2228503

Test: Camtasia 3 - Bildschirmvideo-App überarbeitet

18.10.2016 | 17:34 Uhr |

Beim Erstellen von Bildschirmvideos bietet die aktualisierte Version von Camtasia interessante Neuerungen wie Quiz-Fragen und Animationen.

Bildschirmvideos sind dank Youtube längst eine Selbstverständlichkeit. Kann man doch ein komplexes Problem oder eine neue App durch das Abfilmen des Bildschirms oft schneller erklären, als durch einen langen Text. Für Lehrvideos und Programmvorstellungen sind diese Screencasts ebenfalls ideal. Mit den beiden Programmen Snagit und Camtasia hat TechSmith gleich zwei Bildschirmvideo-Programme im Angebot. Selbst höchsten Ansprüchen genügt das jetzt 200 Euro teure Camtasia , das Tech Smith gerade aktualisiert  (und dabei leider auch den Preis erhöht) hat.

Bildschirmvideos kann auch der Quicktime Player erstellen. Bei der Aufnahme hat man mit Camtasia aber einige zusätzlich Optionen und vor allem bei der Nachbearbeitung steht ein ausgereifter Editor zur Verfügung. Ohne Zusatztools wie Final Cut oder After Effects kann der Anwender Effekte und Animationen ergänzen, Fotos und Audio hinzufügen und vieles mehr.

Die neue Version fällt durch eine komplett überarbeitete Oberfläche auf, die jetzt mehr der Windows-Ausgabe gleicht. Der Wechsel zwischen beiden Apps soll so leichter fallen. Die Vorversion für den Mac finden wir allerdings ergonomischer, so sind Menüs und Funktionen jetzt deutlich kleiner ausgefallen.

Die Software kann auch iOS-Geräte abfilmen, das Drehen des Geräts führt allerdings zu einem Aufnahmefehler.
Vergrößern Die Software kann auch iOS-Geräte abfilmen, das Drehen des Geräts führt allerdings zu einem Aufnahmefehler.

Aufnahmen mit Camtasia erstellen

Bei einer neuen Aufnahme kann man zwischen mehreren Aufnahmequellen wählen, so stehen Hauptbildschirm, iSight, Mikro und Systemaudio zur Wahl und sind kombinierbar. Über ein Ausklappmenü des Hauptbildschirm-Menüs kann der Nutzer die Bildschirmgröße oder ein angeschlossenes iOS-Gerät auswählen. Letzteres ist aber nur bei einem per Lightning-Kabel verbundenen iPhone oder iPad möglich, ganz wie bei der Aufnahme per Quicktime Player

Viel Nachbearbeitungszeit kann man sich übrigens später mit der Funktion SmartFocus sparen. Nach einer Aufnahme wählt diese automatisch Bildschirmbereiche aus und führt einen Beschnitt des Videos durch – inklusive Zoom und Schwenks. Verlassen sollten man sich auf dieses Feature aber nicht, die Software agiert in unserem Test etwas unberechenbar. Sie eignet sich aber für simplere Aufnahmen.

Videos in der Nachbearbeitung

Nach einer Aufnahme öffnet sich die Videodatei im funktionsreichen Editor-Fenster von Camtasia, der eigentlichen Stärke des Programms. Vorteil gegenüber Final Cut und Co.: Die Videoschnittfunktionen sind auf Bildschirmvideos zugeschnitten und eignen sich auch für Einsteiger. So bietet das Tool für Screencasts sinnvolle Grafikelemente wie Pfeile, Textkästen und Animationen. Will man beispielsweise im Video das Anklicken eines Elements hervorheben, wählt man unter „Cursoreffekte“ einen von mehreren Hervorhebungseffekten aus und zieht ihn per Drag-and-drop an die gewünschte Stelle des Videos.

Einen Kommentar kann man per Aufnahmefunktion einsprechen, oder eine Audiodatei per Drag-and-drop importieren. 4K-Videodateien unterstützt die aktuellen Version jetzt ebenso.

Mehrere Audio- und Videospuren verwaltet und bearbeitet der Editor, die Funktionen für Audiobearbeitung sind allerdings beschränkt. So kann man zwar mehrere Filter anwenden und die Lautstärke einstellen, vollwertige Videoschnittprogramme bieten aber weit mehr. Auch der halb so teure Konkurrent Screenflow von Telestream macht hier den besseren Eindruck.

