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Test Systemkamera: Panasonic DMC-GF1

30.12.2009 | 06:57 Uhr |

Die Panasonic DMC-GF1 bereichert die fast als eigene Kamera-Liga zu bezeichnende Mikro-Fourthirds-Klasse von kompakten Digitalkameras ohne Spiegelreflex-Prinzip, aber mit Wechselobjektiven.

Zum Testen erreicht uns die 12-Megapixel-Kamera mit einem 14-45mm Zoomobejektiv und einem kompakten 20mm-Pancake-Objektiv sowie mit einem schwenkbaren elektronischen Viewfinder zum Aufstecken, der zusätzliche 230 Euro kostet. Für letzteren ist ein besonderer Anschluss vorgesehen und es lässt sich die Bildanzeige zwischen Kameradisplay und Viewfinder umschalten. Auch mit Videofilmen bis 1280 x 720 Pixel bis knapp unter 30 Minuten Länge kann die Panasonic-Kamera dienen. Im eingeklappten Zustand integriert sich zudem ein unauffälliger Blitz in das Gehäuse, ein Blitzschuh nimmt auch leistungsfähigere Systemblitze auf. Panasonic hat die GF-1 mit einem bemerkenswerten Funktionsumfang ausgestattet, unter der die Bedienführung aber nicht sehr zu leiden hat. Beispielsweise visualisert die Kamera bei Zeit- und Blendenautomatiken auf dem Display den optimalen Regelbereich zwischen Über- und Unterbelichtung und gewährt Spiegelreflex-gewohnten Fotografen sogar eine Schärfentiefeprüfung. Bracketing-Reihen sind bis sieben Aufnahmen möglich (was selbst einige Profi-DSLRs nicht bieten), dabei sind aber nur maximal 2/3-EV-Stufen wählbar. Die Gehäuseverarbeitung ist solide und wertig. Im Vergleich dazu fällt die mehr im Retro-Design gehaltene und plastikhaftere Olympus E-P1 ab. Trotz des großen und in den meisten Situationen gut ablesbaren Displays mit 460 000 Bildpunkten ist die GF-1 ausreichend gut in der Hand zu halten und bedienbar. Der Auslösedruckpunkt ist jedoch beim Testgerät sehr empfindlich, was zu einigen unbeabsichtigten Folgeaufnahmen führte. Die Auslöseverzögerung ist gut, die Autofokussierung via Kontrastmessung bei normalen Lichtverhältnissen richtig schnell und im Liveview-Modus anhand von bis zu 23 AF-Messfeldern gut kontrollierbar. Im Dunklen unterstützt ein Autofokus-Hilfslicht, auf Motive bis etwa fünf Meter scharfzustellen.

Motivautomatiken

Neben ambitionierteren Fotografen kann sich die GF-1 gut auch weniger erfahrenen Kameranutzern empfehlen. Dafür sorgen die zahlreichen Automatiken der verschiedenen Motivprogramme, die sogar selber recht zuverlässig gewählt werden (beispielsweise bei entsprechendem Motiv die Landschafts-Automatik). Die Automatiken einschließlich der intelligenten ISO-Automatik erkennen sowohl Kamera- wie Motivbewegungen und steuern zudem die im 14-45mm Objektiv integrierte Bildstabilisierung. Auch mit einer Gesichtserkennung wartet die GF-1 auf, diese kann man auch zu einer Personenerkennung ausbauen, indem man fotografierten Gesichtern Name und Geburtsdatum zuweist. Bis zu drei Personen auf einer späteren Aufnahme kann man so registrierte Namen zuordnen. Dafür scheitert die GF-1 bei der vergleichsweise simplen Lageerkennung. Eine Hoch- oder Querformatkennzeichnung wird mit einigen Objektiven wie dem 20mm-Pancake nicht unterstützt. Lästig, denn dann muss man die Aufnahmen später manuell am Computer drehen.

Aus dem Testlabor

Die Werte des DC-Tau-Labortests ermitteln wir in Kombination mit dem 14-45mm Standardzoom. Dabei zeigt die 12-Megapixel-Kamera bei 100 ISO gute Auflösungswerte in der kurzen und mittleren Brennweite. In der langen Brennweite fällt die Auflösungsleistung nur befriedigend aus, dafür aber konsistenter bis zum Bildrand - hier zeigt sich in kurzer und mittlerer Brennweite ein merkbarer Abfall Richtung Bildrand. Der Gesamt-Wirkungsgrad von 66,1 Prozent verdient sich noch die Note "Gut". Panasonic hat die kamerainterne Rauschreduzierung anscheinend bis ISO 800 optimiert. Ab diesen Wert kippt das sonst noch gute Rauschverhalten wie auch die Detailzeichnung, der dann durch die Rauschunterdrückung zugesetzt wird. Auch die Eingangsdynamik fällt ab dem Spitzenwert von 9,1 Blendenstufen bei ISO 800 deutlich ab. Mit 8,7 Blendenstufen bei niedrigerern ISO-Stufen kann die GF-1 Motivkontraste jedoch gut differenzieren.

Empfehlung

Die Panaosonic DMC-GF1 gibt sich zwar eine Blöße bei der Bildqualität ab ISO 800, ist aber ansonsten eine gute Wahl für Einsteiger und Fortgeschrittene, die sich nach einer kompakten und gut ausgestatteten Systemkamera als Alternative zu DSLRs umsehen. Ein extrem flotter Autofokus und eine sehr gute Auslöseverzögerung sorgen für hohes Schnappschuss-Potential.

Mike Schelhorn

markus.schelhorn@macwelt.de

Die Systemkamera Panasonic DMC-GF1 punktet mit solider Verarbeitung und schneller Fokusierung.
Vergrößern Die Systemkamera Panasonic DMC-GF1 punktet mit solider Verarbeitung und schneller Fokusierung.
© Panasonic
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