Test: Navi-Systeme
iPhone-Navis im Vergleich: Tomtom gegen Navigon
Tomtom und Navigon bieten als Marktführer bei den Navigationssystemen nun reine Softwarelösungen für iPhone 3G und 3GS. Wir testen, ob sie sich als Ersatz eines herkömmlichen Navis eignen und welches Programm das beste ist.
Navigationssysteme für das Auto - kurz Navis genannt – gibt es schon lange. Vor Jahren noch ein kostspieliges Werkzeug für Vertreter oder Technik-Freaks mit gut ausgestattetem Geldbeutel, sind Geräte mit Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz heute schon für etwa 100 Euro zu haben. Je nach zusätzlichen Karten und Displaygröße sind bis zu 250 Euro zu berappen. Die Topmodelle kommen in den meisten Fällen von Navigon oder Tomtom, die Marktführer haben jetzt beide ein Software-Navi fürs iPhone im Angebot.
Navigationssysteme bestehen im Wesentlichen aus einem GPS-Empfänger, einem Prozessor zur Verarbeitung der Daten, einem internen oder externen Speichermodul, Stromversorgung und Kartenmaterial. Dazu kommt natürlich die Software, die für Routenplanung, Warnung vor Staus, Radarfallen und so weiter zuständig ist. iPhone 3G und 3GS verfügen über fast alle Hardwarebestandteile eines GPS. Beim Prozessor setzt Apple übrigens auf den Prozessortyp, der auch bei Navigons Geräten zum Einsatz kommt, allerdings nutzt Apple einen wesentlich moderneren Chip.
iPhone-Lösungen der Marktführer
So ist es auch kaum verwunderlich, dass die beiden Marktführer ihr vorhandenes Kartenmaterial samt Routenplanungssoftware für das iPhone portiert haben und inzwischen im App Store ihre Navi-Lösungen anbieten. Tomtom durfte sogar bei der Apple-Keynote zu iPhone-OS 3 eine Vorversion seiner Software und des optional erhältlichen Car-Kits (Hardware) auf der Bühne vorstellen.
Allerdings war es nicht Tomtom, sondern Konkurrent Navigon, der die erste Lösung im App Store anbot. Während Tomtom mittlerweile seine erste Version auch im App Store anbietet, stellte Navigon bereits zwei kostenlose Updates mit zusätzlichen Funktionen zur Verfügung.
Wir haben "echte" Navigationsgeräte beider Hersteller und die iPhone-Lösungen an iPhone 3G und iPhone 3GS getestet, hier jeweils die Europaversionen. Die iPhones waren in einer Standard-iPhone-Halterung an der Frontscheibe des PKW untergebracht und wurden per 12-Volt-Anschluss mit Strom aus dem Zigarettenanzünder versorgt.
Den Vergleich der Funktionen und Benutzeroberfläche finden Sie in folgender Bildergalerie:
Wir haben die Europaversionen von Navigon am iPhone 3G und 3GS getestet. Beide Programme unterstützen die Darstellung im Querformat am iPhone, hier der Startscreen von Navigon.
Der Startbildschirm von Tomtom kommt bunter daher.
Bei Navigon und Tomtom lassen sich, wie von Navigationsgeräten bekannt, Zieladressen einfach eingeben. Beide bieten bereits beim Eintippen die passenden Fundstellen.
Beim Konkurrenten Tomtom funktionert die Adressuche ganz ähnlich.
Navigon erlaubt das Anlegen von Routen mit mehreren Zwischenstationen und das Sichern der Route – ideal für die Tourplanung.
Man kann Routen vor der Fahrt planen und speichern.
Wie Tomtom (im Bild) bietet auch Navigon alternativ die Zieleingabe über Points of Interest (POI) beziehungsweise Sonderziele, dazu auch über Adressen aus Kontakte.
Die Routenführung beider Programme in der 2D- oder 3D-Darstellung ist sehr gut. In den meisten Fällen wird der Benutzer das iPhone hier im Querformat betreiben, das Sichtfeld ist dabei breiter. Hier ist der 3D-Modus von Navigon zu sehen.
Tomtom bietet im Betrieb ebenfalls eine gute Wegführung und bietet wie Navigon einen 3D-Modus.
