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Test: HDR Expose 2

16.08.2012 | 15:38 Uhr |

HDR kennen viele Nutzer als bunte Bilder mit extrem gesteigertem Mikrokontrast und hohem Kontrastumfang. Anders verhält es sich bei HDR Expose 2, das eine natürliche Darstellung von HDR-Bildern erlaubt, allerdings mit ein paar Wermutstropfen.


Architekturfotografen, Architekten und viele andere haben die Vorteile der HDR-Technik für sich entdeckt. Große Kontrastumfänge kann man damit ohne aufwendige Beleuchtung oder komplizierte Nachbearbeitung meistern.
Ein Programm für diese Aufgabe ist HDR Expose 2 von Unified Color. Es soll, ganz im Gegensatz zur Konkurrenz, die Bilder natürlicher erscheinen lassen und somit die Vorteile der HDR-Technik nutzbar machen, ohne den typischen HDR-Effekt. Das Tool gibt es in drei verschiedenen Ausführungen, hier testen wir die große Ausgabe HDR Expose 2. Sowohl Belichtungsreihen als auch einzelne Bilder können geöffnet und bearbeitet werden.
Nach der Auswahl der Bilder muss man im Öffnen-Dialog die Anti-Ghosting-Methode und auch die Weißbalance auswählen. Bei der Anti-Ghosting-Methode finden wir keine, die bei bewegten Personen ein zufriedenstellendes Ergebnis bringen würde. Die manuelle Weißbalance erreicht jedoch sehr gute Ergebnisse.

Das Anti-Ghosting von HDR Expose 2 überzeugt nicht.
Vergrößern Das Anti-Ghosting von HDR Expose 2 überzeugt nicht.

Nach dem Öffnen der Bilder erinnert die Programmoberfläche ein bisschen an Lightroom oder den Camera-Raw-Dialog von Adobe. In der Mitte das große Bildfenster und bei Bildern im Querformat darunter verschiedene Voreinstellungen (Presets). Bei Bildern im Hochformat befinden sich diese auf der linken Seite des Fensters. Momentan sind nur wenige vorhanden. Auf der rechten Seite finden sich die verschiedenen Einstellungsparameter. 
Beim Tone Mapping gibt es nur wenige Regler für die Einstellungen, diese reagieren sehr langsam auf Veränderungen. Nach jedem Ändern der Regler ist eine kurze Wartezeit fällig, bis die Ergebnisse angezeigt werden. Das bremst den Arbeitsfluss schon sehr aus. Schön finden wir, dass sich jede Einstellung einzeln speichern lässt. Im Histogrammfenster kann man den Bildbereich verschieben und so das Bild mit eingeschalteter Lichter- und Tiefenbeschneidung (H und S im Histogramm) ideal mit den verschiedenen Reglern einstellen. Mit Hilfe des Reglers Local contrast wird der typische HDR-Mikrokontrast geregelt.

Die Gradationskurve, die sich unter Tone-Tuning versteckt, ist leider nicht direkt veränderbar, sondern nur über Schieberegler für die Lichter, Mitteltöne und Tiefen. Zudem wird beim Benutzen der Schieberegler nicht sofort auch die Nummerische-Box aktiviert, sodass man diese erst markieren muss, um nummerische Werte einzugeben. Für das Zurücksetzen der Werte reicht ein Doppelklick auf den Regler.


Die „Dodge & Burn“-Funktion (Nachbelichten und Abwedeln) bietet im Prinzip eine hervorragende Möglichkeit, einzelne Bildbereiche zu verändern, ist aber in der Praxis nicht sinnvoll einzusetzen. Die Pinselgröße beträgt gerade einmal 100 Pixel, das ist für jedes Bild einer etwas besseren Digitalkamera viel zu klein, und wenn die Einstellung nicht passt, kann gerade mal ein Schritt rückgängig gemacht werden. Eine einmal vorgenommene Einstellung lässt sich nicht ändern und dann dauert das Zurücksetzen auch sehr lange. Zudem reagiert der Pinsel beim Malen sehr langsam. Hier hat die Konkurrenz eindeutig die Nase vorne.
Unter den Color Settings kann der Weißabgleich über verschiedene Möglichkeiten noch einmal korrigiert werden. Sehr gut finden wir, dass sich Grundfarben einzeln in ihrer Sättigung ändern lassen. Ungewöhnlich für ein HDR-Programm ist die Möglichkeit, unter Geometry das Bildformat zu ändern, es zu beschneiden und zu drehen.


Auch das Entfernen von Linsenreflexen, die bei Gegenlicht auftreten können, ist in einem gewissen Rahmen möglich, ein nachträgliches Retuschieren ist aber meist unumgänglich.  Mit dieser Einstellung lässt sich allerdings auch gut experimentieren, wenn es keine Linsenreflexe gibt. So kann man mit diesen Reglern die Dramatik des Bildes stark erhöhen.
HDR Expose 2 bietet zwei große Vorteile gegenüber vielen Konkurrenten: Die Bilder können als 36 Bit großes TIFF-Bild ausgegeben werden, um dieses dann in Camera Raw, Lightroom oder Aperture mit den dortigen Möglichkeiten weiterzubearbeiten. Der zweite Vorteil ist die Batch-Verarbeitung, sodass man nicht jedes Bild einzeln bearbeiten muss.
Ein sinnvoller Workflow besteht so aus der Batch-Verarbeitung von HDR Expose 2 mit den nötigsten Parametern und einer Weiterverarbeitung im RAW-Converter.

Empfehlung

HDR Expose 2 ist sehr langsam, die verfügbare Pinselgröße sowie die Einstellungsparameter des Pinsels lassen arg zu wünschen übrig und sind daher für große Bilddateien nicht geeignet. Dies alles soll sich aber in naher Zukunft ändern, so der Hersteller. HDR Expose 2 ist kein Programm für das typische HDR und das will es ja auch nicht sein. Es eignet sich jedoch wegen seiner Batch-Verarbeitung sehr gut dazu, 36-Bit-TIFF-Bilder zu erstellen und diese im RAW-Konverter weiterzuverarbeiten.

Unifiedcolor

Preis

€ 120

CHF 160

Gesamt

3,5 ausreichend

Leistung

30%

4

Ausstattung

30%

2

Handhabung

20%

3,5

Geschwindigkeit

20%

5

Vorzüge

Ergibt realistische Bilder mit hohem Kontrastausgleich, praktische Batch-Verarbeitung für Weiterverarbeitung von 36-Bit-TIFF-Bildern im Photoshop-RAW-Konverter

Nachteile

Unhandlich, Änderungen werden nicht sofort angezeigt, Pinselgröße nur bis 100 Pixel und so nicht praktikabel einsetzbar, Pinsel sehr langsam

Alternative

Photoshop HDR-Pro mit Ausgabe als 36-BIT-TIFF-Bild und Weiterverarbeitung im RAW-Konverter, Nik HDR Efex Pro 2

Ab OS X 10.5

www.unifiedcolor.de/hdr-expose

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