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Test: Datenretter für den Mac im Vergleich

10.04.2013 | 11:26 Uhr |

Wer ruhig schlafen möchte, macht regelmäßig Backups seiner Daten. Wer sich dagegen darauf verlässt, nach einem Daten­verlust nachträglich den Schaden beheben zu können, hat in manchen Fällen sehr schlechte Karten

Eine Reihe von Hilfsprogrammen von Drittanbietern soll dem Anwender dabei helfen, seine Daten gegen Verlust zu schützen. Das Spektrum reicht dabei von Programmen zum Klonen eines Datenträgers über die Überwachung und den Test der Mac-Hardware bis hin zu Lösungen, mit denen sich versehentlich gelöschte Daten zurückholen lassen. Wir testen solche Programme regelmäßig, diesmal erstmals auch auf ihre Fähigkeit, mit OS X 10.8, SSD-Festplatten und einem Fusion Drive umgehen zu können.

Datenträger Klonen

Time Machine sichert standardmäßig den gesamten Datenträger inklusive System und Programme. Daher kann man alles aus diesem Backup wieder herstellen, was jedoch einige Zeit lang dauert. Um schneller wieder an die Arbeit gehen zu können, ist eine aktuelle Kopie des Startvolumes auf einem anderen physikalischen Laufwerk hilfreich. Dazu kann man die Option „Wiederherstellen“ des Festplatten-Dienstprogramms verwenden, sie kopiert aber jedes Mal alle Daten, nicht nur die geänderten und neu hinzugekommenen. Mit Carbon Copy Cloner und Super Duper ist dies dagegen möglich. Auch Techtool Pro bietet eine entsprechende Option, während man mit Drive Genius zwar klonen, die Kopie aber nicht aktualisieren kann. Zudem funktioniert das Klonen in diesem Programm nicht wie bei den anderen mit dem aktiven Startvolume. Über die „Festplattenverwaltung“ von Carbon Copy Cloner kann man zudem auch die Wiederherstellungs-Partition (Recovery-HD) auf ein anderes Laufwerk übertragen – einzige Ausnahme ist ein Fusion Drive, das zwar als Quelle, nicht jedoch auch als Ziel dienen kann.

Checkmate prüft im Hintergrund den Datenträger und überwacht den SMART-Status.
Vergrößern Checkmate prüft im Hintergrund den Datenträger und überwacht den SMART-Status.

Datenträger überwachen

Festplatten und SSDs haben einen eingebauten Überwachungsmodus, der unter anderem über Temperatur, Lesefehler und ausgemusterte defekte Sektoren Auskunft gibt. Diese mit SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology) bezeichnete Selbstdiagnose wertet das System für die internen Datenträger aus und zeigt das Ergebnis sowohl in den Systeminformationen unter „ Serial-ATA “ als auch im Festplatten-Dienstprogramm an. Steht dort „Überprüft“, wurden keine Fehler gemeldet. Bei externen Laufwerken gibt es aber in der Regel keinen Zugriff auf diese Daten. Die Programme Stellar Drive Monitor und Checkmate überwachen die SMART-Werte der internen Datenträger mithilfe eines Hintergrundprozesses, bieten darüber hinaus aber noch weitere Optionen. So überprüfen sie die Datenträger auf defekte Blöcke , was bei Checkmate im Hintergrund passiert, bei Drive Monitor startet man diesen Vorgang manuell. Checkmate prüft zudem den Datenträger auf Eingabe- und Ausgabefehler und die Datenstruktur, während Drive Monitor einen manuell zu startenden Geschwindigkeitstest anbietet, bei dem jedoch die Schreiboptionen deaktiviert sind. Bei einem Fusion Drive kommt Drive Monitor durcheinander und gibt drei Temperaturwerte an, da es nicht nur die SSD und die Festplatte als eigenständige Datenträger identifiziert, sondern auch das auf dem Fusion Drive angelegte Volume. Zudem verabschiedet sich das Programm manchmal ungefragt und verlangt bei jedem Start das Adminis­trator-Passwort.

Gau bei SSD und Fusion Drive

Von diesen Laufwerken lassen sich im Test keine gelöschten Dateien zurückholen, weder mit der Protokoll-Funktion von Disk Drill und Techtool Pro noch mit dem Daten-Scan von Disk Drill und Data Rescue nach dem Löschen des Datenträgers. Die mit der Papierkorbüberwachung von Disk Drill und Techtool Pro zurückgeholten Dateien lassen sich nicht öffnen, und beim Scan finden weder Disk Drill noch Data Rescue irgendwelche Dateien. Leider weist keiner der Hersteller auf dieses Problem explizit hin, das durch die SSD-Speichertechnologie verursacht wird. Denn sobald man etwas von einer SSD löscht beziehungsweise den gesamten Datenträger initialisiert, sind die betroffenen Daten mit herkömmlichen Mitteln nicht wiederherstellbar. Apple weist auf diesen Umstand etwas versteckt in einem Support-Artikel zum Festplatten-Dienstprogramm hin: „Wenn Sie unter OS X Lion ein SSD-Laufwerk verwenden, sind die Funktionen „Sicheres Löschen“ und „Freien Speicher löschen“ im Festplatten-Dienstprogramm nicht verfügbar. Diese Optionen werden bei einem SSD-Laufwerk nicht benötigt, da es bereits nach einem regulären Löschvorgang schwierig ist, Daten von einem SSD-Laufwerk wiederherzustellen.“

Bei einem Fusion Drive sieht Drive Monitor von Stellar ein Laufwerk zu viel und gibt auch für dieses einen Temperaturwert an
Vergrößern Bei einem Fusion Drive sieht Drive Monitor von Stellar ein Laufwerk zu viel und gibt auch für dieses einen Temperaturwert an

Hardware testen

Drive Genius überwacht ebenfalls mit seinem Hintergrundprozess „Drive Pulse“ die SMART-Werte und prüft die Datenträger auf defekte Blöcke, wenn der Rechner gerade nichts zu tun hat. Letzteres lässt sich auch manuell anstoßen. Das Programm umfasst noch etliche weitere Optionen und kann unter anderem Geschwindigkeitstests vornehmen, einen Datenträger initialisieren, partitionieren und defragmentieren sowie die Daten überschreiben. Einen anderen Schwerpunkt setzt Techtool Pro. Das Programm prüft zwar auch auf defekte Blöcke und kann einen Datenträger defragmentieren, prüft darüber hinaus jedoch noch andere Hardware-Bestandteile des Mac wie den Arbeitsspeicher, den Grafikspeicher oder USB- und Netzwerkanschlüsse. Sowohl Drive Genius als auch Techtool Pro weisen sinnvoller Weise darauf hin, dass das Defragmentieren bei einer SSD nichts bringt, wenn man diese Option aufruft. Drive Genius erweist sich im Test unter OS X Mountain Lion als instabil und verabschiedet sich mehrfach ohne Kommentar, beispielsweise beim Partitionieren einer externen USB-Festplatte, auf der auch eine Recovery Partition vorhanden ist, oder beim Initialisieren eines USB-Sticks. Außerdem hat das Programm Probleme, ein Fusion Drive korrekt zu erkennen. Man kann beispielsweise beide Datenträger zum Initialisieren oder Überschreiben auswählen, obwohl der Mac Mini vom Fusion Drive gestartet ist und diese Optionen deshalb deaktiviert sein müssten, wie es bei anderen Laufwerken der Fall ist. Schaden richtet Drive Genius zwar keinen an, es verabschiedet sich einfach grußlos. Auch Techtool Pro beendet die Oberflächenprüfung auf dem Fusion Drive mit einem Programmabsturz.

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