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Mobile Freiheit mit dem iPhone

07.11.2008 | 14:58 Uhr |

"Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos" - ein kleines bisschen Freiheit kann man sich auch durch ein drahtloses Headset verschaffen. Ohne lästige Kabel lässt sich so unterwegs entspannt telefonieren

Dem iPhone beigelegt ist ein Stereokopfhörer mit Mikrofon und einem Schalter für die Fernsteuerung. Wer mehr Bewegungsfreiheit möchte, entscheidet sich für ein Bluetooth Headset als Ergänzung. Hierbei ist wichtig zu wissen, dass Apple seinem Designhandy nur die Blutooth-Profile HFP und HSP für das drahtlose Telefonieren spendiert hat. Drahtloses Musikhören ist derzeit nicht möglich.

Das Testfeld

Die Auswahl und die Bauformen sind in den letzten Jahren recht groß geworden. Deshalb unterteilen wir unser Testfeld in zwei Gruppen: Headsets mit Ohrbügel, die auf dem Ohr aufsitzen und In-Ear-Modelle, die man wie Ohrstöpsel in die Ohrmuschel setzt. Manche In-Ear-Modelle besitzen zusätzlich noch optionale Bügel - wie sich herausstellt, nicht ohne Grund.

Zu den reinen Ohrbügelmodellen gehören das Jabra BT5020, das Plantronics Voyager 520 und das Sennheiser VMX100. Alle Modelle sind für beide Ohren geeignet. Das Jabra hat hierfür eine drehbare Ohrkapsel an einem flexiblen Bügel. Der Plantronics hat statt der Ohrkapsel eine kleine Nase, die den Schall in den Ohrkanal leitet. Der Bügel wird entsprechend dem Ohr gedreht. Sehr clever gelöst ist das bei Sennheiser: Hier muss nichts gedreht werden, denn er verfügt über zwei Ohrkapseln.

In der zweiten Gruppe verankert man das Headset wie beim Plantronics Discovery 925 ausschließlich im Ohr, während das Hama Voice Pro, das Jabra BT2050 und das Jabra JX20 Puro mit einem zusätzlichen und mitgelieferten Bügel ausgestattet werden können. Bei den beiden Jabra-Modellen sind unterschiedliche Bügelgrößen im Lieferumfang.

Laden nicht immer selbsterklärend

Vor dem ersten Einsatz muss natürlich der Akku geladen werden; hier erfreuen die Modelle Hama Voice-Pro, Jabra BT5020, Jabra JX 20 Pura, Sennheiser VMX100 und Plantronics Discovery 925, denn sie können sowohl über das mitgelieferte Netzteil als auch via USB geladen werden. Dabei ist es nicht nur praktisch, das Bluetooth-Headset am Rechner zu laden, sondern auch speziell über ein USB-Ladegerät. Dies ist angenehm für Menschen, die viel unterwegs sind und mehrere über USB ladbare Geräte dabeihaben, denn so benötigt man nur eines der USB-Ladegeräte und das entsprechende USB-Kabel. Sennheiser liefert dankenswerterweise ein solches Ladegerät mit. Ein passendes USB-Kabel gibt es für das Plantronics Voyager 520 als Zubehör. Speziell an Reisende denken Hama, Sennheiser und Plantronics, sie bieten beispielsweise ein Ladegerät für den Zigarettenanzünder im Auto an; bei Hama ist es gleich im Lieferumfang. Plantronics bietet sogar bei seinem hochwertigen Discovery 925 eine mobile Ladetasche mit an. Diese hochwertig verarbeitet Tasche beherbergt einen Akku, der das Headset auflädt und die Laufzeit damit verdoppelt. Nebenbei dient es auch als Schutztasche - ein Asset, an das die anderen Hersteller nicht gedacht haben. Einziger Wermutstropfen: Ist das Headset einmal mit dem Stecker der Ladetasche verbunden, kann man es nur schwer entfernen - ein Fingernagelkiller für Ladys.

