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Test: iWork-Apps für OS X

05.11.2013 | 11:11 Uhr |

Viele Anwender haben schon seit langem auf ein Update für Pages, Numbers und Keynote gewartet. Nun sind die neuen Versionen da noch dazu kostenlos, doch bei vielen ist die Enttäuschung groß

Die neuen iWork-Programme Pages 5.0 , Numbers 3.0 und Keynote 6.0 hat Apple als Update angekündigt, bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich aber als komplett neue Programme unter altem Namen. Darum ersetzen sie auch nicht die alten Versionen, sondern werden zusätzlich installiert. Die Programme sind als 64-Bit-Anwendungen neu entwickelt worden, haben neue Dokumentformate, die erstmals unter OS X und iOS identisch sind, eine komplett renovierte Oberfläche und viele Funktionen, die man nun anders bedient als bisher oder die – in nicht geringem Ausmaß – auch komplett weggefallen sind.

Einige Neuerungen sind auch zu finden, so zum Beispiel mehr unterstützte Sprachen, von rechts nach links laufender Text, neue Diagrammarten und Übergänge sowie neue Vorlagen. Außerdem sind die Programme jetzt kostenlos bei jedem neuen Mac dabei, man muss sie aber noch aus dem App-Store laden.

Neues Dateiformat

Eine grundlegende Änderung ist das neue Dateiformat, das unter OS X und iOS sowie in iCloud identisch ist. Wegen der neuen Formate kann man die Dokumente aber nicht mehr mit den Vorgängerversionen der Programme öffnen. Es gibt jedoch jeweils eine Exportoption für das alte Format. Dummerweise lässt sich eine solche exportierte Datei nicht per Doppelklick öffnen, da dann wieder die neue Version des Programms gestartet wird. Das gilt auch beim Doppelklick auf Dokumente, die man mit den früheren Versionen erstellt hat, denn auch diese werden mit den neuen iWork-Programmen geöffnet. Um das zu ändern, muss man den Dateien im Finder über das Informationsfenster die alten Programme zuweisen, und zwar für jedes Dokument einzeln. Denn die Option „Alle ändern“ lässt sich nicht verwenden, da Mavericks einfach die neue Version einstellt, wohl ein Fehler im System. Außerdem muss man darauf achten, dass die neuen Programme nicht geöffnet sind, wenn man eine alte Datei doppelt anklickt, da sie sonst vom neuen Programm geöffnet wird, egal, was man im Informationsfenster eingestellt hat. Besser wäre es wohl gewesen, wenn Apple für die neuen Dateiformate auch neue Dateikennungen eingerichtet hätte, um beide Dateitypen sicher voneinander zu unterscheiden. Denn die neuen Programmversionen unterstützen etliche Optionen und Funktionen der alten Programme nicht mehr, die dann beim versehentlichen Öffnen und Sichern verloren gehen können.

Einfache Bedienung

Ein großer Vorteil der neuen iWork-Programme ist die übersichtliche und einfach zu bedienende Oberfläche. Alle wichtigen Optionen sind in der auf der rechten Seite einblendbaren Werkzeugleiste zusammengefasst, die ihren Inhalt jeweils an das im Dokument markierte Objekt anpasst. So stehen immer nur diejenigen Werkzeuge zur Verfügung, die man momentan anwenden kann, und zwar alle an einem Platz. So findet man beispielsweise auch die Bildeinstellungen inklusive der Maskierung und die Optionen zum Anordnen von Objekten griffbereit in der Werkzeugleiste und nicht mehr nur im Menü. Sehr übersichtlich ist auch die Darstellung der Formeln in der Werkzeugleiste, wenn man die Formeleingabe aktiviert, zudem gibt es für jede Formel eine ausführliche Erklärung. Markiert man mehrere Zellen in einer Tabelle, blenden sich automatisch Berechnungsoptionen unten im Fenster ein, und man zieht das gewünschte Ergebnis wie Mittelwert oder Summe per Maus in die angrenzende leere Zelle. Zudem kann man wählen, welche der Formeln für diesen Automatismus eingeblendet werden sollen. Für Neueinsteiger erleichtert das die Arbeit, altgediente Anwender müssen sich an die Neugestaltung aber erst gewöhnen. Soweit möglich sind die Werkzeuge in allen drei Programmen identisch angeordnet, man findet sich so beim Wechsel zwischen den Anwendungen schnell zurecht. Auch die Symbolleisten der Programme unterscheiden sich kaum, bearbeiten lassen sie sich aber nicht mehr.

