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Berna: Das elektronische Soundstudio der 50er

15.12.2009 | 16:15 Uhr |

Weiter zurück geht nicht: Das Software-Instrument Berna unternimmt einen unterhaltsamen Ausflug zu den Anfängen des Universums elektronischer Musik.

Die Geschichte der elektronischen Musik ist überschaubar: In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts arbeitete der französische Komponist Pierre Schaeffer für seine "Musique concrète" als einer der ersten mit Tonbändern und Lautsprechern, um seine Klang-Collagen wiederzugeben. Komponisten wie Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen oder Olivier Messiaen komponierten ebenfalls mit Tonbandmaterial, später kommen elektrisch gesteuerte Tongeneratoren und Filter dazu. Das weltweit erste Studio für Elektronische Musik des WDR in Köln eröffnete 1953 auf der Grundlage dieser technischen Möglichkeiten.

Genau hier setzt Berna an, ein virtuelles elektronisches Studio auf der Basis von Max/MSP, das nicht nur nach 50er-Jahre klingt, sondern auch so aussieht. Berna bietet vier virtuelle Bandgeräte, die mit beliebigem Sample-Material gefüllt werden können. Dazu kommen acht Oszillatoren, je ein Rauschgenerator und Ringmodulator, Modulatoren für Amplitude und Dynamik sowie Filter, Echo und Reverb zur Klangbeeinflussung.

Elektronische Nostalgie

Verschaltet wird das ganze in einer virtuellen Matrix, die an den EMS-Synthie A erinnert, der allerdings erst Jahre nach dem elektronischen Urknall das Licht der Welt erblicken sollte. Das überschaubare Equipment lädt zum Experimentieren ein und vermittelt einiges von dem Gefühl, das die Protagonisten der elektronischen Musik vor gut 50 Jahren gehabt haben müssen.

Ein Zugeständnis an die Moderne gibt es dennoch: Zwar kann man Berna nicht als Plugin in Host-Programme wie Logic oder Cubase einbinden, was sich verschmerzen lässt. Allerdings lassen sich alle Parameter der Software zeitgemäß und bequem via MIDI steuern. Erfreulich günstig ist der Preis für diesen Ausflug in die Anfänge elektronischer Musik: Das Programm kostet ganze 10,69 Euro. Wer schon immer wissen wollte, wie es früher war, kann das hier auf preiswerte und unterhaltsame Weise herausfinden.

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