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Test: Logic Pro X

10.09.2013 | 09:57 Uhr |

Erst seit Logic 7 ist das Software-Studio Logic Pro Teil der Apple-Familie. Mit der Version X (zehn) präsentiert der Hersteller nun ein runderneuertes Produkt. Dabei hat sich Apple viel Zeit gelassen. Wir klären, ob sich das Update lohnt.

Auf den ersten Blick gibt sich Logic Pro X als komplett neue Digital Audio Workstation (DAW), die mit ihren Vorgängerversionen nicht mehr allzu viel Ähnlichkeit hat. Wer seine musikalischen Ideen schon einmal mit Garageband umgesetzt hat, wird sich aber schnell zurechtfinden. Die Musikproduktionssoftware hat sich viel von dem einfachen, vor allem aber leicht zu bedienenden Programm abgeschaut.

Schon beim Start hat man wie bei Garageband die Auswahl zwischen unterschiedlichen Genres wie „Hip Hop“, „Electronic“ oder „Songwriter“, aus denen Logic Pro X eine speziell auf diese Genres angepasste Sammlung von Audiospuren und Spuren für Software-Instrumente generiert. Schon nach kurzer Zeit werden ambitionierte Benutzer sich aber mit der Option „Leeres Projekt“ die Freiheit nehmen, selbst über Anzahl und Verteilung von Spuren und Instrumenten zu entscheiden.

Neue Oberfläche

Die Oberfläche von Logic Pro X präsentiert sich im Vergleich zu seinen Vorgängern in einem völlig anderen Look & Feel. Wenn schon die echte Haptik (noch) fehlt, um die Instrumente und Regler am Bildschirm per Hand bedienen zu können, orientiert sich wenigstens die Grafik an der Realität: Wie zum Beispiel bei Native Instruments mit seinem Kontakt-Sampler sehen Plug-ins und Instrumente aus wie ihre realen Vorbilder.

Der Preis dafür: Die Oberfläche wirkt beim Start überladen. Zudem hat Apple einzelne Bedienelemente und -gruppen verschoben, was für Einsteiger kein Problem ist, für Umsteiger mindestens aber gewöhnungsbedürftig. So ist die Bibliothek von rechts nach links gerückt, wo erfahrene Logic-Pro-Benutzer früher nur die Kanaleinstellungen gefunden haben. Mit wenigen Handgriffen lässt sich das aber an alte Gewohnheiten anpassen. Wie man überhaupt sagen muss, dass Apple seinem Logic Pro X ein sehr flexibles User-Interface spendiert hat. Das ermöglicht es, sich die Arbeitsumgebung weitgehend an eigene Bedürfnisse anzupassen.

Logic Pro X ist ein komplettes Musikstudio mit einer nur durch die Hardware begrenzten Anzahl von Audio- und digitalen Spuren. Je nach Ausstattung des Studios kann man also akustische und digitale Instrumente sowie Gesang aufnehmen, bearbeiten und so mischen, dass am Ende ein fertiges Musikprodukt herauskommt. Schon von Haus aus bringt die DAW dafür alles nötige mit: Synthesizer, Nachbildungen akustischer Instrumente, einen Drummer mit erstaunlichen musikalischen Fähigkeiten sowie Spuren bis zum Abwinken, um die einzelnen Parts miteinander zu mischen.

Die Instrumente von Logic Pro X

Beim neuen Drummer werden Puristen die Nase rümpfen: Zunächst ist er nicht mehr, als ein Drumcomputer mit vorgefertigten Rhythmen. Aber bei der schnellen Rhythmisierung von Melodien leistet er erstaunlich gute Dienste. Echte Drummer müssen angesichts dieses praktischen Werkzeugs keine Existenzängste bekommen, aber für Demo- und Probezwecke reicht das Tool absolut aus. Die Auswahl unterschiedlicher Drum-Styles entspricht den modernen Zeiten. Was bei den Klopfgeistern des vergangenen Jahrhunderts noch Foxtrott, Samba oder Bossanova hieß, kommt heute zum Beispiel als Funky Pop Beats auf einem natürlich klingenden Drumkit daher und klingt auch deutlich anders, als die Tanzschulrhythmen der Vergangenheit.

Die Intensität der Fills lässt sich ebenso einstellen wie der Swing. In einer Matrix kann man zudem Komplexität und Lautstärke der Grundrhythmen variieren.

Die Instrumente des Komplettstudios entsprechen diesem Standard: Wer individuelles Spiel- und Klangmaterial sucht, kommt um externe Erweiterungen (Plug-ins) nicht herum. Andererseits reicht die Qualität der Pro-X-Instrumente für Demos aller Art absolut aus, zumal sich alle Instrumente in den wichtigsten Parametern an eigene Bedürfnisse anpassen lassen. Die Auswahl der Instrumente ist riesig: E-Pianos und Hammond-Orgeln etwa, eine Vielzahl von Drumkits und Percussion-Instrumenten, Synthesizer von analog über digital und FM-Synthese sowie - über den mitgelieferten Sampleplayer - eine große Zahl von „echten“ Instrumenten aus Pop, Klassik und Ethno - insgesamt „mehr als 1.500 Instrumenten- und Effektpatches", hat der Hersteller gezählt. Und wem das noch nicht reicht, der greift zu den mehr als „3.600 Electronic- und Urban-Loops“ (Apple), die Genres wie Hip-Hop, Electro House, Dubstep und mehr abdecken.