Da sowohl Pages als auch Keynote Tabellen und Diagramme verwenden, muss man die dazugehörigen Werkzeuge nur einmal erlernen. Einen Unterschied gibt es aber bei den Diagrammen. Während man in Numbers die Werte aus einer schon vorhandenen Tabelle übernehmen kann, muss man in Keynote und Pages diese im Fenster „Diagrammdaten“ eintippen oder dorthin kopieren. Außerdem kann man in Pages und Keynote nicht wie in Numbers beim Eintippen von Werten mit der Tabulatortaste zur nächsten Zelle springen, sondern muss dort zusätzlich die Wahltaste („alt“) gedrückt halten. Hier wäre ein einheitliches Verhalten wünschenswert. Die Werkzeuge für Formen und zum Zeichnen sowie die Optionen zum Bearbeiten der Bilder verhalten sich dagegen in allen drei Anwendungen gleich.

Im Fenster „Bildeinstellungen“ gibt es nun wie in iPhoto auch Regler für die Lichter und Schatten, und bei den Werkzeugen zum Anordnen von Objekten sind neue Optionen zum Vereinen und Ausstanzen mehrerer Objekte hinzugekommen. Pages blendet die Zahl der Wörter nun in einem kleinen Fenster ein, da die untere Fensterleiste wegrationalisiert wurde. Man kann alternativ auch die Anzahl der Zeichen oder der Absätze anzeigen lassen, die Umstellung nimmt man über ein verstecktes Aufklappmenü vor. Leider haben die Programmierer bei der Zählung der Zeichen die Leerzeichen weggelassen, weshalb diese Option nur die halbe Miete ist. Die aktuelle Seite wird in Pages aber nicht mehr angezeigt, und die Zoomeinstellung ist in allen Programmen in die Symbolleiste gewandert.

Überarbeitet und übersichtlich gestaltet hat Apple auch die Hilfe, die jetzt aber einen Internetzugang voraussetzt, da sie im Browser aus dem Netz geladen wird. Anstatt über die linke Seitenleiste, die es nicht mehr gibt, organisiert man in Numbers 3.0 die Blätter nun über Tabs, und zwischen den Tabellen auf einem Blatt wechselt man über ein Aufklappmenü im jeweiligen Tab. Das ist zuerst ungewohnt, funktioniert aber problemlos.

Layout adé

Eine Besonderheit von Pages war bisher die Doppelfunktion als Textverarbeitung und Layoutprogramm. In letzterer Arbeitsumgebung konnte man ähnlich wie in Indesign oder Xpress arbeiten und alle Objekte frei auf der Arbeitsfläche platzieren, Seiten an beliebiger Stelle einfügen, verschieben und löschen, sich Hilfslinien aus den Linealen auf die Seite ziehen und mit Doppelseiten arbeiten. Diese Arbeitsumgebung gibt es im neuen Pages nicht mehr. Es gibt jedoch weiterhin eine abgespeckte Layoutoption, wozu man unter „Konfigurieren > Dokument“ die Option „Dokumenttext“ ausschaltet. Dann kann man Objekte auf den leeren Seiten wie gewohnt manuell anordnen und in den Miniaturen neue Seiten einfügen (Menü „Einfügen > Seite“) und Seiten löschen („Bearbeiten > Löschen“), die Seiten aber nicht neu anordnen. Das senkrechte Lineal und die aus dem Lineal zu ziehenden Hilfslinien fehlen aber, während es sie interessanter Weise in Numbers und Keynote weiterhin gibt. Die sich automatisch einblendenden Hilfslinien beim Ausrichten von Objekten aktiviert man wie bisher in den Voreinstellungen. Dem neuen Pages zum Opfer gefallen sind außerdem die verknüpften Textrahmen in Layoutdokumenten sowie die Möglichkeit, Diagramme und Tabellen auf der Seite zu drehen. Letzteres trifft auch auf Numbers und Keynote zu.

