1048448

Tivizen - Mobiler TV-Hotspot von Elgato

29.04.2011 | 10:12 Uhr |

Live-Fernsehen auf dem iPad ist nun auch mit einem DVB-T-Hotspot und einer App von Elgato möglich. Den Unterschied zum Produkt von Equinux macht die Software.

Elgato Tivizen Screenshot
Vergrößern Elgato Tivizen Screenshot

Die Hardware von Elgatos Tivizen und dem von Equinux im Herbst 2010 vorgestellten Tizi ist identisch - beide Firmen verwenden die Mobile TV Solution des koreanischen Herstellers Valups. Es ist also die Software, die Unterschiede macht - und hier will Elgato mit einer Timeshift-Funktion und der Anbindung an seine TV-Lösung für den Mac Eye TV punkten.

Die kostenlose App Tivizen im Look-and-Feel von Eye TV zeichnet im Hintergrund den vom iPad wiedergegebenen Fernsehstream auf, bequem kann man so sich Szenen wiederholt ansehen oder eine kurze Pause einlegen. Der Speicher ist 100 MB groß und reicht je nach Bitrate des Streams für bis zu fünf Minuten Sendung. Wechselt man das Programm, zeichnet das die Timeshift-Funktion freilich auch auf. Multitasking beherrscht die App nicht, der Ton läuft also nicht im Hintergrund weiter, wenn man Tivizen in einer Werbepause schließt. Nicht unerwähnt bleiben sollte jedoch ein einmaliger Programmabsturz, den wir nicht reproduzieren konnten.

Alle 24 in München empfangbaren DVB-T-Kanäle hat das Tivizen rasch gefunden, obwohl bei der Ortseinstellung nur die Wahl des Landes möglich ist. Die Sender sind auch sofort in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht, ARD und ZDF erwarten wir schließlich weit vor RTL2 und Vox platziert, die Änderung der Reihenfolge geht unkompliziert vonstatten. Wer Elgatos Eye-TV und die Eye-TV-App kennt, wird sich mit der Tivizen App schnell zurechtfinden, der Look ist sehr ähnlich. Programmwechsel über die Senderliste ist auch im Querformat möglich und nicht nur durch Wischen des TV-Bildes. Die Reichweite des Senders ist bauartbedingt begrenzt, je nach Umgebung reicht das Signal über zehn bis fünfzehn Meter für ein störungsfreies Bild. Will man iPad, iPhone oder Mac im gesamten Haus mit einem stationären Sender zum Fernsehen nutzen, stehen andere Lösungen bereit, von Elgato beispielsweise die Eye-TV-Familie.

Aufnahmen auf dem iPad oder iPhone lassen sich nicht programmieren, die App zeichnet nur die Live-Sendung auf. Solange die Aufnahme läuft, lässt sich sinnvollerweise das Programm nicht wechseln. Die Aufnahmen im Format .eyetv lassen sich über die Dateifreigabe des iPad auch auf den Mac übertragen und dort betrachten und weiterverarbeiten - etwa auf DVD brennen.

Die Kopplung an Eye TV ist eine weitere Stärke des Tivizen-Systems, denn Elgato liefert mit dem Gerät einen Freischaltcode für Eye TV 3 mit, das sonst 80 Euro kostet oder im Bundle mit anderen Fernsehempfängern von Elgato erhältlich ist. Equinux reagiert und will in Kürze Tizi-Käufer mit einer Lizenz für seine Fernsehsoftware für den Mac The Tube ausstatten.

Eye TV 3 erkennt das Tivizen als Empfänger, sobald man den Mac in das vom Empfänger aufgebaute WLAN anmeldet - wessen WLAN aber der einzige Netzanschluss ist, hat nun die Verbindung zum Internet verloren. Damit ist man auf am Mac auf den EPG (Elektronsicher Programm Guide) angewiesen, der mit dem Programm ausgestrahlt wird - dieser sollte aber für die meisten Zwecke genügen. Programmierte Aufnahmen zeichnet Eye TV am Mac nur dann auf, solange das Tivizen nicht in den Ruhezustand gefallen ist - ab Werk sind das fünf Minuten, der Ruhezustand lässt sich aber auch deaktivieren. Nach drei Stunden ist laut Herstellerangaben die Batterie leer, was wir seinerzeit mit dem baugleichen Tizi verifizieren konnten. Strom bezieht das Gerät über USB, wer also über Nacht die ein oder andere Sendung mit dem Tivizen aufzeichnen will, sollte dieses an die USB-Buchse des Mac stecken - der den Akku permanent lädt. Ein Netzteil hält auch Elgato für überflüssig, an Hardware ist einzig ein USB-Kabel mitgeliefert.

Das Tivizen lässt sich von mehreren Geräten aus nutzen - nur aber von einem zur Zeit. Wer sich in einen laufenden Stream einwählt, kann den Erstnutzer unfein aus der Verbindung kicken, der sich alsbald revanchieren könnte. Um Unannehmlichkeiten dieser Art zu unterbinden, bietet Tivizen wie auch Tizi eine Verschlüsselung an - jedoch nicht nur mit WEP, sondern auch mit dem weit sichereren WPA2.

Interessanter Nebenaspekt: Während die Tivizen-App das Tizi erkennt, scheitert umgekehrt die Tizi-App am neueren Tivizen. Eine solche Über-Kreuz-Nutzung ist aber von beiden Firmen eher nicht erwünscht und könnte womöglich beim nächsten Update unterbunden werden.

Fazit

Frauenfußball-WM im Biergarten, ZDF-Morgenmagazin auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn - für diese Zwecke ist das Tivizen ebenso wie das fast identische Gerät von Equinux bestens geeignet. Aufgrund der begrenzten Reichweite aber nicht als stationärer Fernsehempfänger für die ganze Wohnung, dafür dienen andere Lösungen. Den Ausschlag gibt die Software - während Tivizen mit Timeshift und Eye-TV für den Mac glänzt, hat etwa die Lösung von Equinux Vorteile bei der Sendersuche und dem Multitasking - beide Lösungen sind für die genannten Zwecke uneingeschränkt zu empfehlen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1048448