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Test: Tomtom Multisport

06.11.2013 | 10:00 Uhr |

Wem das iPhone beim Sport als Messgerät zu unbequem ist, greift auf Sportuhren zurück. Wir haben uns das Modell des Navigationsspezialisten Tomtom näher angesehen.

Die Tomtom Multisport verspricht mit ihrem GPS-Empfänger unsere Leistung auf der Jogging- oder Fahrradstrecke genau zu protokollieren und uns so zu neuen sportlichen Höchstleistungen zu bringen – dabei misst sie auch die Herzfrequenz. Schwimmer können sie gar ins Wasser mitnehmen und selbst in der Halle ihre Bahnen zählen lassen. Klingt nach einer Herausforderung, der ich mich gerne einmal annehme, wenn auch nicht im Hallenbad und nicht auf dem Fahrrad. Ich kann zwar Schwimmen, dabei handelt es sich aber eher um ein mäßig elegantes Nichtersaufen und auf dem Radl kann ich keine Ablenkung gebrauchen – der Verkehr ist in der Stadt und im Landkreis herausfordernd genug. Außerdem habe ich einen Tacho montiert, die Trittfrequenz muss mir keine Tomtom messen, in der Ebene und in leichten Steigungen bin ich immer zwischen 90 und 95 rpm unterwegs.

Tomtom Multisport

Im Test hatten wir die Tomtom Multisport mit Herzfrequenzmesser, Höhenmesser, Schwimmsensor, Fahrradhalterung, Kadenzmesser und Indoor-Sensor für 300 Euro. Das Basismodell ohne Herzfrequenzmesser und Kadenzmesser ist für 200 Euro zu haben. Eine Uhr nur für Läufer kostet 170 Euro.

Smarte Uhr - weniger smarte Website

Also Joggingschuhe angezogen und Sportuhr ausgepackt. Vor der Inbetriebnahme lauert schon die erste Hürde: Für das Einrichten eines Kontos auf der Site von Tomtom sind drei Versuche nötig, bis der Server antwortet. Das hat Spätfolgen: Auf die Tomtom-Website, die unsere Trainings protokolliert, besteht nur noch Zugirff vom heimischen Computer aus, auch mit neu vergebenem Passwort verweigert der Rechner im Büro den Zugriff. Aber die Site ist ja noch im Beta-Status.

Schwierigkeiten bei der Anmeldung: Die Tomtom-Website ist noch Beta
Vergrößern Schwierigkeiten bei der Anmeldung: Die Tomtom-Website ist noch Beta

Doch dann endlich geht es auf den Weg, das iPhone als Kontrollinstrument mit eingepackt. Zuletzt lieferte dessen GPS-Sensor interessante Daten und die bisher fürs Joggen genutzte App Runkeeper gab eine Zeit von unter fünf Minuten pro Kilometer aus. Erst die Korrektur der falsch aufgenommenen Messpunkte zeigte das wahre Leistungsvermögen von etwa siebeneinhalb Minuten pro Kilometer.

Auf die richtige Einstellung kommt es an

Schon auf der Strecke und später bei der Ansicht des Kartenmaterials wird diesmal aber klar, dass das iPhone in der Brusttasche getragen besser misst als in der Hosentasche. Runkeeper zeigt aber einen etwa 1,6 mal so großen Wert für die zurückgelegte Strecke an als auf dem Display der Uhr steht. Erst auf dem zweiten Blick wird klar, dass die Einstellungen der Tomtom-Sportuhr noch auf Meilen und Pfund stehen… Mit dem Rechner über die beigelegte Cradle synchronisiert, sehen wir dann auf der Karte der mysports-Website, dass das GPS am Handgelenk die Strecke exakt vermessen hat. Schade: Zwar kopiert die Uhr ihre Daten auf die Website von Tomtom und auf MapMyFitness, doch besteht keine Exportmöglichkeit in das seit Jahren gepflegte Runkeeper-Konto. Also kommt auch in Zukunft das iPhone mit auf die Strecke. Im Gegensatz zur Sportuhr spielt das auf Wunsch auch Musik ab.

Die Mac-Software macht nicht viel, außer die Uhr auszulesen und sie mit Updates zu versorgen.
Vergrößern Die Mac-Software macht nicht viel, außer die Uhr auszulesen und sie mit Updates zu versorgen.

Für die zweite Runde lege ich den mitgelieferten Brustgurt mit Herzfrequenzmesser an, der keine Daten auf die Uhr schickt, solange er dort nicht unter den Sensoren aktiviert ist. Dann trifft mich aber schier der Schlag: Ein Puls von 160 unmittelbar nach dem Loslaufen ist gar nicht gesund. Aber auch hier lohnt der zweite Blick: Im Gegencheck auf dem Fahrradergometer zeigt dessen Herzmonitor mit Messung an den Handflächen den gleichen Wert wie die Uhr an - um die 130, sobald das Training läuft. Bei der nächsten Laufrunde misst der Tomtom-Sensor auch einen Puls im medizinisch vertretbaren Bereich. Der Brustgurt ist danach aber heftig verdreht - und recht viel weiter für bequemeres An- und Ablegen lässt er sich nicht mehr machen. Alles Muskeln – was sonst?

