1037586

Test Systemkamera: Panasonic DMC-G2

15.07.2010 | 16:31 Uhr |

Systemkameras machen Spiegelreflexkameras das Leben schwer, denn sie sind meist kleiner und leichter und liefern eine vergleichbare Bildqualität wie gleich teure Spiegelreflex-Kameras. Mit der DMC-G2 testen wir eine Vertreterin dieser neuen Klasse.

Eine Hinweis vorweg: Wer eine Kamera möchte, die möglichst einfach zu bedienen ist und dem Fotografen nicht mit aufnahmetechnischen Einstellmöglichkeiten verwirrt, sollte besser die Finger von der DMC-G2 lassen. Denn diese Kamera bietet gerade dem ambitionierten Fotografen, der viele Einstellungen selber vornehmen will, hervorragende Möglichkeiten und für diesen Zweck ein gut durchdachtes Bedienkonzept.

Dabei wirken auf dem ersten Blick die Bedienelemente an der Kamera überfrachtet. Doch nach kurzer Eingewöhnung möchte man diese Einstellmöglichkeiten nicht mehr missen. So lässt sich direkt per Drehrad die Fokus-Methode wählen, am zentralen Wahlrad für die Aufnahmemodis kann man zudem die Funktionen für Serienbild, Belichtungsreihe und Selbstauslöser direkt anwählen. Bei vergleichbaren Kameras muss man hier den umständlicheren Umweg über das Display-Menü nehmen. Das Einstellrad auf der Rückseite bietet eine Besonderheit: Hier kann man im Betriebsmodus "M" die Blende wählen und mit einem Druck auf das Wahlrad gelangt man zu der Einstellung für die Verschlusszeit - einfacher kann man es mit einem Einstellrad nicht gestalten und so vermisst man auch ein zweites Einstellrad nicht, wie es hochwertige Spiegelreflexkameras bieten.

Schwenkbares Touch-Display

Gut gefällt das dreh- und kippbare Display, das sogar eine Touch-Steuerung erlaubt. So kann man die wichtigsten Aufnahmeeinstellungen schnell ändern, unter anderem Weißabgleich, ISO-Stufe, Bildqualität aber auch die Einstellung für automatische Belichtungsreihe. Hier sind sogar bis zu sieben unterschiedlich belichtete Aufnahmen in einer Reihe möglich, in dieser Kameraklasse und selbst bei höherwertigeren Spiegelreflex-Kameras sind sonst maximal drei Aufnahmen üblich. So ist diese Kamera bestens geeignet für HDR-Aufnahmen, bei denen unterschiedlich belichtete Fotos zu einer dynamikreichen Aufnahme zusammengefügt werden.

Auch die Serienbild-Aufnahme gefällt. So ist es neben einer Wahl von zehn oder zwei Sekunden Auslöseverzögerung auch möglich, drei Aufnahmen in Serie zu erstellen. Komfortabel ist Dank Touchscreen auch die Wahl des Autofokus-Bereichs. Dazu genügt es, einfach mit dem Finger auf das Motiv zu klicken, auf das sich die Kamera scharf stellen soll. Bei starkem Sonneneinfall kann man das Display indes nur schwer ablesen, das ist für eine Bedienung per Tochscreen aber zwingend nötig.

Der detailreich auflösende elektronische Sucher gefällt ebenfalls gut. Nähert man sich mit dem Auge dem Sucher, schaltet die Kamera vom rückwärtigen Display zum Sucherbild um. Besonders hilfreich: verwendet man den manuellen Fokus, zoomt die Kamera das Sucherbild, sobald man am Fokusring des Objektivs dreht. Per Einstellrad kann man den Ausschnitt auf Wunsch direkt weiter vergrößern.

Motivautomatiken

Die wichtigsten Motivautomatiken Portrait, Landschaft, Sport, Makro und Nachtportrait sind direkt mit dem Wahlrad einstellbar. Jede Einstellung bietet Untermenüs, beispielsweise bei Portrait die Optionen Normal, schöne Haut, Außen, Innen und Kreativ. Zudem gibt es sechs weitere Motivautomatiken unter der Einstellung "SCN". So ausgestattet lässt sich die Kamera trotz ihrer Ausrichtung für erfahrene Fotografen auch von unerfahrenen Fotografen nutzen. Wer es ganz einfach haben will, kann den kleinen roten Schalter "iA" betätigen. Leuchtet er blau, wählt die Kamera automatisch aus sieben Motivprogrammen die passende aus, beispielsweise Portrait oder Landschaft. Im Test gelingt dies der Kamera recht gut. Wer es maßgeschneidert möchte, kann zudem drei eigene Profile speichern. Das ist Sinnvoll für eine immer gleich bleibende Umgebungssituation, beispielsweise ein Fotostudio.

