Von Oliver Krüth - 27.01.2012, 11:44

Test

Vergleichstest: Monitor-Kalibriersystem

Monitore zeigen nach dem Anschluss an den Rechner zunächst nur bunte Farben. Erst nach dem Erstellen eines individuellen Monitorprofils und einer Kalibrierung kann man über die am Bildschirm sichtbaren Farben verlässliche Aussagen treffen. Dies ist etwa für anspruchsvolle Fotografie und Videoschnitt unumgänglich
Durch die in vielen Applikationen angebotenen Softproof-Funktionen wird ein kalibrierter Monitor zum Herzstück kreativer Arbeitsabläufe. Er spart dadurch oftmals einen teuren, farbverbindlichen Ausdruck.
In der Praxis treten drei Kalibrierungsarten für Monitore auf. Die einfachste nutzt den in OS X integrierten Kalibrierungsassistent ohne jedes Messmittel.
Die preislich interessanteste Methode nutzt eine Kombination aus Software und Messgerät, die Weißpunkt, Gradation und Luminanz des Monitors ausmisst und auf die gewünschten Zielwerte anpasst. Die Korrektur der Parameter erfolgt dabei über die Grafikkarte. Das führt allerdings zu Tonwertverlusten, die sich etwa bei Farbverläufen als Abrisse bemerkbar machen. Diese Tonwertverluste können minimiert werden, sofern man Bildschirmparameter wie RGB, Gradation und Luminanz über das Bedienmenü des Monitors manuell justieren kann.
Bei einer Hardware-basierten Kalibrierung werden die Farben über eine interne Farbtabelle des Monitors angepasst. So bleiben die Tonwerte und der Dynamikumfang komplett erhalten. Dieses Verfahren liefert in der Regel die besten Ergebnisse.
Wir testen aktuelle Kalibrierlösungen für Monitore, die die Displays mittels eines Colorimeters auf verschiedene (ISO-)Normen, sRGB, Adobe RGB, UGRA Softproof und ECI-RGB 2.0, kalibrieren können. Da wären Basiccolor Display 5 im Verbund mit dem Basiccolor Discus, Quato geht mit iColor Display 3.8 und den Messgeräten Silver Haze Pro (DTP94) und Silver Haze 3 (i1 Display Pro) an den Start und X-Rite schließlich ist mit den Kombinationen Color Munki Display / Color Munki Display 1.0.1 sowie i1 Display Pro / i1 Profiler 1.1.1 mit von der Partie. Datacolors Spyder-Lösung erreicht uns nicht rechtzeitig zum Test.

Basiccolor Display 5.0 / Discus

Die Farbspezialisten aus dem bayerischen Penzberg bringen mit dem Discus ein komplett neu entwickeltes Colorimeter auf den Markt. Es fällt durch seine robuste Bauweise sowie einen für diese Geräteklasse hohen Preis von 940 Euro auf. Die dazu passende Software Basiccolor Display 5 erlaubt sechs allgemein verständliche Voreinstellungen. Sie lassen sich sowohl vom Laien als auch dem Profi schnell anpassen und die Anzahl der unterstützten Messgeräte ist ausgesprochen umfangreich.
Der Funktionsumfang der Software lässt kaum Wünsche offen. Alle Parameter lassen sich individuell anpassen. Per Bildschirmmenü justiert man jedoch in der Regel nur die Luminanz und die RGB-Werte. Parameter, die der Monitor nicht per Menü einstellen kann, wie etwa die Gradation, muss man über die (Lookup-Table (LUT) der Grafikkarte anpassen. Das allerdings führt zu stärkeren Tonwertverlusten. Die Anwendung bietet eine schnelle und einfache Möglichkeit, zwei Farbräume auf einem Display zu simulieren.
Basiccolor Display 5 bietet für die Kalibrierung mittels Colorimeter generische Korrekturkurven für Wide Gamut Monitore, hat aber darüber hinaus mehr als 50 Displays von Eizo, NEC und Quato vermessen und entsprechende Korrekturkurven hinterlegt. Ein integrierter Test informiert nach Abschluss von Profilierung respektive Kalibrierung über die Abweichungen zu den Zielwerten.
Die Kalibrierungsgenauigkeit korreliert allerdings nicht mit dem Preis. Uns fällt im Test auf, dass meist nur der Weißpunkt verfehlt wird, dies dann aber deutlich. Dies ist allerdings unserer Validierung mit dem i1 Pro von X-Rite geschuldet. Eine Überprüfung der Kalibrierungsziele mit dem Discus bescheinigt den Monitoren wiederum exzellente Ergebnisse. Allerdings scheinen auch die gerätespezifischen Korrekturkurven nicht ganz optimal zu sein. Anders lässt sich die mäßige Genauigkeit für den Weißpunkt bei der Hardware-Kalibrierung des Quato-Monitors kaum erklären. Für eine Software-Kalibrierung benötigt der Discus gut fünf Minuten, eine Hardware-Kalibrierung dauert mit zwölfeinhalb Minuten spürbar länger.
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