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Raw-Konverter Bibble Pro 5 im Test

16.01.2010 | 15:37 Uhr |

Der Raw-Konverter Bibble Pro erscheint nach langer Entwicklungszeit im neuen Gewand - wer bislang mit Bibble 4 Pro arbeitete, muss sich erst an viele neue Funktionen und das stark überarbeitete Design gewöhnen.

Die grafische Oberfläche erinnert durch das dunkelgraue Erscheinungsbild an die von Adobe Lightroom - die grundsätzliche Anordnung der Bereiche ist aber unverändert: Ein linker Bedienfeldbereich ist für Import/Export und Browsen in Dateiverzeichnissen und, neu, Katalogen sowie für die Ausgabe zuständig. Die Reiter des rechten Bedienfeldbereichs sind für die Bildeinstellungen gedacht. Dazwischen befindet sich der große Vorschaubereich für Miniaturen und Einzelansichten.

Ähnlich wie bei Aperture liefert nun auch eine Lupe auf Tastendruck eine vergrößerte Vorschau von Bilddetails. Das Tastenkürzel dafür und einige weitere Kürzel müssen wir jedoch erst einmal auf eine deutsche Tastaturbelegung anpassen, da die Standardbelegung für amerikanische Tastaturen gedacht ist. Weiterhin würden wir uns wünschen, die Lupe fixieren zu können, während man Einstellungen vornimmt. Gut gefällt uns die Flexibilität bei der Anordnung der Elemente der grafischen Oberfläche.

In der Verwaltung der Bilder hat sich einiges geändert: Die Raw-Aufnahmen lassen sich nun wie bisher über den Dateibrowser an ihrem Speicherort oder neu in Katalogen organisieren. Auch die gemischte Verwendung von Dateibrowser und Katalogen ist möglich. Bei Katalogen hat der Anwender die Wahl, ob Bilder an ihrem Speicherort verbleiben, in den Katalog bewegt oder in den Katalog kopiert werden. Die Wahl einer dieser Möglichkeiten wirkt sich auf die Export-Performance aus. Raw-Konvertierungen von Dateien aus dem normalen Dateisystem erledigt Bibble 5 Pro im Test auf einem iMac um 20 Prozent schneller als bei in den Katalog aufgenommenen Bildern. Im Vergleich zu Lightroom, dass auch zwischen Katalogen und Dateiverzeichnis wählen lässt, ist Bibble 5 Pro auf einem zwei Jahre alten Testmac mit Intel Dual Core Prozessor und 2 GB RAM nur unwesentlich schneller beim Export (bei Bildern im Dateisystem). Den "Turbo" schaltet Bibble 5 erst mit vier und mehr Cores ein.

Selektive Bearbeitung

Die größte Neuerung bei der nicht destruktiven Bildbearbeitung mit Bibble ist das selektive Bearbeiten von Bildbereichen. Dazu kennt Bibble nun Ebenen und Regionen. Ebenen sind der "Behälter" von einer oder mehreren Regionen, die in dieser Ebene dieselbe Bearbeitungseinstellung haben. Für Regionen stellt Bibble Kreis-, Polygon-, Kurven- sowie Pinsel-Werkzeuge bereit. Überlagern sich zwei Regionen aus verschiedenen Ebenen, mischt sich deren Wirkung. Für viele Aufgaben wie das Soften von Gesichtern bei einer ansonsten scharfen Aufnahme ist dieses Konzept gut geeignet. Beim Pinsel vermissen wir eine Regeloption für einen harten oder weichen Rand.

Wie fast jeder Raw-Konverter hat nun auch Bibble 5 Pro eine dunkelgraue Oberflächengestaltung. Eine schnell über Tastatur aktivierte Lupe zeigt eine vergrößerte Detailansicht über der aktuellen Mausposition.
Vergrößern Wie fast jeder Raw-Konverter hat nun auch Bibble 5 Pro eine dunkelgraue Oberflächengestaltung. Eine schnell über Tastatur aktivierte Lupe zeigt eine vergrößerte Detailansicht über der aktuellen Mausposition.

Für Bildeinstellungen hat Bibble ein umfassendes Werkzeugset, wesentliche Neuerungen sind seit Bibble 4 allerdings nicht hinzugekommen. Erwähnenswert ist die Objektivkorrektur-Bibliothek zur geometrischen Verzeichnungskorrektur - die meisten anderen Raw-Konverter können damit nicht aufwarten. Seine acht Konvertierungsvorgabeprofile nennt Bibble Bildstile, und diese haben Benennungen wie "Produkt reduziert" oder "Hochzeit". Das kann irritieren, wenn man eine Landschaftsaufnahme einstellen will (keiner von Bibbles Bildstilen heißt so). Bei den eigentlichen Werkzeugen vermissen wir hauptsächlich eine Regelung des lokalen Kontrasts und ausgefeiltere Schwarzweiß-Konvertierungsmöglichkeiten. Die Grundkonvertierungen der acht Bildstile sind meistens durch eigene Regelungen verbesserungsbedürftig, besser wäre ein Ansatz gewesen, der verbreiteten Kamera-Bildstilen wie "Lebhaft" oder "Neutral" entspricht.

Empfehlung

Bibble 5 Pro ist ein nach wie vor flotter Raw-Konverter, auch bei der Bedienung einschließt. Dem 5.0-Release fehlen noch einige Funktionen, die der Hersteller Bibblelabs nach Bugfixes in einer 5.1-Version nachreichen will. Wer für Raw-Aufnahmen seiner Kamera eigene Voreinstellungen erarbeitet, findet in Bibble 5 Pro eine gute und etwas kostengünstigere Alternative zu anderen, etablierteren Programmen. An der deutschen Lokalisierung sollte Bibblelabs jedoch noch etwas feilen.

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