Am Ende handelt es sich allen Eingriffsmöglichkeiten zum Trotz noch immer nicht um individuell erstelltes und mit trickreichen Plug-ins verfremdetes Material. Aber noch mal: Wer ein Produktionswerkzeug sucht, das ihm alle Optionen bietet, musikalische Ideen schnell und klangvoll umzusetzen, hat hier mehr, als er braucht. Für weitergehende Ansprüche gibt es am Markt eine Vielzahl von Instrumenten, die all das bieten, was Logic Pro X nicht kann. Wobei genau hier die DAW einen echten Minuspunkt einfährt: 32-Bit-Plugins, von denen es tatsächlich viele und gute gibt, werden von Logic Pro X ärgerlicherweise nicht mehr unterstützt. Das war beim Vorgänger mit der 32-Bit-Bridge noch anders. So passiert es, dass viele gute Instrumente (etwa der Minimoog-Clone Minimonsta von GForce, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen) unter Logic Pro X gar nicht mehr laufen. Das hat zum Beispiel der Logic-Mitbewerber Ableton mit Live besser gelöst.

Tools und Effekte

Unsauberen Gesangparts rückt das neue Flex Pitch zu Leibe. Ähnlich wie das vor ein paar Jahren als revolutionär gepriesene Melodyne erlaubt das Tool, Tonhöhe und Metrik von akustischem Klangmaterial zu korrigieren. Auch unerwünschte Vibratos sowie unschöne Lautstärkesprünge lassen sich mit Flex Pitch korrigieren. Ebenfalls möglich: aus akustischen Signalen MIDI-Spuren erzeugen, um den Gesangpart mit Instrumenten zu doppeln. Man sollte hier aber, gerade bei komplexen Stimmen, nicht allzu viel erwarten; für leichte Korrekturen, vor allem aber für schöne Experimente eignet sich diese Funktion dennoch prima.

Ebenfalls neu ist der Arpeggiator. Mit seiner Hilfe lassen sich auf vielfältige Weise eher langweilige Melodien zu perfekt perlenden Weisen aufmotzen. Dazu kommen insgesamt acht weitere MIDI-Werkzeuge, etwa einen Modulator oder einen Chord-Trigger, die Variationen aus eingehende MIDI-Noten erzeugen.

Zahl und Qualität der mitgelieferten Effekte geben ebenfalls keinen Anlass zur Klage: Delay und Hall sind ebenso dabei wie Equalizer, Filter, Kompressoren und Modulationseffekte. Bemerkenswert ist das neue Pedalboard, das die Verschaltung unterschiedlicher Effekte in Reihe erlaubt.

Logic Remote

Was dem Desktop-PC noch an Haptik fehlt, liefert Apple mit Logic Remote nach: Mit der Fernbedienung für das iPad lässt sich die DAW buchstäblich mit der Hand steuern. So verbinden sich die originalgetreue Darstellung von Instrumenten und Tools mit echter Handarbeit und machen die Bedienung von Logic Pro X zu einem echten Erlebnis. Wer zum Beispiel die Zugriegel einer Hammondorgel mit den Fingern steuert, fühlt sich sehr nahe am Original, selbst wenn es beim Ziehen nicht knirscht oder knackt. Auch das Spielen der Instrumente auf dem iPad macht richtig Spaß, obwohl die Pads, Tasten und Gitarrensaiten nicht anschlagdynamisch sind. Ein guter Teil der Grundfunktionen -  Aufnahme, Spurwechsel, Mixing sowie das einigermaßen authentische Einspielen von Instrumenten - lassen sich mit Logic Remote erledigen. Damit bringt die Fernsteuerung ein deutliches Plus an Freiheit für diejenigen, die das Musizieren am Rechner zwar gut finden, sich aber von Maus und Tastatur nur unzureichend dabei unterstützt fühlen.

Output

Apple sorgt mit Logic Pro X für die nötige Verbindung zur Außenwelt. So lassen sich, wie bisher schon, einzelne Parts sowie MIDI- und Audiospuren separat speichern oder insgesamt für spezielle Anwendungen wie iTunes, Final Cut Pro X oder Soundcloud bereitstellen. Der verbesserte Noten-Editor erlaubt zudem den Export der Notation als XML-Datei und damit die Weiterverarbeitung in speziellen Notationsprogrammen.

Kaufempfehlung und Fazit

Logic Pro X ist gegenüber seinen Vorgängern eine echte Verbesserung: Die mitgelieferten Instrumente bieten alles, was man für die schnelle und wohlklingende Umsetzung musikalischer Ideen benötigt. Die Auswahl der Instrumente ist nicht revolutionär, deckt aber alle Anwendungsgebiete in sehr guter Audioqualität ab. Die fehlende 32-Bit-Kompatibilität ist hier allerdings ein echtes Manko. Mit den neuen Funktionen zur Audio- und MIDI-Bearbeitung der Spuren, den vielen Tools und der neuen Benutzeroberfläche sowie der Option, die DAW mit dem iPad zu steuern, ist Logic Pro X für all diejenigen ein Muss, die ein echt musikalisches Werkzeug suchen. Angesichts des moderaten Preises von 179 Euro für einen Content von rund 30 Gigabyte steht einer Anschaffung also nichts im Wege.

Logic Pro X

Hersteller: Apple

Preis: € 179, CHF 200

Note: 1,4 sehr gut

Bedienung (40%): 1,3

Umfang (30%): 1,2

Systemanforderungen (20%): 2,0

Preis/Leistung (10%): 1,2

Vorzüge: Modernes Outfit mit umfangreicher Instrumentierung, spannenden Tools sowie der Option, die DAW über das iPad fernzusteuern

Nachteile: keine Einbindung von 32-Bit-Plugins mehr möglich. Zudem benötigt man als Betriebssystem mindestens OS X 10.8.4 (Mountain Lion)

Systemanforderungen: Mac mit Intel-CPU, ab OS X 10.8.4

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