Von Halyna Kubiv - 23.01.2013, 11:01

Sprachtools auf dem Mac

Test: Rosetta Stone Totale

Spanisch lernen per Online-Kurs: Frontalunterricht ade – wer heute eine neue Fremdsprache erlernen oder seine Kenntnisse auffrischen will, hat die Wahl zwischen diversen Anbietern, Methoden und Medien.
Wir haben uns den neuen Kurs von Rosetta Stone Totale Online Spanish angesehen. Der US-amerikanische Anbieter von Sprachkursen setzt in der neuen Version seiner Software auf die Nutzung im Browser. Das heißt, der Kurs funktioniert plattform-übergreifend sowohl auf dem Mac als auch auf dem Windows-PC, zudem kann man bei seinem Lieblings-Browser, sei es Safari oder Firefox, bleiben. Bevor man den Sprachkurs das erste mal verwendet, blendet sich im Browser-Fenster eine Anfrage des Adobe Flash Players ein. Der Kursteilnehmer soll hier das Mikrofon aktivieren und diese Einstellung speichern. Eine Nutzungslizenz für ein Jahr kostet zurzeit 270 Euro, auch eine monatliche Lizenz für 25 Euro ist Möglich.

Technische Voraussetzungen

Da die Software komplett Browser-basiert ist, setzt der Kurs eine gute und zuverlässige Internet-Verbindung voraus. Der Hersteller gibt als Mindestgeschwindigkeit 768 Kbps an. Die einzelnen Übungen speichert Rosetta Stone nicht zwischen, das heißt, wenn die Verbindung einmal abbricht, sind die Ergebnisse weg. Zudem bietet Rosetta Stone viele Übungen mit Spracherkennung an, bei einer langsamen Internet-Verbindung wird die Eingabe erst gar nicht erkannt. Die Software funktioniert ab Mac-OS X Snow Leopard (nur Intel-basiert) und Safari 3 oder Firefox 3, dazu braucht man den Adobe Flash Player ab Version 10. Für die gesprochenen Übungen ist ein gutes Mikrofon ausschlaggebend. Das beispielsweise im Macbook Air eingebaute Mikrofon reicht nicht aus. Die mit dem Kurs angebotenen Apps fürs iPhone und iPad laufen mit Ausnahme von Totale Studio (ab iPad 2) auch auf den Vorgängermodellen wie dem iPhone 4 oder dem Ur-iPad.