Wann geht es endlich los?

Erst auf der vierten Runde fällt ein kleines Ärgernis auf: Obwohl die iPhone-App bereits ein passables bis gutes Signal meldet, sagt die Tomtom-Uhr, ich möchte doch bitte mit dem Loslaufen warten. Auf den ersten Runden hatte ich noch mit der Bedienung der Uhr zu kämpfen, die mit einem in vier Richtungen zu schaltenden Knopf an sich selbsterklärend vonstatten geht. Das ist auch besser so, denn die mitgelieferte Anleitung ist recht dünn. Wie lange man manchmal auf das Go der Uhr warten muss, steht da natürlich auch nicht drin, in dem Fall ist es aber zu lange. Komisch, so hohe Häuser stehen hier nicht und die Bäume am Ufer des Bachs sind auch nicht gerade Redwoods - fast zwei Minuten nach dem Start erst signalisiert die Uhr mit einer kurzen Vibration ihre Bereitschaft. Gegencheck nach dem Sport auf dem Fußweg zur S-Bahn: Auf der anderen Seite der Hausreihe ist die Uhr deutlich schneller bereit. Und beinahe wäre an dieser Stelle der Test beendet gewesen: Da die Uhr ein wenig aufträgt, will ich sie am Bahnsteig abnehmen und verpacken - da purzelt sie aus dem Armband, in dem sie nur locker befestigt ist. Der Sturz als solcher macht ihr nichts aus, aber die Bahnsteigkante ist dann auch nicht mehr fern…

Alle Testrunden, bei MapMyFItness protokolliert
Vergrößern Alle Testrunden, bei MapMyFItness protokolliert

Potential bei weitem nicht ausgeschöpft

Von weiteren Tests sehe ich aber erst einmal ab. Was die Uhr noch kann: Über die Einstellungen lassen sich Ziele setzen, etwa für Strecke, Zeit oder Kalorienverbrauch. Interessant klingt auch die Möglichkeit, gegen sich selbst anzutreten. Im "Race"-Modus begibt man sich auf eine identische Strecke wie Tage oder Wochen zuvor und soll unterwegs angezeigt bekommen, wie weit man vor oder hinter seiner bisherigen Leistung liegt. Da zuletzt aber der Startpunkt wegen der verzögerten Bereitschaft der Uhr variierte, ist das erst einmal sinnlos. Ein andermal vielleicht, wenn ich einen Startpunkt gefunden habe, wo die Uhr sofort anspringt. Und auf dem Fahrrad verwende ich die Tomtom Multisport erst einmal gar nicht und spare mir so die Montage der entsprechenden Halterung für Uhr und Trittfrequenzsensor. Den Herzfrequenzmonitor brauche ich auch nicht, ich trainiere schließlich nicht für den nächsten München-Marathon nach einem Plan, der mir wöchentlich fünf Einheiten in Frequenzbereichen von 130 bis 145 Puls vorschreibt. Dafür scheint die Uhr aber recht nützlich zu sein – der Fehler bei der ersten Messung ist nicht wieder aufgetreten, seine Ursache unklar.

Kurze Runde, erstmal ohne Pulsmessung: Export zu anderen Fitnesswebsites außer MapMyFitness ist nicht möglich. Schade.
Vergrößern Kurze Runde, erstmal ohne Pulsmessung: Export zu anderen Fitnesswebsites außer MapMyFitness ist nicht möglich. Schade.

Fazit

Gelegenheitsläufer, die nicht verbissen gegen sich selbst kämpfen, ernsthaft auf ein Ziel trainieren oder im höchsten Maße exakte Ortsbestimmung haben wollen, sind mit einem iPhone wohl besser aufgehoben, die Tomtom Multisport ist beim Laufen jedoch weit bequemer zu tragen und nach dem aktuellen Stand der Runde abzufragen. Am Wochenende bleibt die Uhr wieder im Karton - bis dahin überlege ich mir aber noch eine neue Playlist für meine kurze Runde vor dem Frühstück.

Laufen ohne GPS

Es ist gerade einmal sechseinhalb Jahre her, als ein in die Fußsohle des Laufschuhs einlegbarer Chip State of the Art bei der Trainingskontrolle war. Nachteil: Je schneller man lief, desto kürzer war die vom Nike+ Sports Kit gemessene Strecke. Wir haben im April 2007 den Sensor in Verbindung mit einem iPod Nano getestet. Schon damals gab es schon GPS-Uhren, das iPhone war bereits angekündigt, aber noch nicht einmal in den USA im Handel. Und Apps wie Runkeeper oder Runtastic waren noch nicht einmal geplant...

Unser Test im Video:

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