Test Video-Effekte-Software
Apple Motion 5
Im ganzen Tohuwabohu um die Einführung des neuen Final Cut Pro X ist das Release der neuen Version von Motion beinahe untergegangen. Dabei hat Apple mit Motion 5 gleich zwei große Schritte getätigt: Das Programm preislich attraktiv zu machen, und es aus der Final Cut Studio Suite zu entkoppeln.
Waren die Vorgängerversionen von Motion noch hell und dem Look von Final Cut Pro angepasst, hält Apple die Version 5 in dunklem Grau und Schwarz. Das wirkt zwar professioneller, die Menüs, Parameter und Werkzeuge werden aber nicht besser erkennbar.
Anstatt aus mehreren fliegenden Fenstern und Paletten besteht Motion 5 nur noch aus einem, relativ starren Fenster. Die Aufteilung entspricht weitgehend der Vorversion, wobei die Werkzeuge und Menüs nun zwischen dem Vorschaufenster und der Timeline angeordnet sind.
Apple Motion 5
Nach dem Öffnen von Motion wählt man entweder ein (leeres) Projekt, oder man generiert einen Effekt, einen Übergang oder ein Element für die Nutzung in Final Cut Pro X.
Bereits wenige Tage nach dem Release von Motion stellte Apple bereits 1,15 GB zusätzlichen Content zum Download bereit.
An der Aufteilung der Benutzeroberfläche hat sich nur wenig getan. Das Interface ist jetzt dunkel, es besteht nur aus einem Fenster, und die Werkzeugleiste ist zwischen Vorschau- und Timeline-Fenster platziert.
Effekte und Übergänge für Final Cut Pro X werden gesondert in den Vorlagen und in Kategorien gespeichert.
Ist eine Effekte-Vorlage für Final Cut Pro X erstellt, steht diese im Schnitt über die Videofilter zur Verfügung.
Ebenso wie Effekte und Übergänge lassen sich in Motion auch Generatoren für Final Cut Pro erstellen, wie zum Beispiel dieser Timecode-Generator mit transparentem Hintergrund.
Über Rigs definiert man, welche Einstellungen eines Effekts, Übergangs oder Generators auch in Final Cut Pro X zur Verfügung stehen. Hier reicht das einfache Drag-and-Drop eines Parameters in das Rig.
Während des Drag-and-Drops legt der Anwender fest, ob die Einstellung ein Regler, ein Markierungsfeld oder ein Einblendmenü sein soll.
Damit Parameter über das Rig zur Verfügung stehen, müssen diese zusätzlich noch veröffentlich werden.
Der neue Chromastanz-Filter ist sehr einfach in der Anwendung und bietet zudem viele professionelle Funktionen. Alleine dieser Filter ist den Kauf von Motion 5 (auch ohne Anwendung von Final Cut Pro X) wert.
Vorlagen können innerhalb von Motion geöffnet, weiter bearbeitet und wiederum als eigenständige Vorlagen gespeichert werden.
Ebenso wie in der Vorgängerversion stehen auch in Compressor 4 Vorlagen für Workflows zur Verfügung. Viele Job-Vorlagen sind allerdings weggefallen.
Zur Erstellung eines Clusters reicht das Hinzufügen eines Rechners in den Verbindungseinstellungen.
Von der Benutzeroberfläche her hat sich in Compressor 4 nur wenig geändert. Einzig der Share-Monitor (früher das „Stapelfenster“) ist dem Layout von Final Cut Pro X angepasst.
Projekte lassen sich auch direkt aus Final Cut Pro X unter Nutzung der Voreinstellungen des Compressors exportieren.
Im Gegensatz zu Final Cut Pro X hat Apple die Arbeitsweise nicht verändert, so dass sich Kenner der Software schnell an die neue Bedienoberfläche gewöhnen.
Übergänge-, Generatoren- und Effekt-Vorlagen für FCP X
Das Erstellen von Kompositionen in Motion ist nicht mehr nur auf eigenständige Animationen oder Mastervorlagen beschränkt, sondern umfasst auch Generatoren, Übergänge und Effekte, die man in Final Cut Pro X anwenden kann. Ein Effekt, zum Beispiel eine Farbverfremdung oder eine Stilisierung, wird hierbei in speziellen Ordnern, sortiert nach Themen und Kategorien, gespeichert, und steht dann über den Effekte-Bereich in der Timeline von Final Cut Pro X zur Verfügung. Freigegebene Effekte-, Titel- oder Generator-Einstellungen können hierbei in Final Cut Pro, ähnlich den bisherigen Mastervorlagen weiter bearbeitet werden.