Dokumente gestalten

Gut gelöst ist die Arbeit mit Stilvorlagen . Es gibt sie nicht nur für Text, sondern auch für Bilder, Textfelder, Diagramme und grafische Objekte, und man kann auch selbst Objekte formatieren und dann als neuen Stil speichern. Auch für Tabellen bieten die Programme Stile. Diese verhalten sich jedoch anders als die anderen Objektstile und man kann auch keine selbst formatierte Tabelle als neuen Stil speichern. Die alte Version von Numbers kann dies dagegen. Hier sollte Apple für eine bessere Übereinstimmung zu den anderen Objektstilen sorgen. Absatzstile sind nicht nur in den Vorlagedokumenten angelegt, sondern auch in neuen, leeren Dokumenten vordefiniert und lassen sich so schnell anwenden. Sobald man an einem Text etwas verändert, erscheint ein Button „Aktualisieren“ neben dem Namen der verwendeten Vorlage und man kann die Änderungen mit einem Klick in den Stil übernehmen. Altgediente Anwender werden aber die Möglichkeit vermissen, den Stilvorlagen Tastenkürzel zuzuweisen. Alle verfügbaren Stile lassen sich per Mausklick einblenden und man kann Stile auch löschen, wenn man sie nicht benötigt. Nicht verständlich ist, dass die Textstile in einer Tabelle zwar für den markierten Text angezeigt, aber nicht aufgelistet werden. Für Hervorhebungen im Text gibt es zusätzlich Zeichenstile, die sich ebenfalls per Klick auf „Aktualisieren“ den Änderungen im Dokument anpassen lassen.

Ein neues Gestaltungselement in iWork 2013 sind interaktive Diagramme, bei denen entweder durch einen Mausklick oder mithilfe einer Animation in Keynote zwischen den Kategorien gewechselt wird. Diese Diagramme sind natürlich nur in Präsentationen oder bei Dokumenten sinnvoll, die auf einem Bildschirm gezeigt werden. Eine weitere Neuerung sind die Blasendiagramme , die ähnlich wie Streudiagramme funktionieren, bei denen aber die Größe der „Blasen“ einen dritten Wert verdeutlicht.

Weniger statt Mehr

Außer der Layoutumgebung sind in Pages 5.0 noch weitere Funktionen weggefallen. Dazu gehören unter anderem die Serienbrief- und Absenderfelder, sodass man beispielsweise keine Adressen mehr per Drag-and-drop aus den Kontakten in ein Dokument einfügen und keine Serienbriefe verschicken kann. Die Gliederungsansicht und erstaunlicher Weise auch die erweiterte Suche gibt es ebenfalls nicht mehr. So lassen sich jetzt keine Steuerzeichen mehr suchen und ersetzen, was sogar mit Text-Edit möglich ist, auch wenn sich die Steuerzeichen dort nicht einblenden lassen. Sogar in Sachen Typografie muss sich Pages von Text-Edit noch eine kleine Scheibe abschneiden lassen. Denn während sich in Text-Edit über die Palette „Schriften“ die Typographieoptionen in Open-Type-Schriften mit erweitertem Zeichensatz problemlos anwenden lassen, funktioniert das im neuen Pages nicht. Ebenfalls nicht mehr verfügbar im neuen Pages ist die Möglichkeit, nicht zusammenhängende Texte mit gedrückter Befehlstaste („cmd“) zu markieren, auch das können Text-Edit und das alte Pages problemlos.

In Numbers 3.0 fehlen unter anderem die Kategorien, die man in der alten Version in Tabellen als Gliederungselemente einfügen konnte, sowie die Option „Umorganisieren“, mit der man nach mehreren Spalten gleichzeitig sortieren konnte, um beispielsweise in einer Adressliste zuerst nach Ort und dann nach Name zu sortieren. Auch die Möglichkeit, nur ausgewählte Zeilen zu sortieren, ist weggefallen.