Videos

Besonders für ambitionierte Fotografen eignet sich die Panasonic Lumix DMC-G2 mit ihrem hervorragenden Bedienkomfort.
Vergrößern Besonders für ambitionierte Fotografen eignet sich die Panasonic Lumix DMC-G2 mit ihrem hervorragenden Bedienkomfort.
© Panasonic

Auf der Kamera prangt das Logo AVCHD Lite. In diesem Modus nimmt die Kamera Videos bis zum HD-Format von 720 x 1280 Pixel bei 25 Bildern pro Sekunde auf. Für den Ton sorgt nur ein Mono-Mikrofon. Außerdem lassen sich die Videos auch im Format Motion JPEG speichern, das ist aber für Mac-Besitzer nicht unbedingt nötig. Denn im Modus AVCHD Lite aufgenommene Videos lassen sich problemlos und ohne Hilfsmittel mit iMovie 09 überspielen. Dabei verhält sich die Kamera wie ein normaler AVCHD-Camcorder. Übrigens bietet die Kamera auch eine HDMI-Schnittstelle zum direkten Abnschluss an einen Fernseher.

Eine Spiegelreflex-Kamera kann ihren Autofokus systembedingt nicht praktikabel während einer Filmaufnahme verwenden, hier sollte man den manuellen Fokus verwenden. Anders die DMC-G2, hier ist dies kein Problem. Man kann sogar während der Aufnahme durch Fingertipp auf das Display den Fokuspunkt verändern. Naturgemäß kann man indes keine weichen und sauberen Zoomfahreten während der Aufnahme vornehmen. Denn hierzu muss man den mechanischen Zoom des Objektivs verwenden.

Die Bild- und Tonqualität der Aufnahmen ist ordentlich, reicht aber nicht an jene eines hochwertigen Full-HD-Camcorders heran. Allerdings sind die Videos von besserer Qualität als von Kompaktkameras, die Videos ebenfalls in HD-Auflösung aufzeichnen können. Einen Vorteil bietet die Videoaufnahme mit der DMC-G2 dennoch: Da ihr Bildsensor großflächiger als bei Consumer-Camcordern ist, lässt sich besser Schärfe und Unschärfe verwenden. So ist beispielsweise der Hintergrund unscharf während die gefilmte Person scharf abgebildet wird.

Objektive und Zubehör

Da digitale Spiegelreflexkameras das analoge System beerbt haben, gibt es hier eine sehr große Auswahl an Objektiven, die auch schon mal einige Jahrzente alt sein können. Dagegen ist das Angebot an Objektiven für Systemkameras noch übersichtlich. Immerhin, von allen Systemkameras auf den Markt bieten Olympus und Panasonic mit ihrem gemeinsamen Standard Micro-Four-Thirds die größte Auswahl. Olympus hat hier vier Objektive im Programm, Panasonic gar sieben Objektive, insgesammt lassen sich so elf Objektive an den Kameras nutzen. Diese reichen vom Fishey-Objektiv mit sehr breitem Bildbereich bis zum Teleobjektiv mit bis zu 200 mm Brennweite im Vergleich zum Kleinbild-Format.

Außer Objektiven bietet Panasonic unter anderem Bajonett-Adapter, drei Systemblitze, einen elektronischen Kabelfernauslöser sowie ein Stereo-Mikrofon, das auf den Zubehörschuh befestigt wird und per Mini-Klinke den Ton überträgt.

Aus dem Testlabor

Der Autofokus ist sogar etwas schneller als der mancher Einsteiger-Spiegelreflex-Kameras. So löst die DMC-G2 insgesamt schneller aus als viele Spiegelreflex-Kameras, vor allem weil sie die Zeit einspart, die eine Spiegelreflex-Kamera zum hochklappen des Spiegels zusätzlich benötigt. Dagegen ist sie mit rund drei Bildern pro Sekunde in der Serienbild-Aufnahme nicht übermäßig schnell und auf dem Niveau mancher Einstiegs-Spiegelreflex-Kammera. Mit der Geschwindigkeit von drei Bildern pro Sekunde geht der Kamera im JPEG-Modus bei manuellem Fokus nicht die Puste aus. Im Autofokus-Modus schafft sie in dieser Geschwindigkeit je Situation um die 20 Bilder, dann wird sie langsamer. Im RAW-Modus ist die Kamera dagegen langsam: etwa drei bis vier Bilder schafft sie hier in schneller Folge und erstellt dann nur alle drei Sekunden ein weiteres Bild. Getestet haben wir dies mit der vier Gigabyte großen Speicherkarte Sandisk Extreme III.