Rigs
Waren Mastervorlagen in den Vorversionen von Motion und Final Cut Pro nur auf Textinhalte, deren Größe und Laufweite beschränkt, können veröffentlichte Titel-, Generatoren- oder sonstige Effekte in Final Cut Pro X alle Parameter aus Motion übernehmen. Verantwortlich hierfür sind die so genannten "Rigs". Bei den Rigs handelt es sich um Steuerelemente, die man in Motion anlegt, mit den benötigten Einstellungen "befüllt" und anschließend für Final Cut Pro veröffentlicht. Möchte man beispielsweise einen animierten Titel in Motion erstellen und an Final Cut Pro übergeben, legt man nach der Animation ein Rig an und zieht die benötigten Einstellungen per Drag-and-Drop in das Rig. So lassen sich Parameter wie Größe, Farbe, Outline, Deckkraft, Schatten oder Glühen an Final Cut Pro X übergeben. Nach der Veröffentlichung stehen die Parameter sofort in Final Cut Pro X zur Verfügung.
Chroma-Keyer
Weder Motion noch Final Cut Pro waren bis dato für gute Keying-Filter bekannt. Mit Motion 5 liefert Apple jedoch einen exzellenten Stanzfilter aus. Angewandt auf eine Green- oder Bluescreen-Aufnahme stanzt der Filter zunächst selbstständig die Key-Farbe aus, lässt sich jedoch manuell um Farben und schwierige Konturen erweitern. Fortgeschrittene Anwender finden einen Luma- und Chroma-Raum, der sich manuell bearbeiten lässt, sowie fast alle notwendigen Einstellungen für das Einschränken oder Erweitern einer Stanzmaske, dem Ein- oder Entfärben, sowie dem Weichzeichnen. Der Filter ist vergleichsweise einfach in der Anwendung und kann es qualitativ locker mit kostenpflichtigen Plug-ins wie The Foundrys Keylight oder dem PHXY Keyer aufnehmen.
Benutzerdefinierte Vorlagen
Apple wäre nicht Apple wenn man nicht endlos viele Vorlagen für Projekte, Effekte oder Titel vorfinden würde. Nur wenige Tage nach dem ersten Release von Motion 5 stellte Apple bereits mehr al ein Gigabyte an Vorlagen-Daten zum kostenlosen Download bereit. Der Anwender kann eine Vorlage als Projekt-Kopie öffnen, und hat dadurch Zugriff auf alle enthaltenen Einstellungen. Somit lässt sich eine Vorlage nach eigenem Gusto umgestalten oder erweitern und als neue Vorlage speichern, so dass diese entweder in Motion oder in Final Cut Pro X erneut zur Verfügung steht.
Eine Funktion, die in Final Cut Pro X leider weggefallen ist, ist das direkte Senden von Clips aus der Timeline an Motion, beispielsweise zur Stabilisierung eines Elements. Hier kann man lediglich über den Finder einen QuickTime-Film in Motion öffnen, bearbeiten und dann als Projekt oder als ausgerenderten Clip in Final Cut Pro X weiter bearbeiten.
Weitere Neuerungen
Ebenso wie Final Cut Pro X nutzt auch Motion 5 die 64-Bit Architektur, Multicore-Prozessoren und vorhandene Grafik-Prozessoren aus, was vor allem bei Macs neuerer Generation einen beachtlichen Geschwindigkeitsvorteil liefert. Bei der Wiedergabe komplexerer Kompositionen stellt Motion gleichsam die Bilder pro Sekunde dar, welche gerade in Echtzeit abgespielt werden. Besitzer älterer Rechner mit langsameren Grafikkarten oder wenigen Kernen werden jedoch kaum einen Geschwindigkeitsvorteil bemerken.
Kaufmpfehlung & Fazit
Durch die Abkoppelung aus der Final-Cut-Suite und den äußerst günstigen Preis wird Motion nicht nur für Anwender von Final Cut Pro interessant, sondern auch für Hobby-User oder für Profis, die Adobe oder AVID einsetzen. Durch die vielen, benutzerdefinierten Vorlagen, die einfache Bedienung und die hohe Arbeitsgeschwindigkeit ist Motion ein attraktives Programm für alle, die in das Design bewegter Bilder einsteigen oder ihr Portfolio erweitern wollen. Die Übergabe von Projekt- und Effekte-Vorlagen an Final Cut Pro X unter Beibehaltung beliebiger Parameter ist beispielhaft. Alleine der neue Keyer ist die Investition von 40 Euro wert. Andreas Zerr





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