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Test: Texte erstellen und verwalten mit Ulysses III 1.0

11.04.2013 | 18:39 Uhr |

Der Texteditor bietet ein innovatives Bedienkonzept. Er eignet sich gut für die Verwaltung von vielen Dokumenten und komplexen Projekten.

Das Textprogramm Ulysses richtet sich an Vielschreiber wie Buchautoren und Blogger, die viele und sehr lange Texte schreiben. Die Stärke des ungewöhnlich gestalteten Textprogramms liegt seit den ersten Versionen in der bequemen Verwaltung aufwendiger Textprojekte mit vielen Einzeldokumenten. Mit herkömmlichen Textverarbeitungen wie Microsoft Word oder Open Office hat das Programm wenig gemein, so fehlen gewohnte Formatierungsfunktionen wie Lineal, Textstile und Musterseiten. Zum Konzept gehören dagegen schön gestaltete Vollbild-Modi für das Schreiben ohne Ablenkungen und eine alternative Drei-Fenster-Ansicht, die aus Explorer-Leiste, Dokumentübersicht und Editor-Fenster besteht. Umdenken müssen aber nicht nur an Word gewöhnte Anwender, sondern auch Nutzer der früheren Versionen von Ulysses - die Entwickler haben die aktuelle Ausgabe völlig neu konzipiert. Optisch ist die App gut gelungen, die Oberfläche bietet ein modernes übersichtliches Design. Für Nachtarbeiter gibt es den „Dark Modus“ mit weißer Schrift auf weißem Grund, Schrift und Zeilenlänge wählt man über die Voreinstellungen. Eine Umstellung der Arbeitsmethoden verlangt aber vor allem die neue Form der Dateiverwaltung: Texte und Projekte werden nämlich innerhalb einer geschlossenen Oberfläche verwaltet. Ein wenig erinnert das Konzept an Apples Mail-Programm.

Texte schreiben für Profis

Will man einen Artikel schreiben, legt man zu Beginn ein Projekt, eine sogenannte „Group“ an, die aus mehreren „Sheets“ beziehungsweise Textdokumenten besteht. Alle einem Projekt zugeordneten Dokumente listet das Tool in der mittleren Spalte auf und zeigt eine Textvorschau. Diese einzelnen Texte kann man in der Leiste sortieren, mit Filtern nach Schlagwörtern und Inhalten organisieren und zusammenfügen. Wichtige Texte und Projekte markiert man mit Icons, Schlagwörter werden unterstützt. Leider gibt es im Unterschied zur Vorversion weder Etiketten noch farbige Markierungen.

Auf Wunsch verwaltet Ulysses alle Dateien per iCloud , was eine automatische Synchronisierung über mehrere Geräte ermöglicht. Gewöhnungsbedürftig, zumindest wenn man bisher mit Word oder Pages gearbeitet hat, ist das Dateiformat. Jedes Dokument ist nämlich eine Textdatei mit fest vorgegebener Schrift und Schriftgröße. Layoutfunktionen, wie etwa Überschriften, Fettdruck oder eine Fußnote, ergänzt man mit sogenannten Markdown -Zeichen, eine Liste der wichtigsten Befehle lässt sich einblenden. Ein Rautensymbol vor einem Absatz markiert diesen beispielsweise als Überschrift, zwei Prozentzeichen weisen ihn als Kommentar aus. Das von John Gruber konzipierte Markdown ähnelt HTML und kann den Datentausch zwischen iOS-Geräten, Desktop und Web vereinfachen. Ulysses ermöglicht zusätzlich das Einbinden von Links, Fotos und Dateien sowie Markdown, Markdown XL und Textile. Schön: Der Datenaustausch mit der iOS-App Daedalus vom gleichen Hersteller ist möglich. Nicht überzeugen kann uns allerdings der Import und Export von Dokumenten. Will man eine Datei in Word weiter bearbeiten, muss man das Dokument zuerst aus Ulysses exportieren. Als Formate stehen dabei reine Textdatei, HTML sowie Text mit Markdown und RTF zur Wahl, alternativ ist ein Export als PDF möglich.

Praktisch ist das direkte Öffnen eines Textes in einem Programm wie Word, Pages oder Vorschau . Formatierungen sollen beim Export erhalten bleiben, das funktioniert aber leider nicht immer zuverlässig. Nutzt man etwa Unterstreichungen als Markdown-Elemente, sorgt das beim RTF-Export für Einrückungen. Der gewohnte Datei-Öffnen-Dialog fehlt zu unserer Überraschung – was aber dem Konzept entspricht. Will man ein Textdokument importieren, muss man es über die Zwischenablage importieren oder den übergeordneten Ordner als externe Quelle auswählen. Alle Inhalte des Ordners lassen sich dann direkt öffnen. Das funktioniert jedoch nur mit Textdokumenten, und beim Öffnen eines Ordners mit über hundert Dateien ist die Darstellung sehr unübersichtlich, da es keine Sortiermöglichkeiten gibt.

Empfehlung Ulysses:

Die ungewöhnliche Textverarbeitung Ulysses III bietet ein mutiges Konzept mit vielen praktischen Neuerungen. Die innovativen Konzepte verlangen dem Nutzer allerdings einiges an gutem Willen ab und manche Lösungen der Vorversion gefallen uns besser.  Laut App Store vermissen viele Anwender etwa das sogenannte Typewriter-Scrolling älterer Versionen. Sinn macht das Tool, wenn man seine Texte komplett mit Ulysses verwaltet und erstellt. Sehr gut kann man an mehreren Texten gleichzeitig arbeiten und die Übersicht über alle Textfragmente behalten. Muss man aber oft Word-Dokumente überarbeiten oder eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreiben, eignet sich die Software weniger gut.

Ulysses

Preis: € 35,99
Note: 2,0 gut
Leistung (50%)   1,9
Ausstattung (30%)   2,5
Bedienung (10%)    2,0
Dokumentation (10%)    3,0
Vorzüge: Gute Verwaltung großer Textmengen, gute Markdown-Unterstützung
Nachteile: Probleme beim Export als Office-Dokument, Import umständlich, aktuell nur englischsprachig
Alternativen: Scrivener, Papyrus Autor, Word
Ab OS X 10.7
The Soulmen GBR
www.ulyssesapp.com

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