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Spielerezension: In memoriam

24.11.2003 | 12:40 Uhr |

Totgesagte leben länger - das gilt auch für das Genre der Adventure-Spiele, in dem die Entwickler zunehmend neue Wege gehen, um Spieler wieder zu fesseln. Wie der Game-Thriller In memoriam...

Mit dem klassischen Point-and-click-Adventure lassen sich nicht mehr allzu viele Digital-Abenteurer anlocken. So versuchen die Spielehersteller auf geschickte Weise, das traditionelle Genre mit aktuellen Features auszustatten und Rätselfreunde neu an den Monitor zu locken. Jüngste Beispiele dieser Art sind etwa Uru: Ages beyond Myst sowie Baphomets Fluch 3, die beide aktuelle Nachfolger der Klassiker im 3-D-Stil oder sogar mit Online-Welten (Uru) generieren, ohne dabei lieb gewordene Werte wie das Lösen kniffliger Rätsel zu vernachlässigen. Einen noch anderen Pfad betritt In memoriam von Ubisoft, das ohne "modernen" Internet-Zugang und E-Mail-Client gar nicht zu lösen ist. Es setzt dabei ausgiebig auf Internet-Recherche - bevorzugt bei Google - und elektronische Post, die der Spieler nach Anmeldung seines Accounts mit wichtigen Spielehinweisen immer wieder erhält.

Serienmorde und Esoterik

Doch von Anfang an: In memoriam beginnt mit einem Amateurfilm im Super-8-Format, der zunächst harmlose Urlaubsszenen zeigt, dann aber unvermittelt einen Mord wiedergibt. Der Film stammt aus den 70er Jahren. Beim Versuch, den mysteriösen Serienmörder Phoenix zu ermitteln, sind bereits ein Journalist und seine Assistentin spurlos verschwunden. Nachdem dessen Agentur eine CD-ROM mit Fragmenten seines gefilmten Tagebuchs und einer Sammlung merkwürdiger Daten erhalten hat, ist es nun am Spieler, die Wahrheit über die Morde und das Verschwinden des Journalisten Jack und seiner Freundin Karen herauszufinden. Damit befindet man sich in einem Plot, der sehr intensiv an berühmte Serienkiller-Thriller aus dem Kino erinnert. Das Ganze ist gewürzt mit einer gehörigen Portion Esoterik (Hermes Trismegistos, Alchemie, Runenlehre, Astrologie) und einer Verschwörung um den Geheimbund Manus Domini ("Hand des Herrn" - Lateinkenntnisse sind in dem Spiel öfter von Vorteil …), mit dem die Ermordeten in Verbindung standen. Entsprechend stimmungsvoll und symbolhaft sind die zahlreichen Rätselbilder gestaltet, so dass eine sehr dichte und bedrohliche Atmosphäre das Spiel durchzieht. Zumal der Serienkiller, dessen Name sich bald als "Phoenix" herausstellt, deutlich sadistische Neigungen durchblicken lässt.

Wie gut ein Adventure letztlich ist, hängt nicht nur von der Stimmung, sondern insbesondere von der Qualität der Rätsel ab. Im Prinzip folgt der Ablauf von In memoriam einem klaren, bisweilen etwas starren Schema: Mit weißer Schrift auf schwarzem Grund und unheimlichen Hintergrund-Sounds präsentiert Phoenix Puzzles der unterschiedlichsten Art, durch deren Lösung man Zugang zu Videos erhält, die Jack selbst während seiner Ermittlungen gedreht hat. Allein dass sie im Besitz des Phoenix sind, lässt Schlimmes ahnen. Entsprechend bekommen wir Filmaufnahmen zu sehen, die der Phoenix von seinen späteren Opfern gedreht hat.

Drei Elemente sind es insgesamt, die das Spiel voranbringen: Die vom Phoenix vorgelegten Rätsel, meistens als Flash-Games; im Zusammenhang damit Internet-Recherche oder E-Mail-Botschaften, ohne die eine Lösung letzterer - etwa durch die Eingabe eines Namens oder Passworts - unmöglich ist; schließlich die eingespielten Videos, mit denen der Spieler das Schicksal von Jack und Karen nacherlebt, aber auch weitere wichtige Informationen erhält.

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