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Sonys 4K-Fernseher im Test

19.02.2014 | 07:31 Uhr |

4K-Fernseher versprechen ein Bildvergnügen mit unerreichter Bildschärfe und Detailtreue. Doch können die TVs mit vierfacher HD-Auflösung auch aktuelle Fernsehprogramme mit überzeugender Qualität darstellen? Die Super-TVs stellen sich der Herausforderung im Macwelt Testcenter

Kaum hat sich das hochauflösende HD-Fernsehen auf breiter Front im Senderangebot durchgesetzt, soll sich der Zuschauer bereits an einen neuen Standard gewöhnen. Alle wichtigen TV-Hersteller, aber auch weniger bekannte Fernost-Anbieter, drängen mit hochauflösenden 4K-TVs in den Markt. Die Anbieter versprechen mit diesen Modellen eine nie dagewesene Bildschärfe, Farbwiedergabe und Detailauflösung. Schließlich bringen die riesigen Geräte nicht weniger als die vierfache Pixelanzahl der normalen HD-Auflösung auf den Bildschirm. Statt 1920 mal 1080 Bildpunkten liefern die 4K-Modelle eine native Auflösung von 3840 mal 2160 Pixel - statt rund zwei Millionen immerhin über acht Millionen Bildpunkte. Neben der Bezeichnung 4K hat sich für die höchstauflösenden Fernseher auch die Bezeichnung UHD-TV – für Ultra HD – etabliert.

Allerdings sieht die TV-Realität abseits der Hersteller-PR deutlich profaner aus: Aktuell ist noch nicht einmal die HD-Qualität flächendeckend in allen Haushalten verfügbar. Viele Konsumenten müssen sich noch mit dem SD-Angebot aus der TV-Steinzeit begnügen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten und die privaten Anbieter bieten zwar die meisten ihrer Programme mittlerweile in der HD-Auflösung an, längst nicht alle TV-Konsumenten kommen jedoch in den Genuss der hochaufgelösten Angebote. Vor allem Kunden, die ihr Programm über Kabel-TV beziehen, schauen im wahrsten Sinne des Wortes in die (Flachbild)-Röhre. Der größte heimische Kabel-TV-Anbieter - Kabel Deutschland – beispielsweise liegt mit den öffentlich-rechtlichen Sendern im Clinch über die Einspeisung der dritten Programme in HD-Qualität. Da ARD und ZDF die Zahlung der bisher üblichen Kabelgebühren eingestellt hat, speist Kabel Deutschland die dritten Programme nur in minderer SD-Auflösung ein. Auch beim

Pay-TV gibt es ähnliche Einschränkungen. 
Die Testhürde lautet also: Liefern die Hightech-Fernseher bereits mit dem heutigen Film- und Fernsehangebot einen Mehrwert an Bildqualität, die zwei- bis dreifache Preisunterschiede gegenüber hochwertigen HD-Fernsehern rechtfertigen?

So testet Macwelt


TESTUMGEBUNG Für den Test schließen wir alle Monitore und TVs an einen Mac Pro mit AMD Radeon HD 7950 an. Wir verwenden OS X 10.8 Mountain Lion. Sämtliche Farb-, Kontrast- und Helligkeitsmessungen führen wir in einem Dunkelraum durch. Dazu benutzen wir ein Spektrometer der Firma X-Rite. Zum Kalibrieren auf den Weißpunkt D65 mit Gamma 2,2 benutzen wir die Software Basiccolor. Zum Ermitteln der Helligkeitsverteilung, der maximalen Helligkeit und des Kontrastverhältnisses verwenden wir die selbst entwickelte Software Howfast Display. Für die Reaktionszeitmessungen benutzen wir einen selbst entwickelten Helligkeitssensor und ein Speicheroszilloskop der Firma HP.

PRAXISTESTS Zusätzlich zu den messtechnische Ergebnissen beurteilen wir die Monitore und TVs auch subjektiv. Dazu verwenden wir ein spezielles Monitortestprogramm, verschiedene Test-DVDs und Blu-Rays mit Film- und Animationsbeispielen sowie aktuelle 3D-Spiele.
Die Gesamtnote setzt sich aus vier Einzelnoten zusammen: Leistung, also die Bildqualität allgemein (50%), Ausstattung (20%), Handhabung (20%) und Ergonomie/Verbrauch (10%).