Auffällig im Test ist die vergleichsweise geringe Akku-Laufzeit der Kamera. So kann der Akku nur einen ausgedehnten Foto-Tag überstehen, einen Ersatzakku sollte man hier vor allem bei einer ganztägigen Foto- und Videosafari mit einplanen.

In der Praxis liefert die Kamera in vielen verschiedenen Aufnahmebedingungen gute Ergebnisse ohne Ausreißer wie Fehlbelichtung oder falschen Weißpunkt der Automatik.

Das gerade mal 160 Gramm schwere mitgelieferte Objektiv Lumix G Vario 14-42 mm F3,5-5,6/ OIS bietet neben einen eingebauten Bildstabilisator eine respektable Auflösung und in allen Brennweiten, auch im Weitwinkel, eine geringe Verzeichnung. Nur zeigt er einen überdurchschnittlichen Randabfall in allen Brennweiten, das führt abhängig vom Motiv zu einer leicht sichtbaren Abschattung zu den Bildrändern hin (Vignettierung).

Bildqualität

Visuell überzeugen die Bilder mit natürlichen und kräftigen Farben sowie guter Zeichnung. Laut unseren Messungen nach dem Verfahren DC Tau bietet sie eine gute Eingangsdynamik von 8,8 bei ISO 100 bis 400. Allerdings ist die Ausgangsdynamik etwas schlechter als bei vergleichbaren Kameras. Dies macht sich bei einigen Aufnahmesituationen bei Lichtern bemerkbar: So sind beispielsweise bei Aufnahmen in Mittagssonne die Schatten-Bereiche detailreich und mit guter Zeichnung, die sehr hellen Bereiche ist die Zeichnung etwas weniger detailreich und härter. Die Ein- und Ausgangsdynamik beschreibt, die viele Helligkeitsstufen beziehungsweise Farbstufungen eine Kamera wiedergeben kann.

Die Scharfzeichnung ist, wie übrigens bei Kompaktkameras üblich, recht ausgeprägt. So wirken Fotos zwar knackig scharf, eignen sich allerdings nicht so gut für Bildmanipulationen am Rechner wie bei Spiegelreflex-Kameras, die meist eine dezente Scharfzeichnung bieten. Dies gilt indes für JPEG-Bilder, bei RAW-Aufnahmen schärft man die Fotos am Rechner. Indes kann man derzeit nur mit Adobe-Programmen Photoshop Lightroom oder Photoshop oder dem durchaus brauchbaren mitgelieferten Programm Silkypix Developer Studio 3.1 SE die RAW-Bilder bearbeiten. Allerdings ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Apple dieses RAW-Format beispielsweise für iPhoto oder Aperture unterstützt.

Die Sensorfläche der Lumix DMC-G2 ist, wie bei allen Kameras der Systeme Micro Four Third und Four Third (17,3 x 13 mm), etwa 50 Prozent kleiner als die der APSC-C großen Sensoren (etwa 25 x 17 mm) in den Einstiegs- bis Mittelklasse-Spiegelreflexkameras. Dadurch steigt auch das Bildrauschen stärker an wie bei vergleichbaren Spiegelreflex-Kameras beziehungsweise wie bei der Samsung NX-10 und NX-5, eine Systemkamera mit einem ebenfalls APS-C großen Bildsensor. Dies macht sich auch bei unseren Tests sowohl in den DC-Tau-Ergebnissen wie auch visuell bemerkbar: Bis ISO 400 fällt das Bildrauschen optisch kaum auf, bei ISO 800 macht es sich nur durch leichte Artefaktbildung bemerkbar. Deutlich sichtbar ist das Bildrauschen bei ISO 1600, ganz im Gegensatz beispielsweise zur Canon EOS 550D , bei der es sich auch hier kaum bemerkbar macht.

Empfehlung

Empfehlenswert ist die Dank Touchscreen sehr komfortabel bedienbare Panasonic Lumic DMC-G2 für ambitionierte Fotografen, denen eine Spiegelreflex-Kamera zu schwer ist. Auch für häufigere Video-Aufnahmen eignet sich diese Kamera besser als eine vergleichbare Spiegelreflex-Kamera mit Video-Funktion. Einzig kleinere Abstriche bei der Bildqualität muss man hin nehmen, die machen sich indes nur in schwierigen Aufnahmebedingungen bemerkbar.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1037586