Test: Videoschnitt mit Final Cut Pro X
Final Cut Pro X
Apple hat mit Final Cut Pro X seine Videoschnittsoftware quasi neu erfunden und damit viele Anwender von Final Cut Pro vor den Kopf gestoßen. Dabei ist Final Cut Pro X eigentlich ein wirklich gutes Schnittprogramm, wie unser Test zeigt.
"iMovie-On-Steroids", "iMovie Pro" und "Final Cut Home Edition" sind nur einige der Verballhornungen, die man in einschlägigen Blogs und Foren nachlesen kann, denn Apples Final Cut Pro X ist alles, nur nicht für die professionelle Film- und Fernsehproduktion zu gebrauchen. Zu viele Funktionen fehlen, zu wenige Möglichkeiten der Projektorganisation stehen zur Verfügung. Doch wie sieht die neue Fassung wirklich im Vergleich zu Final Cut Pro 7 aus?
Final Cut Pro X
Ein neues Ereignis legt man über den Import von Dateien aus der Kamera oder von der Festplatte an, oder man importiert ein iMovie-Projekt. Projekte aus Vorgängerversionen von Final Cut Pro lassen sich in Final Cut Pro X nicht öffnen.
Die Benutzeroberfläche ist komplett neu gestaltet und erinnert stark an iMovie. Einen Browser gibt es nicht mehr, Viewer und Canvas sind verschmolzen, und die Timeline hat keine dedizierten Spuren mehr.
Bandlose Formate wie P2 lassen sich in Final Cut Pro direkt von der Kamera oder dem Speichermedium importieren.
Projekte werden von Final Cut Pro X als „Events“ verwaltet, und der Projektname ist dem Begriff „CurrentVersion“ gewichen.
Statt In- und Out-Punkten im Viewer zu setzen, zieht man einen Bereich innerhalb eines Clips á la iMovie auf, bevor man diesen in die Timeline schneidet.
Mehrere Clips lassen sich zu Gruppen zusammenfassen, oder man verbindet einzelne Clips, zum Beispiel für Umschnitte, um diese später gemeinsam zu bewegen.
Der Präzisions-Trimmer zeigt das gesamte verfügbare Material in der Timeline an und ermöglicht damit frame-genaues Nachschneiden. In- und Out-Punkt erscheinen hierbei im Vorschaufenster.
Audioblenden lassen sich innerhalb der Tonspuren direkt mit der Maus aufziehen.
Mehrere Projekte innerhalb eines „Events“ können direkt über die Projekt-Mediathek aufgerufen und in den Vordergrund geholt werden.
Die Aussteuerung der Tonpegel wird anhand einer farbigen Waveform-Darstellung in der Timeline angezeigt. Keyframe-Blenden erscheinen in verringerter Waveform-Höhe.
Störende Hintergrund-Geräusche oder Brummen kann der Anwender direkt entfernen, ohne zusätzliche Filter oder gar ein anderes Programm wie Soundtrack aufrufen zu müssen.
Die Audiofilter umfassen jeweils eigene Benutzeroberflächen und lassen sich bei der Wiedergabe in Echtzeit bedienen.
Final Cut Pro X umfasst über 100 Audioeffekte, deren Vorschau man hört, indem man einen Clip auswählt und mit der Maus über das Filter-Symbol fährt.
Die Timeline von Final Cut Pro X stellt sich automatisch auf das Format des ersten Clips ein. Wird dieses nicht erkannt, kann der Anwender ein anderes Format wählen.
Die Stabilisierung verwackelter Aufnahmen kann direkt in Final Cut Pro erfolgen, ist qualitativ aber nicht ganz so hochwertig wie in Motion.
Auch die Farbkorrektur ist in den Clip-Einstellungen integriert. Diese ist weitaus besser (und schneller) als in den Vorgängerversionen.
Zeitlupen und Zeitraffer lassen sich direkt in der Timeline durch auf- oder zusammenziehen eines Clips gestalten.
Wählt man das entsprechende Werkzeug, lassen sich Clips im Vorschaufenster direkt skalieren, rotieren oder beschneiden. Weitere Parameter sowie Keyframes stehen in den Einstellungen zur Verfügung.
Übergangseffekte zieht man per Drag-and-Drop auf eine Schnittmarke in der Timeline, und kann diese dort verlängern, verkürzen oder verschieben.
Bevor man einen Filter anwenden, kann der User einen Clip in der Timeline aktivieren und mit der Maus über das Symbol fahren, um den Effekt sofort in der Vorschau zu sehen.
Filter-Einstellung wie das „Perspektivische Kacheln“ können direkt im Vorschaufenster bearbeitet werden. Auch hier finden sich weitere Parameter und Keyframes in den Effekt-Einstellungen.
Effekte, Farbkorrekturen und Animationen können aus einem Clip in der Timeline aufgerufen werden.
Animations-Optionen wie Farbe, Skalierung, Rotation, Deckkraft und Verzerren erscheinen bei optional über dem Clip in der Timeline und erlauben damit eine schnellere Bearbeitung.
Zu rendernde Elemente werden mit einem orangefarbenen Streifen in der Timeline angezeigt. Nach einigen Sekunden startet das Rendering, dessen Prozess anhand einer kleinen Uhr im Timecode-Fenster angezeigt wird.
Statt einer Bandausgabe kann man einen Film nur noch als QuickTime-Datei oder als DVD beziehungsweise Blu-ray ausgeben.
Zum Upload auf YouTube, Facebook und Vimeo stehen direkte Bereitstellungs-Optionen zur Verfügung.
Der ehemalige Browser ist der von iMovie bekannten Ereignis-Mediathek zum Opfer gefallen, die Clips erscheinen nur noch als Filmstreifen, Viewer und Canvas sind einem einzigen Vorschaufenster gewichen, und die Timeline besteht jetzt aus "Handlungen". Material lässt sich auch nicht mehr von Band einspielen (es fehlt das "Loggen- und Aufnehmen"), sondern nur noch von bandlosen Kameras oder als Dateien importieren.
Im Gegenzug unterstützt Final Cut Pro X neue, beliebte Formate wie AVCHD oder Material von Spiegelreflexkameras (DSLR) in H.264 nativ. Weggefallen ist jedoch das RED-Format, welches vor allem in der Kino- und Werbeproduktionen häufig eingesetzt wird.
Man kann Projekte nicht mehr frei auf der Festplatte anlegen, sondern bestimmt bereits beim Import ein neues "Final Cut Pro Event" wo sowohl die Medien als auch eine "CurrentVersion" abgelegt wird. Diese wiederum stehen (bis zum Löschen) in der Mediathek zur Verfügung.
Ähnlich wie bei iMovie lassen sich importiere Clips analysieren und automatisch nach der Anzahl der Personen oder der Art der Einstellung (eine Person, eine Gruppe, Nahaufnahme, Totale) sortieren. Das klappt im Test erstaunlich gut. Außerdem kann man mehrere ähnliche Einstellungen zu "Alternativen" zusammenfassen und später in der Timeline entscheiden, welchen Clip man nutzen will.
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