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Sugar Bytes Guitarist

06.10.2010 | 17:16 Uhr |

Früher waren Gitarristen die wichtigsten Männer in der Band - abgesehen von den Frauen. Heute kratzen moderne Gitarren-Simulationen heftig am Image der Frontschweine mit den elektrischen Eierschneidern.

Guitarist bietet umfangreiche Spielhilfen für Musiker, die eher auf Software als auf Gitarristen setzen.
Vergrößern Guitarist bietet umfangreiche Spielhilfen für Musiker, die eher auf Software als auf Gitarristen setzen.

Mit dem Guitarist von Sugar Bytes kommt nun ein weiterer Mitspieler auf die Bühne - mit einem komplett anderen Konzept. Während Guitar Pro und Strum von Musiclab und Applied Acoustics auf die Live-Performance setzen, ist der Guitarist eher ein Kompositions- und Arrangier-Werkzeug mit der Möglichkeit, vorgefertigte Pattern und Songs mit Keyboard-Unterstützung zu spielen.

Guitarist bietet umfangreiche Spielhilfen für Musiker, die eher auf Software als auf Gitarristen setzen.
Vergrößern Guitarist bietet umfangreiche Spielhilfen für Musiker, die eher auf Software als auf Gitarristen setzen.

Dafür bietet das Programm drei aufwendig gesamplete Gitarren - Stratocaster, Telecaster und Starplayer mit 2.200 Einzelsamples pro Instrument, wie der Hersteller mitteilt, sowie eine schmale Amp- und Effektsektion zur Klangmanipulation.

Kreative Freiheit mit vielen Spielhilfen

Die eigentlichen Kompositionen und Arrangements erledigt man in der Matrix: Hier wählt man Grundakkorde aus, von denen Guitarist eine ganze Menge zu bieten hat: Dur, Moll, Powerchords, vermindert, übermäßig mit Sexten und Septimen. Wem das nicht reicht, der baut sich über das Griffbrett einfach eigene Mehrklänge mit freiem Voicing. Aber Vorsicht: Weil hier alles erlaubt ist, gehen auch in der Realität völlig ungreifbare Harmonien und Tonfolgen. Das ist bei anderen Simulationen musikalischer gelöst, bietet beim Guitarist aber immerhin völlige kreative Freiheit.

Vorsicht ist auch aus einem anderen Grund geboten: Wer sich die Akkorde auf dem Griffbrett selber baut, braucht Geduld und Fingerspitzengefühl, weil die einzelnen "Finger" gerne völlig unkontrolliert durch die Gegend hüpfen und erst nach diversen Versuchen dort ruhen, wo sie sollen.

In der Pattern-Matrix lassen sich anschließend die Trigger-Lautstärke, die Anschlagsrichtung sowie einige weitere Spielhilfen einstellen. Auf einem virtuellen Griffbrett kann man zudem die Anzahl und Verteilung der Akkord-Einzeltöne frei konfigurieren, was von einem Strum bis hin zu komplizierten Pickings alle Spielarten erlaubt.

Das simulierte Gitarrenspiel lebt auch beim Guitarist vor allem von den Anschlagsvarianten: Hier gibt es drei Strum-Arten, bei denen die Saiten nicht zusammen, sondern unmittelbar hintereinander angeschlagen werden. Dazu gibt es Mute- und Deadnote-Funktionen zum unterschiedlichen Dämpfen sowie Funktionen zum Ziehen und Vibrieren einer angeschlagenen Saite. Jeder einzelne Ton einer angeschlagenen Saite verfügt zudem über eine eigene Anschlagstärke. Nimmt man die "Animation" dazu, bei der jeder angeschlagene Einzelton unabhängig von den anderen um bis zu drei Halbtöne nach oben und unten klingende Nebennoten ergänzt werden kann, ergibt sich eine sehr musikalische Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten.

Insgesamt kann man seine Harmoniefolgen auf 24 Chord-Speicher und ebenso viele Pattern ablegen. Jeder Speicherplatz ist einer Taste auf dem Keyboard fest zugeordnet, so dass sich über diesen Weg die Klänge auch live abrufen lassen. Ein Solospiel ist bei Guitarist dagegen nicht möglich.

Allerdings bietet das Programm einige via MIDI steuerbare Live-Funktionen an. Dafür gibt es die "Action Section" unter anderem mit Stop-, Loop- und Slow Down-Funktionen, bei deren Benutzung der Taktzähler weiterläuft und so musikalisch brauchbare Modulationen bietet.

Leider erzeugt das Programm bei der Wiedergabe keine MIDI-Events, die man im Sequencer weiterverarbeiten könnte, um sie zum Beispiel an die Quantisierung eines eigenen Songs anzupassen. Dadurch entfällt auch die Möglichkeit, die von Guitarist erzeugten Noten in anderen Programmen zu nutzen, was mindestens schade ist.

Empfehlung

Guitarist zeigt sich sehr musikalisch bei der Programmierung von Gitarrenklängen und -Riffs. Seine Stärke sind sicher die vielfältigen Spielhilfen und die Möglichkeit, eigene Harmonien und Tonfolgen anzufertigen. Die fehlende Erzeugung von MIDI-Events ist dagegen ein echter Nachteil, weil es so unmöglich ist, die erzeugten Pattern und Sequencen professionell weiterzubearbeiten. Mit diesem Konzept ist Guitarist weniger eine Konkurrenz zu bestehenden Simulationen, sondern eher eine Ergänzung.

Thomas Pelkmann

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