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Modeling Collection von Applied Acoustics Systems: Sammlung von Software-Instrumenten

26.01.2010 | 17:36 Uhr |

Die Modeling Collection von AAS bietet (fast) alles, was ein Musiker für Musik auf dem Computer braucht. Alle Instrumente des umfangreichen Bundles arbeiten auf der Grundlage des Physical Modeling (PM). Dabei werden die physikalischen Eigenschaften der Einzelteile eines Klangerzeugers nachgebildet, etwa das Mundstück eines Saxophons oder der Trichter einer Trompete.

Der Vorteil gegenüber Sample-basierten Klängen: Der Sound ist wesentlich flexibler und lässt sich sehr viel leichter modulieren. Zudem kann man Instrumenteneigenschaften kombinieren, so dass man zum Beispiel leicht eine Trommel mit dem Geigenbogen spielen kann. Schließlich ist auch der Speicherbedarf dieser berechneten Klänge deutlich geringer als bei Samples.

Die Modeling Collection enthält alle bisher von AAS veröffentlichen Instrumente: Tassman 4, Lounge Lizard EP-3, Ultra Analog VA-1, String Studio VS-1 sowie die beiden Gitarren-Simulationen Strum Acoustic GS-1 und Strum Electric GS-1. Insgesamt liefert AAS mit dem Bundle mehr als 1800 Presets aus allen Bereichen der populären, experimentellen sowie der Filmmusik aus.

Tassman 4 ist ein Synthesizer-Baukasten, mit dem man sich aus einer großen Auswahl von Modulen selber Instrumente zusammenstellen kann - ähnlich wie Reaktor von Native Instruments. Schon das setzt der Kreativität keine Grenzen, wie auch die größtenteils beeindruckenden Presets zeigen. Besonders bei flächigen Klängen spielt das Physical Modeling seine ganze Modulationsbreite aus, wenngleich die Programmierer etwas geizig etwa mit Aftertouch-Modulationen umgehen.

Lounge Lizard EP-3 und das String-Studio VS-1 haben sich auf die physikalische Nachbildung von E-Pianos und Streichinstrumenten spezialisiert. Auch hier kommen die Stärken des PM voll zum tragen: Die Nachbildungen aller klassischen E-Pianos beim EP-3 sind sehr gelungen, decken inklusive gängiger Effekte eine große Bandbreite ab und lassen sich nahe am Original spielen. Das gilt auch für das String-Studio, das eine große Anzahl akustischer und elektrischer Gitarren ebenso imitiert wie Tasteninstrumente (die ja auch mit Saiten gespielt werden) und die eigentlichen Streicher, die der Name verspricht. Die Klänge sind aufregend gut, einzig die fehlenden Modulationsmöglichkeiten beim Spielen sind etwas ärgerlich.

Einen ungewöhnlichen Ansatz bieten auch die beiden Gitarren-Spezialisten Strum Acoustic GS-1 und Strum Electric GS-1. Beide Instrumente bilden nicht nur Gitarren nach, sondern erlauben - wichtig für Keyboarder - das richtige Spielen auf den Saiten. Das Voicing der Akkorde unterscheidet sich aufgrund der Stimmung von Gitarren sehr vom Akkordspiel auf einem Klavier. Drückt man bei den GS-1-Instrumenten auf dem Keyboard dagegen drei oder mehr Töne gleichzeitig, sorgt die Engine der Instrumente für ein Gitarren-gerechtes Voicing. Mit ein wenig Übung gelingt es damit sehr viel besser als bisher, nicht nur den Klang, sondern auch das Spielgefühl einer Gitarre zu simulieren. Beide Instrumente sind mit gängigen Effekten ausgestattet, die das originalgetreue Spielen gut unterstützen.

Empfehlung

Die Modeling Collection von AAS ist eine sehr ungewöhnliche Sammlung kreativer Instrumente, die es in dieser Kombination auf dem Markt nicht gibt. Die Klangqualität ist mindestens solide, oft genug aber auch herausragend und absolut originell. Damit eignet sich die Suite sehr gut für Live-Setups wie fürs Studio. Der Preis ist zwar mit 500 Euro nicht eben niedrig. Allerdings sind alle Instrumente auch einzeln und damit deutlich günstiger erhältlich. Zudem bietet Applied Acoustics über seine Webseite Zugang zu einer Community, die ständig neue Klänge für die Instrumente kostenfrei anbietet. Auch das ist eine tolle Sache.

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