Den augenschonenden Nachtmodus haben beide Produkte.Nur bei Navigon gibt es den Fahrspurassistenten
Auch bei Tomtom gibt es den praktischen Nachtmodus.
Von einigen Nutzern als Spielerei abgetan, von anderen geliebt, ist bei Navigon die Darstellung "Reality View Pro". Bei großen Autobahnkreuzen wechselt die normale Darstellung in eine fotorealistische inklusive Verkehrsschilder und Fahrspuren. Gerade Benutzer, die sich nicht so oft auf Autobahnen bewegen, werden das Feature schnell schätzen lernen. Klasse und ebenfalls nur bei Navigon im Lieferumfang ist der "Fahrspurassistent Pro". In der Stadt oder auf Autobahnen mit mehreren Spuren wird der Benutzer in einem kleinen Teilfenster unten rechts auf die optimale Spur hingewiesen, eine perfekte Hilfe, wenn man später ohne Stress abbiegen will.
Auch Tomtom bietet Lösungen, die der Wettbewerber nicht im Angebot hat. Mit "IQ Routes" will Tomtom dem Benutzer zu jeder Tageszeit die optimale Route zur Verfügung stellen. Tomtom verrät keine Details über die verwendete Technologie, man nutzt nach eigenem Bekunden die "Erfahrungen von Millionen von Tomtom-Nutzern". Ebenfalls sehr praktisch ist das Listing der kompletten Route als Text, eine ähnliche Funktion bietet Karten bei der Routenplanung. Hier ist Navigon in der Pflicht, nachzubessern.
Sehr schön ist auch das Listing einer Route (Tomtom), es stellt alle Teilabschnitte als Text dar.
Beide Geräte bieten eine angenehme Sprachführung. Schließlich soll sich der Benutzer auf den Straßenverkehr konzentrieren und nicht ständig auf das Display des iPhone starren. Beide Programme bieten die Ausgabe in diversen Sprachen, normalerweise wird die Sprache automatisch nach der des iPhone eingestellt. Tomtom bietet hierbei optional auch die manuelle Festlegung, der Benutzer kann darüber hinaus zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimme wählen. (Bild zeigt Tomtom)
Wie von einem Navigationsgerät her bekannt, kann der Benutzer bei den iPhone-Lösungen nicht nur Routen für Auto und Motorrad, sondern auch für Fußmärsche berechnen lassen, dazu die kürzeste Route, die schnellste und so weiter. Daneben lässt sich Navigon so einstellen, dass der Benutzer akustisch und/oder optisch gewarnt wird, wenn er vorgegebene Geschwindigkeiten überschreitet. Die für Autobahnen, Landstraßen und den Stadtverkehr maximalen Geschwindigkeiten kann der Nutzer dabei selbst festlegen.
Eine weitere Hilfe beim Geldsparen ist der in beide Produkte integrierte Radarwarner. In einer Datenbank sind europaweit alle fest installierten Radargeräte verzeichnet. Nähert sich der Benutzer einem solchen "Starenkasten", wird er vom iPhone gewarnt. Radarwarner sind nicht in allen Ländern erlaubt, hier sollte der Benutzer genau aufpassen, um nicht dann für die Nutzung der Warnfunktion zahlen zu müssen. Mit dem Programm Cams Ahoi gibt es übrigens auch eine iPhone-App, die nur den Job des Radarwarners übernimmt. Cams Ahoi ist die Lösung der Wahl für Nutzer, die kein Navigationsgerät benötigen. (Bild Tomtom)
Bei Navigon ist die iPod-Funktion perfekt integriert. Während die Route abgefahren wird, tippt der Benutzer auf das kleine iPod-Symbol unten. Dann wählt er die Musik, und mit einem Fingertipp auf "Karte" gehts zurück zur Navigation. Während Tomtom beendet wird, sobald man das Programm iPod am iPhone startet, und dann neu zu starten ist, hat Navigon das elegant gelöst. Bei beiden kann übrigens Musik während der Navigation spielen, bei Sprachansagen wird die Musik bei Navigon aus- und wieder eingeblendet, bei Tomtom unterbrochen.