Gehören Sie zu denen, die gerne eine Ladestation auf dem Tisch stehen haben? Auch kein Problem, denn dem Jabra JX20 Pura liegt ein sehr hochwertiges und stabiles Exemplar bei, das sogar über eine Ladestandsanzeige via fünf LEDs verfügt. Ebenso liefert Plantronics mit seinem Voyager 520 eine Ladestation mit, diese ist jedoch viel zu leicht und bleibt nicht von allein auf dem Schreibtisch stehen.

Eine mehrfarbige LED-Anzeige gibt idealerweise wie beim Jabra BT5020 und beim Sennheiser VMX100 den Ladezustand an. Rot steht für laden, grün oder blau für geladen. Das versteht man auch ohne Anleitung. Auch gut ist es beim Jabra JX20 Pura gelöst: Pulsierende Anzeige bedeutet laden, ein Dauerleuchten steht für geladen. Etwas verwirrend ist hier das Jabra BT2050 mit seiner weißen LED beim Ladevorgang, das genauso wie beim Hama Voice-Pro und den beiden Plantronics einfach ausgeht, wenn er geladen ist.

Die Einrichtung

So wie man sich bei neuen Bekanntschaften erst einmal vorstellt, muss sich jedes Bluetooth-Gerät vor dem ersten Betrieb mit dem iPhone bekannt machen - diesen Vorgang nennt man Pairing. Bei nahezu allen Geräten drückt man hierzu die Einschalttaste, bis eine spezielle LED-Reaktion, beispielsweise eine dauerhaft leuchtende blaue LED oder ein blinkendes Blau/Rot kommt. Sehr clever gelöst ist das beim JX20 Pura von Jabra. Wenn man das Gerät zum ersten Mal einschaltet, geht es automatisch in den Pairing-Modus.

Am iPhone geht man in das Menü Einstellungen/Allgemein/Bluetooth und wählt das neu angezeigte - noch namenlose - Gerät aus. Bei der Frage nach einem Passwort die 0000 eingeben, und das Headset meldet sich mit seinem Namen am iPhone an. In Zukunft finden sich beide Geräte automatisch.

Der Tragekomfort

Ein Headset ist für den mobilen Einsatz und muss in nahezu jeder Lebenslage gut sitzen. Um dies zu gewährleisten, setzen manche Hersteller auf eine Verankerung im Ohr. Beim Plantronics Discovery 925 hat man die Auswahl zwischen drei verschiedenen Einsätzen aus einem angenehmen Gummi, die für einen guten Halt sorgen. Das Hama Voice Pro wird direkt im Ohrkanal versenkt, dies ist gewöhnungsbedürftig und sicher nicht jedermanns Sache. Sein Halt ist aber gut. Etwas mehr Sicherheit bietet der optionale Bügel. Einen halbwegs sicheren Sitz bieten die Modelle JX20 Pura und BT2050 von Jabra nur mit den optionalen Bügeln. Ansonsten verliert man sie einfach zu schnell. Jabra liefert je zwei verschiedene Größen mit, wobei der des JX20 Pura etwas unangenehm zu tragen ist. Zwei Gummiaufsätze auf den Ohrhörern sorgen für die Anpassung an das Ohr. Der Ohrhörer des BT2050 ist sehr groß und ohne Bügel kaum im Ohr zu halten.

Wesentlich besser und sehr angenehm zu tragen sind die Bügelmodelle, mit Ausnahme des Jabra BT5020. Das Modell hat sowohl die Sprechkapsel wie auch die Bedienelemente im Bügel integriert und sitzt bei Bewegungen mit dem Kopf nicht sicher. Darüber hinaus verdreht sich der drehbare Ohrhörer zu leicht und kommt so schnell außerhalb der optimalen Hörposition. Sehr angenehm sind das Sennheiser VMX100 und noch eine Spur besser das Plantronics Voyager 520. Das Material ist angenehm am Ohr und auch bei Bewegungen mit dem Kopf oder im Auto sitzen die beiden Headsets sehr sicher. Der Ohrkanal des Plantronics Voyager 520 aus Gummi sieht zwar groß aus, ist aber angenehm im Ohr. Wichtig bei allen Geräten: Sie lassen sich sowohl rechts als auch links optimal tragen.

