feld für den Finger dagegen gibt es nicht. Ein ganz großes Plus: Ist das Gerät einmal eingerichtet, kommen auch wenig technikaffine (ältere) Menschen gut damit zu Recht. Störend dagegen ist der langsame Gerätestart, denn es vergeht nach jedem Einschalten mehr als eine Minute, bis man Inhalte die Videoweb-Box abrufen kann.
Fazit: gute Settop-Boxen, beschränkte Inhalte
Dass Apple das günstigste Gerät ins Rennen schickt, ist schon recht ungewöhnlich – schlechter ist es deshalb aber nicht. Das aktuelle Apple TV 3 lässt sich zwar auch nur mit der mitgelieferten Fernbedienung steuern, deutlich mehr Spaß macht es aber zusammen mit einem iPad, iPod oder iPhone.
Videoweb muss sich nicht hinter den großen Namen Apple und Google verstecken und bietet nicht nur eine sehr einfach zu bedienende Settop-Box, sondern auch gute Apps – insbesondere auch für deutsche Fernsehzuschauer. Der Video-Verleih über Maxdome funktioniert ähnlich gut wie bei der Apple-Konkurrenz iTunes.
Die mit fast 200 Euro teuerste Box, das neue Google TV von Sony, bietet von der cleveren Steuerung über die Touch-und Tastaturfernbedienung für den Preis insgesamt zu wenig. Insbesondere der Play-Store hält nicht das, was man vermuten könnte: Nur wenige Android-Apps sind (derzeit) auf das neue System angepasst und lassen sich installieren.
Allen drei Lösungen gemeinsam ist also die Devise der Hersteller: Friss oder stirb! Der Käufer muss sich neben dem eigenen Musik-, Foto- und Video-Konsum mit dem begnügen, was der Anbieter vorsieht. Deutlich mehr Möglichkeiten – aber auch mehr Administrierarbeit – bietet da ein echter Home-Theater-PC im Wohnzimmer. Bei Preisen von weniger als 100 Euro können sich zukünftig ferner die neuen Android-Sticks und der Mini-PC „Raspberry Pi“ zur echten Konkurrenz für die Settop-Boxen entwickeln. Und wer ans Nachrüsten denkt seines Fernsehers in ein Smart-TV denkt, sollte auch ein neues TV-Gerät im Blick haben: Moderne 32-Zöller gibt es schon ab 350 Euro – Smart-TV ist da schon integriert.
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