Export vereinfacht

Aus Platzgründen nimmt Camtasia Videos in einem proprietären Format auf, verschiedene Exportformate stehen zur Wahl. Den Dialog hat der Hersteller gegenüber der Vorversion etwas vereinfacht, die Unterteilung in einfachen und erweiterten Export fällt weg. Direktes Ausspielen auf Youtube, GoogleDrive und Screencast.com ist weiter möglich, bei einer Ausgabe auf die Festplatte gibt es mehrere Alternativen. Für die Nachbearbeitung in einem Profi-Videoschnittprogramm bietet das Programm den Profi-Codec Apple RoRes, beim Export als MP4-Datei stehen zwei Codecs zur Wahl. Auf Wunsch exportiert das Tool die MP4-Videos per schnellem Apple-Codec oder dem qualitativ besseren aber langsameren Mainconcept-Codec. Gut für das Veröffentlichen von Videos in Blogs: Man kann sie jetzt als GIF exportieren.

Neue Funktionen

Die Vorversion Camtasia 2 ist mit Sierra kompatibel, ein Upgrade kostet immerhin 93 Euro. Vor allem für professionelle Nutzer hat die neue Version aber einige interessante Neuheiten zu bieten. So kann man erstmals in der Mac-Version Quizfragen, Hotspots oder ein Inhaltsverzeichnis integrieren, etwa in einem Lehrfilm Multiple-Choice-Fragen stellen. Das funktioniert allerdings nur über den TechSmith Player, ein spezielles Abspielprogramm. Die Einbindung des Players ist in einen eigenen Webauftritt möglich.

Neu ist außerdem die Animation von Objekten. Mit vorgegebenen Effekten wie Skalieren, Treiben oder Pulsieren kann der Anwender einen Text oder ein Symbol besonders hervorheben. Ein wenig erinnert dies und an eine Power-Point-Präsentation, ist aber sehr hilfreich. Praktisch für komplexere Projekte ist eine neue Gruppieren-Funktion, die beispielsweise bestimmte Audio- und Video-Objekte vor dem versehentlichen Verschieben schützt.

Unterschiede Mac- und PC-Version

TechSmith hat die Mac- und PC-Version angeglichen, so können Nutzer der aktuellen Versionen jetzt Projektdateien problemlos austauschen. Die Mac-Version hat aber einige Einschränkungen, so steht nur in der PC-Ausgabe ein automatischer Audio-Rauschfilter zur Verfügung. Die neuen Videoelemente wie Hintergründe, Symbole, Grafiken und Musikdateien muss der Mac-Anwender über eine Webseite laden. In die Windows-Version sind die praktischen Vorlagen, beispielsweise ein sich öffnendes Macbook Pro, bereits integriert. Auch beim Umgang mit Untertiteln bietet die PC-Ausgabe mehr Optionen. Etwas mager finden wir das Angebot an lizenzfreien Audiodateien für den Hintergrund, hier stellt beispielsweise Youtube über seine Bibliothek ein reichhaltigeres Angebot zur Verfügung.

Fazit

Für den professionellen Ersteller von Lehrfilmen und Erklärvideos gibt es neben Screenflow wenig Alternativen zu Camtasia. Die Software zeigt ihren Wert vor allem durch eine ausgereifte Oberfläche und guten integrierten Editor. Kreative Video-Profis sind nicht die Zielgruppe, sondern Anwender, die schnell und komfortabel zu vorzeigbaren Ergebnissen kommen wollen. Um mit Motion oder After Effects zu arbeiten, ist schließlich viel Erfahrung und Aufwand nötig. Ob sich für Nutzer der Vorversion das Upgrade lohnt, sind wir uns allerdings weniger sicher.

Camtasia 3

Preis: € 221

Note: 1,7 gut

Leistung (50%)  1,5

Ausstattung (30%)  2,0

Bedienung (10%)   2,0

Lokalisierung (10%)   1,0

Vorzüge: Viele Bearbeitungsfunktionen und Effekte, komfortable Bedienung

Nachteile: Nicht so flexibel wie ein vollwertiges Videoschnitt-Programm

Alternativen: Screenflow

Ab OS X 10.10

Techsmith www.techsmith.de

0 Kommentare zu diesem Artikel
2228503