Betrieb und Bedienung

Klein ist chic - das hat bei Headsets aber deutliche Nachteile bei der Bedienung. Bei den meisten Headsets sind die Tasten so klein und kaum zu unterscheiden, dass es schwerfällt, durch blindes Tasten mit den Fingern zielsicher die Lautstärke oder ein Gespräch anzunehmen. Beim Jabra JX20 Puro sind die Tasten so schwergängig, dass man das Headset festhalten muss. Das Jabra BT5020 hat zwar sehr große Tasten, dennoch erfordert das genaue Treffen Konzentration. Hier ist auch angeraten, das Headset gut festzuhalten. Die Multifunktionstaste für Einschalten und Lautstärke des Plantronics Voyager 520 ist gewöhnungsbedürftig, aber machbar, da das Headset einen sehr guten Halt hat. Nicht sehr glücklich ist die Lautstärkeregelung des Plantronics Discovery 925 mit nur einer Taste. Mit jedem Druck auf die Taste erhöht sie sich, und erst bei maximaler Lautstärke kann man sie wieder verringern. Besonders zielsicher lässt sich das Sennheiser VMX100 bedienen: Die Wipptaste für die Lautstärke ist intuitiv am oberen Rand und die Gesprächsannahme vorne am Mikrofon platziert. Darüber hinaus passt die Funktion "Adaptive Intelligence" die Lautstärke automatisch an die Umgebung an und kompensiert Störgeräusche.

Der Ein-/Ausschaltvorgang ist besonders clever und einfach beim Sennheiser VMX100 und beim Jabra JX20 Pura gelöst. Wenn man beim VMX100 den Bügel zum Aufsetzten öffnet oder den Ohrstöpsel des JX20 Pura dreht, werden die Headsets eingeschaltet. Die anderen Mitbewerber haben entweder entsprechende Tasten, wie das BT2050 und das BT5020 von Jabra, oder kombinieren diese mit der Taste für die Rufannahme - so beim Hama Voice Pro und den beiden Modelle von Plantronics, dem Voyager 520 und dem Discovery 925. Den Einschaltvorgang sollte man vor dem Aufsetzen erledigen. Damit man auch sieht, dass das Headset in Betrieb ist, blinkt die Anzeige in regelmäßigen Abständen blau.

Eine besondere Funktion hat die Taste Rufannahme beim Hama Voice Pro. Wie bei den drei Modellen von Jabra kann man durch einen Doppelklick die Wahlwiederholung aktivieren. Dies ist auch bei beiden Plantronics der Fall, nur steht das nicht im mitgelieferten Handbuch. Auch das Sennheiser VMX100 bietet dieses Komfortmerkmal, hier muss allerdings die Ruftaste bis zu einem Signalton gedrückt werden. Dieses Komfortmerkmal ist gerade im Auto sehr praktisch, wobei speziell der Aufruf über Doppelklick einfacher zu handhaben ist.

Etwas unbefriedigend ist, dass man in einigen Handbüchern vergeblich nach der Anzeige des Akku-Ladezustands sucht - wie zum Beispiel im Exemplar von Hama, Jabra JX20 Puro und Jabra BT2050. Sehr einfach machen es einem das Jabra BT5020 und das Sennheiser VMX100 mit einer roten blinkenden Anzeige, zu kompliziert ist das Plantronics Voyager 520, hier muss man zwischen an (alle 10 Sekunden einmal) und niedrige Akkukapazität (alle 10 Sekunden doppelt blinken) unterscheiden. Das Plantronics Discovery 925 zeigt seine Akkukapazität nur beim Einschalten. Ein akustisches zusätzlich zum optischen Signal bietet nur das Sennheiser VMX100.

Um den Akku zu schonen, schaltet sich das Jabra BT5020 nach einer Minute aus. Automatisches Stand-by haben auch Jabra JX20 Puro und die beiden Plantronics.

Die Audioqualität

"Hallo - können Sie mich hören?" Das ist der Albtraum des Handytelefonierers. Doch genau das kann einem passieren. Aber der Reihe nach.

