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Test: Matrox DS1

06.02.2013 | 09:18 Uhr |

Thunderbolt ist ein schneller Anschluss, der jede Menge Möglichkeiten bietet. Mit dem DS1 bringt Matrox als einer der ersten Hersteller ein Thunderbolt-Dock, das mit USB 2, USB 3, DVI oder HDMI, Gigabit Ethernet und Audio viele Anschlüsse in sich vereint. Doch das geht nicht ganz ohne Probleme ab.

Ein Kabel einstecken und alles ist parat! Das ist der Traum, den man heute als mobiler Mac-Anwender häufig träumt. Die Realität sieht anders aus. Nutzt man das Macbook Pro auch als Desktoprechner, stöpselt man täglich etliche Kabel hin und her. Monitor, USB-Festplatte, Ethernet, Lautsprecher sind nur einige Beispiele. Mit Thunderbolt könnte man das auf ein einziges Kabel reduzieren. Genau das versucht Matrox mit dem DS1 zu verwirklichen.

Das Metallkästchen ist etwa so groß wie drei nebeneinander liegende Zigarettenschachteln und sehr gut verarbeitet. Die graue Optik erinnert ein wenig an Elektronik aus den achtziger Jahren, als verchromte Kippschalter noch modern waren. Doch im Innern werkelt aktuelle Technologie.

Die meisten Anschlüsse des DS1 finden sich auf der Rückseite. V.l.n.r: DVI, Gigabit-Ethernet, 2x USB 2, Kopfhörerausgang, Mikrofoneingang, Stromanschluss.
Vergrößern Die meisten Anschlüsse des DS1 finden sich auf der Rückseite. V.l.n.r: DVI, Gigabit-Ethernet, 2x USB 2, Kopfhörerausgang, Mikrofoneingang, Stromanschluss.

Auf der Vorderseite findet sich eine LED, die je nach Betriebszustand rot (aktiv aber nicht verbunden) oder grün leuchtet (aktiv und verbunden). In der Mitte sitzt der Thunderbolt-Anschluss, links daneben ein USB-3-Port. Die wahre Schnittstellen-Vielfalt offenbart sich auf der Rückseite. Hier gibt es einen Kopfhörerausgang, einen Mikrofoneingang, Gigabit-Ethernet, zweimal USB 2 und entweder einen HDMI oder einen DVI-Anschluss. Der HDMI-Port führt laut Hersteller auch das Audio-Signal.

Unser Testgerät kommt mit einem DVI-Anschluss. Ein Monitor ist schnell gefunden und angeschlossen, prompt erscheint das Bild. Hierbeit handelt es sich um echtes Multimonitoring, der Bildschirm kann also wahlweise zur Erweiterung des Desktops oder zum Spiegeln des Hauptmonitors dienen. Das DS1 nutzt hier keinen eigenen Grafikprozessor, stattdessen wird das Mini-Display-Port-Signal verwendet (Teil des Thunderbolt-Protokolls) und als DVI ausgegeben. Analoge VGA-Signale bekommt man jedoch nicht aus dem DVI-Anschluss. Wer beispielsweise ältere Beamer betreiben will, muss weiterhin umstecken und einen extra Adapter benutzen.

Probleme in Details

Ein weiteres Problem ergibt sich beim Anschluss von 27- oder 30-Zoll-Displays mit einer Auflösung von 2560 mal 1440 oder 2560 mal 1600 Pixel. Uns ist klar, dass der DVI-Port am DS1 nicht Dual-Link-fähig ist und daher nicht die volle Auflösung des Monitors darstellen kann, aber zumindest Full-HD in 1920 mal 1080 sollte drin sein, doch wir erreichen maximal magere 1280 mal 800 Pixel. Bis Redaktionsschluss kann der Hersteller das Problem nicht lösen.