Methode und Kursaufbau

Rosetta Stone hat eine eigene Methode zum Erlernen von Fremdsprachen entwickelt. Sie basiert auf der Immersion-Theorie aus der Sprachwissenschaft. Dabei wird der Lernende mit der Fremdsprache auf die gleiche Weise konfrontiert wie Kleinkinder mit ihrer Muttersprache. Auch die Besonderheiten beim Aufbau und bei den angebotenen Übungen des Kurses resultieren daraus. Es gibt keine Übersetzungen oder Erklärungen zu Wörtern oder grammatischen Besonderheiten. Die meisten Übungen bieten eine Auswahl an Bildern, die die Begriffe abbilden, der Schüler soll dabei entweder das richtige Bild oder den richtigen Begriff auswählen. Ein besonderes Augenmerk liegt bei Rosetta Stone auf Hörverständnis und Aussprache: Fast jede Übung, selbst zu den Grundlagen der Grammatik, ist von Muttersprachlern vertont. So bekommt der Schüler von Anfang an einen Eindruck über die Laute der gewählten Sprache, dazu gibt es in jeder Lektion mindestens vier obligatorische Übungen zur Aussprache. Die eigenen Spracheingaben werden mit der Referenzdatenbank von Muttersprachlern abgeglichen, die Software gibt auch ein schematisches Feedback in Form eines Tachos: Zeigt der Pfeil bis zum Anschlag nach rechts und die Anzeige ist grün, hat man die Aussprache perfekt getroffen. Eine gelbe Anzeige bedeutet, dass die einzelnen Laute nicht perfekt waren, man kann nach Wunsch die Spracheingabe wiederholen.
Der Beispielkurs Spanisch bietet fünf Stufen, jede Stufe besteht aus vier Einheiten, die einzelnen Einheiten sind in Lektionen gegliedert. Jede Einheit hat einen thematischen Schwerpunkt, die Grundlagen dazu werden in der ersten Lektion vermittelt, in jeder nachfolgenden Lektion staffelt sich der Schwierigkeitsgrad und Umfang des Stoffes. Dazu werden einige Übungen aus den vorherigen Lektionen noch mal wiederholt. So kann es auch passieren, dass die vierte Lektion aus 16 Übungen besteht, wobei darin ebenfalls die Übungen aus den Lektionen eins bis drei vorkommen. Die einzelnen Übungen unterscheiden sich nach der Art der Sprachaspekte: Die allererste Übung in der Lektion stellt die neuen Wörter und Konstruktionen vor, danach folgen in freier Reihenfolge Übungen zur Aussprache und Grammatik, zum Vokabular sowie zum Hörverstehen, Lesen und Schreiben. Die ständige Wiederholung der Konstruktionen und Wörter bewirkt, dass man nichts auswendig lernen muss. Das einzelne Wort kommt in den Lektionen so oft vor, dass es allein durch die Wiederholung im Langzeitgedächtnis gespeichert wird.
Etwas schwieriger gestaltet sich bei Rosetta Stone unserer Meinung nach die Vermittlung einzelner grammatischer Erscheinungen: So werden beispielsweise in der ersten Einheit „Einführung“ einige Grundlebensmittel wie Brot (pan), Milch (leche), Ei (huevo), Brötchen (bocadillo) et cetera vorgestellt. In einer Übung zur Grammatik wird anhand dieser Lebensmittel der Gebrauch des unbestimmten (indefiniten) Artikels sowie des Nullartikels erläutert. Zwar kann man aus den präsentierten Wortphrasen die Schlussfolgerung ziehen, dass die zählbaren Lebensmittel immer einen unbestimmten Artikel brauchen (Hay un bocadillo) und die nicht zählbaren mit dem Nullartikel gebraucht werden (Hay pan).
Diese Schlussfolgerung bleibt aber dem Schüler selbst überlassen. Rosetta Stone vermittelt eher ein Sprachgefühl, das aus den vielen Beispielen resultiert, für ein Sprachverständnis muss man externe Informationsquellen zu Rate ziehen.
Ein weiterer Nachteil der konsequent umgesetzten visuellen Methode ist die Möglichkeit, abstrakte Begriffe zu vermitteln. Gegenstände und Personen lassen sich ganz gut auf den Fotos abbilden, doch selbst bei den persönlichen Fürwörtern (Personalpronomina) und den spanischen Höflichkeitsformen im Singular (tu/usted) lässt sich bei den einzelnen Übungen nur anhand von Ausschlussverfahren erraten, welches Bild genau die richtige Antwort ist.
Etwas zu kurz kommen landestypische Aspekte wie Sitten und Bräuche oder traditionelles Essen. Wir hatten erwartet, dass die vielen schön gemachten Bilder, die der Kurs bietet, ein bisschen mehr kulturellen Bezug zum Zielland herstellen, doch sie sind ziemlich allgemein gehalten. Hinzu kommt, dass Rosetta Stone bei Vokabular und Redewendungen auch eher allgemeine Beispielsätze bringt. Nützliche Fragen oder Antworten aus dem Alltag kommen erst später im Kurs, in der ersten Einheit beispielsweise werden nur die einfachsten Grußformen wie „Hola“ und „Adios“ vorgestellt.

