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Test: Mackie DL-1608

19.03.2013 | 17:20 Uhr |

Der Audio-Hersteller Mackie hatte eine coole Idee: Man nehme eine Konsole mit DSP-Intelligenz und kombiniere das mit dem iPad. Dabei heraus kommt ein prinzipiell sehr flexibles Audio-Mischpult für den Live-Einsatz, das es in sich hat.

Das mit dem „in sich haben“ ist durchaus wörtlich gemeint: Auf den ersten Blick zeigt das DL-1608 nur das Nötigste. Die robust verarbeitete Konsole kommt mit folgenden Anschlüssen: 12 XLR - sowie vier kombinierte XLR und TRS-Buchsen für Klinkenstecker. Die Eingänge lassen sich für Kondensator-Mikrofone mit einer 48-Volt- Phantomspeisung versehen. Zusätzlich bietet der Mackie DL-1608 sechs Aux-Sends, auf die sich die Ausgangssignale der Konsole routen lassen, etwa um externe Effekte einzuschleifen. Die gesamte Rechenintelligenz befindet sich versteckt im Pult, das iPad dient nur zur Steuerung.

Für die Steuerung der Konsole sind das (nicht im Lieferumfang enthaltene) iPad und bis zu zehn weitere Geräte (iPad, iPhone und iPod Touch) zuständig. Dafür gibt es die kostenlose App „Master Fader “ sowie für die übrigen Fernsteuerungen die abgespeckte App „My Fader“.

Die Master-Fader-App bietet auf der Hauptseite die Regler der 16 Kanäle (plus – als Nummer 17 – die Regelung des iPad-Ausgangssignal) für Lautstärke, Panorama, Stumm- und Soloschaltung. Zudem erreicht man hier die Untermenüs für Klangregelung und Effekteinstellungen – an Bord des Pults befinden sich pro Kanalzug ein Equalizer, Gate und Compressor sowie Reverb und Delay. Zu den Untermenüs gelangt man über Wischgesten, was für Leute, die ehrliche Hardware und stabile Knöpfe gewöhnt sind, zunächst gewöhnungsbedürftig sein mag, aber auch Traditionalisten vor kein großes Problem stellt.

Drahtlos-Verbindung zum Pult

Das iPad mit der Master-Fader-App kann direkt und fest über den Dock-Connector mit dem Pult verbunden, aber auch drahtlos betrieben werden. Leider bietet das DL-1608 selbst keine Wi-Fi-Verbindung, sondern muss über den fest eingebauten LAN-Anschluss mit einem Router verbunden werden. Der wiederum kann dann von den angeschlossenen iPads, iPhones und iPod Touch angesteuert werden. Mackie begründet die fehlende Drahtlosverbindung mit Zusatzkosten. Das lässt sich durchaus anzweifeln, auf jeden Fall kann man es bedauern, denn es macht die Handhabung nicht so leicht, wie es möglich gewesen wäre. Bei vorhandener Drahtlosverbindung lassen sich Pult und Steuergeräte aber immerhin so einfach miteinander verbinden, dass sich der Ärger über das fehlende Onboard-Wi-Fi schnell wieder legt.

Fast vollautomatisch

Da die Steuerung des Pults rein per Software funktioniert, bieten sich einige Zusatzfunktionen an, die bei einer Hardwaresteuerung nicht funktionieren würden. So ist es möglich, die Einstellungen einzelner Kanalzüge über Presets gleichsam auf Knopfdruck zu verändern. 18 Stück davon sind werksseitig enthalten, weitere lassen sich als User-Presets leicht hinzufügen und jederzeit aufrufen. Einstellungen des gesamten Mixes sind in den so genannten Shows enthalten, die sich ebenfalls abspeichern und über die Recall-Funktion aufrufen lassen.

Leider ist es nicht möglich, Fader-Bewegungen und Veränderungen etwa der Effekteinstellungen in Echtzeit aufzuzeichnen und anschließend abzurufen. Aber vielleicht wird Mackie das in einem künftigen Update ändern.

Zwischen der Master- und der My-Fader-App gibt es – zumindest bei den für den Test vorliegenden Beta-Versionen – erhebliche Unterschiede: Mit der My-Fader-App ist nur die Steuerung von Lautstärke und Panorama sowie das Stummschalten einzelner Spuren möglich, nicht aber die Klangregelung mit Equalizer und Effekten. Das mag reichen, um im Konzertsaal von hinten die Lautstärke einzelner Instrumente zu steuern, ist dennoch unverständlich, weil es den gewonnenen Komfort durch die Drahtlosbedienung gleich wieder relativiert. Laut Auskunft von Mackie ist die komplette Steuerung der Konsole auch für die finalen Versionen nicht geplant, aber das kann sich ja ebenfalls durchaus noch ändern. Sinnvoll wäre es auf jeden Fall.

Das Pult in der Praxis

Und wozu taugt das ganze nun? Über das Mackie-1608 wird das Live-Monitoring deutlich erleichtert: Jeder Musiker einer Band kann seine eigene Monitor-Lautstärke selber regeln und ist nicht mehr auf einen zentralen Mix angewiesen, der nicht immer optimal auf die Bühnenbedingungen abgestimmt ist. Wenn jeder seinen eigenen Lautstärkeanteil am Stereo-Mix selber regelt, kann man sich zudem den einen sparen, der das zentral erledigt. Allerdings fehlt dann aber auch derjenige, der sich um die klangliche Vollendung der angeschlossenen Instrumente kümmert. Da sollte Mackie bei künftigen Apps dringend nachbessern und auch die Klangbearbeitung in die My-Fader-App integrieren.

Bei allen Kritikpunkten an der nicht immer konsequenten Bedienung des Pults: Das Konzept, nicht nur das Pult, sondern auch Updates des Betriebssystems über Apps zu steuern, lässt für die Zukunft hoffen. So bleibt der Wunsch, dass Mackie die fehlenden Funktionen der My-Fader-Apps ergänzt oder das Pult mit weiteren Funktionen, etwa mit Hardware-Emulationen bekannter Pulte, erweitert. Wir bleiben neugierig!

Mackie DL1608

Preis: € 1150, CHF 1403

Gesamtnote : 1,8
Lesitung : (20%): 1,2
Ausstattung :  (40%): 2,0
Handhabung : (20%): 1,3
Verbrauch/Ergonomie: (20%): 2,5

Vorzüge: leistungsfähiges Live-Mischpult mit Rechenintelligenz in der Konsole, sämtliche Steuerfunktionen über iOS-Apps, Updates und Funktionserweiterungen über Apps erweiterbar

Nachteile: Steuer-Apps für iPhone und iPod Touch erlauben keine Klang- und Effektregelungen, eingebauter WLAN-Router fehlt

Hersteller: Mackie

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