In einer ruhigen Umgebung gibt es kaum Probleme. Der Angerufene ist in der Regel gut zu verstehen; nur das Jabra BT2050 ist ein Ausreißer und bleibt deutlich hinter den anderen zurück. Wiederum beim BT2050 und beim JX20 Pura sind leichte Störgeräusche im Hintergrund zu hören. Deutlich von den Mitbewerbern heben sich das Sennheiser VMX100 und das Plantronics Voyager 520 ab. Sie liegen leicht über dem Niveau des iPhone selbst und deutlich über dem mitgelieferten Kabel-Headset von Apple. Der Anrufer ist sehr deutlich zu hören, wobei das Plantronics eine Spur klarer ist als die beiden Konkurrenten.

Ähnlich ist das Bild der Sprachverständlichkeit beim Anrufer - auch hier rangiert das Jabra BT2050, diesmal zusammen mit dem BT5020 aus gleichem Hause, an der unteren Skala. Die Akustik ist teilweise undeutlich sowie dumpf und dunkel. Dumpf erscheint einem das ganze Mittelfeld, angefangen bei dem gerade noch akzeptablen Plantronics Discovery 925 über das verhangene Jabra JX20 Pura bis hin zu den gut verständlichen Hama Voice Pro. An der Spitze wieder das Sennheiser VMX100 und das Plantronics Voyager 520, die sehr verständlich sind. Hier dürfte sich die weit nach vorn ragende Mikrofonkapsel positiv bemerkbar machen.

Und jetzt wird es schwierig - der Betrieb in unruhiger und lauter Umgebung, wie U-Bahn oder Auto. Hier wird das Hören eines Anrufers beim Jabra BT2050 zum Geduldsspiel, und die Bedienmängel wie fummelige Tasten kommen noch hinzu. Wer die Lautstärke erhöhen möchte, sollte hier besser die Lautstärkeregler des iPhone nutzen. Das gilt aber auch für das Mittelfeld, angefangen bei den beiden Jabra Modellen BT5020 und JX20 Pura. Die Verständlichkeit geht gerade noch, und man kämpft mit der richtigen Passform bei Bewegungen. Das Plantronics Discovery 925 ist nur etwas besser und muss sich wieder dem günstigeren Hama Voice Pro geschlagen geben. An der Spitze abermals das Sennheiser VMX100 und das Plantronics Voyager 520 mit ihrer sehr guten Verständlichkeit. Dies dürfte auch an dem wesentlich besseren Sitz liegen.

Und wie hört es der Angerufene? Auch da ändert sich die Reihenfolge nicht, nur dass alles noch ein wenig dramatischer ist. Laute Umgebungsgeräusche und nur eine sehr leise Stimme, das ist das Jabra BT5020. Deutliche Verzerrungen sind bei Jabra BT2050, Plantronics Discovery 925 und Hama Voice Pro zu hören. Dafür gibt es beim Hama wenig Störgeräusche, und das Plantronics filtert sehr gut die Umgebungsgeräusche. Recht gut hier das Jabra JX20 Pura, wesentlich besser das Sennheiser VMX100 und das Plantronics Voyager 520 mit wenigen Umgebungsgeräuschen und guter Verständlichkeit. Kleiner Makel des Sennheisers sind geringe Störgeräusche, wahrscheinlich durch die automatische Kompensierung von Störgeräuschen (Adaptive Intelligence). tb

Bluetooth-Profile

AVRCP (Audio Video Remote Control Profile) ist ein Bluetooth-Profil zur Fernsteuerung von Audio- oder Videogeräten.

A2DP (Advanced Audio Distribution Profile) ist eine herstellerübergreifende Technik, die es erlaubt, Stereo-Audiosignale drahtlos via Bluetooth an ein entsprechendes Empfangsgerät zu senden.

HFP (Hands Free Profile) regelt die Kommunikation und Bedienung zwischen dem Headset und dem iPhone.

HSP (Headset Profile) ist für die Sprachausgabe per Headset zuständig.

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