Die mobilen Apps

Die iPad-App „Rosetta Course “ ist fast ein vollständiger Ersatz für die Browser-Anwendung. Nur zusätzliche Angebote wie Rosetta World und Rosetta Studio werden in der iPad-App nicht unterstützt. Sobald man sich mit den eigenen Login-Daten in der App anmeldet, werden die erledigten Übungen und Ergebnisse mit dem Rosetta-Account synchronisiert, man kann also im Verlauf des Kurses die Geräte nach Belieben wechseln und ist nicht an den eigenen Schreibtisch gebunden. Die iPad-App hat allerdings auch Beschränkungen. Die Schreibübungen und die sogenannten Meilensteine – die letzte Abschlussübung einer Einheit – sind auf dem iPad gesperrt. Grund dafür ist wahrscheinlich die virtuelle Tastatur, die im Browser über den Flash Player ausgeliefert wird. Totale Companion ist eine iPhone-App, die zusätzliche Übungen zu den einzelnen Lektionen enthält. Leider beschränken sich diese auf die Aussprache und sind somit unterwegs nur bedingt nutzbar. Hier würden sich eher Spiele wie Wörter-Memory aus Rosetta World anbieten. Doch der Hersteller verzichtet darauf.

Rosetta Studio

Rosetta Totale Studio heißt sowohl eine iPad-App von Rosetta Stone als auch ein Extra-Angebot in der Browser-Anwendung. Im Unterschied zu anderer Sprach-Lern-Software bietet Rosetta Stone Online-Tutorien mit ausgebildeten Muttersprachlern. Pro Jahreslizenz kann sich der Nutzer zu 85 solcher Sitzungen anmelden. Dazu werden im Planungstool recht bequeme Tageszeiten (besonders für Berufstätige) angeboten: ab nachmittags halb zwei bis halb neun Uhr abends. Außerdem kann man auf Wunsch Sitzungen am Samstag Nachmittag buchen.

Empfehlung Rosetta Stone Totale

Rosetta Stone Totale Online ist besonders für berufstätige Einsteiger interessant. Aufgrund der hohen Wiederholungsrate und langsam steigender Komplexität stellt sich ab der ersten Lektion ein Erfolgserlebnis ein. Dazu entsteht der Eindruck, dass sich die fremden Wörter fast selbstständig ins Gedächtnis einprägen. Zusätzliche Online-Angebote wie der Chat mit anderen Lernenden, insbesondere aber die Lektionen aus dem Rosetta Studio bieten zudem die Möglichkeit, an einer lebendigen Kommunikation in der Zielsprache teilzuhaben. Dazu kann man den Lehrplan an die eigenen Bedürfnisse und Arbeitszeiten anpassen. Der Kurs eignet sich nicht für Wiedereinsteiger – erst die Inhalte späterer Stufen sind anspruchsvoll genug. Auch werden – bedingt durch die Immersion-Methode – einige Sprachaspekte wie Grammatik eher oberflächlich behandelt. Rosetta Stone Totale eignet sich ebenfalls nicht als Crash-Kurs wenige Monate vor einem Auslandsaufenthalt, da zu wenige Alltagssituationen mit einbezogen sind. Der Kurs bietet eher einen langsamen Einstieg in die Fremdsprache, der auch langfristiger Planung bedarf.

Rosetta Stone Totale

Intuitiver Online-Kurs für Fremdsprachen, setzt schnelle Internet-Verbindung voraus

Rosetta Stone
Preis: € 270 Euro pro Jahr oder € 25 pro Monat
Note: 2,1 gut
Didaktischer Aufbau (30 %) 2,7
Bedienung (20 %) 1,7
Umfang (25 %) 2,3
Ausstattung (25 %) 1,5
Vorteile: Langsamer Einstieg für Anfänger, individueller Zeitplan, Betonung auf die gesprochene Sprache, Unterrichtseinheiten online mit einem Lehrer, zusätzliche Angebote aus Rosetta Word, iPhone- und iPad-Apps.
Nachteile: Teuer, einige Sprachaspekte oberflächlich behandelt, technische Schwierigkeiten bei den Live-Sitzungen mit dem Lehrer.
Anforderungen: ab Mac-OS X 10.6 (Intel-basiert) 1,33 GHz, 1 GB RAM, Internetverbindung ab 768 Kb/s, Safari 3, Adobe Flash Player 10,
Alternativen: Tellmemore , (für Spanisch) Fernkurse bei Instituto de Cervantes,
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