Von Thomas Pelkmann - 08.02.2013, 12:42

Musikproduktionstool

Test: Ableton Live 9

©Ableton

Seit vier Jahren schon ist Ableton Live 8 auf dem Markt, jetzt (endlich) gibt es mit Live 9 eine neue Version. Wir testen sie ausführlich und klären, ob die neuen Funktionen ein Update lohnen.
Die Frage, was Ableton Live eigentlich ist, lässt sich nicht so leicht beantworten. Ist es ein Sequencer wie Logic oder Cubase? Ein Live-Tool? Eine Produktionsumgebung fürs Studio? Letztlich ist Live in der Summe all das und unterscheidet sich damit von den Mitbewerbern.
Live lässt sich wie ein Sequencer verwenden, produziert dabei aber nicht nur komplette Spuren, sondern beliebig flexible Clips, die im Live-Einsatz sehr vielseitig verwendet und verändert werden können. Der Gebrauch auf der Bühne lässt sich vorbereiten; dafür bietet Ableton Live eine einfache und weitgehend intuitive Benutzeroberfläche. Und dieser Umstand bringt uns direkt zu den Neuheiten der Version 9.
Bei der Bedienung hat Ableton stark nachgebessert: Die Oberfläche ist deutlich aufgeräumter als in den Vorversionen. Das betrifft vor allem den internen Browser, der direkten Zugriff auf Instrumente, Effekte, Sounds, Plug-ins und Packs ermöglicht. Über die hierarchische Struktur ist es sehr leicht, Songs mit Instrumenten, Klängen und vorgefertigten Clips zu bestücken.

Ableton Live 9 - das ist neu!

- Übersichtlicher  Browser für Sounds, Instrumente, Plugins und Clips
- Audio-to-Midi für Melodien, Harmonien und Rhythmen
- Automatisierungsfunktionen
Die gute Struktur ist angesichts der Fülle an musikalischem Material auch nötig: Live 9 in der höchsten Ausbaustufe, der „Suite“, liefert Ableton zufolge „mehr als 3.000 sofort verwendbare Sounds“. Die Sammlung verteilt sich auf 25 Packs mit einer Mischung einzelner Instrumente und Samples bis hin zu vorgefertigten Clips.

Charakterstarke Klänge

Das mitgelieferte Material hinterlässt einen leicht zwiespältigen Eindruck. Bei den Samples gibt es – etwa im direkten Vergleich zur Kontakt-Library von Native Instruments – deutliche Schwächen: der Grundklang ist schlechter, zudem schränken viel Hall und Vibrato die Neutralität deutlich ein. Modulationsmöglichkeiten sind außerdem so gut wie keine vorhanden. Bei den zahlreichen synthetischen Instrumenten finden sich dagegen sehr charakterstarke (also nicht schon sattsam bekannte) Klänge, mit denen sich vortrefflich spielen und experimentieren lässt. Im Unterschied zu den Mitbewerbern lassen sich bei Live 9 eigene Variationen der mitgelieferten Instrumente zudem sehr leicht als Presets in der User-Library abgelegen.

Wave-to-MIDI

Auf der Funktionsseite bietet Live 9 zwei interessante Neuigkeiten. Da ist zum einen die Möglichkeit, aus Wave-Dateien Melodien, Harmonien oder Grooves zu extrahieren. Das kennt man ausführlicher vom Wunderprogramm Melodyne, aber auch bei Live funktioniert das ganz gut – wenn auch ohne die Möglichkeit, mit Parametern zu steuern oder nachzubearbeiten. Dabei gilt: Je einstimmiger das Ausgangsmaterial ist, desto treffender ist das Destillat. Bei komplexen harmonischen, melodischen oder rhythmischen Gegebenheiten entspricht das Ergebnis nur selten dem Original, taugt aber immer noch als Ausgangspunkt interessanter musikalischer Experimente.
Ein kleiner Wermutstropfen für Mac-Anwender: Das „Core Audio Format (CAF)“ von Apple kann Live nicht verarbeiten; die umfangreiche Loop-Bibliothek von Garageband steht für solche Experimente also nicht zur Verfügung. Schade!
Dafür ist die Audio-to-MIDI-Funktion ein weiterer Pluspunkt hinsichtlich einer einfachen Bedienung: So kann man mit ihr Melodien aus dem Kopf direkt in Live einsingen, dann in MIDI-Noten umwandeln und auf komplette Arrangements verteilen. Das ist schon sehr praktisch, zumal sich die Bearbeitungsmöglichkeiten für MIDI-Noten ebenfalls stark verbessert haben: Stauchen, invertieren, transponieren oder unabhängig vom Raster bewegen geht jetzt ebenfalls sehr leicht.

Automation leicht gemacht

Die zweite echte Neuheit: Es ist sehr viel einfacher als bisher, einzelne Spur- und Instrumentenparameter zu automatisieren: Man nimmt einfach alle Regleränderungen auf und lässt Live sie bei der Wiedergabe von Clips und Spuren abspielen. Oder man „malt“ Automationskurven in der Trackansicht mit der Maus. Automationen haben Mitbewerber auch; so einfach, wie bei Live ist es andernorts aber nicht.

Kaufempfehlung und Fazit

Es ist erfreulich einfach, mit Ableton Live 9 kreativ zu sein. Aber ist das wirklich ein Kriterium für die Beurteilung professioneller Suiten? Ja, ist es: Live ist nicht nur eine professionelle Umgebung für Produktionen- und Performances, sondern auch ein hervorragendes Kreativwerkzeug zum Ausprobieren und Festhalten guter Ideen. Und wer sagt, dass professionelle Geräte in der Bedienung sperrig sein müssen? Ableton Live ist es jedenfalls nicht, und daher bietet die Suite nicht nur eine riesige Zahl interessanter Instrumente und Klänge. Diese Vielzahl lässt sich das Programm überdies auch unkompliziert wie nie entlocken, und auch das macht unterm Strich den großen Charme des Programms aus.
Derzeit liegt uns Live 9 nur als Beta-Version vor. Wir verzichten daher auf die finale Benotung der Software. Sobald Ableton die endgültige Version freigibt, liefern wir die Noten nach.

Ableton Live 9

Professionelles Musikprogramm für Studioaufnahmen und Live-Performances.


Hersteller: Ableton
Preise:
Live Intro (3 Instrumente, 26 Effekte, 700 Sounds) 79 Euro
Standard (3, 37, 1.100) 349 Euro
Suite (9, 40, 3.000), 599 Euro. Zur Suite gehört außerdem Max für Live für das Programmieren eigener Soundmodule und -werkzeuge (wurde bislang getrennt verkauft).
Gesamtnote: keine, da noch Beta
Vorzüge: Ableton live bietet eine sehr einfache und übersichtliche Benutzerführung, verfügt über sehr viele Samples, Clips und Instrumente und überzeugt mit den neuen Automatisierungs- und Audio-to-MIDI-Funktionen.
Nachteile: Die Qualität der Sample-Bibliothek lässt zu wünschen übrig; viele Klänge lassen sich aufgrund von Hall- und Vibrato-Effekten schlecht weiterverwenden; zudem bieten nur ganz wenige Samples Modulationsmöglichkeiten.
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