Keynote-Anwender müssen in Version 6.0 auf etliche Übergänge verzichten, sowie auf Verknüpfungen zu anderen Keynote-Präsentationen. Letzteres gilt auch für Verknüpfungen zu anderen Dokumenten in Pages sowie für die in der Vorgängerversion erstellten Lesezeichen. In Numbers lassen sich die Blätter nicht mehr in einer Druckansicht bearbeiten. Die Druckansicht gibt es jetzt nur noch nach dem Aufrufen des Druckbefehls. Bearbeiten kann man die Objekte dort nicht, jedoch über einen Schieberegler die Größen verändern, um beispielsweise eine Tabelle auf die Seitengröße zu skalieren. Und warum Pages nun keine RTF-Dateien mehr öffnen und speichern und somit auch nicht mehr mit Text-Edit und anderen Textverarbeitungen austauschen kann, bleibt uns ein Rätsel. Auf die Word-Formate „.doc“ und „.docx“ versteht sich Pages aber weiterhin beim Öffnen und Exportieren, wie bisher gibt es in manchen Fällen kleinere Abweichungen.

Kommentare und Änderungsmarkierungen bleiben beim Austausch zwischen beiden Programmen erhalten. Sie werden in Pages nun aber nicht mehr gesondert in einer Seitenleiste aufgelistet, sondern jeweils an Ort und Stelle eingeblendet, wenn man sich durch die Anmerkungen und Änderungen per Pfeiltaste bewegt. Power-User werden zudem bemerken, das sich Numbers gar nicht mehr per Apple-Script steuern lässt, und in Pages so gut wie alle Script-Befehle weggefallen sind. Nur in Keynote ist etwas mehr übrig geblieben. Und noch eine nicht nachvollziehbare Änderung: Im Vorlagenfenster der Programme fehlen nun die Möglichkeiten, zuletzt verwendete Dokumente oder eine vorhandene Datei zu öffnen. Und stellt man in den Vorgaben der Programme ein Dokument als Standard ein, gibt es keinen Menübefehl mehr, um auf die Vorlagen zuzugreifen.

Empfehlung & Fazit

Apple ist es nicht gelungen zu kommunizieren, dass es sich bei Pages 5.0, Numbers 3.0 und Keynote 6.0 eigentlich nicht um Updates, sondern um neue Programme unter altem Namen handelt, und hat es zudem versäumt, die alten und neuen Dokumente so voneinander zu trennen, dass man alte Dateien nicht versehentlich öffnen und damit eventuell Inhalte zerstören kann, die von den neuen Programmversionen nicht mehr unterstützt werden. Für sich gesehen sind die neuen Programme nämlich keine schlechten Anwendungen und lassen sich vor allem aufgrund der übersichtlichen Oberfläche wesentlich einfacher bedienen als bisher, auch wenn es an einigen Stellen noch Ungereimtheiten gibt. Hinzu kommt der nahtlose Austausch mit iPad und iPhone und die Bearbeitungsmöglichkeit über iCloud, wobei letztere Option sich immer noch im Betastadium befindet und deshalb noch Fehler aufweist und weiterhin nur in Englisch verfügbar ist. Jeder, der viel mit Pages, Numbers und Keynote gearbeitet hat muss darum genau prüfen, ob er seine bisherige Arbeitsweise auch mit den neuen Programmversionen weiterführen kann. Ansonsten ist es besser, die neuen Versionen vorläufig wieder vom Rechner zu löschen, um nicht versehentlich in der falschen Programmversion geöffneten Dokumenten kämpfen zu müssen.

iWork für OS X

Hersteller: Apple

Preis: kostenlos

Gesamtnote: 2,6 befriedigend

Funktionsumfang (40%)                3,5

Leistung (20%)                             3,0

Bedienung (30%)                          1,3

Hilfe/Dokumentation (10%)           2,0

Vorzüge : Einfach zu bedienen, gute Integration zwischen den Anwendungen, identisches Dateiformat zu iOS

Nachteile : Viele Funktionen aus den alten Versionen weggefallen, keine Trennung zwischen altem und neuem Dateiformat, Hilfe nur bei Online-Verbindung,

Alternativen: Office 2011, Nisus Writer, Mellel, Libre Office, Open Office

Systemanforderungen: Ab OS X 10.9

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