Treiber installieren muss man keine. Alle Anschlüsse werden von OS X auf Anhieb erkannt und eingebunden. Das gilt auch für den USB 3 Port. Voraussetzung ist allerdings mindesten OX 10.8.3 Mountain Lion. Die USB-Ports arbeiten allerdings mit einigen Einschränkungen. Die beiden USB-Ports auf der Rückseite des DS1 eignen sich zwar prima zum Anschluss von Tastatur und Maus oder einer externen Backup-Festplatte, allerdings funktioniert eine USB-Tastatur am DS1 noch nicht direkt nach dem Einschalten. Will man beispielsweise beim Booten per gedrückter Optionstaste das Boot-Laufwerk ändern, reagiert das System nicht, wenn die Tastatur am DS1 angeschlossen ist. Außerdem sind die USB-Anschlüsse nicht bootbar. Wer beispielsweise seinem Macbook am Schreibtisch auf Sprünge helfen will und von einer schnellen externen USB-3-SSD-Festplatte booten will, muss diese nach wie vor am internen USB-Port des Macbook anschließen. Hersteller Matrox ist sich des Problems bewusst und verspricht, dass die Bootfunktion mit einem OS-X-Update funktionieren wird.

Die Geschwindigkeit des USB 3-Anschlusses ist zudem auf etwa 100 MB/s beschränkt. Grund ist laut Hersteller die interne Anbindung an Thunderbolt, die nur mir 2,5 Gbit/s stattfindet. Die fest integrierten USB-3-Anschlüsse aktueller Macs arbeiten stattdessen mit fünf Gbit/s.

Der Gigabit-Ethernet Anschluss funktioniert im Test allerdings reibungslos. Der Audio-Ein- und Ausgang funktioniert genau so, wie man das von den internen Gegenstücken her gewohnt ist. Die beiden Ports tauchen in der Systemeinstellung Ton als "USB Audio Codec" auf und lassen sich aus allen Programmen heraus ansprechen. Die Soundqualität des Kopfhörerausganges ist ok, aber nicht besser als die des internen Ausgangs. Der Mikrofoneingang orientiert sich an den technischen Spezifikationen von PC-Mikrofonen. Einfache dynamische Mikrofone funktionieren problemlos. Hochwertige Kondensator-Mokrofone mit Phantomspeisung lassen sich jedoch nicht verwenden.

Völlig unverständlich bleibt uns, warum Matrox den Thunderbolt-Anschluss nicht durchschleift. So ist man gezwungen das DS1 stets als letztes Gerät in der Thunderbolt-Kette zu betreiben. Nutzt man beispielsweise zusätzlich eine schnelle Thunderbolt-Festplatte, die ebenfalls nur einen Port bietet, gibt es nur eine Lösung: entweder oder!

Empfehlung und Fazit

Das DS1 ist ein Schritt in die richtige Richtung. Mit dem Gerät spart man sich drei bis vier teure Einzeladapter und man reduziert den Kabelwust auf dem Schreibtisch drastisch. Die Auswahl und die Funktion der Schnittstellen ist insgesamt ok, die Umsetzung krankt aber an Details. Hier sollte Matrox dringend nachbessern. Eine Version mit Dual-Link-DVI wäre zudem sehr wünschenswert, das würde einen weiteren teuren Adapter einsparen.

Matrox DS1

Hersteller: Matrox

Preis: € 260, CHF 321

Note: 2,5 befriedigend

Leistung (40%): 3,5

Ausstattung (30%): 2,0

Handhabung (20%): 1,4

Ergonomie/Verbrauch (10%): 2,0

Vorzüge : viele Ports in einem Gerät, stabies Gehäuse, gute Verarbeitung, keine Treiber notwendig

Nachteile : Thunderbolt-Port nicht durchgeschleift, USB-Ports nicht bootbar, kein Dual-Link-DVI, keine Boot-Optionen aufrufbar, wenn Tastatur am DS1-USB-Port angeschlossen ist, hoher Preis

Alternativen : diverse Einzeladapter

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