Von Andreas Zerr - 30.05.2011, 08:38

Test Videoschnittsoftware

Adobe Premiere Pro CS 5.5

Adobe Premiere Pro CS 5.5 bringt von allem ein bisschen mehr. Ob sich die neuerliche Aktualisierung der Videoschnittsoftware lohnt, klärt unser Test von Premiere Pro.
Wie üblich unterstützt auch die neue Version von Premiere wieder mehr Formate, im speziellen das R3D-Format mit neuen Quelleinstellungen. So lassen sich RMD-Files (Red Meta Data) für die Farbbestimmung im Quellfenster sowohl festlegen als auch speichern und später wieder aufrufen. Auch die Echtzeit-Fähigkeit von Effekten und Multiformat-Timelines wurde dank aktualisierter Mercury-Engine verbessert, wovon in unseren Tests im Vergleich zur Vorversion allerdings nur wenig zu spüren ist.

Mehr Final Cut Pro

Warf man Apple in früheren Versionen von Final Cut Pro noch vor, von Premiere abgekupfert zu haben, so hat Adobe in Premiere 5.5 viele Funktionen bei Apple abgeschaut. So kann man zum Beispiel Material aus dem Quellfenster per Drag-and-Drop in das Programmfenster ziehen und zwischen den Schnittmethoden "Überschreiben" und "Einfügen" wählen. Auch ist es möglich, die Tastatur-Voreinstellungen von Final Cut Pro zu laden, um sich auch als FCP-Anwender besser und schneller in Premiere einzuarbeiten.
Ebenfalls von Final Cut Pro stibitzt hat Adobe die "Merge Clips"-Funktion, die das Zusammenführen von mehreren Audio- und Videospuren zu einem Clip ermöglicht, was vor allem bei externen Audioaufnahmen hilfreich ist. Die Synchronisierung von Bild und Ton erfolgt hierbei manuell oder automatisch über einen integrierten Timecode.

Mehr Workflow

Final-Cut-Pro-Anwendern werden die verbesserten Workflows von Premiere mit After Effects und Audition ebenfalls bekannt vorkommen. So kann man eine Timeline inklusive aller enthaltenen Clips als Projekt an die Studio-Software Audition senden, ohne dabei die Schnitte und Einzelelemente zu verlieren. Ebenfalls nach ähnlichem Prinzip wie Final Cut Pro und Motion sendet der Anwender einen Clip an After Effects, wobei das Element in der Premiere-Timeline durch die After-Effects-Komposition ersetzt wird.
Weiterhin verbessert hat Adobe den Media Encoder, der jetzt nicht nur neue Formate sondern auch Watchfolder unterstützt. So lassen sich Schnittsequenzen ohne vorherigen Export direkt in das Encoder-Fenster ziehen und in ein (oder mehrere) Formate umkodieren.
Adobe hat die Voreinstellungen sowohl um gängige Videoportale wie You Tube, Vimeo oder Tivo als auch um verschiedene Geräte wie iPod, iPhone und iPad erweitert. Leider findet sich allerdings kein HD-Format für das iPad, so dass man zumindest in den Voreinstellungen auf 640 mal 360 Pixel beschränkt bleibt. Wer häufiger Komprimierungen durchführt, kann im Media Encoder zusätzlich "Überwachte Ordner" anlegen, um Kodierungsprozesse zu automatisieren.

Empfehlung

Obwohl Adobe einige nützliche Funktionen hinzugefügt und vor allem die Workflows verbessert hat, bleibt es für einen Großteil der Anwender zweifelhaft, ob sich das Upgrade auf CS 5.5 lohnt. Wer nicht wirklich die gesamte Produktpalette von Premiere, Photoshop, After Effects und Audition nutzt, kann getrost mit der alten Version weiter arbeiten und verpasst keine relevante Aktualisierung. Einzig dem wechselwilligen Final Cut Pro Anwender macht Adobe die Entscheidung für Premiere CS 5.5 nun schmackhafter. Andreas Zerr
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