Zunächst ist die iPod-Funktion in den Einstellungen bei Navigon einzuschalten. Ab dann ist unten rechts im Navigationsfenster ein kleines iPod-Symbol zu sehen, das man einfach während der Navigation antippt. Navigon wechselt zu einem speziellen iPod-Fenster, in dem sich die iPod-Funktion steuern lässt. Ist das geschehen, tippt der Benutzer auf den Button "Karte" und gelangt so wieder zum Navigationsfenster. Das jeweilige Umblättern hat Navigon sehr nett umgesetzt, es sieht aus, als blättert man die Seite eines Buches um, bekannt von der iPhone-App Karten beim Wechsel von Satelliten- in Kartendarstellung.
Kartenmaterial
Navigon bietet im App Store vier verschiedene Versionen, Tomtom drei unterschiedliche an. Wie bei vielen "echten" Navi-Geräten unterscheiden sich die Versionen beim im Lieferumfang enthaltenen Kartenmaterial. Unter der Bezeichnung DACH bieten beide ihre Lösung mit Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz an, Tomtom verlangt bei Redaktionsschluss 70, Navigon verlangt ebenfalls 70 Euro. Die Versionen Navigon Europa beziehungsweise Tomtom Westeuropa kosten beide 100 Euro, allerdings bietet Navigon Kartenmaterial von deutlich mehr Ländern. Auch für Nordamerika und Kanada haben beide Anbieter je eine Version im Angebot, Navigon Nordamerika (USA und Kanada) kostet 70 Euro, Tomtom Nordamerika und Kanada 80 Euro. Für 63 Euro offeriert Navigon darüber hinaus eine Variante für Australien.
Die beiden Anbieter setzen auf unterschiedliches Kartenmaterial. Bei Navigon kommen Karten von Navteq zum Einsatz, Tomtom nutzt solche von Teleatlas. Benutzer können bei beiden Anbietern zwischen 2D- und 3D-Darstellung ("Birdview") wählen. Beide unterstützen im Betrieb das Hoch- oder Querformat des iPhone. Die Diskussion, welches Kartenmaterial das bessere ist, wurde schon lange vor der Einführung des ersten iPhone geführt, dabei geht es nicht um die Vollständigkeit, sondern mehr um die Darstellung der Karte auf dem Display. Hier kommen häufig persönliche Präferenzen zum Tragen.
Vergleicht man allerdings die Angebote im App Store, hat Navigon die Nase vorn. Die Europaversion ist zwar im Preis identisch, Navigon bietet allerdings wesentlich mehr Kartenmaterial. Wer zum Beispiel nach Osteuropa oder Griechenland fahren will, findet die entsprechenden Karten im Lieferumfang bei Navigon, nicht aber bei Tomtom.
Beide Lösungen benötigen reichlich Speicherplatz auf dem iPhone, die von uns getesteten Europaversionen benötigen 1,44 Gigabyte (Tomtom Version 1.0) beziehungsweise 1,79 Gigabyte (Navigon Version 1.2). Die beiden DACH-Varianten benötigen 380 (Tomtom) beziehungsweise 500 Megabyte (Navigon).
Bedienoberfläche
Die Benutzeroberfläche beider Systeme ist durchdacht und gut an das iPhone angepasst. Die Tomtom-Lösung kommt etwas bunter daher, Navigon setzt auf elegantes Schwarz. Navigons Startscreen sieht etwas aufgeräumter und mehr iPhone-like aus, mit Hauptfunktionen als große Buttons und weiteren Funktionen unten in der Programmzeile.
Wer bereits ein Navigationsgerät eines der beiden Hersteller benutzt, wird sich bei der entsprechenden iPhone-Version schnell zurechtfinden, Optik und Terminologie sind weitgehend identisch mit den jeweiligen Komplettgeräten. Wer noch nie ein Navigationsgerät benutzt hat, muss sich bei beiden Systemen einfuchsen, was allerdings recht intuitiv funktioniert.
Lesen Sie auf der nächsten Seite:
Vorherige Seite
Seite 1 von 3
Nächste Seite






Login über einen Foren Account
Gastposting
Gastbeiträge müssen erst freigeschaltet werden, bevor Sie auf der Seite erscheinen.