Sony KD-55X9005A

Der LCD-Fernseher Sony KD-55X9005A besitzt eine 55-Zoll-Diagonale, zehn Zoll oder rund 25 Zentimeter weniger als die LG- und Philips-Mitbewerber. Dennoch ist der TV nicht viel kleiner als die beiden 65-Zoll-Monster. Grund ist das spezielle Design des Sony-Geräts. Der Hersteller platziert die Stereo-Lautsprecher nicht wie üblich hinten oder unten im Gehäuse, vielmehr integriert er die Schallgeber links und rechts neben dem Bildschirm – nach vorne abstrahlend. Der Flachbild-TV sieht damit aus wie ein Fernseher mit integrierter Stereo-Anlage. Die Lautsprecher liefern dann auch einen – für TVs  - wirklich guten Sound. Die Höhen sind sauber und klar, die Bässe bilden dazu ein kräftiges Fundament. Weitere Besonderheit des LCD-TVs ist das Triluminos-Panel, das laut Sony eine sehr natürliche Farbwiedergabe bieten soll. Entscheidend ist aber, was der 4K-Fernseher in der Praxis zeigt.

Die Bildqualität, die ein 4K-Fernseher liefern kann, zeigt das native UHD-Demomaterial, das uns Sony zum Test bereitstellt. Das Bild, das der Sony KD-55X9005A in dieser nativen Auflösung zeigt, ist unglaublich scharf und liegt weit über jedem Blu-Ray-Film - abgespielt auf einem herkömmlichen HD-Fernseher. Auch die Farbwiedergabe, der Kontrast und die Plastizität der Wiedergabe liegen deutlich über der besten HD-Qualität. Anders sieht es aus, wenn man das tägliche Fernsehprogramm, DVDs und Blu-Ray-Filme über den Sony KD-55X9005A wiedergibt. Der Prozessor des 4K-Fernsehers, der das schwächer aufgelöste Material auf die 4K-Auflösung hochskaliert, liefert nur eine durchschnittliche Leistung. Bei Blu-Ray-Filmen - 2D oder 3D - merkt man hinsichtlich der Bildschärfe einen erkennbaren Unterschied zum nativen 4K-Material und auch zur identischen BD-Wiedergabe auf den besten HD-Fernsehern. Bei HD-Fernsehmaterial zeigt sich der Unterschied noch deutlicher. Die Wiedergabe von Fernsehsendungen in SD-Qualität liefert der LCD-TV dann nur in noch akzeptabler Qualität.

Der 55-Zoll-Fernseher hat alle Schnittstellen, die ein moderner LCD-Fernseher haben sollte. Vier HDMI-Eingänge und USB-Schnittstellen (inklusive USB-Recording) plus wichtige analoge Eingänge bieten alle Anschlussmöglichkeiten. Wie die beiden anderen Testkandidaten besitzt der Sony TV nur eine HDMI-1.4-Schnittstelle. Natives 4K-Material kann über diese Schnittstelle nur mit 30 Hertz wiedergeben werden. Für den Zugang ins heimische Netz, Internet und die angebotenen Smart-TV-Anwendungen bietet der Sony KD-55X9005A Ethernet- und WLAN-Zugänge. Eine zweite Fernbedienung mit NFC-Chip bringt die Inhalte eines NFC-Smartphones per One-Touch-Mirroring auf den Fernseher. Der integrierte Triple-HDTV-Tuner stellt alle verfügbaren TV-Programme zur Auswahl.

Das Bildschirmmenü des 4K-Fernsehers ist gewöhnungsbedürftig. Das verschachtelte, grafisch aufbereitete Menü ist unübersichtlicher als rein tabellarisch strukturierte Bildschirmmenüs. In den Untermenüs herrscht wieder die übersichtliche Tabellenform. Alternativ lässt sich der 4K-TV über Apps für Smartphone und Tablet komfortabel steuern.

Gegenüber HD-Fernsehern mit LCD-Technik und dem deutlich größeren Philips-Mitbewerber liegt der Strombedarf des Fernsehers auf hohem Niveau. Bei maximaler Bildhelligkeit verbraucht der KD-55X9005A rund 230 Watt, vergleichbar mit Energie fressenden Plasma-TVs. Im Durchschnitt sind es rund 200 Watt - immer noch viel. Im Standby-Modus sinkt der Verbrauch auf niedrige 0,3 Watt.
Mit 3500 Euro kostet der 55-Zöller etwa das Doppelte eines aktuellen guten HD-Fernsehers gleicher Größe. Gegenüber den beiden 65-Zoll-Kandidaten liegt der Preis allerdings bedeutend niedriger.

Leistung

Helligkeit 2D:    278 cd/qm

Helligkeit 3D:    55 cd/qm

Kontrast 2D:    3002:1 x:1

Kontrast 3D:    346:1 x:1

Abweichung:    30 cd/qm

Stromverbrauch Betrieb 2D:    230 Watt

Stromverbrauch Betrieb 3D:   240 Watt

Stromverbrauch Standby:    0,3 Watt

Stromverbrauch Aus:   0,3 Watt

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